!!! DANKE FÜR ÜBER EINE MILLION SEITENAUFRUFE UND ÜBER 600.000 LESER !!!


 

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Es ist geschafft!

Mein investigativer Journalismusblog hat die magische Grenze von

1 Million

Seitenaufrufe geschafft!

Über

600.000 Menschen

aus fast allen Ländern der Welt haben bislang meine Artikel gelesen.

Das ist großartig, das ist klasse und ich kann meinen treuen Lesern nur eines sagen:

DANKE!!!

Danke für das Vertrauen, für die Kommentare und Meinungen, für die Kritik und die Treue.

Ich verspreche so weiterzumachen, wie bisher auch!

Mit kritischem Blick auf das Zeitgeschehen. Mit fundierten Hintergrundanalysen, seriösen Recherchen und Enthüllungen.

Mutig, engagiert und ohne Scheu Tabus zu brechen!

Politik, Wirtschaft und Medien kann ich nur eines sagen:

GuidosKolumneNEU3

In diesem Sinne,

Ihr und Euer

 

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Quelle: 1000000.png and Datei:Wikipedia-de-ErsteMillion-135.png; Wikipedia logo by Nohat (concept by Paullusmagnus); compare Wikipedia



 

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Bezness – Das kriminelle Geschäft mit der Urlaubsliebe


GuidosKolumneNeu
    377 (38/2014)

 

Bezness:

Das kriminelle Geschäft

mit derUrlaubsliebe

 

Teil 1 – 14

 

Sommer, Sonne, große Gefühle! Dieser Traum wird für immer mehr Frauen zum Albtraum. 5.000 deutsche Urlauberinnen, so Experten, fallen jedes Jahr auf Liebes-Betrüger herein.
Hier meine große Dokumentation, die ich investigativ für BILD DER FRAU in Kenia und in der Türkei gedreht habe.

 

Meine große Bezness-Reportage “Auf den Spuren der Liebesmafia” ist so aktuell wie zuvor. Fast wöchentlich bekomme ich Zuschriften von betroffenen Opfern.

Sommer, Sonne, große Gefühle –  was so traumhaft beginnt, wird für immer mehr Frauen zum Albtraum. Denn schon längst lauern im Urlaub Liebesbetrüger, denen es  langfristig nur um zwei Dinge geht: um das Geld der ahnungslosen Touristinnen oder eine Hochzeit mit ihnen, um sich so eine Aufenthaltsgenehmigung für Europa zu ergaunern. Die Gefühls-Gangster sind organisiert und arbeiten systematisch. Alleine 2012, so Experten, sind 5000 Frauen auf die Betrüger hereingefallen. Ein Millionengeschäft.

Wir wollten herausfinden, wie die Liebesmafia wirklich arbeitet und mit welchen Tricks Frauen in die Falle gelockt werden. Reporterinnen und Reporter sprachen mit Opfern, Tätern, Behörden – und recherchierten mit versteckter Kamera in Touristenzentren in der Türkei und in Kenia.

 

Hier gibt’s den Überblick über die gesamten 14 Teile:

http://www.bildderfrau.de/world/communaute/search/search.asp?kw=bezness&personalKey=-178270572

http://www.bildderfrau.de/world/communaute/search/search.asp?kw=bezness&p=2

 

Versteckt gedreht haben wir in der Türkei und in Kenia. Der Dreh hat uns allen – vom Kamera-Team bis zu unseren weiblichen Lockvögeln aus der Bild der Frau-Redaktion – alles abverlangt.

An dieser Stelle noch einmal meinen Respekt an die Reporterinnen, die wahrhaft viel ertragen mussten!

 

Nachfolgend ein Interview zum Thema, das ich „Bild der Frau“ gegeben habe (ungekürzt):

Anmerkung: Von Bezness können Frauen und Männer betroffen sein. Ich konzentriere mich bei meinen Antworten auf die Frauen.

1. Was bedeutet Bezness genau?
Bezness ist das Geschäft mit vorgespielter Liebe. Eigentlich verwende ich den Terminus „Gefühlskriminalität“, der wohl am ehesten zutrifft. Der Begriff ist zusammengesetzt aus dem deutschen Wort „Beziehung“ und dem englischen Wort „Business“. Das ist systematischer, oft auch organisierter, interkultureller Heiratsschwindel und hat nichts mit Sextourismus zu tun. Jährlich fließen Millionen Devisen in die Taschen der Betrüger. Die jeweiligen Regierungen machen nichts dagegen, stellen sich blind, taub und stumm. Übrigens auch die deutsche, obwohl das Problem schon lange im Auswärtigen Amt, den Innenministerien und den jeweiligen Botschaften bekannt ist, wie meine Recherchen ergaben. Das Geschäftsmodell Bezeness läuft aber auch über die virtuelle Welt: In Internetchats. Die dunkelste Seite dieser Gefühlskriminalität wird jedoch zumeist verschwiegen: Viele Beznesser, die durch eine Heirat mit einer Urlaubsbekanntschaft ins westliche „Schlaraffenland“ gekommen sind, fühlen sich hier nicht zu Hause. Nicht wenige entführen dann ihre eigenen Kinder in ihr Heimatland, die aus der bi-nationale Ehe hervorgegangen sind. Diese sind die eigentlichen Opfer. Die Mütter haben in diesen Ländern zumeist keine Rechte. Es ist fast unmöglich ihre Kinder wieder „legal“ zu sich zu holen.
2. In welchen Ländern kommt das besonders oft vor?
Bezness kommt überwiegend in orientalisch-islamischen und afrikanischen Ländern vor – und da vor allem in den beliebten Urlaubsländern, wie (vor der Arabellion) Ägypten, Tunesien und Marokko. Aber auch in der Türkei, in der Dominikanischen Republik und in Kenia tummeln sich die Gefühlsgangster. Also genau in den Hochburgen des Massentourismus, die auch von den deutschen Urlaubern bevorzugt werden.

 

3. Wie gehen die Betrüger vor? Gibt es da ein typisches Schema? (Wie umgarnen sie die Frauen)
Als erstes werden die Frauen von den Beznessern „ausgespäht“. Denn nicht jede Touristin erfüllt die Voraussetzungen als Opfer. Die Frau muss genügend Geld haben – wobei die Ansprüche, je nach Land, unterschiedlich sind – und sie muss entweder Single sein, geschieden oder verwitwet. Denn durch eine (schnelle) Heirat wollen viele Beznesser den Aufenthaltsstatus in Europa, in Deutschland bekommen. Natürlich werden auch verheiratete Frauen fixiert, die alleine Urlaub machen. Es gibt nicht wenige Fälle, in denen sich Frauen nach dem Urlaub von ihrem daheimgebliebenen Partner wegen der großen „Urlaubsliebe“ trennen. Ist eine Frau als Opfer ausgesucht, wird Kontakt mit ihr aufgenommen. Zumeist durch Komplimente, Flirts, zufällige Berührungen des Beznessers (Kellner, Animateur, Rezeptionist, Taxifahrer, Beachboy, Souvenirverkäufer etc.). Verabredungen folgen -romantische Rendezvous am Strand. Im Mond- oder Kerzenschein. Dann kommen die ersten Zärtlichkeiten mit ins Spiel: Händchenhalten, streicheln, küssen und dann der Sex. Natürlich muss alles schnell gehen: Die Urlauberin ist in den meisten Fällen höchstens drei Wochen da, manchmal sogar nur eine Woche. Die Jungs müssen also richtig Gas geben.
4. Können Sie Beispiele nennen?
Eine Betroffene – ich nenne sie Simone – fiel auf einen Animateur in Side herein: Nach einer Blitzheirat reiste er nach Deutschland. Hier musste ihn Simone finanziell aushalten. Arbeiten wollte er nicht. Es gab oft Streit, der einstige Märchenprinz verwandelte sich in einen Haustyrann. Simone wurde ungewollt schwanger aber das rettete die Ehe nicht. Im Gegenteil. Nach Handgreiflichkeiten trennte sie sich schließlich von ihm – einige tausend Euro ärmer. Eine andere Frau, Ursula (52), lernte in Kenia einen fast halb so alten Beznesser, einen Beach Boy kennen, der sie „verliebt gemacht“ hat, so erzählte sie mir. Auch hier folgte die Heirat schon nach wenigen Monaten. Er zog ins fremde Land, zu Ursula. Eine Zeitlang ging alles gut, dann stellte sich heraus, dass sie nicht die einzige Touristin war, mit der er sich eingelassen hatte. Zudem war er schon in Kenia verheiratet und hatte eine Tochter. Das Ende des Urlaubstraumes: Die beiden ließen sich scheiden und Ursula war zigtausende Euro ärmer…
5. Wieso fallen die Frauen darauf herein?
Die Opfer werden regelrecht „eingelullt“, wie vorangehend beschrieben. Das Klientel ist ja nicht die 20 – 30jährige Frau, sondern ab 40 aufwärts. Ungenierte Flirts, das Gefühl, etwas ganz Besonders zu sein, hören diese Frauen auch nicht jeden Tag. Vielleicht ist es schon Jahrzehnte her. Das macht anfällig. Sie verlieben sich – einseitig natürlich. Gefühle schalten den Verstand aus. Bei meinen Undercover-Recherchen hat mir ein türkischer Hotelangestellter verraten, dass die „Zauberformel“ folgendermaßen aussieht, um jede Frau abzuzocken: Aufmerksamkeit, Komplimente, Flirts, Gefühle und guter Sex.
6. Woran erkennt man den Betrug?
Beznesser kommen schnell zur Sache – und das in jeder Hinsicht. Sobald das Vertrauen der Frau gewonnen ist, das Netz des Verliebtseins gespannt ist, kommen die ersten Forderungen: Geld oder materielle Dinge. Die Gründe dafür sind immer dieselben: Anscheinend kann der Beznesser den Krankenhausaufenthalt eines nahen Verwandten nicht bezahlen oder eine OP steht an, es gab einen Unfall, das Moped wurde gestohlen und so weiter…Daran erkennt man sehr schnell den Betrug: an den finanziellen oder materiellen Forderungen! Dabei heißt es doch, dass bei Geld die Freundschaft aufhört, oder nicht? Wenn Urlauberinnen dies als Maßstab nehmen, dann sind sie gut beraten. Gegen bi-nationale Beziehungen, gegen Multikulti-Flirts und heiße Urlaubsnächte hat niemand etwas. Wohl aber gegen Gefühlskriminalität und Heiratsschwindel.
7. Wie kann man sich schützen?
Genau beobachten: Männer meiden, die viel jünger als man selbst ist und sich eindeutig „schnell“ an einen heranmachen: Vor allem: Sobald finanzielle oder materielle Forderungen gestellt werden, den Kontakt sofort abbrechen! Das ist wohl der beste Schutz, den es gibt, um sich nicht weiter in ein Gefühlsnetz zu verstricken, aus dem man sich später nicht mehr befreien kann.

 

8. Was kann man tun, wenn man Opfer von Bezness wird?
Der Gang zu den Behörden ist nicht nur schwer, sondern zumeist auch hoffnungslos. Da sich Bezness in zumindest zwei Ländern (Heimat- und Urlaubsland) abspielt, sind die Zuständigkeiten nur unzureichend geklärt. In den Heimatländern der Beznesser haben die Frauen zumeist keine Rechte. Selbst wenn der Beznesser beispielsweise wegen Kindesentzug mit einem internationalen Haftbefehl gesucht wird, hat er in seinem Land nicht viel zu befürchten. Dennoch muss eine Kindesentführung, Gewalt oder Betrug angezeigt werden. Wegen einer allgemeinen Beratung können sich Betroffene an die einzige Anlaufstelle für Beznessopfer wenden: http://www.CiBeV.de. Erwähnen möchte ich noch: Bezness hat nicht nur große finanzielle Auswirkungen auf die Opfer, sondern auch psychische (Erkenntnis, dass die Ehe/Beziehung auf einer Lüge aufgebaut war, Verlust des Selbstwertgefühls, Ängste um sich und die eigenen Kinder, Depressionen, man gibt sich die Schuld an allem, man schämt sich etc.) und soziale (man grenzt sich von der Gemeinschaft aus oder aber wird von ihr isoliert, als Sextouristin stigmatisiert, die selbst Schuld an ihrer Misere hat). Oftmals gehen Bezness-Beziehungen auch mit körperlicher Gewalt einher.

 

9. Haben Sie Zahlen für einen Infokasten? Fallzahlen, Geldsummen oder Ähnliches?
Alles spielt sich in einem Grau- und Dunkelbereich ab. Deshalb sind Zahlen schwer zu beziffern. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich rund 5000 deutsche Urlauberinnen auf Gefühlsgangster hereinfallen. So schätzt CiB e.V., dass jährlich ein Schaden für das deutsche Sozialsystem von rund 1,5 Milliarden Euro durch die Bezness-Mafia verursacht wird.

 

 

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DENKEN SIE IMMER DARAN:

SIE HABEN EIN RECHT AUF DIE WAHRHEIT!

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Ein persönliches Wort


GuidosKolumneNeu

 

 

Ein persönliches Wort an meine treuen Leser!

 

Vielen Dank für das seit Jahren anhaltende Vertrauen. Nicht nur in meine Person als kritischem Journalisten, Publizisten und Filmemacher, sondern auch allgemein in den investigativen Journalismus, der leider immer mehr versiegt. Nach wie vor versuche ich diesen  – und zumeist über die neuen Medien-  mit meinen Recherchen an Sie und euch weiterzugeben.

So sind insgesamt annähernd 700 kritische Wirtschafts-, Politik- und Gesellschaftscontents- und Artikel für nationale und internationale Medien entstanden, etwa 30 Printbücher und E-Books (auch unter Pseudonym) und rund 300 Filmbeiträge für in-und ausländische TV-Produktionen,  an denen ich mitgewirkt habe.

Diese Bilanz habe ich nur Ihnen und euch zu verdanken!

 

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Aufgund des großen Erfolges werde ich zukünftig meine alle Artikel  in

 

GuidosKolumneNeu

 

 

 

 

 

 

unterbringen, die schon jetzt für viele „Kult“ geworden ist.

 

 

Zudem habe ich vor, dem „Outside-Rebel“ Hemingway Cash Bukowski  eine Plattform zu bieten, dessen sozial- und politischkritische Gedichte einfach jeder lesen sollte!

Seine Facebook-Seite wurde gesperrt und er hat auch sonst genug Probleme mit diversen Figuren am Hals, die ihn „mundtot“ machen wollen. Solidarität ist da angesagt.

 

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http://outsiderebel.wordpress.com/

 

 

Mein Blog wird in folgenden Ländern gelesen:

 

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Zimbabwe FlaggeZimbabwe
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Syrian Arab Republic FlaggeSyrian Arab Republic
Cuba FlaggeCuba
Trinidad and Tobago FlaggeTrinidad and Tobago
Kuwait FlaggeKuwait
Equatorial Guinea FlaggeEquatorial Guinea
Tanzania, United Republic of FlaggeVereinigte Republik Tansania
Swaziland FlaggeSwaziland
Isle of Man FlaggeIsle of Man
El Salvador FlaggeEl Salvador
Saint Lucia FlaggeSaint Lu

Das ist einfach fantastisch!

Neue Aufgaben warten auf mich und mein Team: So möchte ich demnächst das wohl erste deutschsprachige E-Magazin für Enthüllungsjournalismus und Hintergrundanalysen weiter voranbringen, in dem unregellmäßig Artikel, Rechercheergebnisse und Dokumente veröffentlicht werden, die oftmals zu “heiß”, zu unbequem für den Mainstream oder politisch nicht gewollt sind.

 

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https://guidograndt.wordpress.com/leaks-journal-e-magazin-fur-enthullungsjournalismus-und-hintergrundanalysen/

 

 

Außerdem möchte ich meinen Verlag

 

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weiter ausbauen

 

http://gugra-media-verlag.de/

 

Zudem bin ich noch mit meinem gugra-Media-Recherchebüro beschäftigt.

 

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https://guidograndt.wordpress.com/rechercheburo/

 

Das alles kostet nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Geld.  So hoffe ich, dass Sie und ihr mich weiterhin unterstützt und für unabhängigen, investigativen Journalismus bereit seid, die wenige Euro auszugeben, die meine/unsere Bücher/E-Books, Magazine und DVDs auf dem Markt kosten.

Nur so kann mein Team und ich weitermachen.

Denn „Feinde“, Neider und Kritiker haben wir genug, die nur darauf warten, dass wir das Handtuch werfen.

So warten also viele neue „heiße“, investigative und Tabubrechende Themen auf Sie und euch. Denn eines darf niemals passieren:

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Noch einmal – ein herzliches Dankeschön an alle meine Leser im In- und Ausland!

Ich verspreche Ihnen und euch, weiterzumachen, damit die Eliten und die „Großen“ da oben wissen:

 

GuidosKolumneNEU3

 

In diesem Sinne, Ihr und Euer

Guido Grandt

 

 

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Meine große Bezness-Reportage: „Auf den Spuren der Liebensmafia“ – bei BILD DER FRAU


Endlich ist es soweit: Meine große Bezness-Reportage „Auf den Spuren der Liebesmafia“ ist bei den Kolleginnen von Bild der Frau online:

Sommer, Sonne, große Gefühle –  was so traumhaft beginnt, wird für immer mehr Frauen zum Albtraum. Denn schon längst lauern im Urlaub Liebesbetrüger, denen es  langfristig nur um zwei Dinge geht: um das Geld der ahnungslosen Touristinnen oder eine Hochzeit mit ihnen, um sich so eine Aufenthaltsgenehmigung für Europa zu ergaunern. Die Gefühls-Gangster sind organisiert und arbeiten systematisch. Alleine 2012, so Experten, sind 5000 Frauen auf die Betrüger hereingefallen. Ein Millionengeschäft.

Wir wollten herausfinden, wie die Liebesmafia wirklich arbeitet und mit welchen Tricks Frauen in die Falle gelockt werden. Reporterinnen und Reporter sprachen mit Opfern, Tätern, Behörden – und recherchierten mit versteckter Kamera in Touristenzentren in der Türkei und in Kenia.

Hier gibt’s den Überblick über die gesamten 12 Teile: http://www.bildderfrau.de/world/communaute/search/search.asp?kw=bezness&personalKey=-1382287600

Versteckt gedreht haben wir in der Türkei und in Kenia. Der Dreh hat uns allen – vom Kamera-Team bis zu unseren weiblichen Lockvögeln aus der Bild der Frau-Redaktion – alles abverlangt.

An dieser Stelle noch einmal meinen Respekt an die Reporterinnen, die wahrhaft viel ertragen mussten!

Bezness ist das Geschäft mit vorgespielter Liebe. Eigentlich verwende ich den Terminus „Gefühlskriminalität“, der wohl am ehesten zutrifft. Der Begriff ist zusammengesetzt aus dem deutschen Wort „Beziehung“ und dem englischen Wort „Business„.  Das ist systematischer, oft auch organisierter, interkultureller Heiratsschwindel und
hat nichts mit Sextourismus zu tun.

Der Verein „Community of interests against bezness“, kurz CiB in Bayreuth, ist die einzige Anlaufstelle für Bezness-Opfer im deutschsprachigen Raum.

http://www.cibev.de/

Politisches Tabu-Thema Bezness: Prügel, Abzocke, Rassismus und Sexismus


Das Bezness-Forum „1001 Geschichte“ feiert sein 10jähriges Jubiläum!

Aufgrund meiner journalistischen Arbeit bin ich mit diesem Thema sehr verbandelt (siehe die Berichterstattung auf diesem Blog unter „Bezness“) und habe tiefen Respekt vor der Leistung von Evelnye Kern und ihrem Team. Aufgrund eigener Recherchen kann ich ihre Ergebnisse bestätigen.

Von meiner Seite aus wünsche ich 1001.Geschichte weiterhin viel Glück und Kraft, diese Arbeit gegen den „Mainstream“ und gegen jede Anfeindungen durchzustehen. Gerade in Zeiten der Sexismus-Debatten sollte wir alle uns näher mit Bezness und seinen Frauenfeindlichen und sexisistischen Auswirkungen beschäftigen. Hier handelt es sich in der Regel um einen latenten Sexismus und Rassismus, der aber vom (Macho-)Mann auf die ausländische Frau reflektiert. Auch das kann ich durch eigene Recherchen und Undercover-Gespräche mit Beznesser für TV-Dokumentationen und Print-Artikel bestätigen.

Ein Thema also, an das hierzulande kein Politiker aufgrund der political correctness ran will. Und genau das ist ein weiterer Skandal. Umso wichtiger ist die Aufklärungsarbeit von Evelyne Kern.

Pressemitteilung

„10 JAHRE BEZNESS-PRÄVENTION“

http://www.1001Geschichte.de

Es ist Zeit, ein Resümee zu ziehen.
Bitte hier klicken: http://www.1001geschichte.de/1001-chronik/

Bezness ist kein Sextourismus

Der skrupellose Betrug in orientalischen Urlaubsländern hat einen Namen: Bezness.

Bezness, so nennen viele junge Männer ihre Einnahmequelle – seit Jahren funktioniert es. Jährlich fließen Millionen Euros ungerechtfertigt in arabische, afrikanische und türkische Taschen – und die jeweiligen Regierungen lassen dies zu. Tausende Frauen verlieren auf diese Weise ihr gesamtes Hab und Gut, und das nur, weil sie sich verlieben. Dazu kommen Vorurteile aus dem deutschen Familien- und Freundeskreis, der der Meinung ist, das alles sei der Dummheit des Opfers zuzuschreiben. „Liebe macht eben blind“, das ist leider die traurige Wahrheit und nicht nur ein dummer Spruch.

Doch in den meisten Fällen waren die Frauen vorsichtig. Sie haben sich vor der Eheschließung über das Land und seine Gesetze informiert, haben Belege und entsprechende Eheverträge. Klagen vor der dortigen Justiz sind dennoch meist sinnlos. Keine deutsche Frau hat jemals Gerechtigkeit erfahren, selbst dann nicht, wenn sie alle finanziellen Transaktionen belegen kann. Ausgenommen, geprügelt, mittellos und traumatisiert kehren sie nach Deutschland zurück.

Die Deutschen Botschaften in diesen Ländern können ein Lied davon singen. Die „Abzocke im Urlaub“ nimmt von Jahr zu Jahr zu. Tausende von Frauen bitten in den Vertretungen ihres Landes um Hilfe. Sie alle haben sich im Urlaub in einen Einheimischen verliebt, ihm alles gegeben und am Ende nicht nur ihre große Liebe verloren. In der Regel handelt es sich um Hunderttausende, die dort buchstäblich in den Sand gesetzt werden. Viele Frauen werden zudem misshandelt, eingesperrt und psychisch gebrochen. Der Kampf um ihre Kinder ist eine seelische Grausamkeit ohne Gleichen.

Zurück in Deutschland beginnen jedoch die größten Sorgen. Der Mann, dem sie vertraut hatten, der sie aber einzig wegen des Aufenthaltsstatus und finanziellen Vorteilen geheiratet hat, und damit interkulturellen Heiratsbetrug vollzog, wird nun zu Tyrannen. Skrupellos nutzt er jede Gesetzeslücke aus, um der Frau und der Gesellschaft zu schaden. Gemeinsame Kinder werden benutzt, um den Aufenthaltsstaus zu sichern. Das in Deutschland etablierte Umgangsrecht ermöglicht es ihm, seine Vorteile ohne Rücksicht auf die Angst von Frau und Kindern durchzusetzen. Nicht selten werden die Kinder von Amts wegen dem Mann zugeführt, obwohl Entführungsgefahr besteht und sogar dann, wenn die Kinder schon einmal von ihm entführt wurden.

Dieses Thema hat sich die Journalistin Evelyne Kern zur Lebensaufgabe gemacht und vor 10 Jahren die Website http://www.1001Geschichte.de gegründet, die heute auf rund 4 Mio. Besucher (gezählt seit 2008) verweisen kann und mittlerweile Europas größte Plattform zu diesem Thema ist. Trotz vieler Rückschläge, bösen Anfeindungen und Vorwürfen von Menschen, die Bezness mit Sextourismus verwechseln und sich auch nicht die Mühe machen, genauer hinzusehen, um zu differenzieren, haben Evelyne Kern und ihr Team nie aufgegeben. Die Ignoranz vieler Politiker und Journalisten, die das Thema für politisch nicht korrekt halten, weil es gegen (wohlgemerkt kriminelle) Ausländer geht, ist unerträglich. Völlig außer Acht wird dabei gelassen, dass Bezness dem Staat jedes Jahr viele Millionen kostet (Zahlen und Fakten im Buch 1001 Lüge). Alleine durch die Präventionsmaßnahmen von CiB e.V. und 1001Geschichte werden der Gesellschaft enorme Summen erspart.

Kern und ihre Mitstreiterinnen blieben jedoch stets beharrlich auf ihrer Schiene und konnten so hunderten von betroffenen Frauen und auch Männern helfen, wieder ein normales und glückliches Leben zu führen.

Die Fakten zu 1001Geschichte und CiB e.V. in Kürze

Um Außenstehenden einen besseren Einblick in die Arbeit des Vereins zu geben, hier noch einmal die Fakten kurz zusammengefasst.

Im Februar 2003 gründete die selbst betroffene Journalistin und Autorin Evelyne Kern die Internetseite 1001Geschichte.de, nachdem sie nach der Veröffentlichung ihres Buches „Sand in der Seele“ (ein Bestseller), in dem sie ihre eigene spannende Bezness-Geschichte erzählt, hunderte Briefe ebenfalls betroffener Frauen erhalten hatte. Sie steckte die Tantiemen aus diesem Buch in das Projekt 1001Geschichte.de und gründete die Interessengemeinschaft CiB. Sie wollte damit ein Zeichen setzen und anderen Betroffenen helfen. Das ist ihr gelungen. Inzwischen ist 1001Geschichte.de zur Institution geworden, CiB e.V. zum eingetragenen Verein und “Bezness” zu einem Begriff, der von zahlreichen anderen Foren und der Presse übernommen wurde. 1001Geschichte.de hat den Begriff „Bezness“ im deutschen Sprachgebrauch geprägt.

1001Geschichte.de kann bereits auf fast 4 Million Besucher verweisen. Das Forum hat seit 2008 mehr als 4.500 registrierte User und wird monatlich rund 90.000 Mal gelesen. Hier veröffentlichen betroffene Frauen ihre Geschichten (bisher 267 wahre Geschichten) und diskutieren im inzwischen größten Forum Europas zum Thema Bezness mit Gleichgesinnten und Interessierten. 1001Geschichte ist weltweit über 250.000 Mal verlinkt und zur Anlaufstelle aller Betroffener geworden.

Vielen Frauen und Männern konnte 1001Geschichte und CiB e.V. helfen und vor dem Schlimmsten bewahren. Entführte Kinder sind dank CiB e.V. wieder bei ihren Müttern. http://forum.1001geschichte.de/viewforum.php?f=24

Viele Betrogene haben sich bei CiB e.V.- Community of interests against Bezness (ebenfalls auf 1001Geschichte.de) zusammengeschlossen und den Kampf gegen Bezness aufgenommen. Hier: http://www.cibev.de

Zum 10-Jährigen Bestehen erscheint das begleitende Buch zur Webseite mit dem Titel 1001 Lüge. http://www.verlag-kern.de/unsere-bucher/1001-tausendundeine-luge/.
Die Tantiemen dieses Buches gehen an CiB e.V. und kommen somit Bezness-Opfern zugute.

Infos zum Thema

Die Fakten: http://www.cibev.de/ihre-aufmerksamkeit/

Spendenkonto: http://www.cibev.de/spendenkonto/

Rechtliches: http://www.cibev.de/impressumkontakt/

Größtes Forum für Betroffene und 267 Wahre Geschichten: http://www.1001Geschichte.de Hier finden Betrogene Ansprache und Hilfe – und das seit 10 Jahren.
Presseartikel: http://www.1001geschichte.de/presse/

Hilfe in Bezness-und Betrugsfällen finden Betroffene bei CiB e.V. – http://www.cibev.de , einem gemeinnützigen Verein, der sich seit acht Jahren ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt.

CiB e.V. – SPENDENKONTO:
BLZ: 77340076 – Konto: 13487880

In Europas größtem Forum zum Thema http://www.1001Geschichte.de finden Betrogene Ansprache und Hilfe – und das seit 10 Jahren.

Literaturtipps zum Thema: Beide Bücher kommen den Verein CiB e.V. zugute.
1001 Tausend und eine Lüge
von Evelyne Kern
im Buchhandel und bei http://www.verlag-kern.de

Sand in der Seele
von Evelyne Kern
im Buchhandel und bei http://www.verlag-kern.de

© Verlag-Redaktionsbüro Kern – Abdruck bei Literaturhinweis kostenfrei.
Kontakt: Evelyne Kern, presse@1001Geschichte.de, Telefon 09209 919245

„1001 Tausendundeine Lüge – Bezness – Das Geschäft mit den Gefühlen europäischer Frauen und Männer“


BUCHTIPP

Umschlagtext:

Schon der Titel verrät, dass dieses Buch etwas mit dem Orient zu tun hat und sich auf 1001Geschichten bezieht. Geschichten, die auf Lüge und Betrug basieren. Viele junge Menschen, die keine Möglichkeit haben ihr Land zu verlassen, sehen die europäische Heirat als Mittel zum Zweck. Ein angenehmes Leben durch Geld und schließlich eine Aufenthaltserlaubnis für das Land, in dem die Geldscheine auf den Bäumen zu wachsen scheinen, ist für sie das erstrebenswerteste aller Ziele. Da dieses Ziel am leichtesten durch die Vortäuschung von Liebe zu erzielen ist, werden europäische Frauen und Männer im Urlaub zu Opfern eines interkulturellen Betruges, der sich Bezness nennt.

Bezness findet aber nicht nur in Tunesien statt. Mittlerweile findet man diesen Geschäftszweig, der im Grunde mafiöse Strukturen aufweist in allen Urlaubsländern, in denen Armut und Korruption vorherrschen.

Durch die 10jährige intensive Arbeit der Autorin und ihrer Mitstreiterinnen, die unaufhaltsame Verbreitung der “Wahren Geschichten” auf 1001Geschichte.de und zehntausenden von Verlinkungen im Internet verbreitete sich der Begriff Bezness relativ schnell. Heute ist er im Sprachgebrauch vieler Medien und einschlägiger Foren.

Im Verlauf dieses Buches werden neben allen Fakten zum Thema und dem enormen Schaden, den Bezness für Betroffene und die Gesellschaft verursacht, auch einige wahre Geschichten veröffentlicht, die dem Leser die Augen öffnen werden. Nein, es sind keine Märchen aus 1001 Nacht, sondern wahre Schicksale, wie sie das Leben manchmal schreibt.

1001Lüge ist ein Buch, das geschrieben werden musste um aufzuklären, Prävention zu schaffen und das eine Ergänzung zu der von Evelyne Kern gegründeten Internetseite 1001Geschichte.de ist.

1001 Tausendundeine Lüge
Bezness- das Geschäft mit den Gefühlen europäischer Frauen
und Männer
Autorin: Evelyne Kern
ISBN Buch:9783939478-805
ISBN eBook:9783939478-911
Verlag Kern,Bayreuth
1.Auflage September 2012
Softcover, 264 Seiten

Buch: € 14,90

eBook: € 11,18

Bestellung:

www.verlag-kern.de

Bezness Ägypten: „To fish women“ (4)


Nachfolgend Teil 4 der Schriftliche Arbeit zur Erlangung des Diploms der Schweizerischen Tourismusfachschule STF, Plaine Bellevue, Postfach 80, 3960 Siders Bezness in Hurghada

Autorin Referent

Tschanz Kassem Franziska Anthamatten Hermann

Eingereicht am 15. Juni 2007

Schweizerische Tourismusfachschule Siders (VS)

Tschanz Kassem Franziska Bezness in Hurghada

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6. Motive der Frauen

Motive der Frauen

Wie bereits im vorangehenden Kapitel die Motive der Männer diskutiert wurden,

werden in diesem Kapitel die Ergebnisse der Umfragen zu den Motiven der

Frauen präsentiert.

6.1. Langeweile

Die Frauen schätzen mehrheitlich Langeweile als weniger bis gar nicht wichtiges

Motiv der Frauen ein. Interessanterweise beurteilen die befragten Männer das

Motiv Langeweile als sehr bis ziemlich wichtig. Dies könnte darauf hindeuten,

dass Männer das Verhalten der Frauen als weiteres Urlaubsbedürfnis, da sie

nichts anderes zu tun haben, einschätzen.

6.2. Annerkennung

Annerkennung wird von der Mehrheit der befragten Frauen als sehr bis ziemlich

wichtiges Motiv der Frauen eingestuft. Die Männer beurteilen Anerkennung als

etwas weniger wichtig.

Dieser Unterschied ist wohl damit zu erklären, dass „Annerkennung für eine

Frau“ für einen ägyptischen Beznesser keinen hohen Stellenwert haben kann, da

er dies, bedingt durch seinen kulturellen Hintergrund, kaum kennt.

Meist wird er nicht die Möglichkeit haben, abzuschätzen, was sie in ihrem

gewohnten Umfeld macht und deshalb wird es ihm auch schwer fallen, ihre echte

und ernst gemeinte Anerkennung entgegenzubringen.

Die Frau interpretiert das vermeintliche Interesse und die Aufmerksamkeit als

Annerkennung, welche sie beispielsweise im bisherigen Alltagsstress vom

Partner vermisst hat.

6.3. Exotischer Partner und Männerbild

Von den Frauen wurde die Suche nach einem exotischen Partner als eher

weniger oder gar nicht wichtiges Motiv der Frauen eingestuft. Die Männer stufen

dieses Motiv auch eher als unwichtig ein, allerdings weniger klar. Dies kann

daher rühren, dass die Männer gerne mit ihrem Aussehen kokettieren.

An dieser Stelle wäre es interessant zu sehen, durch welche Faktoren dieses

exotischen Männerbild geprägt wird. Leider konnten dazu im Zusammenhang mit

Ägypten keine wissenschaftlichen Untersuchungen gefunden werden. Es wird

angenommen, dass dieses exotische Männerbild auf Vorstellungen aus den

Geschichten von „Tausend und einer Nacht“ basiert. Allerdings entspricht dieses

Männerbild oft nur der Fantasie und Wunschvorstellung der Frauen, der Realität

aber nicht.

Weiter müsste untersucht werden, inwiefern der von OMONDI erwähnte „power

of advertising“ hier vom Reiseland Ägypten genutzt wird und ob die den

Fantasien der Frauen entsprechenden Männerbilder explizit in die Werbung

integriert werden, um die Touristinnen anzusprechen.

Im der aktuellen Imagekampagne wird praktisch vollständig auf Darstellungen

von Menschen verzichtet. Einzig im Imagefilm wird kurz ein junger Mann

gezeigt, der dem exotischen Männerbild vielleicht gerecht werden könnte. Da es

den Rahmen der Arbeit aber sprengen würde und wissenschaftliche

Untersuchungen fehlen, muss hier auf eine weiterführende Untersuchung

verzichtet werden.

Insbesondere bei den gemachten Untersuchungen in der Karibik wurde das

Männerbild des hypersexuellen karibischen Rastafari immer wieder erwähnt und

die Tatsache unterstrichen, dass sehr viele Frauen Fantasien im Zusammenhang

mit exotischen Männern hätten. Diese Exotik wird aber auch hier nicht weiter

definiert.

Laut BELLIVEAU führt auch der Umstand, dass viele Frauen bei westlichen

Männern eine gewisse Männlichkeit vermissen würden, dazu, dass sich Frauen

von einem in ihrer Fantasie entstandenen Männerbild beeinflussen lassen und

eine Dominanz der Beznesser akzeptieren, die sie bei einem westlichen Mann

nie zulassen würden.

6.4. Bestätigung der Weiblichkeit

Laut der Umfrage stimmt eine sehr grosse Mehrheit der Frauen dafür, dass die

Bestätigung der Weiblichkeit ein sehr bis ziemlich wichtiges Motiv der Frauen ist,

sich auf eine Verbindung mit einem Beznesser einzulassen.

Die Männer stufen dieses Motiv als für die Frauen weniger wichtig ein, allerdings

stellt sich auch hier die Frage, inwiefern dies für die Männer mir ihrem

Hintergrund überhaupt eine Bedeutung haben kann.

Insbesondere für Frauen, die nicht (mehr) dem Schönheitsideal (der westlichen

Welt) entsprechen, kann die Bestätigung durch eine solche Verbindung sehr

wichtig sein. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn sie schon älter ist und das

Gefühl hat, dass sich niemand mehr für sie interessiert oder sie beispielsweise

etwas molliger ist.

SANCHEZ TAYLOR geht davon aus, das eine solche Verbindung den Frauen

auch dazu dienen kann, ihre Weiblichkeit wiederherzustellen. „…most Western

women still wish to be seen as ‘feminine’ and would find it insulting to be

described as ‘masculine’.”

Laut SANCHEZ TAYLOR ist ein Teil der Identität der

Frauen stark an die Sexualität gebunden, denn nur durch diese kann sie ihre

Weiblichkeit bestätigen. “Unless a woman is publicly known to be being ‘sexed’

by a man or men, there is a question mark over her ‘femininity’.

Ist sie sexuell unattraktiv oder ohne Partner, kann dies zu einem Identitätsverlust führen.

6.5. Frustration durch gescheiterte Beziehungen

Laut PRUITT und LAFONT verspüren viele Frauen, die sich auf solche

Verbindungen einlassen, eine Frustration von Männern aus ihrem eigenen

Kulturkreis und bezeichnen sie als unaufmerksam, nur mit der Karriere

beschäftigt und emotionslos.

Auch BELLIVEAU sieht in der Frustration ein Motiv der Frauen zu reisen und sich

während dem Urlaub auf eine Verbindung einzulassen:

Many people travel to heal a broken heart. They want to find proof that

others don’t view their faults quite so seriously as do ex-loved ones.

Perhaps they wish to reaffirm their sexiness through blind encounters, to

heal themselves, to forget. Some of them even fall in love and return with

acceptable partners.

6.6. Anonymität

Insbesondere die Männer beurteilen Anonymität als wichtiges Motiv der Frauen.

Dies spricht wieder dafür, dass Männer eher davon ausgehen, dass die

Touristinnen mit einer bestimmten Absicht nach Hurghada reisen.

Die Frauen beurteilen die Anonymität als weniger wichtig. Dies könnte daher

rühren, dass sie von einer Verbindung nach ihren Vorstellungen ausgehen und

somit auch nichts zu verstecken haben. Allerdings kann, wenn ein grosser

Altersunterschied zwischen den Partnern besteht (die Frau älter ist) oder die

Frau in ihrem Heimatland verheiratet ist, Anonymität ein wichtiger Punkt sein.

BELLIVEAU zitiert dabei die Aussage einer Frau: „I’m in a holiday mood far away

from the social control of my everyday life and in this situation, I can do what I

want.”

Sobald eine Diskrepanz zwischen moralisch oder sozialen Vorstellungen des

Heimatlandes und dem Handeln der Frau besteht, ist Anonymität für die Frauen

sicherlich ein wichtiges Motiv.

6.7. Sexualität

Auch in Hurghada gibt es Frauen, die ausschliesslich aus sexuellen Motiven

reisen… Da die getroffene

Definition von Bezness (Vergleich Kapitel 1.1.2) aus der Sicht der Touristin eine

Beziehung voraussetzt, handelt es sich hier nicht um eine klassische

„Sextouristin“.

Die Aussage von HEROLD, „…women preferred a romantic relationship which

may include sex, with only a minority indicating that sex was their main objective

in establishing a relation.” interpretiert die Ergebnisse der eigenen Umfrage

zutreffender.

Die Männer hingegen stufen dieses Motiv der Frauen als viel wichtiger ein.

Gründe dafür könnten das ungewöhnliche Verhalten der Touristinnen sein,

welches mit dem anderen kulturellen Hintergrund der Männer und Verständnis

des Frauenbilds interpretiert wird. Davon Ausgehend wird das Verhalten der

Frauen so interpretiert, dass sie auf der Suche nach einem sexuellen Abenteuer

sind.

Auch die Befragungen von SANCHEZ TAYLOR in der Karibik, die bekannt ist als

Destination für Sextouristinnen, kamen zum Ergebnis, dass nur 3% der befragten

Frauen, die mit einem einheimischen Mann sexuellen Kontakt hatten, ihre

Begegnung als rein körperlich beschrieben.

LEVY und BELLIVEAU schätzen den Anteil der Touristinnen, die sexuelle

Erfahrungen machen, weltweit auf 10%. OMONDI beziffert die Zahl der

europäischen Touristinnen (mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil von

Deutschen und Schweizerinnen), die ausschliesslich nach Kenia reisen, um Sex

zu haben, mit 5%.

DE ALBUQUERQUE teilt die Touristinnen in der Karibik in vier Gruppen ein

und schliesst dadurch auf ihr sexuelles Verhalten:

I. „first timers“ oder „neophytes“: Die Touristin lernt eher zufällig einen Mann

kennen, mit dem sie (oft im Rahmen einer Beziehung) auch Sex hat.

II. „situational sex tourist“: Die Intention, bezahlten Sex während dem Urlaub

zu haben besteht nicht vor der Reise, die Möglichkeit wird aber ergriffen,

wenn sie da ist.

III. „veterans“: Die Reise wird mit der expliziten Absicht angetreten,

unkomplizierten Sex zu haben, auch mit verschiedenen Partnern (also

nicht im Rahmen einer Beziehung).

IV. „returnee“: Die Touristin kommt zurück, um die Verbindung mit dem zuvor

getroffenen Mann weiterzuführen. Die Touristin hat ihrer Definition nach

Sex in einer bestehenden Beziehung.

Die getroffene Definition schliesst somit in Bezug auf Bezness nur Gruppe I und

IV ein.

Dabei ist Gruppe I jene, die schon während dem ersten Urlaub, in dem sie den

Mann kennen lernt, Sex mit ihm hat. Oft kann es sich dabei aus ihrer Sicht noch

um einen unverbindlichen Urlaubsflirt handeln, weil zu diesem Zeitpunkt eine

Zukunft der Beziehung noch unrealistisch scheint. Meist beinhaltet diese aber

schon die von HEROLD angeführte romantische Komponente

und es besteht der Wunsch oder die Annahme, dass die Verbindung etwas Besonderes ist und

über den Zeitrahmen des Urlaubs hinausgehen wird.

Gruppe IV beinhaltet jene Frauen, die zurück reisen, um die Verbindung mir dem

zuvor kennen gelernten Mann weiterzuführen.

Noch widersprechen sich die wissenschaftlichen Ergebnisse, ob in diesen Fällen

die Sexualität nur zur Befriedigung der Männer dient oder ob auch die Frauen

davon profitieren. JEFFREYS und SANCHEZ TAYLOR argumentieren dabei

In this case, the ‚[female] tourist’ is servicing the local man rather that the

other way round. (…) This sexual practice is not one meant for women’s

sexual satisfaction but for that of men.

The local man is assumed to be necessarily getting some benefit beyond

the economic simply because he is a man getting to have sex with a

woman. Likewise, it is assumed that the female tourist must be exploited

in some way, simply because she is a woman giving a man sexual access

to her body.

BELLIVEAU hingegen schätzt die Situation anders ein:

For a tourist woman and a foreign man find themselves in bed together to

meet many needs that are reciprocal and mutually beneficial.

6.8. Kontrolle

Befrage Frauen und Männer haben das Motiv Kontrolle beide als grundsätzlich

wenig bis gar nicht wichtig beurteilt. Dennoch soll hier kurz darauf eingegangen

werden, da die Fachliteratur diesen Aspekt als wichtig einschätzt.

Die wirtschaftlichen Privilegien der Frauen, die ihr eine gewisse Kontrolle

innerhalb der Beziehung ermöglichen, die sie sonst in ihrem Heimatland nicht

hätten, bergen ein hohes Konfliktpotential innerhalb der Verbindung.

Je nach Ausgangslage kann sie diese Kontrolle nutzen oder sie kann ihr zum

Verhängnis werden, gleichzeitig ist aber eine auf Kontrolle und Manipulation

aufgebaute Verbindung meist nicht sehr gesund für beide Seiten.

Zu Beginn verfügt die Frau über die ökonomische Macht und die Kontrolle liegt in

ihren Händen. Sie bestimmt, wann sie kommt und wann sie geht. Sie hat ihre

eigene Unterkunft, wo sie sich auch zurückziehen kann.

Meist ändert sich aber das Machtverhältnis, wenn sie zurückkehrt und mit ihrem

Partner wohnt: Sie spricht weder die Sprache noch ist sie gesellschaftlich oder

kulturell integriert. Er ist ihr einziger Zugang. Nach Möglichkeit wird er diese

Kontrolle auch beibehalten wollen, indem er sein Netzwerk benutzt und somit

jederzeit weiss, wo sie sich aufhält und mit wem sie ihre Zeit verbringt.

Wieder eine andere Situation besteht, wenn der Ägypter in das Heimatland der

Frau reist. Hier ist er vorerst wirtschaftlich von der Frau abhängig, spricht die

Sprache nicht, ist ausserhalb seines gewohnten Umfeldes und hat sehr oft

Schwierigkeiten, eine Arbeit zu finden. Oftmals entstehen aus diesen Situationen

schwerwiegende Konflikte, da seine gewohnten, identitätsstiftenden Funktionen

keine Bedeutung haben.

Insgesamt beurteilt die Fachliteratur, hier SANCHEZ TAYLOR und KEMPADOO,

das Motiv der Kontrolle und Macht als wichtig:

…they could command the sexual attentions of black men, white men no

longer had the power to control or reject them sexually.

Among woman tourists, an experimentation with being able to control

men, while retaining a sexualized femininity, appears to have taken

place.

Wahrscheinlich wurde das Motiv Kontrolle von den befragten Frauen als nicht

wichtig eingestuft, weil Kontrolle nicht Bestandteil ihrer Wertvorstellung innerhalb

der Beziehung ist, von der sie bei Bezness ausgehen.

Auch den Wertvorstellungen der Männer liegt Kontrolle durch eine Frau fern, dies

könnte eine mögliche Erklärung sein, wieso die Mehrheit dieses Motiv als gar

nicht wichtig eingestuft hat.

6.9. Funktion des „cultural broker“

DAHLES definiert „cultural broker“ als

Somebody who will provide (…) access to the local culture.

Auf die Frage, ob ein Motiv für das Verhalten der Frau sein kann, dass der

ägyptische Mann ihr einen Einblick in seine Kultur verschaffen kann, haben fast

50% der befragten Frauen geantwortet, dass es ein ziemlich bis sehr wichtiges

Motiv der Frauen sei. Die Männer beurteilen das Motiv insgesamt als etwas

weniger wichtig.

GOETHE beschreibt diese Funktion der Männer wie folgt:

Sie [die Frauen] versprechen sich von dem intensiven Kontakt eine Art

bereichernde Reiseerfahrung. Dabei ist der einheimische Mann (…) die

persönliche Verbindung zur anderen Kultur. Als Türöffner und

Kulturvermittler erleichtert er der Frau Erfahrungen innerhalb der anderen

Gesellschaft. Das fremde Land und der fremde Mann bieten die

Möglichkeit, sich selber neu und anders zu erleben.

Durch diese Funktion werden der Frau nicht nur Erlebnisse und Einblicke

ermöglicht, die sie sonst nicht hätte, sondern dienen der Frau auch als eine

Möglichkeit, sich selber neu zu definieren. In Anlehnung an das Vier-Kulturen-

Schema von THIEM bleibt die Frage allerdings offen, ob sie sich dabei nicht

nur im Bereich der Dienstleistungskultur bewegt und ihr die Einsicht in die Kultur

der Bereisten verwehrt bleibt.

Die Tatsache, dass sie sich in Hurghada selber in einer künstlich erschaffenen

Welt befindet, fernab der ägyptischen Kultur, spricht eher dafür, dass sie kaum

die Möglichkeit haben wird, die ursprüngliche Kultur wirklich kennen zu lernen.

Insbesondere könnte dies für den Beznesser ja bedeuten, dass ihre Illusionen

zerstört werden. Auch die Familie wird in dieser Hinsicht gerne integriert, da der

Besuch und die vermeintliche Akzeptanz der Familie die Frau oft im Glauben

bestärken, dass sie etwas ganz besonderes ist.

Kennt man die Vorstellung einer Beziehung, der Bedeutung der Familie und der

Religion, wird aber klar, dass eine Touristin sicherlich nicht den

Wunschvorstellungen einer Schwiegertochter entspricht.

6.10. Liebe

Liebe ist für die grosse Mehrheit der Frauen ein sehr bis ziemlich wichtiges Motiv

für ihr Verhalten. Dagegen beurteilen Männer Liebe als ein weniger bis gar nicht

wichtiges Motiv der Frauen. Dies kann einerseits dadurch erklärt werden, dass

Männer gar keinen Zugang zum Konzept Liebe haben.

Andererseits gehen die Männer aber offenbar davon aus, dass die Frauen diese

Verbindungen nicht aus emotionellen, sondern sexuellen Gründen eingehen.

Diese Erkenntnisse werden gestützt von der Tatsache, dass die Befragten die

beiden Fragen zur Sexualität und Liebe mit praktisch umgekehrten Vorzeichen

beantwortet haben (Vergleich dazu Abb. 3 und Abb. 4).

Den Frauen liegt somit eine ganz andere Wertvorstellung zugrunde. Meyers

Lexikon definiert Liebe folgendermassen:

Liebe, die mit der menschlichen Existenz gegebene Fähigkeit, eine

intensive gefühlsmäßige, zumindest der Vorstellung nach auf Vertrauen

und Dauer angelegte und entsprechend positiv erlebte Beziehung zu

einem anderen Menschen zu entwickeln.

Liebe ist in der Wertvorstellung der Frau entscheidend, um eine Beziehung

einzugehen, dem Ägypter ist dieses Konzept aber fremd.

Insgesamt können die Motive der Frauen so zusammengefasst werden, dass sie

dem „normalen“ Verhalten innerhalb einer Beziehung nach „westlichen“

Vorstellungen entsprechen.

7. Konflikte

Wie während der Arbeit nun schon verschiedene Male erwähnt, führen das

unterschiedliche Verständnis von Beziehung, aber auch die unterschiedlichen

sozialen, gesellschaftlichen, religiösen und persönlichen Hintergründe und

Motive zu Konflikten. Dazu kommen die grossen kulturellen Unterschiede, die

den Lebensweisen der Beteiligten zugrunde liegen.

Auch im Interview mit dem Imam der Moschee in Bern, der binationale Paare im

Falle von Konflikten berät, wurde klar, dass Konflikte vor allem dann entstehen,

wenn grundlegend unterschiedliche Ansichten in oben genannten Bereichen

herrschen. Kommunikation kann diese grundlegenden Unterschiede meist nur

bedingt überbrücken.

In welchen Bereichen dieses Konfliktpotential liegt, soll im diesem Kapitel noch

genauer dargelegt werden. Zu beachten ist, dass hier stereotype Ansätze auf

beiden Seiten gewählt werden mussten, um das Konfliktpotential zu erfassen.

7.1. Kommunikation

Sehr oft entstehen Konflikte schon nur, weil die Basis einer gemeinsamen

Sprache fehlt. Zwar sind die meisten Beznesser äusserst sprachgewandt,

dennoch sprechen beispielsweise sehr wenige Frauen arabisch. Meist reichen

die Sprachkenntnisse bei tief greifenden Differenzen auch nicht aus, um

sprachlich genügend Kommunizieren zu können. Weiter kann Kommunikation

auch nur dann eine Lösung oder Kompromiss ermöglichen, wenn man von einer

gewissen Vorstellung von Gleichberechtigung innerhalb einer Beziehung ausgeht

und Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten besteht.

Sprachliche Missverständnisse oder im eigenen Sprachgebrauch anders

interpretierbare Aussagen machen aber eine überdurchschnittliche Kommunikation

oft unverzichtbar. Fehlt diese, sind Konflikte oft unausweichlich.

7.2. Anderes Verständnis von Beziehung

Grundsätzlich beurteilen BELLIVEAU oder auch DE ALBUQUERQUE

eine Verbindung von Touristin und Bereistem als nutzbringend für beide Seiten:

For a tourist woman and a foreign man find themselves in bed together to

meet many needs that are reciprocal and mutually beneficial. (…) They

exchange what they have for what they lack: her material wealth and

sexual availability for his good looks, fine body, attention and of course

affection (real or feigned).

Dies kann aber nur der Fall sein, wenn sich beide Seiten über Motive und Ziele

einig sind. Wie schon aus der getroffenen Definition in Kapitel 1.1.2 ersichtlich

wird, ist dies bei Bezness nicht der Fall. Das in Kapitel 4.2.1 beschriebene

Verständnis für Beziehung der Männer unterscheidet sich sehr von Verständnis

einer Beziehung der Touristin.

Wichtige Bestandteile des Konzepts „Beziehung“ sind für die Frauen nebst der

emotionellen Beteiligung („Liebe“ ist ein wichtiger Bestandteil des europäischen

Sozialnetzes) auch die Vorstellung einer grundsätzlichen Gleichwertigkeit und

Gleichberechtigung der Partner.

Meyers Lexikon definiert den Begriff Partnerschaft nach hiesigem Verständnis

wie folgt:

Partnerschaft, Soziologie: Prinzip des vertrauensvollen Zusammenwirkens

zwischen Personen (…), die ihre Ziele nur gemeinsam unter gegenseitiger

Kompromissbereitschaft, auch unter Einsatz entsprechender (…) Konflikt-

und Kompromissregelung erreichen können.

In der arabischen, patriarchalisch aufgebauten Gesellschaft ist aber

Partnerschaft und Gleichberechtigung zwischen Partnern oder auch Liebe ein

unbekanntes Konzept.

Die Ehe im Islam und somit im arabischen Raum dient laut AKASHE-BÖHME zur

„Ordnung der geschlechtlichen Existenz. Sie ist die Trennlinie von erlaubter und

nicht erlaubter Sexualität.“

Diese Sexualität dient in erster Linie dazu, den

Fortbestand der Familie zu garantieren und männliche Stammhalter zu

generieren. Die Verantwortungsbereiche der Partner sind dabei klar festgelegt

und es herrscht Arbeitsteilung.

Nicht selten dienen Ehen auch zur Festigung

der Beziehungen zwischen zwei Familien. Somit sind Ehen eher als

wirtschaftlich/ strategische Partnerschaften konzipiert.

Durch ein grundsätzlich anderes Verständnis von Partnerschaft werden aber

auch andere Ziele verfolgt und Konflikte, hier vor allem bedingt durch kulturelle

Unterschiede, sind meist schwer zu vermeiden. Fehlt dann weiter die

Kompromissbereitschaft, was bei Bezness sehr oft der Fall ist, weil schon

grundsätzlich unterschiedliche Absichten verfolgt werden, werden diese noch

verstärkt.

Eine anonyme Autorin beschreibt es folgendermassen:

Werte bei vielen Touristinnen sind Gleichberechtigung, eine Beziehung,

die aus Nehmen UND Geben besteht, Verständnis, Füreinander da sein,

Zusammen durch Dick und Dünn gehen, manchmal auch beschützt

werden. (…) Er lernt, was er sagen sollte, um ihre Liebe zu erhalten; was

er heucheln solle, um ihre völlige Hingabe zu erreichen. Um sie zu

Kontrollieren. Die meisten Frauen verbinden tiefe Gespräche mit

Geborgenheit.

Indem der Beznesser vorgibt, diese Werte zu teilen, hat er eine Basis für ein

Handeln. Früher oder später wird er aber seine eigentliche Einstellung innerhalb

der Verbindung nicht mehr unterdrücken können und es kommt zu Konflikten.

7.3. Kulturelle Unterschiede

Auch das andere Selbstverständnis des Mannes, nämlich als der bestimmende

Part innerhalb einer Partnerschaft, führt zu Konflikten. Während sich die Frau als

gleichberechtigter Partner innerhalb der Beziehung sieht, ist es für den Mann ein

Teil seiner Identität, als Oberhaupt gesehen zu werden.

Gleichzeitig bedeutet dies im weitern Sinne für die Frau auch Konflikte im

Bereich Kleidung, Treffen mit (männlichen) Freunden, trinken von Alkohol, alleine

ausgehen usw. Immer wieder berichteten die Frauen in den Foren über

Unstimmigkeiten in diesen Bereichen. Dabei sind diese Handlungen für sie

normal, für den Mann allerdings tangieren sie den Ehrbegriff. Alleine im Café

sitzen, sich mit anderen Männern unterhalten und „freizügige“ Kleidung wird

somit für ihn zum Problem, während es für sie eine ganz normale Freiheit ist.

Auch religiöse Fragen haben grundsätzlich ein grosses Konfliktpotential. Eine

Christin, die einen Moslem heiratet, muss nicht zwingend zum Islam

konvertieren. Viele Männer wünschen sich das aber offenbar. Es bleibt aber

fragwürdig, ob die Konversion Sinn macht, wenn man aus Liebe zum Partner die

Religion ändert. Auch stellt sich die Frage, inwiefern jemand, der sehr säkular

erzogen wurde, sich plötzlich mit relativ strengen, religiösen Vorschriften

identifizieren kann.

Oftmals sehr schwerwiegend werden die Konflikte im Falle von Kindern und

Unstimmigkeiten bei Erziehungsfragen.

Meist sind sich die Frauen auch nicht bewusst, dass sie in Ägypten nicht nur

einen Partner heiraten, sondern auch deren Familie. Diese Familie stellt sehr oft

auch „Forderungen“ und hat Wünsche, die erfüllt werden sollten.

Gleichzeitig trägt jeder Sohn eine wichtige Verantwortung, die ihn auch,

zumindest moralisch, verpflichtet, seine Familie zu unterstützten, wenn Bedarf

besteht, nicht zuletzt auch deshalb, weil er im Rahmen des Ehrbegriffes handeln

muss.

7.4. Ungewohntes Machtverhältnis

Wie schon in Kapitel 6.8 angeführt, besteht je nach Situation ein ungewöhnliches

Machtverhältnis innerhalb der Beziehung.

[Tourist woman are] having economic power over local men. But his

economic power does seam to be the only power they have and may not

necessarily trump the power that beach boys have over them as a result of

their superior position in their gender hierarchy.

Wie AKASHE-BÖHME beschreibt, wird das Rollenverhalten der Männer schon

sehr früh in ihrer Kindheit geprägt:

Entscheidend ist aber, dass der Mann in der Familie die letzten

Entscheidungen trifft und auch eine richterliche und exekutive Gewalt

ausübt, kurz, er herrscht über die Frauen, die Kinder und die jüngeren

Männer. In dieser Ordnung ist die Frau zum Gehorsam verpflichten und

hat eine dienende Rolle einzunehmen. (…) es diene die Schwester dem

Bruder. (…) die Unterordnung der Frau [kann] ihr selbst eine gewisse

Herrschaft verheiss[en], allerdings nur für den Bereich der häuslichen

Angelegenheiten, den Teil der Tätigkeiten, die ihr durch die

geschlechterspezifische Arbeitsteilung zufällt.

Während die ägyptische Frau auch in diesem System aufgewachsen ist, wird es

für eine westlich erzogene Frau schwierig bis unmöglich, sich mit einer solchen

Situation abzufinden.

Da gerade die finanzielle Unterstützung oft von ihrer Seite kommt, erwartet sie

ein Mitspracherecht und fordert gemeinsame Entscheidungen.

Er wiederum wird sich dadurch in seiner Freiheit eingeengt fühlen und nicht

nachvollziehen können, wieso er seine Entscheidungen plötzlich mit einer Frau

besprechen sollte.

7.5. Umgang mit Geld

Sehr oft führt auch das Thema Geld zu grossen Konflikten. In Vergleich verdient

eine Frau hier ein Vielfaches eines ägyptischen Mannes. Allerdings sind die

Lebenshaltungskosten hier auch viel höher und finanziellen Verpflichtungen nicht

nachzukommen, kann relativ schnell grosse Probleme mit sich bringen. Dass

Geld auch hier nicht endlos ist, ist für viele Beznesser nicht verständlich. Wer

Geld hat, unterstützt auch andere, insbesondere die Familie, und kann sich dafür

meist darauf verlassen, dass er in Notsituationen auch unterstützt wird. Schulden

werden meist im informellen Bereich und in kleineren Summen gemacht.

Betreibungen und Pfändungen gibt es in Ägypten kaum oder nur bei sehr hohen

Summen. Viele Frauen, die von Bezness betroffen sind, machen Schulden,

nehmen Kredite auf oder investieren all ihre Ersparnisse, um den Lebenswandel

der Beznesser zu finanzieren.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die unterschiedlichen kulturellen,

sozialen, gesellschaftlichen und religiösen Hintergründe der beiden Partner das

Konfliktpotential innerhalb der Verbindung intensivieren.

Abschliessend werden im letzten Kapitel einige Aspekte der Auswirkungen von

Bezness beleuchtet.

8. Auswirkungen

Insgesamt gibt es wahrscheinlich sehr viele direkte und indirekte Auswirkungen

von Bezness. Da aber keine wissenschaftlichen Untersuchungen bestehen, die

diese belegen, können hier nur Annahmen getroffen werden. In der Folge sollen

deshalb nur einige Punkte angesprochen werden.

8.1. Änderung der Gesellschaftsstruktur

Wie eine Studie von VIELHABER aus dem Jahre 1979 veranschaulicht, war es

damals praktisch unvorstellbar für traditionell lebende ägyptische Männer, eine

europäische Frau zu heiraten geschweige denn mit ihre in „wilder“ Ehe

zusammenzuleben.

In Hurghada trifft man heute auf sehr viele gemischte

Paare. Meist besteht ein grosser Altersunterschied. In Ägypten ist es sonst sehr

unüblich, dass eine ältere Frau einen jungen Mann heiratet, da Ziel der

Verbindung Kinder sind. Gleichzeitig leben diese Paare meist auf eine ganz

andere Weise zusammen, als es ein traditionell ägyptisches Paar tut.

Sicherlich ist Bezness nicht die einzige Ursache für die veränderte

Gesellschaftsstruktur in Hurghada. Vielmehr ist es die Tatsache, dass Männer

ihre Familie verlassen um in den massentouristischen Zentren ihr Glück zu

versuchen. Bezness ist dabei für die Männer eine Möglichkeit, ihren

Lebensunterhalt und der der Familie zu bestreiten.

Interessant wäre in dieser Hinsicht die Frage, inwiefern Bezness Auswirkungen

auf die ägyptischen Frauen hat. Die Frage stellt sich deshalb, weil ältere

Beznesser oft schon mit einer ägyptischen Frau verheiratet sind. Insgesamt

schon in einer untergeordneten Position, kann sie gegen eine finanzstarke

Nebenbuhlerin, die ihrem Mann mehr bieten kann, wenig ausrichten. Bei einer

von ihr angestrebten Scheidung riskiert sie, ihre Kinder zu verlieren. Inwiefern die

Position von ägyptische Frauen durch Bezness noch zusätzlich geschwächt wird

und ob sie darunter leiden, müsste aber noch detailliert abgeklärt werden.

8.2. Fundamentalismus

BELLIVEAU zitiert in ihrem Buch den Führer einer radikal islamischen

Gruppierung, der Anschläge gegen Touristen mit den negativen Auswirkungen

des Tourismus rechtfertigt.

„Tourism in its present form is an abomination“, claimed the leader of an

Egyptian Islamic group, justifying attacks against foreign visitors. “It is a

means by which prostitution and AIDS are spread by Jewish woman

tourists, and it is a source of all manner of depravities.”

Bezness wäre damit ein Grund für Fundamentalisten, auch Hurghada als Ziel

von Anschlägen zu wählen.

Beim Anschlag von 1997 in Luxor und den letzten Anschlagsserien im Sinai

haben aber sehr wahrscheinlich politische Motive zu den Anschlägen geführt.

Insbesondere die letzten Anschläge auf dem Sinai waren gegen Destinationen

und Hotels gerichtet, die von Israelis frequentiert wurden.

Viele Israelis machen auch heute noch in „ihrem“ Sinai Urlaub. Israel ist immer noch Feindbild,

deshalb auch die Erwähnung der jüdischen Touristin.

Nach Einschätzung von Experten galten die Anschläge in Ägypten nicht

europäischen Besuchern.

Trotz enormer Verstärkungen der Sicherheitsmassnahmen darf man leider auch in Hurghada

nicht davon ausgehen, dass ein Anschlag unmöglich ist.

8.3. Image von Hurghada

Bei der gemachten Umfrage wurde auch die Frage gestellt, inwiefern sich das

Image von Hurghada durch Bezness verändern würde.

Veränderung des Images

Die befragten Frauen beurteilten dabei den Schaden durch Bezness viel höher

ein als die befragten Männer. Bezness wird in den deutschen Medien in letzter

Zeit vermehrt thematisiert. Inzwischen ist Bezness gerade für alleinreisende

Frauen, die nicht belästigt werden wollen, ein Grund, bekannte Bezness-

Destinationen in Tunesien, Marokko, Ägypten oder der Türkei zu meiden.

Längerfristig könnte dies deshalb für die Destination Hurghada zu einem

ernsthaften Problem werden.

8.4. HIV

SANCHEZ TAYLOR weist in ihrem Artikel auf die Zunahme von HIV im

Zusammenhang mit der zunehmenden Mobilität und Reisetätigkeit hin.

Laut offiziellen Angaben beträgt die Verbreitung von Aids in Ägypten weniger als

0,1 % (2001).

Laut einem Artikel der Neuen Zürcher Zeitung von Januar

2005 wird offiziell von einer Zahl von nur 1500 infizierten Personen gesprochen,

andere Schätzungen sprechen allerdings von 12’000.

Insgesamt hat aber die Zahl der Neuinfektionen zwischen 2003 und 2005 um 28% zugenommen.

Laut Experten besteht das Problem darin, das Risikofaktoren wie ausser- oder

vorehelicher Sex, Drogenkonsum oder Homosexualität in Ägypten weitgehend

Tabuthemen sind. Kampagnen zu lancieren und zu informieren ist deshalb

schwierig.

Da sich gerade auch die junge Bevölkerung nicht im Klaren über die

Ansteckungsgefahr ist, werden Kondome immer noch zu wenig verwendet. Viele

gehen davon aus, dass der Islam und die Moral sie von der Krankheit schützen

würde.

Durch ungeschützten Verkehr mit wechselnden Partnerinnen kann demzufolge

auch HIV in Hurghada zu einem nicht zu unterschätzenden Problem werden.

8.5. Betroffene Frauen

Laut BELLIVEAU ist die Scheidungsrate bei binationalen Paaren in Deutschland

mehr als dreimal so hoch wie bei zwei deutschen Partnern.

Dies ist ein Indiz dafür, dass auch Verbindungen in Zusammenhang mit Bezness sehr oft

zerbrechen.

Sehr viele Frauen, die von Bezness betroffen sind, leiden oft lange unter den

Auswirkungen, insbesondere psychisch. Gewalt, Schulden und Unverständnis

des Umfelds verstärken die psychischen Probleme zusätzlich.

Laut SANCHEZ TAYLOR berichteten in ihren Befragungen einige Frauen über

körperliche Gewalt:

We interviewed a number of North American and European woman who

had migrated in order to marry or live with the local boyfriend they had

made on holiday and were now in extremely abusive relationships. They

state that when they have reported being raped, beaten or robbed by

boyfriends or husbands to the police, no action is taken to protect them.

Auch PRUITT und LAFONT erwähnen im Zusammenhang mit der Karibik

folgendes:

…his desire to be dominant in gender relations is intense. To maintain his

reputation and avoid the appearance that the woman controls him, the

Jamaican man without economic means continually seeks new ways to

exhibit his dominion over women.

BOWMAN führt dazu an, dass nicht nur Kränkungen, sondern auch (körperliche)

Gewalt in diesen Verbindungen Ausdruck des Gefühls des Mannes, unterlegen

zu sein, ist.

Nebst körperlicher Gewalt ist auch eine hohe Verschuldung ein viel genanntes

Problem der Frauen in den Foren.

In Anlehnung an die Berichte in den Foren wird vermutet, dass viele Frauen noch

jahrelang psychisch unter den Auswirkungen von Bezness leiden. Offenbar ist es

schwieriger, die mutwillige Manipulation zu verarbeiten als der Bruch einer

„normalen“ Beziehung. Leider gibt es aber dazu noch keine umfassenden

Forschungserkenntnisse und es können somit nur Vermutungen angestellt

werden.

8.6. Image der Touristinnen

Insgesamt leidet natürlich auch das Image der westlichen Touristinnen. Den

Frauen soll hier kein Vorwurf gemacht werden, da sie ja im Sinne von der

Definition von Bezness von einer Beziehung ausgehen. Dennoch schliessen die

Beznesser natürlich vom Verhalten der Frauen, die sie für ihre Zwecke gewinnen

konnten, auch auf das Verhalten von anderen Touristinnen.

Zusammenfassen kann gesagt werden, dass die Auswirkungen von Bezness

sowohl die Bereisten und deren Umfeld wie auch die Touristinnen selber

tangieren. Um im Falle von Hurghada noch genauere Aussagen zu machen,

fehlen aber im Moment wissenschaftliche Untersuchungen.

9. Fazit

Bezness wird es in Hurghada weiterhin geben.

Für die Beznesser sind dabei die ökonomischen Aussichten zu verlockend, um

darauf zu verzichten. Ohne Aussichten auf eine beruflich oder privat erfolgreiche

Zukunft, weit weg von seiner Familie und permanent den Wohlstand der

Touristen vor Augen, scheint es ihm nicht falsch, an diesem teilhaben zu wollen.

Zumal er durch sein anderes Verständnis für Beziehung davon ausgeht, der Frau

zu geben, was sie sucht und für sich zu nehmen, was er braucht.

Frauen wiederum erliegen durch ihre Urlaubsstimmung, dem Bedürfnis nach

Anerkennung und Geborgenheit immer wieder dem Charme der Beznesser.

Durch ihre anders geprägten Wertvorstellungen interpretiert sie die Verbindung

als Beziehung und unterstützt in diesem Sinne ihren Partner und dessen Familie

auch finanziell.

Die genauen Motive beider Seiten können dabei vielfältig sein. Grundsätzlich

unterscheiden sie sich aber dadurch, dass der Beznesser eine Verbesserung

seiner Lebenssituation anstrebt während die Touristin im Rahmen einer

Beziehung Liebe und Geborgenheit sucht. Dieser Unterschied und die Tatsache,

dass beide Partner von unterschiedlichen Kulturen geprägt sind, führen im

Folgenden zu Konflikten.

Mit der vorliegenden Arbeit konnten leider nur erste Erkenntnisse eingebracht

werden. Noch fehlen umfassendere wissenschaftliche Untersuchungen, um

genaue Aussagen über das Ausmass und Auswirkungen von Bezness in

Hurghada und anderen Destinationen zu machen.

Auch wenn Bezness in Hurghada in Zukunft weiterhin existieren wird, besteht die

Hoffnung, dass vermehrte Aufklärung über die unterschiedlichen Wertvorstellungen

dazu führt, dass Touristinnen Bezness-Verbindungen realistischer beurteilen

und sich der Problematik bewusst werden.

Bezness Ägypten: „To fish women“ (3)


Nachfolgend Teil 3 der Schriftliche Arbeit zur Erlangung des Diploms der Schweizerischen Tourismusfachschule STF, Plaine Bellevue, Postfach 80, 3960 Siders Bezness in Hurghada

Autorin Referent

Tschanz Kassem Franziska Anthamatten Hermann

Eingereicht am 15. Juni 2007

Schweizerische Tourismusfachschule Siders (VS)

Tschanz Kassem Franziska Bezness in Hurghada

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4. Bezness in Hurghada

4.1. Verlauf

Die Bezness-Geschichten in Hurghada laufen meist nach einem ähnlichen

Schema ab.

Die Frau fliegt nach Hurghada in den Urlaub, nicht selten zur Erholung nach einer

einschneidenden/ stressigen Situation (beispielsweise Arbeit, Trennung oder

Verlust). Manche Frauen machen aber auch Urlaub mit ihren Kindern und dem

Ehemann. In den meisten Fällen besteht absolut nicht die Absicht, sich sexuell

oder irgendwie anders mit einem einheimischen Mann einzulassen.

In Hurghada angekommen, lernt die Touristin einen Beznesser im Hotel, auf der

Strasse oder im Café kennen. Anders als die ägyptische Frau beantwortet die

Touristin eine Frage (z.B. „Your first time in Hurghada?“) aus reiner Höflichkeit

und gibt dem Beznesser damit die Chance, ein Gespräch zu beginnen. Zudem

wünscht sich die Touristin, mehr über das Land, in welchem sie Urlaub macht, zu

erfahren. Meist folgt auf ein oder mehrere belanglose Gespräche eine

schüchterne Einladung. Die Touristin ist fasziniert von seiner Art, sie als etwas

Besonderes zu sehen und ihr seine ganze Aufmerksamkeit zu schenken, und sagt

zu. RIGO führt an, dass diese Idealisierung der Frau bei vielen Touristinnen,

ihrem westlichen und romantischen Liebesbegriff entsprechend, falsche Illusionen

hervorruft.

Manche Touristinnen gehen mit ihrer Urlaubsbekanntschaft bis zum Äussersten,

bei anderen passiert vorerst gar nichts. Entscheidend ist aber, dass die

Verbindung nach dem Ende des Urlaubs nicht abbricht und sich der Kontakt

intensiviert. Unzählige Telefonate folgen und Stunden werden im Internetchat

verbracht, um sich besser kennen zu lernen.

Die seelische Verfassung, das Aussehen und Alter der Frau spielen dabei oft eine

entscheidende Rolle. Verzweiflung, (Existenz)Angst, Naivität, Trauer,

Zurückweisung anderer Männer und Minderwertigkeitskomplexe erleichtert ihm

das Bekunden von Werten wie Schutz, Bestätigung und Anerkennung, die für ihn

selber keine Bedeutung haben. Ihr aber vermitteln diese das Gefühl von

Selbstvertrauen, Geborgenheit und Liebe.

Oft ist der Altersunterschied relativ gross, er beispielsweise 19, sie über 60 Jahre

alt.

Dabei wird abgewogen, ob es besser ist, sich mit einer älteren Frau

einzulassen, weil diese finanziell meist besser gestellt und unabhängiger ist. Wie

man in Hurghada so schön sagt: „No money – no honey“. Jüngere Frauen sind

beliebt, wenn es um Sex geht und weil man sich mit ihnen lieber in der

Öffentlichkeit zeigt.

Die Touristin kehrt nach einiger Zeit wieder nach Hurghada zurück oder er reist in

das Heimatland der Frau. Die Touristin geht dabei davon aus, dass man sich

gemeinsame eine Zukunft aufbauen will.

Viele Frauen reisen dabei mehrere Male nach Hurghada, ohne zu wissen, dass

sie nicht die Einzigen sind. Wenn verschiedene Frauen gleichzeitig in Hurghada

sind, versteht es der Beznesser meist geschickt, sie voneinander zu verstecken.

Das ganze Umfeld weiss dabei meist Bescheid, sagt aber nichts. Viele Frauen

schlagen Warnungen auch in den Wind und leiden unter dem so genannten

„AMIGA-Syndrom“.

Die Frauen finanzieren oft den gesamten Aufenthalt,

inklusive Ausgaben für Anreise, Miete, Essen und Geschenke. Viele Frauen

schicken auch während ihrer Abwesenheit Geld, um der kranken Mutter eine

Operation zu ermöglichen, weil sie sonst stirbt oder um Schulden zu begleichen,

weil der Beznesser sonst angeblich ins Gefängnis wandern würde.

Oder sie kauft ein Haus, ein Auto oder finanziert sein eigenes Geschäft. Einige

Frauen geben die Existenz in ihrem Heimatland auf, um nach Hurghada

umzusiedeln, andere heiraten, um den Mann in ihr Heimatland nachkommen zu

lassen.

Tempo, Intensität und Ausmass unterscheiden sich dabei von Fall zu Fall.

Gemeinsam bleibt aber all diesen Geschichten, dass die Ziele und Absichten der

Touristin eine Beziehung nach ihren Vorstellungen ist, der Mann aber vor allem

seine Existenz sichern möchte.

Leider sind keine offiziellen Zahlen über Bezness in Hurghada verfügbar,

geschweige denn über andere nordafrikanische Destinationen.

Evelyne Kern schätzt die Lage in Tunesien folgendermassen ein:

„Allein aus Deutschland werden der Deutschen Botschaft in Tunis jährlich

etwa 1700 schwere Betrugsfälle [von Frauen] gemeldet. Die Dunkelziffer

liegt jedoch wesentlich höher, weil nicht jede Frau Anzeige erstattet.“

Es wurde versucht zu eruieren, ob die Besucherzahlen von weiblichen Gästen

über jenen von anderen Destinationen liegen, allerdings gibt es dazu leider keine

Zahlen (in bestehenden Erhebungen wird nicht nach Geschlecht unterschieden).

Weiter erschwert wurde die Recherche, da viele Frauen privat logieren –

insgesamt ist es nicht möglich, hier eine verlässliche Aussage über das Ausmass

von Bezness in Hurghada zu machen.

4.2. Die ägyptischen Beznesser

Der ägyptische Beznesser kann kaum charakterisiert werden. Es kann der

Besitzer eines grossen Reisebüros sein, der Sex will, es kann aber auch der

Angestellte eines Souvenirshops sein, der gerne einen eigenen Shop eröffnen

möchte oder der Kellner in einem Hotel, der davon träumt, in Europa zu arbeiten.

Motive, Ziele und Vorgehen hängen sehr stark davon ab, welches die persönliche

Situation des Mannes ist und was er in seiner Zukunft erreichen möchte. Mehr zu

den Motiven der Männer findet sich in Kapitel 5.

In Hurghada gibt es eine Art inoffizielle Gesellschaftshierarchie.

Zuoberst steht,

wer ein eigenes Geschäft oder Unternehmen hat. An zweiter Stelle stehen die

Angestellten des formellen Sektors, beispielsweise in einem Hotel. An dritter und

letzter Stelle stehen die Angestellten der Bazare (mit oft informellen

Anstellungsverhältnis). Kharti’s werden diese genannt und müssen die Touristen

von der Strasse fischen. Wer erfolgreich verkauft, hat Anspruch auf eine

Kommission.

Je tiefer also jemand in dieser Hierarchie steht, umso interessanter und wichtiger

ist für ihn auch der ökonomische Aspekt von Bezness.

4.2.1. Die Vorstellung einer Beziehung

In der Vorstellung der Ägypter gilt die Ehe als einzig rechtlich legale und

gesellschaftlich akzeptierte Verbindung zwischen Mann und Frau. Aussereheliche

Verbindungen gibt es zwar, sie entsprechen aber in keiner Weise geordneten

Verhältnissen.

POLLOK beschreibt die Vorstellung der Ehe folgendermassen:

Nach islamischem Recht stellt die Ehe einen zivilrechtlichen und von

ökonomischen Interessen ausgehenden Vertrag dar. Umarmungen, Küsse

und selbst das Händchenhalten fallenmit dem, was wir von erster

Verliebtheit an miteinander erleben, in der arabischen Gesellschaft aus

dem Rahmen des Normensystems. Darüber hinaus besteht überhaupt kein

Anspruch, Verliebte miteinander zu verehelichen, da sich die Gefühle

wirtschaftlichen Vorteilen unterordnen müssen. Liebe zwischen Eheleuten

drückt sich dementsprechend in Geschenken und nicht durch Zärtlichkeit

aus, da das Zusammenleben nicht auf gefühlvoller Zuwendung basiert und

anders als bei uns verstanden wird.

Freundschaft zwischen Mann und Frau gibt es nicht, wie SOOKHDEO anführt:

[Das Problem] ist, dass diese Art der geschlechterübergreifenden

Freundschaft in seiner Kultur überhaupt nicht existiert. Durch diesen

freundschaftlichen Umgang aber gibt sie ihm für ihn unmissverständliche

Signale, da er denken muss, sie wolle eine physische Beziehung und

ermutige ihn dazu.

Durch diese Ausführungen wird nun klar, inwiefern das Verständnis eines

ägyptischen Mannes für eine Beziehung sich total vom Verständnis einer

westlichen Frau unterscheidet. Auch wird klar, dass er wegen seines anderen

Verständnisses kaum Reue oder Gewissensbisse aufbringen wird, Bezness zu

betreiben. Auf die daraus entstehenden Konflikte wird nochmals näher in Kapitel

7.2 eingegangen.

Da es in Hurghada theoretisch illegal ist, unverheiratet zusammenzuleben, haben

sich die Orfi-Ehen etabliert. Dies ist ein Beispiel, inwiefern Bezness in Hurghada

zu einer Institutionalisierung geführt hat. Ägyptern ist es in Hurghada verboten,

sich auf der Strasse mit Touristinnen zu bewegen, als Konsequenz kann man

verhaftet werden. Durch diese halblegalen, bei einem Anwalt im Beisein von zwei

Zeugen angefertigten Orfi-Dokumente kann man sich auf der Strasse ungefährdet

bewegen und zusammen eine Wohnung mieten.

Dabei werden die Personalien beider Partner aufgenommen und der Vertrag wird

im Beisein der beiden Zeugen unterschrieben. Eine Kopie verbleibt dabei

normalerweise beim Anwalt, eine zweite verbleibt beim Paar. Anschliessend kann

der Vertrag im Familiengericht bei Bedarf beglaubigt werden und als Grundlage

für eine „echte“, aber nur in Ägypten anerkannte Heirat, dienen.

Allerdings können aufgrund eines Orfi-Dokuments seitens der Frau keinerlei

Forderung gestellt werden und Frauen wägen sich durch die „Heirat“ in falscher

Sicherheit. Der Mann kann ihr theoretisch die Ausreise aus dem Land verbieten.

Weiter kann Frau in ernsthafte Schwierigkeiten geraten, wenn sie mehrer solcher

Verträge unterschreibt (die Frau darf, im Gegensatz zum Mann, nur einmal

heiraten).

Viele Männer schliessen Orfi-Verträge mit mehreren Frauen oder benutzen immer

den gleichen Vertrag, auch wenn sie mit einer anderen Frau unterwegs sind.

Inzwischen kann man einen solchen Vertrag sogar schon in der Diskothek

anfertigen lassen, um jemanden, den man erst gerade kennen gelernt hat, mit

nach Hause zu nehmen.

Insgesamt sind diese Verträge sehr umstritten und

werden als Beweismittel im Falle eines Betruges nicht anerkannt.

Auch sind sie wie schon erwähnt nur halblegal, wenn man beispielsweise

zusammen ein Hotelzimmer buchen möchte oder aus Hurghada mit privatem Auto

„ausreisen“ will, ist der vom Gericht ausgestellte Ehevertrag nötig.

Nach offiziellen Angaben wird die Zahl dieser Orfi-Ehen in ganz Ägypten auf

700’000 geschätzt. Auch Orfi-Ehen zwischen Ägyptern und Ägypterinnen sind

keine Seltenheit mehr, meist weil man sich eine Heirat nicht leisten kann oder eine

zweite Ehefrau geheim halten will.

Sehr oft sind gerade ältere Beznesser schon mit einer ägyptischen Frau, mit der

er auch Kinder hat, verheiratet. Viele ägyptische Frauen tolerieren die

Verbindungen, meist haben sie auch gar keine andere Wahl. Eine Quelle

bezeichnet sogar die ägyptischen Ehefrauen als mögliche treibende Kraft für

Bezness, weil sie sich dadurch eine Verbesserung ihrer Lebensumstände

erhofft.

4.2.2. Ehrbegriff und Status

Wie schon erwähnt befinden sich die Männer in Hurghada meist ausserhalb ihres

gewohnten Umfeldes, da ihre Familien aus Oberägypten oder Kairo stammen.

Somit geniessen die Männer eine gewisse Anonymität und entfliehen der

Kontrolle der Familie. Gleichzeitig verlieren sie damit aber auch ein wichtiges

Merkmal ihrer Identität. In ihrem Dorf oder Viertel kennt jeder seine Familie und

alle wissen, welche gesellschaftliche Stellung diese einnimmt – die Rollen sind

fest verteilt. Familie und Ehre erfüllen somit eine identitätsstiftende Funktion.

Ehre ist eine spezifische Vorstellung, durch die gesellschaftliche

Verhältnisse geregelt werden. Es geht um den Rang und das

gesellschaftliche Ansehen einer Person, aber nicht der isolierten

Einzelperson, sondern der Person als Mitglied oder Repräsentant einer

Familie. (…) in traditionalen [arabischen] Gesellschaften ist die Stellung

des Einzelnen in der Gesellschaft durch seine Zugehörigkeit zu einer

bestimmen Familie gegeben. (…) Die Ehre ist deshalb ein Besitz, der stets

gefährdet ist. Die Familienmitglieder werden streng darüber wachen, dass

der Einzelne durch sein Auftreten in der Öffentlichkeit diesem kollektiven

Gut kein Schaden zufügt.

Da in Hurghada die meisten Männer aber ohne ihre Familie sind und ihnen somit

eine wichtige, auf tribalem Verständnis aufgebaute Identifikation fehlt, nimmt ein

anderes Attribut plötzliche eine wichtige Stellung ein: Status.

In (modernen) Gesellschaften, die durch innere Dynamik, also

Durchlässigkeit oder Umwälzung oder Abschaffung der Klassen- oder

Standesschranken definiert sind, ist die Stellung des Einzelnen eher etwas,

das er (durch Leistung) erwirbt, also ein Status.

Dies erklärt, wieso die Beznesser unbedingt zu Reichtum und Besitz kommen

wollen. Sie haben ihren Familienverbund verlassen und müssen sich nun

weitgehend anders identifizieren, auch um erfolgreich wieder zurückzukehren. Die

in Kapitel 3.4 beschriebene Netzwerkfunktion kann die Familie dabei nicht

vollständig ersetzen. Nur indem die oftmals jungen Männer einen gewissen Status

innerhalb eines anders strukturierten Gesellschaftssystems erwerben, können sie

auch nachhaltig zu ihrer Identität und zur Ehre der Familie beitragen.

Der Ehrbegriff nimmt aber weiterhin eine wichtige Rolle ein. Da Touristinnen dem

Ehrbegriff mit ihrem Verhalten und der Kleidung nicht gerecht werden, ist für die

Beznesser ihr Handeln gerechtfertigt.

4.3. Die europäischen Touristinnen

Ähnlich wie bei den ägyptischen Männern ist es kaum möglich, die Gruppe der

betroffenen Touristinnen zu beschreiben, da diese nicht homogen ist. Deshalb

können weder im Bezug auf Alter, Ausbildung noch Einkommen eine genaue

Aussage gemacht werden. Diese Erkenntnis wird auch von der gemachten

Umfrage gestützt.

Bei der Frage nach den Urlaubsbedürfnissen der Frauen ergab sich das folgende

Bild…

Für die befragten Frauen steht im Urlaub insbesondere das Bedürfnis nach

Erholung im Vordergrund. Dagegen steht aber Sex oder die

Suche nach einem Partner im Hintergrund. Wie HEROLD

feststellt, fährt die grosse Mehrheit der Frauen nicht mit der Absicht in den Urlaub, sich dort mit

einem einheimischen Mann einzulassen. Wenn dies dennoch geschieht, sehen

die Meisten diese Verbindung aber als romantisch und nicht sexuell.

Auch JEFFREYS führt dazu an:

“The woman tourists (…) do not recognize that the men are interested in

monetary reward and consider that they are being genuinely wooed for a

short-term romance or something more serious.”

Diese schon erwähnte Diskrepanz im Verständnis für die Verbindung führt zu

Konflikten. Insbesondere Frauen, die zum ersten Mal nach Hurghada reisen und

wenig über die Hintergründe wissen, beurteilen die Situation oft mit dem

Hintergrund ihrer eigenen Herkunft.

Offen und freundlich sein, besonders in Urlaub, ist selbstverständlich, wie auch

alleine in den Urlaub zu fahren. Ägyptische Männer beurteilen dieses Verhalten

aber mit ihren eigenen Werten und haben deshalb ein ganz anderes Bild der

Touristin.

Viele Frauen machen zudem die Erfahrung, dass sie sich nicht erklären können,

welches genau die Gründe für ihr Verhalten sind:

…, my behavior deviated so sharply from that at home that I shocked

myself. A completely new woman whom I’d never met (…), with no selfawareness

as to why. (…) So we know that a woman will behave differently

away from home, but we still wonder exactly why.

In den beiden folgenden Kapiteln werden nun die möglichen Motive der

Beznesser und Touristinnen diskutiert.

5. Motive der Männer

In diesem Kapitel werden die Resultate der Umfrage zu den Motiven der Männer

präsentiert. Zuerst wird jeweils die Beurteilung der befragten Frauen bzw.

Männer aufgezeigt, anschliessend werden diese mit Hilfe von bestehenden

Quellen interpretiert.

5.1. Langeweile

Frauen und Männer schätzen Langeweile nicht unbedingt als wichtiges Motiv von

Männern für Bezness ein. Somit ist Bezness weder ein Hobby noch ein

Zeitvertrieb, sondern hat andere Motive und Hintergründe.

5.2. Finanzielle Motive

Die Umfragen haben ergeben, dass 97% der Frauen glauben, dass finanzielle

Absichten ein sehr bis ziemlich wichtiges Motiv der Männer darstellen. Bei den

ägyptischen Männern sind es 89%, welche die finanziellen Motive als sehr bis

ziemlich wichtig einschätzen.

Wie schon erwähnt, ist das Einkommen vieler Ägypter sehr tief. Allerdings muss

man hier auch nach Erwerbstätigkeit unterscheiden.

Ein Angestellter in einem Bazar arbeitet normalerweise auf Kommissionsbasis,

diese beträgt zwischen 20 und 25% des Gewinnes. Einen durchschnittlichen

Verdienst anzugeben ist sehr schwierig, da dieser stark vom verkauften Gut, dem

erzielten Preis, den Käufern und der Saisonalität abhängt.

Ein einfacher Angestellter in einem Hotel in Hurghada verdient zwischen 30 und

100 EUR pro Monat, dazu kommen noch Einnahmen aus Trinkgeldern. Oft

werden diesen Angestellten Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung gestellt.

Da es sehr schwierig ist, von solch tiefen Gehältern zu leben, die Familie zu

unterstützen oder sich eine eigene Zukunft aufzubauen, suchen sich viele

Männer andere Einnahmequellen. DE ALBUQUERQUE führt dazu an:

For them this is simply another subsistence/survival strategy in a region

with perennially high rates of unemployment and underemployment.

Die direkte Frage nach Geld wird aber selten gestellt, da inzwischen viele Frauen

misstrauisch sind. Viel öfters wird ein Vorwand erfunden, wieso man dringend

Geld benötigt, meist unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, beispielsweise

dass ein Familienmitglied dringend operiert werden muss oder die Schwester

heiraten will. Aus Mitgefühl oder Mitleid unterstützen viele Frauen die

Beznesser. Oft bezahlt die Frau auch für Unterkunft und Essen sowie Eintritte oder Ausflüge,

alles Dinge, die er sich sonst kaum leisten könnte. SANCHEZ TAYLOR

beobachtete weiter das Folgende:

…, tourist women do not always realize how their local partners extract a

financial benefit from them. Beach boys [d.h.Beznesser] explained that the

trick is to take the woman to bars, shops and restaurants where friends

work, ensure that they are over-charged for goods, and then split the

reward with the friend.

In Hurghada beträgt der Anteil für den Beznesser nach einem erfolgreichen

Verkauf bis zu 50% Kommission. Wie schon in Kapitel 3.4 beschrieben ist dies

ein Grund, dass der Netzwerkfunktion eine wichtige Bedeutung zukommt. Da die

wenigsten Frauen Arabisch sprechen, kann auch ohne Probleme in ihrer

Anwesenheit verhandelt werden. Der Beznesser lässt die Frau gerne einen zu

hohen Preis bezahlen, weil sein Anteil sich dadurch vergrössert, lässt sie aber im

Glauben, dass er für sie einen sehr guten Preis ausgehandelt hat.

5.3. Besseres Leben

Frauen und Männer schätzen beide die Aussicht auf ein besseres Leben mit um

die 80% als sehr wichtiges Motiv für die Männer ein. Eine anonyme Autorin

schätzt das Verhalten der Männer folgendermassen ein:

Es geht ums Überleben, um den Traum ein gehobenes und sorgenfreies,

BESSERES Leben führen zu können, wie es alle Touristen bereits tun –

die Frauen selbst haben den Betrug in vielen Fällen sogar verdient – sei

es auf Grund ihrer Überheblichkeit, ihres Prahlens, dem Verlust jeglicher

Ehre… und ansonsten ist es egal – manchmal müssen Opfer gebracht

werden.

5.4. Sexualität

Die befragten Frauen und Männer stufen Sex je mit um die 70% als sehr

wichtiges Motiv für die Männer im Zusammenhang mit Bezness ein. Somit

stehen neben den ökonomischen Motiven auch sexuelle Motive sehr weit oben

auf der Rangliste.

Wie schon im Kapitel 4.2.1 beschrieben, ist es für einen Ägypter schwierig bis

unmöglich, sexuelle Erfahrungen mit Ägypterinnen ausserhalb einer Ehe zu

haben. Insbesondere jüngere Männer können aber eine Ägypterin erst heiraten,

wenn sie die dazu nötigen ökonomischen Voraussetzungen haben. Dabei muss

der Mann in Ägypten die Wohnung und das Gold für die Frau in die Ehe

einbringen und fähig sein, eine Familie zu ernähren.

Weiter fallen relativ hohe Kosten für das Hochzeitsfest selber an.

BOWMAN beschreibt in seinem Artikel die Situation von jungen Arabern in Israel

wie folgt:

Die Mädchen bringen die gesamte Ausstattung für den Haushalt mit. Diese Auslagen werden

von den Familien getragen, oft unterstützten deshalb die Brüder ihre Schwestern, damit sie

heiraten können.

…their sexual frustration [can be seen] as a result of traditions which

permit marriage only when a certain- advanced- age is reached and a

certain- seemingly inaccessible- prosperity is achieved.

BELLIVEAU argumentiert folgendermassen:

Islam’s strong proscriptions against extramarital sex and its required

chaperonage of unattached females give special incentive to single young

men (…) to seek out foreign tourists for sex.

Die Männer gehen dabei sehr oft davon aus, dass die Frauen auch wegen Sex

nach Hurghada reisen und sie ein Bedürfnis der Touristinnen befriedigen.

5.5. Interesse

Über 50% der Männer geben Interesse für die Touristinnen als Motiv an. Unklar

bleibt aber, inwiefern sie sich für die Touristin interessieren und ob es um die

Touristin als Persönlichkeit geht. Denkbar wäre auch, dass Interesse an ihrer

Kultur und Sprache besteht, um die für Bezness nötigen Kenntnisse zu

verfeinern oder Interesse wiederum nur an ihrer wirtschaftlichen Situation

herrscht.

Die befragten Frauen schätzen das Interesse des Beznessers an der Touristin

als viel weniger wichtiges Motiv ein. Die Wahrscheinlichkeit ist aber gross, dass

dieses Resultat auf die Erfahrungen der befragten Frauen zurückzuführen ist. Bei

Bezness interessieren sich die Männer ja nicht vordergründig für die

Persönlichkeit der Frau, sondern für ihren ökonomischen Hintergrund oder

Körper.

5.6. Bequemlichkeit

Auch dieses Motiv der Männer schätzen die befragten Frauen und Männer

wieder unterschiedlich ein. Vor allem die Männer schätzen Bequemlichkeit der

Beznesser als sehr bis ziemlich wichtiges Motiv ein. Die Frauen wiederum geben

mehrheitlich an, dass Bequemlichkeit ein weniger bis gar nicht wichtiges Motiv

ist. Insbesondere die Resultate der Frauen erstaunen hier, da angenommen wurde,

dass die Frauen das Motive Bequemlichkeit als wichtiger einstufen würden und

der Meinung wären, dass Männer Bezness betreiben, da sie zu bequem für

reguläre Arbeit wären.

5.7. Statusgewinn

Wie in Kapitel 4.2.2 schon angeführt, spielt Status in Hurghada eine wichtige,

identitätsstiftende Rolle. Deshalb erstaunt es wenig, dass Frauen und Männer

den Statusgewinn als sehr bis ziemlich wichtiges Motiv für Bezness beurteilen.

PRUITT und LAFONT bezeichnen es als „pressure to establish one’s maleness

through abilities to disperse cash“.

Anderen zeigen zu können, dass man Geld, ein Auto oder ein Haus hat und auch verschiedene Frauen haben kann, spielt eine wichtige Rolle.

Hinsichtlich der sexuellen Eroberungen (hier in Bezug auf die Karibik) führt

JEFFREYS die folgende Erkenntnis an:

Indeed researchers agree that because men gain superior masculine

status in Caribbean societies among their peers according to the number

of their sexual conquests, and white woman count for more points, beach

boys gain socially from sexual engagement with woman tourists.

Mehrere Frauen bedeuten mehr finanzielle Vorteile und somit einen besseren

Status.

5.8. Leichte Beute

Die grosse Mehrheit der befragten Frauen und Männer stufen das Motiv der

Beznesser, dass Touristinnen leicht zu erobern sind, mit sehr bis ziemlich wichtig

ein.

Wie bereits angesprochen, signalisieren die Touristinnen dem Beznesser auf

Grund seines Verständnisses und seiner Beurteilungsgrundlagen, dass sie bereit

für ein Abenteuer sind. Die leichte, knappe Bekleidung, für die Frauen im Urlaub

und der Sonne angebracht, hat für die Männer eine ganz andere Bedeutung.

Auch der Blick in die Augen bei einer Unterhaltung, die Bereitschaft, auf eine

Unterhaltung einzugehen, auf der Strasse stehen zu bleiben oder eine Einladung

anzunehmen, interpretiert der Beznesser als (sexuelle) Bereitschaft.

Eine Verabredung mit einer traditionellen Ägypterin in einem Cafe vor der Heirat

ist schwer vorstellbar. Schon alleine die Tatsache, dass Frauen alleine in den

Urlaub fahren, erweckt bei Ägyptern den Eindruck, dass sie nur gekommen sind,

um (sexuell) erobert zu werden.

„Auf Grund ihrer offensichtlichen Wertlosigkeit [die sie mit ihrem Verhalten

signalisieren] ist es kein Verbrechen, sie zu benutzen“, rechtfertigen Beznesser

ihr Verhalten.

5.9. Zukunftsperspektive

Das Motiv, dass der Mann so handelt, weil er keine Zukunftsperspektive hat,

wurde von der Mehrheit der befragten Frauen und Männer mit sehr bis ziemlich

wichtig beurteilt.

Auch wer sich eine sehr gute Ausbildung leisten kann, hat meist keine Aussicht

auf eine Arbeit mit einem regelmässigen Einkommen. Die Arbeitslosenquote in

Ägypten wird offiziell mit 10.3% (2006) angegeben. Viele Angestellte (gerade

im Staatsdienst) leben von einem Lohn, mit welchem sie Frau und Kinder nicht

ernähren können. Mit Arbeiten im informellen Sektor wird oft versucht, weitere

Einnahmen zu generieren. Eine soziale Absicherung vom Staat gibt es nicht,

meist unterstützt man sich innerhalb der Familie. So erstaunt es wenig, dass

20% der ägyptischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben.

5.10. Heirat

Wie schon in Kapitel 5.4 beschrieben, fallen für einen ägyptischen Mann im Falle

einer Heirat mit einer Ägypterin erhebliche Kosten an.

Schon bei der Definition von Bezness durch die befragten Frauen ist aus Abb. 1

ersichtlich, dass Heirat als wichtiges Kriterium für Bezness bezeichnet wird.

Insgesamt kann der Beznesser dadurch verschiedene andere Ziele erreichen.

Mit der Orfi-Heirat kann er mit der Touristin zusammen sein und ihr das Gefühl

von Sicherheit vermitteln. Dadurch wird sie umso mehr bereit sein, in die

gemeinsame Zukunft zu investieren.

Gleichzeitig muss man sich bewusst sein, dass trotz der Kosten längerfristig für

viele Beznesser und insbesondere deren Familie, nur eine Ägypterin als Frau

und Mutter in Frage kommt. Viele, insbesondere ältere Beznesser sind zudem,

ohne dass es die europäischen Frauen wissen, sowieso schon verheiratet und

geben die Ehefrau gar als Cousine oder Schwester aus.

Mit einer Ehe auf der Botschaft und der anschliessenden Ausstellung der

Aufenthaltsbewilligung kann er in das Heimatland der Frau reisen, welches

Reichtum und Erfolg verspricht.

Meist stellt sich das Leben dort allerdings in der Realität als nicht so

verheissungsvoll dar wie es erwartet wurde. Sprach- und

Integrationsschwierigkeiten und die Schwierigkeit, eine passende Arbeit zu

finden, belasten viele Ehen auf Dauer sehr stark, zumal die Frauen in ihrem

eigenen Heimatland den finanziellen Forderungen bald nicht mehr gewachsen

sind.

Zwar würden viele Beznesser in Hurghada Europa gerne besuchen, aber gerade

ältere Männer, die auch Verpflichtungen gegenüber der ägyptischen Familie

(Kinder, Frau oder Eltern) haben, wollen gar nicht unbedingt für eine längere

Zeitdauer in Europa bleiben. Für diese bleibt vor allem die Existenzsicherung in

Ägypten selber ein wichtiges Ziel.

Insgesamt können die Motive der männlichen Beznesser so zusammengefasst

werden, dass sie die Reaktion auf sexuelle Unterdrückung, Existenzängste und

aussichtslose Zukunftsperspektive sind.

Bezness Ägypten: „To fish women“ (2)


Nachfolgend Teil 2 der

Schriftliche Arbeit zur Erlangung des Diploms der Schweizerischen Tourismusfachschule STF, Plaine Bellevue, Postfach 80, 3960 Siders Bezness in Hurghada

Autorin Referent

Tschanz Kassem Franziska Anthamatten Hermann

Eingereicht am 15. Juni 2007

Schweizerische Tourismusfachschule Siders (VS)

Tschanz Kassem Franziska Bezness in Hurghada

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1. Einleitung

1.1. Das Phänomen Bezness

1.1.1. Definition nach Wikipedia

Bezness wird bei Wikipedia im Bezug auf Nordafrika wie folgt definiert:

Der Begriff Bezness ist nicht wörtlich übersetzbar, leitet sich jedoch von

dem englischen Wort Business (dt. „Geschäft“) [und dem deutschen Wort

Beziehung] ab und bezeichnet im weitesten Sinne „das Geschäft mit

(europäischen) Frauen“. (…)

Die primären Ziele von Bezness [für die Männer] sind eine sexuelle

Beziehung zu den Touristinnen, Geld, sowie eine mögliche

Aufenthaltsberechtigung im Heimatland der Frau durch eine eventuelle

Ehe.

1.1.2. Definition für die Arbeit

Der Begriff Bezness stammt aus Nordafrika (ursprünglich aus Tunesien), wird

aber durch die Berichterstattung in deutschen Medien auch hier immer mehr ein

Begriff. Das Phänomen Bezness kann man nicht nur in Nordafrika beobachten,

sondern in vielen touristischen Destinationen in der ganzen Welt.

Wissenschaftliche Untersuchungen dieses Phänomens gibt es vor allem für die

Karibik. In der wissenschaftlichen Fachliteratur wird dabei meist der Begriff

Romanzen- oder Sextourismus verwendet.

In Ägypten wird der Begriff „Bezness“ nicht verwendet und auch nicht

verstanden, meist wird die Tätigkeit mit „to fish women“ umschrieben.

Im Folgenden wird im Rahmen dieser Arbeit trotzdem nur der Begriff „Bezness“

verwendet, da dieser Begriff angebrachter als Romanzen- oder Sextourismus

erscheint, um das Phänomen in Hurghada zu beschreiben.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bezness (22. Mai 2007). Über die Neutralität des Beitrages wird

noch diskutiert, allerdings weniger im Bezug auf die Definition.

Siehe auch Kapitel 1.3

Quelle: eigene Beobachtung. Dies erklärt im Übrigen auch die Abbildung auf dem Deckblatt.

Tschanz Kassem Franziska Bezness in Hurghada

In der Definition von Wikipedia fehlen allerdings Absichten, Ziele und Motive der

Frauen gänzlich. Um diesen Aspekt zu ergänzen, wird im Folgenden „Bezness“

für diese Arbeit definiert als Phänomen, bei dem die Touristinnen von einer Beziehung/ Partnerschaft

nach westlichem Verständnis ausgehen, während den Männern die

Verbindung als Lebensunterhalt oder zum Vergnügen dient.

Binationale Beziehungen, die den oben genannten Kriterien nicht entsprechen,

werden also in dieser Arbeit NICHT angesprochen. Auch reiner Sextourismus

oder Urlaubsflirts von Touristinnen werden NICHT untersucht, da diese nicht

Bezness entsprechen (Aspekt der Beziehung fehlt).

Durch die Definition wird auch klar, welches das grundsätzliche Problem von

Bezness ist – nämlich dass beide Partner nicht die gleichen Vorstellungen,

Motive und Ziele innerhalb der Verbindung haben.

Wird im Folgenden von „Frau“ oder „sie“ in diesem Sinne gesprochen, wird damit

die europäische Touristin gemeint. Wird dagegen vom „Mann“ oder „ihm“

gesprochen, ist darunter der ägyptische Beznesser zu verstehen.

Beweggründe und Motive sind immer auch abhängig von sehr vielen Faktoren.

Verallgemeinerungen konnten nicht verhindert werden, da der Rahmen der

Arbeit sonst gesprengt worden wäre, zumal keine wissenschaftliche Erkenntnisse

zu der Situation in Hurghada vorliegen.

1.1.3. Kriterien zur Definition anhand der Umfrage

In den Umfragen wurde den teilnehmenden Frauen auch die Frage gestellt,

anhand welcher Kriterien sie Bezness definieren würden. Alle abgefragten

Kriterien sind möglicher Bestandteil von Bezness und es sollte geprüft werden,

inwiefern die Gewichtung dieser Kriterien variiert.

Siehe vorangehendes Kapitel

Siehe Kapitel 1.2.2

Kriterien zur Definition von Bezness

Geldforderungen Andere

Beziehungen

Unehrlichkeit Vorteil durch

Heirat

Forderung von

Geschenken

Altersunterschied

Vor allem die Kriterien, ob Geldforderungen gestellt werden, ob der Beznesser

gleichzeitig noch Beziehungen mit anderen Frauen hat und dass er eine

europäische Frau nur zu seinem Vorteil heiraten will, wurde von einem grossen

Teil der Frauen als zutreffendes Kriterium für Bezness erachtet.

Hinsichtlich der Höhe der Beträge bei Geldforderungen wurden verschiedene

Angaben gemach, meist wurde das Kriterium als erfüllt erachtet, wenn der Betrag

100 EUR überstieg.

Bei der Frage nach anderen Beziehungen wurde angeführt, dass dieses Kriterium

alleine nicht ausreiche, um Bezness zu definieren. Wenn der Mann aber mehrere

Beziehungen gleichzeitig unterhält um seinen Gewinn zu maximieren, ist dies oft

ein wichtiger Bestandteil von Bezness.

Besonders die Absicht auf Heirat, um damit eine Aufenthaltsmöglichkeit im

Heimatland der Frau zu erhalten, definieren 94% der Frauen als Kriterium für

Bezness.

Da direkte Geldforderungen gerne vermieden werden um das Misstrauen der Frau

nicht zu wecken, wird oft nach (teuren) Geschenken, wie beispielsweise Handys,

Kleider, Parfums oder Autos gefragt.

Beim Altersunterschied wurde immer wieder die Überlegung angeführt, dass ein

arabischer Mann normalerweise nie eine ältere Frau heiraten würde. Meist wurde

ein Altersunterschied von zehn Jahren angegeben, wobei die Frau älter ist als der

Mann, damit das Kriterium erfüllt ist.

Bei weiteren Kriterien wurde mehrmals angegeben, dass Gefühle vom Beznesser

nur vorgetäuscht werden, um sein Ziel zu erreichen, sowie gezielte Manipulation

der Frau.

Zum Vergleich: Ein einfacher Hotelangestellter verdient in Hurghada ohne Trinkgelder im Monat

zwischen 30 und 100 EUR.

1.2. Methodik

1.2.1. Auswertung der Fachliteratur

Leider gibt es keine Untersuchungen oder Literatur zu Bezness in Hurhgada. Wie

schon erwähnt, kann das Phänomen aber in vielen touristischen Destinationen

beobachtet werden.

Die verfügbare Literatur setzt sich vor allem mit Sex- oder Romanzentourismus in

der Karibik auseinander. Einzelne Artikel befassen sich mit Tunesien, Ecuador,

Gambia und Indonesien. Diese liefern erste Erkenntnisse über das Vorgehen,

Motive und Hintergründe der Männer und Frauen.

Anhand dieser Informationen und Kriterien aus der Fachliteratur wurde die

Situation in Hurghada ausgewertet. Die Erkenntnisse aus bestehenden Studien

wurden, wo angebracht, mit den eigenen Beobachtungen und Erfahrungen

anderer in Hurghada verglichen und zur Untermauerung der Erkenntnisse aus den

Umfragen und Foren beigezogen.

1.2.2. Umfragen und Auswertung der Foren

Wie schon erwähnt wurden bisher im Zusammenhang mit Bezness und Hurghada

keine Untersuchungen durchgeführt. Um dennoch erste Anhaltspunkte zu haben,

wurden verschiedene Online-Umfragen gemacht. Dazu wurde ein Link zum

Fragebogen in verschieden Foren eingestellt:

I. Forum: http://www.1001geschichte.de

ist die Website der deutschen Autorin Evelyne Kern, die durch eine

Beziehung mit einem Tunesier selber Erfahrung mit Bezness machte. Sie

hat ihre Erfahrungen im Buch „Sand in der Seele“ verarbeitet und

daraufhin das Forum für betroffene Frauen eingerichtet.

Siehe Kapitel 1.3

Kern Evelyne, Sand in der Seele, Verlag Kern, 2007, 360 Seiten

Insgesamt haben an der Umfrage 88 Frauen teilgenommen, die in

Hurghada waren. Sie wurden unter Anderem zu möglichen Motiven von

Frauen und Männern und zur Definition von Kriterien von Bezness befragt.

Die Mehrheit der Frauen, die an der Umfrage teilgenommen haben, stammt

aus Deutschland (78%), je 7% stammen aus Österreich und der Schweiz.

Die Altersspanne umfasst 17-63 Jahre.

Nicht alle diese Frauen sind oder waren von Bezness betroffen, viele

Leserinnen der Website sind allerdings in irgendeiner Form involviert.

Die Betreiber des Forums akzeptieren keine Beiträge über funktionierende

binationale Beziehungen – insofern muss man sich bewusst sein, dass

sich das Forum AUSSCHLIESSLICH „dem Kampf gegen Bezness“ widmet.

Mögliche Erklärungen zum Verhalten der Männer werden nicht berücksichtigt.

Somit kann die Umfrage nicht als allgemein repräsentativ bezeichnet

werden, nur in Bezug auf das Forum.

II. Forum: http://www.dezy-house.ru

Der Fragebogen wurde weiter in das russische Forum „Dezy House“

eingestellt, welches Beschreibungen und Fotos von „Tätern“ veröffentlicht.

Durch diese weitere Umfrage sollte eruiert werden, ob es eine

unterschiedliche Haltung der deutschsprachigen/ westeuropäischen und

russischen/ osteuropäischen Frauen im Bezug auf Bezness gibt bzw ob

diese Frauen Bezness anders definieren.

Der Link zum englischsprachigen Fragebogen wurde aber nach kurzer Zeit

gelöscht und er konnte nur von drei Teilnehmerinnen ausgefüllt werden.

Somit ist es unmöglich, einen aussagekräftigen Vergleich zu machen. Im

Folgenden wurden diese drei Antworten deshalb vernachlässigt.

III. Forum: http://www.egyptsearch.com

Das Forum wird von Ägyptern und Ägypten-Fans genutzt. An der

englischsprachigen Umfrage haben neun ägyptische Männer

teilgenommen. Mit Ausnahme von einer Person stammen alle befragten

Männer aus Kairo. Der Ausbildungsgrad reicht von keiner abgeschlossenen

Ausbildung bis zum Master. Durch die tiefe Anzahl von Antworten kann

auch diese Umfrage als nicht repräsentativ bezeichnet werden.

Eine persönliche Befragung der Beznesser hat bewusst nicht

stattgefunden. Durch das Forum, die Literatur und persönliche Erfahrungen

kann aber doch ein breiter Überblick über mögliche Motive gegeben

werden. Insgesamt decken sich diese mit den Antworten aus der Umfrage.

Die Ergebnisse der Umfragen werden im Folgenden in die Arbeit einfliessen.

Auch die Diskussionen und Geschichten auf den Foren wurden verwendet, um die

Erkenntnisse auszuwerten und zu stützen.

Zeitraum der Befragung: 17. April 2007 – 18. Mai 2007

http://www.egyptsearch.com/forums/ultimatebb.cgi?ubb=get_topic;f=3;t=003053 (19. Mai 2007)

Die Rohdaten der Umfragen sind der Arbeit in Form einer CD beigelegt.

1.2.3. Interviews

Eine Interviewanfrage vom 12. April 2007 beim ägyptischen Fremdenverkehrsamt

in Bern wurde mit der Begründung abgelehnt, dass dies ein zu persönliches

Thema sei, um sich offiziell zu äussern.

Die ägyptische Botschaft in der Schweiz wie auch in Deutschland haben

Interviewanfragen per Mail nicht beantwortet.

Am 21. Mai 2007 wurde ein Interview mit dem Imam der Moschee Bern, Ahmed

Omar, durchgeführt.

Der Imam berät muslimische und binationale Paare im Falle

von Konflikten. Die Erkenntnisse aus dem Interview sind vor allem in das Kapitel 7

(Konflikte) eingeflossen.

1.2.4. Eigene Erfahrungen

Schliesslich sind auch eigene Beobachtungen und Erkenntnisse, gesammelt

während einem einjährigen Aufenthalt der Autorin in Ägypten, mit in die Arbeit

eingeflossen.

Der Fragekatalog befindet sich im Anhang IV. Dieser diente dabei nur als Stützte und die Fragen

wurden nicht chronologisch beantwortet. Deshalb wurde auf das Anfügen der gemachten Notizen

verzichtet.

1.3. Stand der Fachliteratur

Wie schon erwähnt, gibt es bisher erste wissenschaftliche Erkenntnisse zur

Situation in der Karibik. Insbesondere in Jamaika und der Dominikanischen

Republik wurden schon Studien und Befragungen mit Betroffenen durchgeführt.

Im Moment findet im wissenschaftlichen Diskurs eine Kontroverse statt.

Diese dreht sich um die Frage, ob im Hinblick auf die Karibik die Bezeichnung

„Romanzentourismus“ oder „Sextourismus“ angebrachter für das Verhalten der

Touristinnen ist.

Es würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, weiter auf diese Kontroverse

einzugehen, grundsätzlich geht es aber um die Diskussion, welche Motive die

Frauen haben (romantische Beziehung oder Sex) und die Frage, ob sich ihre

Motive von jenen der männlichen Sextouristen unterscheiden.

Auch die Frage, ob es sich bei diesem Phänomen um Prostitution handelt, soll

hier, anders als in der Fachliteratur, nicht weiter diskutiert werden.

Sicherlich spielen ökonomische Überlegungen der Männer eine wichtige Rolle, aus seiner

Sicht würde sich aber kein Beznesser als Prostituierter bezeichnen.

DAHLES

und BRAS argumentieren in ihrem Artikel, dass man solche Verbindungen weder

mit dem Konzept „Prostitution“ noch dem Konzept „Liebe“ treffend

charakterisieren kann.

Stand Februar 2007. Inzwischen sind die Resultate einer weiteren Studie zu Dahab (Ägypten)

erschienen. Leider konnten diese aber für die Arbeit nicht mehr berücksichtigt werden. Der

Vollständigkeit halber soll diese aber hier dennoch erwähnt werden. Abdalla, Mustafa – Beach

Politics: Gender and Sexuality in Dahab, The American University in Cairo Press (30. April 2007)

In dieser Arbeit wird grundsätzlich auf die Begriffe Romanzen- oder Sextourismus

verzichtet, da es um Bezness, mit der in Kapitel 1.1.2 getroffenen Definition, geht.

Dabei spielt der grundsätzliche Unterschied im Verständnis der Verbindung eine

so grosse Rolle, dass weder der Begriff „Liebesbeziehung“ noch „Prostitution“

(sexuelle Leistung gegen Bezahlung) das Phänomen als Ganzes erfassen

können.

Obwohl die bestehende Literatur diesen Aspekt oft ausser Acht lässt und sich nur

mit Sex- oder Romanzentourismus befasst, sind die bestehenden Erkenntnisse,

wo angebracht, in diese Arbeit eingeflossen. Sexualität oder finanzielle Interessen

sind wichtige Aspekte von Bezness, aber eben nicht die Einzigen.

Nebst der Literatur über die Karibik gibt es einzelne Artikel zu Gambia,

Indonesien, Ekuador, Israelund Tunesien, sowie ein Buch über

weiblichen Sextourismus, welches erst kürzlich erschienen ist.

Eine Übersicht der verwendeten Literatur befindet sich in der Bibliographie.

2. Zielsetzung

Vordringlichstes Ziel der Arbeit ist es, über das Phänomen Bezness in Hurghada

zu informieren. Dabei sollen Motive BEIDER Seiten näher beleuchtet werden, auf

das Konfliktpotential einer solchen Verbindung eingegangen und mögliche

Auswirkungen auf das Umfeld aufgezeigt werden.

Ziel der Kapitel 3 und 4 ist es darzustellen, inwiefern sich die Destination

Hurghada auf das Phänomen Bezness eingestellt hat und Infrastrukturen und

institutionelle Einrichtungen darauf abgestimmt wurden. Auch mögliche

Voraussetzungen, die Bezness in Hurghada begünstigen, sollen nicht ausser Acht

gelassen werden.

Dadurch, dass beiden Partnern ein ganz anderes Verständnis von Beziehung

zugrunde liegt, gibt es auch unterschiedliche Motive, Bedürfnisse und Ziele. Diese

sollen in den Kapiteln 5 und 6 näher beleuchtet werden. Das Handeln beider

Parteien soll in keiner Weise entschuldigt oder verurteilt werden, sondern es wird

auf die unterschiedliche Beurteilung durch andere kulturelle, gesellschaftliche und

persönliche Hintergründe eingegangen.

Durch diese unterschiedlichen Hintergründe entsteht ein grosses Konfliktpotential.

Ziel des Kapitels 7 ist es, auf dieses hinzuweisen. Kein Ziel der Arbeit ist, eine

Lösung für diese Konflikte zu finden. Kultur und Gesellschaft prägen Personen so

stark, dass es schwierig sein dürfte, Konflikte, die einer Bezness-Verbindung

zugrunde liegen für beide Seiten befriedigend zu lösen, zumal die Bereitschaft zur

Konfliktlösung wohl kaum vorhanden ist.

Abschliessendes Ziel des Kapitels 8 ist es, einige Aspekte der Auswirkungen von

Bezness auf die Bereisten, deren Umfeld, sowie auf die Touristinnen aufzuzeigen.

Grundsätzlich befasst sich die Arbeit nicht mit Touristinnen, die ausschliesslich

aus sexuellen Motiven reisen und auch nicht mit „normalen“ binationalen

Beziehungen.

3. Die Destination Hurghada

3.1. Die Rolle des Tourismus

Bis in die achtziger Jahre war Hurghada ein kleines Fischerdorf. Nach dem Bau

von einzelnen Hotelanlagen entwickelte sich der Ort während den neunziger

Jahren immer mehr zur massentouristischen Destination. Im Jahr 2004 wurden

über eine Million Touristenankünfte registriert, alleine in den ersten vier Monaten

des Jahres 2005 waren es schon über 700’000 Ankünfte.

Hurghada ist eine der beliebtesten Tauch- und Badeferiendestinationen Ägyptens.

Einheimische Kultur hat die Stadt (ausser einer Moschee) keine zu bieten. Dafür

werden den Touristen Ausflüge nach Kairo oder Luxor angeboten.

Der Tourismus nimmt in der ägyptischen Volkswirtschaft einen wichtigen

Stellenwert ein, nach Schätzungen produziert er über 20% des ägyptischen BIP.

Somit wird durch den Tourismus eine Vielzahl von Arbeitsplätzen geschaffen.

Alleine in den 136 momentan bestehenden Hotels in Hurghada mit einer

Bettenkapazität von 57’000 Betten arbeiten fast 30’000 Personen. An weiteren 33

Hotels wird im Moment noch gebaut.

Wegen seiner positiven wirtschaftlichen Effekte trägt der Tourismus auch zur Stabilisierung des politischen Systems bei.

Nach den Anschlägen in Luxor im September 1997 und dem dadurch

begründeten Ausbleiben von westeuropäischen Touristen wurde die Destination

verstärkt vom russischen und osteuropäischen Markt entdeckt…

Auch verschob sich durch den Anschlag das Gewicht vom Kulturtourismus in

Kairo und Oberägypten vermehrt in Richtung Bade- und Strandtourismus (vor

allem Rotes Meer/ Hurghada und Sinaihalbinsel/ Sharm el-Sheik).

Ein grosser Teil der touristischen Wertschöpfung verbleibt nunmehr in den

Händen der ausländischen Grosskonzerne, die in firmenintegrierte Ressorts an

den Küsten investierten. Durch diese Konzentration der Marktmacht verlieren die

einheimischen Leistungsträger immer mehr an Einfluss.

3.2. Entwicklung

Mit der Zunahme des Badetourismus wuchs die Bevölkerung Hurghadas

innerhalb von kürzester Zeit auf bis über 87’000 Einwohner.

Hinzu kommen etwa 140’000 Pendler, die unregelmässig in Hurghada direkt oder indirekt vom

Tourismus leben.

Die fast ausschliesslich männlichen Bewohner verlassen ihre

Familien, meist aus Kairo und Oberägypten, um in den Badedestinationen Arbeit

und Verdienst zu finden.

Schon in der Infrastruktur Hurghadas ist zu erkennen, dass die Stadt

explosionsartig wuchs und nicht die normalen ägyptischen

Gesellschaftsstrukturen aufweist. Wasser, welches aber nicht trinkbar ist, muss

grösstenteils mit Tanklastwagen aus dem 230 km entfernten Qena

herbeitransportiert werden. Zum Trinken und Kochen müssen abgefüllte

Wasserflaschen gekauft werden. Die Stadt ist in zwei Sphären geteilt – der

Bereich der Touristen ist relativ sauber, die Hotelanlagen modern, die

Zugangsstrassen betoniert. Der Bereich der Bevölkerung verfügt über keinerlei

Abwassersystem, die Abwassergruben der Häuser werden regelmässig

ausgepumpt. Eine Abfallentsorgung gibt es nicht, der Kehricht stapelt sich in den

ungeteerten Strassen.

Hurghada verfügt praktisch nur über möblierte Wohnungen oder Studios, die

meist von mehreren Männern geteilt werden. Geschäftszweige wie Wäschereien

und kleine Imbisse florieren, da keine Familien mit Frauen vorhanden sind, welche

sonst die Aufgaben innerhalb des Haushaltes übernehmen.

Weiter entstand eine Vielzahl von Internetkaffees, durch welche die

Kommunikation nach aussen sichergestellt werden kann. Oft kann man

Beznesser dort beobachten, wie sie mit verschiedenen Frauen gleichzeitig

chatten.

Obwohl die Lebensunterhaltskosten in Ägypten tiefer sind als in der Schweiz, sind

die Ausgaben für Miete, Lebensmittel und Kleider in Hurghada durch den

Tourismus enorm gestiegen. Allein die Miete für eine möblierte

Dreizimmerwohnung liegt im Moment bei etwa 1500 LE (ca. 320 CHF).

Bei einem durchschnittlichen Verdienst eines Hotelangestellten von 150 CHF pro

Monat müssen die Wohnungen meist von mehreren Männern geteilt werden.

Durch die Öffnung des russischen Marktes kam es zu einem signifikanten

Preiszerfall. Ein vier Sterne Haus in Hurghada verkauft ein Zimmer all-inclusive

heute für neun US-Dollar pro Tag und Person an die ägyptischen

Reiseveranstalter. Um im hart umkämpften, osteuropäischen Markt bestehen zu

können, werden die Zimmer zum gleichen Preis an die russischen

Reiseveranstalter weiterverkauft. Somit leben die ägyptischen Reiseveranstalter

meist vom direkten Verkauf von Ausflügen an Touristen, sowie den Einnahmen

aus Kommissionen von Verkäufen während diesen Ausflügen.

3.3. Angebotsstruktur

Die Destination ist ganz auf die Bedürfnisse der Touristen ausgerichtet, in der

Hauptverbindungsstrasse (Sheraton Road) reiht sich Souvenirshop an

Souvenirshop. Die weitere touristische Infrastruktur von Hurghada umfasst vor

allem Hotels, Restaurants und Einrichtungen weiterer touristischer

Leistungsträger.

Ägyptern ist der Zugang zu Hotels und deren Stränden

untersagt, in Discotheken wird ihnen meist nur mit weiblicher Begleitung Eintritt

gewährt.

Da der Markt für Souvenirs (nebst der Arbeit in einem Hotel oder als Reiseführer

ein wichtiger Erwerbszweig) einerseits total überschwemmt ist und andererseits

die finanzstarke Klientel fehlt (Abnahme der westeuropäischen Gäste), führte der

Konkurrenzkampf auch hier zu einem Zusammenbruch der Preise. BOWMAN

beschreibt in seinem Artikel die Situation in Jerusalem, die aber genauso auf die

Lage in Hurghada zutrifft:

The merchants of the tourist market, (…), strove to sell nearly identical

items – mementoes with little if any use value – o a transient population

which was only vaguely desirous of souvenirs. They neither sold the sorts

of good which ensured demand, provided the sort of specialization which

made one shop different from the next, nor could depend on a flow of

established customers (…). In consequence, the tourist suq [market] (…)

was, to a rather brutal degree, a buyer’s market.

3.4. Informeller Sektor

Durch die schwierige Ertragslage nimmt der informelle Sektor in Hurghada eine

wichtige Rolle ein.

Als informeller Sektor wird landläufig der Teil einer Volkswirtschaft

bezeichnet, der im Gegensatz zum formellen Sektor nicht durch

formalisierte Beschäftigungsverhältnisse geprägt ist und sich dadurch der

staatlichen Kontrolle oft entzieht.

Die Tätigkeit im informellen Sektor ermöglicht je nach Erfolg eine Neben- oder

Haupteinnahmequelle, da die Beschäftigung im formellen Sektor ein zu kleines

Einkommen generiert um den gewünschten Lebensstandard zu finanzieren.

Im informellen Bereich wird vor allem durch Vermittlungstätigkeiten versucht, eine

Kommission zu erwirtschaften, beispielsweise bei der Vermittlung einer Wohnung,

eines Ausfluges, eines Autokaufs oder bei Einkäufen. Da die Vermittlungstätigkeit

einen finanzstarken Investor voraussetzt, sind Touristinnen gerne gesehene

„Partner“.

Der informelle Sektor ist auch deshalb so wichtig, weil viele Männer gar nicht eine

ausreichende Bildung haben, um eine Arbeit im formellen Sektor zu finden.

PRUITT und LAFONT erwähnen (in Zusammenhang mit Jamaika) folgendes:

Yet, uneducated and unskilled young men living near the resort areas are

effectively cut off from formal jobs in the tourism industry. The prevalence

of romance tourism [d.h. Bezness] has meant that increasing numbers of

young men routinely view a relationship with a foreign woman as a

meaningful opportunity for them to capture (the love and) money they

desire.

In Hinblick auf Bezness kommt dem informellen Sektor eine besondere

Bedeutung zu, da die Reisen und Aufenthalte der Frauen oft privat organisiert

sind. Weiter besteht innerhalb des informellen Sektors eine Art Netzwerkfunktion,

indem man beispielsweise im Souvenirshop, in welchem der Cousin oder jemand

aus dem gleichen Dorf arbeitet, mit der Frau einkauft. Ressourcen verbleiben

innerhalb des Netzwerkes und man kann darauf zählen, dass sich der Cousin

oder Freund bei der nächsten Gelegenheit revanchiert. Somit wird auch der

maximale Nutzen des Multiplikatoreffekts sichergestellt. Dies ist auch eine

Erklärung dafür, dass kein Interesse an moralischen Überlegungen besteht,

immerhin profitiert auch das Netzwerk.

Eine Institutionalisierung dieser Strukturen wird weitgehend ausgeschlossen, auch

wenn es (bedingt verlässliche) Quellen gibt, die behaupten, dass in Hurghada

junge Männer von Mitarbeitern der Reiseveranstalter mittels Katalogen an

(russische) Frauen angeboten werden.

Um den informellen Sektor einzudämmen, durch welchen der Staat Geld verliert

und welcher den Aufenthalt von unerwünschten, informellen Arbeitern in

Hurghada ermöglichte, wurden im Herbst 2006 alle Ausflugsbüros ohne staatliche

Lizenz geschlossen. Diese verkauften den Touristen auf der Strasse Ausflüge, die

weit unter den offiziellen Preisen der Hotels und Touroperatoren lagen. Meist

wurden die Ausflüge von denselben Leistungsträgern durchgeführt, die

Touroperatoren verkaufen diese aber mit einer sehr hohen Gewinnspanne, da sie

eine wichtige Einnahmequelle darstellen.

Der über den informellen Sektor verkaufte Ausflug aber musste neben den anfallenden Kosten nur die

Kommission/ Gewinn des Vermittlers und Anbieters decken und war somit

günstiger. Mit der Schliessung dieser Ausflugsbüros verloren viele einen für sie

wichtigen Nebenverdienst.

Bezness Ägypten: „To fish women“ (1)


Aufgrund der großen Resonanz der Bezness-Artikel auf diesem Blog möchte ich in den nächsten Tagen in Auszügen eine Schweizer „Bezness-Studie“ veröffentlichen, eigentliche eine schriftliche Arbeit zur Erlangung des Diploms der Schweizerischen Tourismusfachschule STF, die bereits 2007 von der Autorin eingereicht worden ist.

Angesichts dessen, dass in Ägypten, wie auch in Tunesien, nach den Revolutionen die Wirtschaft am Boden liegt, genauso wie der Tourismus und dadurch die Einnahmequellen der Einheimischen (Männer) sehr beschränkt ist, die im Tourismusgewerbe arbeiten, hat diese „Studie“ nichts von ihrer Brisanz und Aktualität verloren.

Gerne können mir Ägypten- und Tunesien-Urlauberinnen ihre diesbezüglichen Erfahrungen mitteilen.

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Schriftliche Arbeit zur Erlangung des Diploms der Schweizerischen Tourismusfachschule STF, Plaine Bellevue, Postfach 80, 3960 Siders Bezness in Hurghada

Autorin Referent

Tschanz Kassem Franziska Anthamatten Hermann

Eingereicht am 15. Juni 2007

Schweizerische Tourismusfachschule Siders (VS)

Tschanz Kassem Franziska Bezness in Hurghada

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Zusammenfassung

Bezness, eine Mischung aus dem deutschen Wort „Beziehung“ und dem

englischen Begriff „business“, ist ein Phänomen, dem man nicht nur in Hurghada

begegnet, sondern in vielen touristischen Destinationen auf der ganzen Welt.

Touristinnen fahren in den Urlaub und verlieben sich in Kellner, Animateure, den

Reiseleiter oder Strassenhändler.

Während die Frauen von einer Beziehung nach ihren Vorstellungen ausgehen,

dient den Männern die Verbindung, oft mit mehreren Frauen gleichzeitig, als

Lebensunterhalt und Vergnügen.

Der Verdienst in der Touristendestination Hurghada ist im Vergleich zu den

Ausgaben der Touristen verschwindend klein, heiraten können Ägypter erst

dann, wenn sie einen gewissen Lebensstandart erreicht haben. Vorehelicher Sex

mit ägyptischen Frauen ist ein Tabu. Eine Arbeitsstelle, die Aussicht auf eine

Verbesserung der Situation verspricht, ist trotz guter Ausbildung schwierig zu

finden, um ein eigenes Business aufzubauen, fehlen die finanziellen Mittel.

Eine Touristin aber kann dies alles bieten: Sexualität ist für sie Teil einer

Beziehung, sie hat Geld, denn sie kann sich einen teuren Urlaub leisten und zu

verlockend ist die Aussicht auf eine Heirat, die den Aufenthalt in ihrem

Heimatland verspricht.

Frauen schätzen dabei, zumindest anfänglich, die ungeteilte Aufmerksamkeit und

Komplimente der Beznesser, die ihnen das Gefühl geben, etwas Besonderes zu

sein. Sie gehen davon aus, eine Partnerschaft nach ihren Wertvorstellungen

einzugehen und unterstützen ihren „Habibi“ deshalb auch gerne.

Die vorliegende Arbeit beleuchtet im Folgenden Beznesser und Touristin in

Hurghada näher und setzt sich mit ihren Motiven und Wertvorstellung

auseinander. Auch das Konfliktpotential einer solchen Verbindung, begründet

durch die unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründe, wird

thematisiert. Abschliessend werden einige Aspekte der Auswirkungen von

Bezness diskutiert.

Vorwort

Bezness

Nachdem ich selber längere Zeit in Hurghada gewohnt habe, stellte ich fest, dass

es immer wieder Touristinnen gibt, die sich während des Urlaubs in Hurghada in

Beznesser verlieben. Meist beginnt es mit einem harmlosen Gespräch – und

endet damit, dass der Beznesser nach kurzer Zeit von Liebe, Heirat und einer

gemeinsamen Zukunft spricht. Nachdem die Touristin wieder heimgereist ist,

bleiben sie in Kontakt – er verbringt seine Zeit aber während sie weg ist bereits

mit anderen Frauen. Kurze Zeit später reist die Touristin wieder nach Hurghada,

um ihren „Habibi“ zu besuchen. Oder sie entschliesst sich, ihn zu heiraten, damit

er mit ihr in ihrem Heimatland leben kann.

Einige Ägypter betreiben dieses „business“ professionell, manipulieren, spielen

Gefühle vor und bandeln mit mehreren Frauen gleichzeitig an, um mit Sex, Geld

und wenn möglich durch eine Heirat ihre Lebensumstände zu verbessern.

Die Frauen aber gehen von der grossen Liebe aus, geben ihre Existenz im

Heimatland auf, um nach Hurghada zu gehen oder unterstützen ihre „Habibis“

beim Aufbau einer vermeintlich gemeinsamen Zukunft in ihrem Heimatland.

Definition

Nicht jede Beziehung zwischen einem Ägypter und einer Europäerin ist Bezness.

Ich definiere „Bezness“ im Folgenden für meine Arbeit als Verbindung, bei der

die Touristin von einer Beziehung nach „westlichen“ Vorstellungen ausgeht,

während dem Ägypter die Verbindung als Lebensunterhalt und zum Vergnügen

dient. Eine Verbindung im Sinne von Bezness und eine binationale Beziehung

dürfen im Folgenden NICHT gleichgestellt werden.

Beweggrund und Motivation

Wenn es um das Thema Bezness geht, tauchen immer die gleichen

Bemerkungen auf: „die Touristinnen sind selber Schuld, wie kann man nur so

blöd sein“ und „Ägypter in Hurghada wollen sowieso nur Sex, Geld oder die

Möglichkeit, nach Europa zu reisen“. Mit meiner Arbeit will ich im Folgenden

aufzeigen, dass Motive und Ziele beider Seiten sehr vielschichtig sind.

Die Gründe der Frauen, sich auf eine solche Verbindung einzulassen, sind oft

vielseitig, Dummheit kann aber meiner Meinung nach nicht dazu gezählt werden.

Höchstens Unwissen über die andere Kultur und das Problem, dass sie das

Verhalten der Beznesser mit ihren eigenen Werten und Hintergründen

einschätzen, seinen Worten glauben schenken und ihn deshalb ausgehend von

der Überzeugung an eine gemeinsame Zukunft finanziell unterstützen.

Gleichzeitig soll auch die Situation der Männer näher beleuchtet werden. Nach

unseren moralischen Wertvorstellungen ist es verwerflich, was Beznesser

machen. Kennt man aber die ägyptischen Vorstellungen einer Beziehung und die

wirtschaftliche Lage, fällt die Beurteilung vielleicht etwas differenzierter aus.

Wichtig ist mir hier nochmals zu erwähnen, dass es nicht darum geht, die eine

oder andere Seite zu verurteilen, sondern nur darum, Hintergründe aufzuzeigen.

Weiter geht es in meiner Arbeit weder um binationale Paare noch um weiblichen

Sextourismus, sondern um Bezness. Ägypter allgemein werden nicht

angesprochen, sondern nur ägyptische Beznesser.

Insgesamt war der Hauptbeweggrund für die Wahl des Themas aber, über

Bezness zu informieren. Immer noch wissen wenige Leute, was Bezness

überhaupt ist. Bezness wird sich dabei in Zukunft auch durch diese Arbeit nicht

vermeiden lassen. Ziel ist es aber, Bewusstsein für die gewaltigen Unterschiede

in kultureller, wirtschaftlicher, religiöser und sozialer Hinsicht, das

Konfliktpotential und die Auswirkungen einer solchen Verbindung zu schaffen.