Flüchtlingsjunge Aylan: „Wieviel Mitschuld hat Vater Abdullah Kurdi an seinem Tod?“ Eine Spurensuche.

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DAS TRAURIGE FOTO DES TOTEN FLÜCHTLINGSJUNGEN AYLAN GING UM DIE WELT+++WIEVIEL MITSCHULD HAT SEIN VATER ABDULLAH?+++WIDERSPRÜCHE & VERSTRICKUNGEN+++EINE SPURENSUCHE+++

Vor Kurzem erschien ein Artikel in der BILD mit dem Titel: „Vor einem Jahr gestorben, aber nicht vergessen: „Das Sterben geht weiter und keiner tut was“. Darin wurde der syrische Flüchtling Abdullah Kurdi interviewt.

Kurdi ist der Vater des kleinen Jungen Aylan († 3), der am Strand von Bodrum in der Türkei gefunden wurde. Das traurige Foto des toten Jungen ging um die Welt. Der Syrer hat seine Familie auf der Flucht nach Europa verloren. Seine Söhne Aylan, Galip († 5) und Ehefrau Rehab († 35) sind ertrunken. Morgen jährt sich die Tragödie zum ersten Mal (…) „Die Politiker haben nach dem Tod meiner Familie gesagt: Nie wieder! Alle wollten angeblich etwas tun wegen des Fotos, das sie so berührt hat. Aber was passiert denn jetzt? Das Sterben geht weiter und keiner tut etwas.“

Dass die Fotos von seinem Sohn vor einem Jahr um die Welt gingen, findet er auch heute noch richtig. „So etwas muss gezeigt werden, um den Menschen deutlich zu machen, was passiert. Aber viel verändert hat das Foto nicht. Der Horror in Syrien muss endlich aufhören. Und die Katastrophen bei der Flucht“, sagt er (…) „Ich denke nur an Aylan, Galib und Rehab“, sagt er. Dann zeigt er auf das Titelbild der „New York Times“, darauf sind Flüchtlinge vor Italien zu sehen, die im Wasser um ihr Leben kämpfen. „Wenn ich diese Fotos sehe, dann denke ich sofort wieder an den Horror auf dem Boot, ich kann das nicht sehen.“

Quelle: http://www.bild.de/politik/inland/fluechtlingskrise/das-sterben-geht-weiter-und-keiner-tut-was-47603992.bild.html

Hierzu habe ich in meinem Buch

geschrieben:

AYLAN – DER TOTE FLÜCHTLINGSJUNGE, DER DIE WELT VERÄNDERTE

Ein Junge. Drei Jahre alt. Bekleidet mit rotem T-Shirt, blauer Hose und schwarzen Schühchen. Den Kopf zur sanften Brandung gedreht, liegt er ganz gerade auf dem nassen Sand. Wie ein Schlafender. Aber das ist er nicht. Er ist tot. Angeschwemmt wie menschliches Treibgut am Strand in der Nähe des türkischen Ferienortes Bodrum.

Aylan.

Ein Name und ein Foto. Ein stilles, ein unerträgliches Bild, das auf den Titelseiten der Zeitungen um den Globus geht und ihn regelrecht erschüttert. Ein unschuldiges, ertrunkenes Kind als kollektives Sinnbild für die Flüchtlingskatastrophe, das ihre Dramatik und Unmenschlichkeit auf schreckliche Weise deutlich macht. Mehr noch – ihr ein Gesicht, einen Namen, eine persönliche Geschichte verleiht.

„Es ist das Bild des Jahres“, erklärt der langjährige Fotochef und Artdirector des Stern, Wolfgang Behnken. Es „verdichtet die Welt zu einem Symbol, die Welt des Krieges, in der wir gerade leben, die Welt der Flucht, der Vertreibung.“ Solche Fotos könnten Anstöße geben, oder gar das Bewusstsein verändern.[1] „Wir halten viel auf unsere Rationalität, aber in Gang gesetzt werden wir erst durch solche Bilder“, erklärt der Politikwissenschaftler Herfried Münkel. „Wir können, wie jetzt bei dem Flüchtlingsdrama, Informationen und Zahlen verarbeiten, ohne dass unsere Barmherzigkeit, unser Mitgefühl geweckt würde. Das hat erst dieses Bild geschafft.“[2]

Genauso ist es. „Schämt Euch!“ titelt beispielsweise die türkische Miliyet. Die Londoner Zeitung Metro schreibt: „Europa konnte ihn nicht retten“. Der Daily Mirror nennt das Drama „Unerträglich – das herzzerreißende Gesicht einer Tragödie.“[3] Und eine solche ist es wirklich. Denn nicht nur Aylan wird tot an den Strand gespült, sondern ebenso sein fünfjähriger Bruder Galip. Auch Mutter Rehan stirbt.

Die Welt soll sehen, was uns passiert ist!“, klagt Vater Abdullah Kurdi später an[4]. Ohne zu ahnen, dass er sich damit selbst in die Kritik bringen wird.

„Das Bild des toten Aylan zeigt Wirkung: Spanier drängen ihre Regierung zu mehr Hilfe, Schwedens Außenministerin bricht in Tränen aus und Hardliner David Cameron öffnet plötzlich Englands Grenzen für Not leidende Syrier“, schreibt das Handelsblatt.[5] Tatsächlich beeinflusst der ertrunkene Junge an der Küste der Türkei maßgeblich die Flüchtlingspolitik. Die Rufe nach einer humanen Lösung werden immer lauter, denen schließlich vor allem die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erliegen wird. Wellen der Hilfsbereitschaft fluten durch Europa.

Die Geschichte des dreijährigen Aylan steht nicht nur metaphorisch für die Flüchtlingsfrage, sondern genauso für ihre Widersprüche. Deshalb ist es notwendig, sie näher zu beleuchten. Im Mittelpunkt steht die Frage: Ist dieses Kind wirklich mit seinen Eltern vor dem Krieg in Syrien geflohen, wie überall vermeldet wurde? Beispielsweise im Stern: „Er war ein Syrer auf der Flucht (…)“[6]

Wenn man nach den reinen Fakten geht, ist die die Antwort darauf für viele ernüchternd. Doch der Reihe nach.

Der vierzigjährige Syrer Abdullah Kurdi bricht am 1. September 2015 mit seiner Familie und acht anderen Flüchtlingen mit einem Schlauchboot vom türkischen Bodrum zur griechischen Insel Kos in der östlichen Ägäis und damit in die Europäische Union auf.[7] In einem Interview im Spiegel spricht er dahin gehend von einem fünf bis sechs Meter langen Motorboot.[8] Mit seinem Bruder hat er es anscheinend schon einmal über die Landroute versucht, wurde jedoch an der Grenze zu Bulgarien von der Polizei verhaftet.[9] Eigentlich, so sagt er später, wollte er eine Yacht nehmen, wie er den Schleusern mitteilte. Zumindest aber ein befestigtes Boot.[10] Doch daraus wird nichts. Und ob die Yacht-Sache lediglich erfunden ist, bleibt ebenfalls im Ungewissen.

Es ist, so Abdullah, bereits der dritte Versuch übers Meer. Der erste misslang wegen einem Motorschaden des Bootes. Der zweite endete, als die türkische Küstenwache sie entdeckte.[11]

Eine halbe Stunde nach dem dritten Versuch kentert das Boot auf der rauen See. Es gibt keine Schwimmwesten an Bord. Vater Abdullah Kurdi überlebt. Seine Familie ertrinkt. Der Vierzigjährige schwimmt los, erreicht die rettende Küste. Dort angekommen erfährt er, dass er der einzige Überlebende des Unglückes ist. Er beschuldigt sich selbst an dem Tod seiner Angehörigen, weil er sie auf diese gefährliche Reise geführt hat. Schließlich kehrt ins syrische Kobane zurück, um seine Liebsten zu beerdigen.

Der Journalist Frank A. Meyer stellt im Magazin Cicero die berechtigte Frage, „ob der syrische Vater womöglich verantwortungslos handelte, als er die Seinen ohne Schwimmwesten in ein wackliges Schlauchboot steigen ließ, obwohl er am Strand von Bodrum weder durch türkische Polizisten noch durch Assad-Schergen oder gar Mörder vom IS bedroht wurde. Wer wagt es, nach der Selbstverantwortung von Flüchtlingen zu fragen?“[12]

Tatsächlich werden weitere Vorwürfe gegen Abdullah Kurdi laut. Und zwar von den Irakern Ahmed Hadi Jawwad und seiner Frau Zainab, die mit den Kurdis im Schlauchboot saßen und ebenfalls zwei Kinder verloren.[13] Demnach soll der Syrer mit den Schleppern, für die er nach eigenen Angaben pro Person 2.050 Euro bezahlt hat, zusammengearbeitet haben. Anderswo erzählt er, dass er 4.000 Euro für die ganze Familie zahlte.[14] Das Geld gehörte seiner Schwester. Natürlich weist Kurdi die schweren Anschuldigungen zurück.[15]

Die britische Tageszeitung Daily Mail sowie andere Zeitungen recherchierten die Hintergründe dieser dramatischen Fluchtgeschichte, die um die Welt ging.[16]

Die Kurdis stammen aus Damaskus, wohnen dort im Viertel Rukn al-Din.

2010 kommt Abdullah für fünf Monate in ein Gefängnis des Assad-Regimes. Den Grund dafür will er nicht verraten. Warum nicht? Jedenfalls, so sagt er, wurde er hinter Gittern gefoltert, seine Zähne gezogen.

Er bestach die Wärter, kam so wieder frei.[17] 2011 zerstört ein Bombenangriff das Haus der Kurdis und sie fliehen nach Kobane. Abdullah gelingt es nicht, sein Geschäft als Friseur aufzubauen. Er zieht alleine nach Istanbul, arbeitet dort als Aufseher in einer Näherei beziehungsweise einer Textilfabrik, in der er auch aufgrund hoher Unterbringungskosten übernachtet.

Er holt Frau und Kinder in die Türkei nach, später beziehen sie eine kleine Wohnung. Allerdings ist die Miete von monatlich 108 Euro zu hoch und er schickt sie wieder nach Syrien. Abdullah verlässt die Fabrik, verdient sein Geld nun als Bauarbeiter, bis er nach Kobane zurückkehrt. Doch inzwischen ist die Stadt von Kurden und der IS-Terrormiliz heiß umkämpft, sodass die Kurdis erneut in ein einfaches Haus nach Istanbul fliehen.

Nach eigenen Angaben wohnten sie in einem feuchten, dunklen Zimmer.[18] Für die Miete kommt Abdullahs Schwester Tima auf, die seit zwanzig Jahren in Kanada lebt und extra dafür einen Kredit aufgenommen hat. Dorthin wollen die Kurdis auch.

Ihre ehemalige Vermieterin Mushreff Terregy versteht das nicht: „Sie hatten in der Türkei ein gutes Leben. Ich weiß nicht, warum sie wegwollten“, meint sie.[19] Vielleicht um die Kinder an Bildung und Gesundheitsversorgung teilhaben zu lassen, zudem sie in der Türkei keinen Zugang haben? „Als sie am 6. August ausgezogen sind, sagten sie, sie wollten zurück nach Kobane, um ihre Olivenbäume dort zu versorgen“, weiß Nachbar Zafer Bektars.[20]

Aber glaubt wirklich jemand, dass die Familie wegen ihrer Olivenbäume in die Stadt zurück will, aus der sie einst aufgrund von Krieg und Terror geflohen ist? Ohne Arbeit, ohne Zukunft? In der noch im Juni 2015 IS-Selbstmordattentäter mehr als zweihundert Menschen töteten? An der in jenen Tagen westlich und südlich der Islamische Staat steht?

Einmal erzählt Abdullah, dass seine Söhne Galib und Aylan an einer Hautkrankheit litten und die Creme, die sie benötigten, dafür zu teuer war. Freunde in Europa berichteten ihm, dass das Leben dort besser sei.[21]

Ein andermal, er hätte sich auf den Weg gemacht, weil das Haus in Istanbul in einem sehr schlechten Zustand war. Außerdem habe er Schwierigkeiten, in der Türkei genug Geld zu verdienen.[22] Und erfahren wir von ihm, dass er sich mit seiner Familie bei der UNO in Istanbul und Ankara bewarb, um als Flüchtlinge in einem anderen Land aufgenommen zu werden. Doch niemand hätte sich gemeldet. So bewarben sie sich in Kanada, wo die Schwester lebt. Der Asylantrag wäre jedoch abgelehnt worden, deshalb sei ihm nichts anderes übrig geblieben als die Flucht übers Mittelmeer.[23]

Ein kanadischer Regierungssprecher dementiert die Darstellung dieses Gesuchs allerdings.[24]

So will Abdullah wieder in Kobane leben, das inzwischen von der IS befreit ist. Und zwar im zerstörten Haus seines Schwiegervaters, obwohl es dort keine Infrastruktur gibt. Abdullah Kurdis Bruder hat es als Flüchtling nach Deutschland geschafft und soll in einem Aufnahmelager in Heidelberg leben.[25]

Doch egal ob alles stimmt, was Abdullah Kurdi im Nachhinein erzählt, um vielleicht seine eigene Mitschuld und Leichtfertigkeit zu rechtfertigen.

Fakt ist, seine Familie ist tot. Und Aylan, sein ertrunkener Junge, der an der türkischen Küste angespült wurde, bleibt ein Mahnmal für die Perversion der Flucht und ihrer Gefahren.

„Wenn mehrere Wahrheiten einleuchtend sind und sich unbedingt widersprechen, bleibt dir nichts anderes übrig, als deine Sprache zu wechseln.“

Antoine de Saint-Exupéry (französischer Schriftsteller)

„Wahr ist an einer Geschichte immer nur das, was der Zuhörer glaubt.“

Hermann Hesse (deutscher Schriftsteller, Dichter & Maler)


Nähere Hintergründe zu den tabuisierten Themen in der Flüchtlingskrise hier:

http://www.amazon.de/DAS-ASYL-DRAMA-Deutschlands-Fl%C3%BCchtlinge-gespaltene/dp/3954472287/ref=sr_1_1?


Quellen:

[1]     Zitiert nach: „Die Welt, wie sie ist“ in: Der Spiegel 38/2015, S. 52, 53, 55

[2]     Zitiert nach: „Multikulti wird nicht funktionieren“ in: Stern 38/2015, S. 46

[3]     Alle drei Zitate zitiert nach: „Vater des ertrunkenen Aylan (3) klagt an“ in: Bild v. 04.09.15

[4]     Zitiert nach: „Vater des ertrunkenen Aylan (3) klagt an“ in: Bild v. 04.09.15

[5]     Zitiert nach: http://www.handelsblatt.com/politik/international/toter-junge-von-bodrum-das-sinnbild-der-krise-und-die-folgen/12278834.html

[6]     Zitiert nach: „Ein Vater, allein“ in: Stern 38/2015, S. 42

[7] Siehe: „Dieses Leid soll ein Ende haben“ in: Bild v. 04.09.15, S. 3

[8]     Siehe: „Als wäre ich selbst tot“ in: Der Spiegel 38/2015, S. 81

[9] Siehe: „Als wäre ich selbst tot“ in: Der Spiegel 38/2015, S. 81

[10]    Zitiert nach: „Ein Vater, allein“ in: Stern 38/2015, S. 41

[11] Siehe: Siehe: „Ein Vater, allein“ in: Stern 38/2015, S. 44

[12]    Zitiert nach: „Die Erlösung“ in: Cicero 10/2015, S. 54

[13]    Siehe: http://www.bild.de/politik/ausland/fluechtling/was-geschah-auf-aylans-boot-42559848.bild.html (Zugriff: 28.09.15)

[14]    Siehe: „Ein Vater, allein“ in: Stern 38/2015, S. 42

[15]    Siehe: http://www.bild.de/politik/ausland/fluechtling/was-geschah-auf-aylans-boot-42559848.bild.html (Zugriff: 28.09.15)

[16]    Siehe: http://www.dailymail.co.uk/news/article-3232251/Aylan-father-s-REAL-story-Abdullah-Kurdi-forced-deny-smuggler-new-questions-emerge-picture-shook-world.html#ixzz3lcwoPAle (Zugriff: 29.09.15)

[17]    Siehe: „Ein Vater, allein“ in: Stern 38/2015, S. 42/ http://www.bild.de/politik/inland/fluechtling/ich-bin-der-vater-von-alyan-dem-toten-jungen-vom-strand-42724740.bild.html (Zugriff: 28.09.15)

[18]    Siehe: „Als wäre ich selbst tot“ in: Der Spiegel 38/2015, S. 81

[19]    Zitiert nach: http://www.bild.de/politik/ausland/fluechtling/was-geschah-auf-aylans-boot-42559848.bild.html (Zugriff: 28.09.15)

[20]    Zitiert nach: http://www.bild.de/politik/ausland/fluechtling/was-geschah-auf-aylans-boot-42559848.bild.html (Zugriff: 28.09.15)

[21]    Siehe: „Als wäre ich selbst tot“ in: Der Spiegel 38/2015, S. 81

[22]    Siehe: Zitiert nach: http://www.bild.de/politik/ausland/fluechtling/was-geschah-auf-aylans-boot-42559848.bild.html (Zugriff: 28.09.15)

[23]    Siehe: „Als wäre ich selbst tot“ in: Der Spiegel 38/2015, S. 81

[24]    Siehe: Zitiert nach: http://www.bild.de/politik/ausland/fluechtling/was-geschah-auf-aylans-boot-42559848.bild.html (Zugriff: 28.09.15)

[25]    Siehe: „Als wäre ich selbst tot“ in: Der Spiegel 38/2015, S. 81



DENKEN SIE IMMER DARAN:

SIE HABEN EIN RECHT AUF DIE WAHRHEIT!

 Ihr und euer

GUIDO GRANDT


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