Ukraine-Krieg: WDR weist Vorwurf der Gefährdung von Augenzeugen durch TV-Doku zurück!

GUIDO-KOLUMNE-MIX♦ No.  537 (75/2015) ♦


Noch immer ist die Katastrophe von Flug MH17 am 17. Juli 2014 in der Ostukraine, bei der 298 Menschen starben, offiziell nicht aufgeklärt. Aber fest scheint zu stehen: Die Maschine der Malaysia Airlines ist abgeschossen worden.

Doch von wem? Von den Separatisten oder von der ukrainischen Armee?

Ich habe mich in der Vergangenheit ausführlich damit beschäftigt und meine Recherchen auch auf meinem Blog veröffentlicht.

Beispielsweise hier:

https://guidograndt.wordpress.com/2014/07/18/flug-mh-17-opfer-der-geldgier-der-teilfaschistischen-ukrainischen-regierung/

https://guidograndt.wordpress.com/2014/09/10/geheime-verschlusssache-mh17-deckt-die-bundesregierung-die-massenmorder-von-kiew-weil-die-sicherheit-deutschlands-gefahrdet-ist/

https://guidograndt.wordpress.com/2014/08/16/schockvideo-die-ersten-bilder-nach-dem-abschuss-von-mh17/

https://guidograndt.wordpress.com/2014/07/21/mh17-sarajewo-2014-die-welt-vor-einem-neuen-krieg/

Am 27.04.2015 wurde im Abendprogramm der ARD dazu folgende Dokumentation gezeigt:

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Quelle Screenshot: http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/wdr/todesflug-mh-siebzehn-100.html

Hier kann die Dokumentation angesehen werden:

http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Die-Story-im-Ersten-Todesflug-MH17/Das-Erste/Video?documentId=27938962

Mit dieser Dokumentation habe ich mich ebenfalls ausführlich beschäftigt.

Siehe hier: https://guidograndt.wordpress.com/2015/04/30/ukraine-krieg-gefahrdet-ard-dokumentation-das-leben-von-augenzeugen/

Ich habe den Autoren und der verantwortlichen Redaktionen des WDR und NDR dieser Doku vorgeworfen, dass wichtige Fakten verschwiegen wurden.

Vor allem aber, dass sie ihrer journalistischen Verantwortung nicht gerecht geworden sind und mit handwerklichen Fehlern Augenzeugen/Informanten gefährdeten.

Dazu schrieb ich am 29.04.15 die Intendanten des WDR (Tom Buhrow) sowie des NDR (Lutz Marmor) an:


Sehr geehrter Herr …

 
ich selbst bin freier TV-Redakteur/Filmemacher, Publizist und investigativer Journalist und beziehe mich auf die oben genannte Dokumentation, die am 27.04.15 im Abendprogramm der ARD gesendet wurde und für die Sie sich folgende Kollegen/Kolleginnen verantwortlich zeichnen:
 
Redaktion: Frau Petra Nagel/Monika Wagener (WDR)
Redaktion: Frau Britta von der Heide/Klaus Scherer (NDR)
Autoren:    Michael Wech/Demian von Osten/Ralph Hötte
 
Ich bedauere, dass in dieser Dokumentation wichtige Fakten verschwiegen werden.

Beispielsweise:

– Dass die Auswertungen des Flugdatenschreibers und des Cockpit-Voicercorders bis heute unter Verschluss bleiben.

– Dass der niederländische forensische Anthropologe George Maat, der an der Identifizierung der Toten der abgeschossenen Passagiermaschine beteiligt war, von der weiteren Mitarbeit ausgeschlossen wurde. Die Anweisung kam von Justizminister Ard van der Steur. Maat hielt sich nicht an die offizielle Version.

– Dass noch immer 147 Dokumente unter Verschluss gehalten werden.

Und so weiter …

Doch vor allem geht es darum, dass die Kollegen/Kolleginnen – meiner Meinung nach – in der oben genannte Doku ihrer journalistischen Verantwortung nicht gerecht geworden. Und haben mit handwerklichen Fehlern Augenzeugen/Informanten gefährdet.
 
Das möchte ich wie folgt begründen und belegen:
 

Ab Minute 25:00:

Einblendung Grabowe. 28. Februar 2015.

Sprecher: “Die Absturzstelle heute. Klar ist, die BUK (sowjetisches Flugabwehrraketensystem/GG) fuhr durch das Separatistengebiet. Aber wurde sie auch von hier aus abgefeuert? Nur dann könnte den Separatisten Schuld nachgewiesen werden. Gibt es dafür Zeugen? Wir begeben uns auf Spurensuche. Auf die Route des BUK-Raketenwerfers. Und tatsächlich finden wir Anwohner, die uns vom Tag des Abschusses berichten. Vom Ohrenbetäubenden Lärm, wie er für eine BUK typisch ist. Aus Angst wollen sie nicht erkannt werden.”

Auf diesen Satz wird ein Bild gezeigt, in dem eine Frau deutlich im Profil zu erkennen ist. Wahrscheinlich nur eine harmlose Passantin.

Ab 25:43 wir dieser LKW-Fahrer eingeblendet, schlecht unkenntlich gemacht (“gepixelt”).

Ab 25:58 ein weiterer Zeuge, ebenfalls schlecht unkenntlich gemacht (“gepixelt”).

Ganz deutlich ist hinter dem Zeugen eine Backsteinmauer mit einem grünen Zaun zu erkennen. Sogar ein Briefkasten mit der russischen Aufschrift “Vorsicht böser (bissiger) Hund!”. Und – unglaublich – sogar die Hausnummer!

Das hat nichts mit Anonymisierung/Unkenntlichmachung zu tun! Im Gegenteil: Mit diesem handwerklichen Fauxpax sind die Zeugen/Anwohner leicht zu identifizieren/auszumachen.

Die Stadt Snizhne (auch Snizne, Snezhnoye oder Shezhnoye genannt) hat nicht einmal 50.000 Einwohner. Eine Kleinstadt also.

Das Gebäude, vor dem der zweite gezeigte Augenzeuge steht, ist nicht nur aufgrund seines grünen Zaunes, sondern auch und vor allem wegen der Hausnummer sehr schnell ausfindig zu machen. Vielleicht sogar auch der erste Augenzeuge (LKW-Fahrer, so viele wird es dort nicht geben, die seinem Profil entsprechen).

Und damit besteht für diese Anwohner, die – folgt man dem roten Faden der Dokumentation – Dinge verrieten, über die sie am besten nicht reden sollten und deshalb auch Angst davor haben, erkannt zu werden, eine unmittelbare Gefahr. Nicht nur für Leib, sondern auch für ihr Leben. Denn in der Ostukraine herrscht Krieg!

Selbst wenn der zweite Zeuge nicht in dem Haus mit dem grünen Zaun wohnen sollte, dann können die tatsächlichen Eigentümer oder Mieter diese Probleme bekommen.

Das ist, verzeihen Sie mir, handwerklich unverantwortlich! Ich weiß von was ich spreche, habe ich mich doch selbst als investigativer Journalist in gefährliche Szenen eingeschleust (daraus entstanden TV-Beiträge und über 30 Sachbücher) und daher mit vielen (anonymen) Informanten zu tun gehabt. Dabei stand und steht für mich der Informantenschutz an oberster Stelle.

Ich frage mich, warum diese fatalen Fehler weder im Schnitt, noch bei der Endabnahme des Beitrags bemerkt und korrigiert wurden?

Es geht – ich sage es nochmal – um das Leben von Informanten/Augenzeugen, die den Mut fanden, ihre Beobachtungen dem Rechercheteam von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung mitzuteilen.

Jetzt besteht die Gefahr, dass sie wegen ihrer Aussagen von den Separatisten misshandelt – oder noch schlimmer – ermordet werden.

Wo bleibt da die journalistische Verantwortung?

Wer steht dafür gerade?

Ich bitte Sie bis zum 06.05.15 um eine diesbezügliche Stellungnahme.

Auf meinem Blog guidograndt.wordpress.com (mit ca. 600.000 Lesern und 1 Million Aufrufe) berichte ich regelmäßig über verschiedene Themen. Morgen auch über die oben genannte Dokumentation mit meinen Vorhaltungen.

Ich bedanke mich schon im Voraus für Ihre Mühe.

Mit freundlichen Grüßen


Während sich Herr Marmor vom NDR noch immer in Schweigen hüllt, ging mir am 11.05.2015  von der WDR-Abteilung Programm Inland, Monika Wagener (stellv. Programmleiterin), eine Antwort zu, die ich – wie angekündigt – hier auf meinem Blog veröffentliche:


Sehr geehrter Herr Grandt, 

herzlichen Dank fur Ihre Mails bzgl. der Dokumentation „Todesflug MH17 – Warum mussten 298 Menschen sterben?“ aus der Reihe „Die Story im Ersten“, die uns von verschiedenen Stellen innerhalb des NDR und WDR erreichte. Zu den darin genannten VorwOrfen, m6chten wir hiermit kurz sachlich Stellung nehmen.

  • Es ist nicht richtig, dass die Flugrekorder nicht analysiert wurden. Die

Auswertungen sind bereits im Untersuchungsbericht des niederlandischen Dutch Safety Boards enthalten, der im September 2014 veröffentlicht wurde. Sie finden den Bericht hier: http://vvvvw.onderzoeksraad.nUen/onderzoek/2049/investigation-crash-mh17-17-july-2014/preliminary-report/1562/preliminarv-report-points-towards-external-cause-of-mh17-crash

  • Der Ausschluss von George Maat aus dem Untersuchungsteam ereignete sich nach der Produktionszeit unserer Dokumentation, würde an dem Bericht aber auch inhaltlich nichts andern. Herr Maat wurde kritisiert, well er unerlaubt Leichenteile offentlich gezeigt hatte und sich als Anthropologe fachfremd zu technischen Fragen geauflert hat, was Mitgliedern der Untersuchungsteams verboten ist.
  • Ob die 147 Dokumente — wie behauptet wird — aus persönlichkeitsrechtlichen Grunden nicht veröffentlich wurden oder aus anderen Gründen, ist bislang reine Spekulation, an der wir uns nicht beteiligen wollen. Es ist aber natürlich nicht auszuschließen, dass Dokumente unter Verschluss gehalten werden, da das Joint Investigation Team Stillschweigen vereinbart hat und jede Veröffentlichung mit allen beteiligten Landern absprechen muss. Diese Vereinbarung und ihre problematische Konstruktion wurde in der Dokumentation ausfuhrlich behandelt.
  • Die Verpixelung der Anwohner, die sich geäußert haben, erfolgte, wie Sie schon sagten, zum Schutz der Betroffenen und ist nach unserer Einschätzung fur Außenstehende auch nicht zu erkennen. Die Bedrohung stellt sich allerdings nicht so dar, wie Sie offenbar annehmen, dass Separatisten Recherchen mit Videomaterial vor Ort anstellen, wer wo lang gelaufen sein konnte. Es geht lediglich darum, dass Gesichter nicht sofort erkennbar sein sollten, da sie — so der Zufall will — irgendjemandem außerhalb der Region bekannt sein könnten.

Wir hoffen, lhnen mit diesen Auskünften gedient zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Monika Wagener


Zunächst: der benannte Link zum Untersuchungsbericht des niederlandischen Dutch Safety Boards führt ins Leere.

George Maat wurde – wie bereits von mir beschrieben – auch von einer weiteren Mitarbeit ausgeschlossen, weil er sich nicht an die offizielle Version hielt. Und zwar vom niederländischen Justizminister Ard van der Steur.

In der wichtigsten Sache allerdings, dass die Augenzeugen nicht richtig verpixelt wurden und ein Informant sogar aufgrund einer Hausnummer im Hintergrund leicht zu identifizieren ist, wurde mehr als unzureichend beantwortet.

Woher will der WDR wissen, dass Separatisten in diesem Fall, der die ganze Welt beschäftigt und über Frieden und Krieg zwischen dem Westen und Russland entscheiden kann,  eben KEINE Recherche mit Videomaterial direkt vor ihrer Haustür anstellen?

Zudem ist die Aussage „Es geht lediglich darum, dass Gesichter nicht sofort erkennbar sein sollten, da sie — so der Zufall will — irgendjemandem außerhalb der Region bekannt sein könnten“ FALSCH!

Bei einer Anonymisierung von gefährdeten Augenzeugen/Informanten geht es IMMER darum, dass diese nicht nur „nicht sofort“ sondern ÜBERHAUPT NICHT erkennbar sein sollten. Und vor allem auch nicht nur „außerhalb der Region“, sondern NIRGENDS!

Ich bleibe bei meinem Vorwurf: öffentlich-rechtliche Autoren und Redakteure der Dokumentation gefährdeten durch handwerkliche Fehler leichtfertig das Leben von Augenzeugen/Informanten! 

 


 

DENKEN SIE IMMER DARAN:

SIE HABEN EIN RECHT AUF DIE WAHRHEIT!

 Ihr und euer

GUIDO GRANDT

GuidosKolumneNEU3

 

Ein Wort in eigener Sache: Die Recherchen für eine kritische und frei Meinungsbildung sind zeitintensiv und kostspielig. Wenn Sie diese mit einer Spende unterstützen wollen, dann können Sie das hier tun: https://guidograndt.wordpress.com/spenden/

Herzlichen Dank!

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 Weitere Hintergrundinformationen zur Ukraine hier:
Maidan-Faschismus-Cover

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