Satanismus und Magie (1)

Satanismus[1] ist die rituelle Verehrung und Verherrlichung des Bösen (Satans oder des Menschen, des eigenen „Ich’s“), die Bejahung der Unordnung, die Verneinung der Vernunft und der sozialen Pflichten, das bewusste Brechen von Tabus, die Übertretung der gesellschaftspolitischen und juristischen Gesetzen, das Praktizieren verschiedener Rituale, Ausführung Schwarzer Magie um schadend und manipulierend auf die Umwelt oder die Mitmenschen zu wirken, Verspottung und Ablehnung des Christentums (zum Beispiel in der Schwarzen Messe), Verhöhnung ethischer und humaner Werte, Ausübung der Sexualmagie. Kurzum ist Satanismus eine Subreligion ohne Anspruch auf Legitimation; eine kultisch orientierte, gnostische, weltweit und vielfach verzweigte Religion des Bösen, ein totalitäres Wahnsystem, gesellschaftsfeindlich und persönlichkeitsgefährdend.

Im „historischen“ oder auch „rationalistischem/okkulten“ Satanismus wird der Teufel, Satan, Luzifer als Symbol als wirkliche Gegenwart und Gegenspieler Gottes verehrt, das Weltbild der Bibel weitgehend akzeptiert. „Der wahre Name Satans ist der des umgekehrten Jahwe, er ist die Verneinung Gottes, der Schatten des Lichtes, also der dunkle Aspekt desselben“ (Gregor A. Gregorius).[2]

Im „Neo-Satanismus“, auch „ritueller“ Satanismus genannt, steht die Selbstvergötzung, die religiöse Selbstverherrlichung des Menschen im Mittelpunkt. Der Mentor des Neo-Satanismus und Stammvater des modernen Satanismus Aleister Crowely (1875-1947) meint hierzu: „Es gibt keinen Gott außer dem Menschen“, also „Gott ist Mensch“ oder „Mensch ist Gott“. Mit seiner „Teufelsbibel“, dem „Liber al vel Legis“, dem „Buch des Gesetzes“ hat er eine „Force-and-Fire“-Religion geschaffen, in der weder Demokratie noch Nächstenliebe Platz hat; eine satanistische Religion der mitleidlosen Liebe, des unbeugsamen Willens und der Härte. Sie ist eine satanistische Erlösungslehre der Starken, in der Schwaches nichts zu suchen hat. Es gibt keinen „externen“ Gott mehr, jeder Mensch ist „einzigartig und königlich, der Mittelpunkt des Universums“. Und daher kann sich auch der Mensch zu einem Richter und Richtenden über seine Mitmenschen aufschwingen, über die juristischen Gesetze und Sittenordnungen und hat das Recht all diejenigen zu töten, die dem Neo-Satanisten sein individuelles, von Crowely verkündetes Recht nehmen wollen! Die meisten weltweiten satanistischen und/oder okkulten Gruppierungen im religiösen Untergrund huldigen Crowleys Maxime.

Im „ambulanten und kulturellen“ (auch: „latenter, spontaner“) Satanismus gilt Satan als Kultfigur jugendlichen Aufbegehrens. Unter diesen Typ des Satanismus fällt auch der sogenannte „Drogen- und Jugendsatanismus“.

Der „Kindersatanismus“ (eine Definition, die von mir und meinem Bruder Michael erstmals in unserem “Schwarzbuch Satanismus“ geprägt worden ist) beinhaltet die Verwicklung gleich welcher Art (sexuell, rituell, psychisch oder physisch) von Kindern in satanistische Rituale, bei deren Ausführung die Kinder als Zuschauer, Opfer oder Täter missbraucht werden. Hierbei finden wir satanisch-rituelle, kannibalische und sexualpermissive Elemente. Ritueller Missbrauch von Kindern ist stets Bestandteil dieser Art von Satanismus.

Magie[3], die „Zauber- und Geheimkunst“ schreibt Wesen und Gegenständen besondere Mächte, Kräfte und Energien zu. Sie ist die Kunst mit Hilfe von Beschwörungen, Zauberei und rituellen Handlungen Macht über die Natur und den Menschen auszuüben. Magie ist eine „Wissenschaft der Natur“, die den Menschen in die „Geheimnisse der Göttlichkeit“ einweiht, wie Alphonse Louis Constant, besser bekannt als Eliphas Levi (1810-1875), der wohl beste Kenner der Magie und größter Okkultist des 19. Jahrhunderts, in seiner „Geschichte der Magie“ erklärt.[4] Der Magier will aber seine Umwelt nicht nur beherrschen, sondern sie auch so manipulieren, dass sie in seine Dienste tritt. Hinzukommt die (scheinbare) Fähigkeit sich ein Bild, ein Ziel solange einzubilden, bis es „erschaffen“, „wirklich“ ist. Magie also als „Kunst des Wollens und Macht des Willens“.

Einer neben Aleister Crowely und Dion Fortune bedeutendsten Magiern des 20. Jahrhunderts, Austin Osman Spare, der sein eigenes magisches System, den „Zos Kia Kultus“ erschuf, erklärt, dass die Natur der Zauberei (also der Magie) ist, wenn „Träume zu Fleisch“ werden. Zu seinen Grundlagen gehört die Maxime: „Ich glaube was ich will und will, was ich glaube.“ Sein „Zos Kia-Kult“ verbindet Techniken aus dem „Golden Dawn“-Orden mit Voodoo-Techniken und der Tradition des Drachenkultes aus den dunklen Dynastien des alten Ägypten.[5]


[1] vgl. Guido & Michael Grandt: „Satanismus – Die unterschätzte Gefahr“, Düsseldorf 2000, S. 40-46

[2] vgl. Gregor A. Gregorius: „Satanische Magie“, Berlin 1983, S. 10

[3] vgl. Grandt/Grandt „Satanismus – Die unterschätzte Gefahr“, S. 46-56

[4] vgl. Eliphas Levi: „Die Geschichte der Magie“, Basel 1994, S. 9, 168

[5] vgl. Marcus M. Jungkurth: „Zos Kia – Der Magier Austin Osman Spare und die Magie des Voodoo“, Bergen/Dumme 1993, S. 31, 43, 80

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