Verschwörung oder Fakt?: „Wer hat die wahre Macht im Land?“

Wer hat die wahre Macht im Land? Die Bundeskanzlerin? Die Bundesregierung? Das Parlament? Das Volk?

Was immer Sie glauben, was immer man Ihnen sagt, die Antwort liegt wohl eher da, wo Verschwörungstheoretiker zu Hause sind: bei den Bankern. So scheint es jedenfalls, wenn man neu aufgetauchte Dokumente näher beleuchtet.

Es geht um den 22. April 2008: Mitten in der Finanzkrise richtete das Bundeskanzlermant unter Angela Merkel ein „Abendessen zu Ehren“ des 60. Geburtstags des damaligen Deutsche Bank-Chefs Josef Ackermann aus.

Alleine dieser Sachverhalt lässt mehr als aufhorchen: Das Bundeskanzleramt ehrt den Geburtstag eines Top-Bankers! Ackermann soll „in erheblichem Maße zur erfolgreichen Positionierung der Deutschen Bank auf den internationalen Finanzmärkten beigetragen haben…“, so die Begrüßungsansprache – und jetzt kommts -: „…insbesondere was das Investment-Banking angeht.“

Ackermann wird vor allem auch für das Investment-Banking gelobt, jenen Bankenzweig also, der die globale Finanzkrise erst ausgelöst hat.

Interessant auch, wer alles an diesem „Ehrenessen“ teilgenommen hat und vor allem die Sitzordnung. Schon in der mittelalterlichen höfischen Kultur war diese äußerst wichtig, zeigte sie doch die „wahren Machtverhältnisse“ im Land.

Zunächst sollten diese Umstände geheim bleiben: dass es dieses Ehrenessen überhaupt im Kanzleramt gab und vor allem,  wer wo saß. Thilo Bode, Geschäftsführer von „Food Watch“ klagte daraufhin auf Einsicht der Unterlagen. Erfolgreich. Bode interessierte sich dafür, welche Rolle die „Nähe zwischen Regierung und Finanzindustrie“ in der Krise gespielt hatte. Schon dieser Aspekt, dass Gerichte beschäftigt werden müssen, um diese herauszufinden, ist einer Demokratie mehr als unwürdig.

Die Tischhierarchie der 25 geladenen Gäste (plus Merkel und Ackermann) sah wie folgt aus:

Tischanfang:

– Wolfgang Nowak (Ex-Abteilungsleiter des Bundeskanzleramtes, heute Sprecher der Geschäftsführung der Alfred-Herrhausen-Gesellschaft)

Linke Tischseite:

– Berthold Leibinger (Ex-Vorsitzender der Geschäftsführung des Maschinenbauers Trumpf)

– Frank Elstner (Show-Master)

– Friedrich von Metzler (Privatbankier)

– Michael Hilti (Verwaltungsratchef bei Hilti)

– Werner Wenning (Vorstandschef bei Bayer)

– Pirkko Mölsä (Ehefrau von Josef Ackermann)

– Angela Merkel (Bundeskanzlerin): Sie sitzt in der Tischmitte, Josef Ackermann gegenüber!

– Gerhard Cromme (Aufsichtsratschef bei Thyssen-Krupp, Vorsitzender der Corporate-Governance-Kommission)

– Friede Springer (Verlegerin)

– Howard Davies (Direktor der London School of Economics)

– Arend Oetker (Chef der Arend-Oetker-Holding)

– Roland Berger (Gründer der gleichnamigen Unternehmensberatung)

– Lars-Hendrik Röller (Präsident der European School of Management and Technology)

Tischende:

– Jens Weidmann (Abteilungsleiter im Bundeskanzleramt)

Rechte Tischseite:

– Stephan Sattler („Focus“-Ressortleiter Kultur)

– Wolfgang Schürer (Berater, Präsident bei MS Management Service)

– Mathias Döpfner (Vorstandschef Axel Springer Verlag)

– Annette Schavan (Bundesministerin für Bildung und Forschung)

– Jürgen Hambrecht (Vorstandschef von BASF)

– Josef Ackermann (damaliger Vorstandschef der Deutschen Bank)

– Maria-Elisabeth Schaeffler (Gesellschafterin beim Automobilzulieferer Schaeffler

– Frank Schirmacher (Mitherausgeber der „FAZ“)

– Petra Roth (Oberbürgermeisterin von Frankfurt)

– Klaus-Dieter Lehmann (Präsident des Goethe-Instituts)

– Kai Diekmann (Chefredakteur „Bild“)

– Tessen von Heydebreck (Ex-Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, BASF-Aufsichtsrat)

Das sind also die damaligen Teilnehmer dieses „Abendessens zu Ehren von Herrn Josef Ackermann“ im Bundeskanzleramt und die Tischordnung.

Handelsblatt: „Der Herrscher war … in der Mitte der einen Längsseite des Tisches zu platzieren, ihm gegenüber als ‚Gegensitz‘ der ehrenvollste Gast, zu den Seiten jeweils die Teilnehmer gemäß abnehmender Rangfolge. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Das belegt zumindest die Sitzordnung für (dieses) Abendessen…“

Noch Fragen?

Quelle:

Handelsblatt v. 30.07.12

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