Verschwörung oder Fakt? – „Freimaurer“ (7): DAS SARAJEWO-KOMPLOTT (III)


Das Attentat  auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand 1914 in Sarajewo, das unmittelbar den Ausbruch des 1. Weltkrieges zur Folge hatte, ist unauslöschlich in das Weltengedächtnis eingebrannt. Immer wieder werden „Verschwörungstheorien“ laut, dass die Attentäter Freimaurer waren und Franz Ferdinand einem freimaurerischen Komplott zum Opfer gefallen war.

Nachfolgend möchte ich Licht ins Dunkel dieser „Verschwörungstheorie“ bringen und darauf hinweisen, dass eine solche eine Theorie OHNE Fakten ist. Dennoch sprechen viele Belege, Beweise und Indizien dafür, dass die „Verschwörung“ tatsächlich eine solche war. Vorab möchte ich Kritiker bitten, die nachfolgenden (historischbelegten) Recherchen zu widerlegen, auch wenn sie so nicht in das „Mainstreamweltbild“ passen. Quellen gebe ich am Schluß der Texte an.

„Freimaurer-Komplott“ Sarajewo

Wie ich bereits in den vorangegangenen Kapiteln erläutert habe spielt Serbien in der Verschwörung gegen Erzherzog Franz Ferdinand eine bedeutende Rolle.

In Serbien wirkte die Freimaurerei politisch sehr stark. Insbesondere im Befreiungskampf gegen die Türken für ein unabhängiges Serbien, spielten sie eine maßgebliche Rolle. Als Beispiel möchte ich den Freiheitskämpfer Petar Ičko nennen, der später erster Bürgermeister des freien Belgrad wurde. „Die Verdienste der Freimaurer um die Schaffung des neuen serbischen Staates zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren damals allgemein anerkannt“, ist dazu im „Internationalen Freimaurer Lexikon“, S. 778 zu lesen. Ohne näher auf diese Fakten einzugehen, die in der vorangegangenen Quelle nachzulesen sind, möchte ich noch erwähnen, dass 1890 – neben anderen davor und danach – unter dem Schutz der „Symbolischen Großloge von Ungarn“ die Loge „Pobratim“ gegründet wurde, die sich später selbständig machte. In ihr sollen sich reiche und vor allem patriotische Serben mit großen Geldmitteln vereinigt haben.

Die Freimaurerei wird nicht müde immer und immer wieder herunterzubeten, daß weder „die Mörder von Sarajevo noch ihre Hintermänner…jemals einer Loge angehört oder zu einer solchen Beziehungen unterhalten“ haben („Internationales Freimaurer Lexikon“, S. 897). Aber stimmt dies auch?

Bezweifelt wird dieser Sachverhalt von vielen Forschern und Publizisten. Ich möchte an dieser Stelle nur eine Meinung dazu wiedergeben, die von einem Enthüllungsjournalist stammt, der natürlich als Verschwörungstheoretiker abgestempelt wird, wie soll es auch anders sein und die für viele andere steht (unter denen es gewiss auch unseriöse Publizisten gibt), dem Amerikaner Jim Marrs: „Nach einer im Jahre 1952 veröffentlichten freimaurerischen Publikation waren die Mörder Ferdinands, der bosnische Serbe Gavrilo Princep, und mehrere seiner Gesinnungsgenossen Freimaurer, die von Apis durch seine Enthüllung des Geheimabkommens zwischen dem Vatikan und Serbien aufgestachelt worden waren. Der Tod Ferdinands löste eine Kettenreaktion von Ultimaten und Mobilmachungen aus, die schließlich dazu führten, dass sich der Krieg schon bald vom Balkan aus über ganz Europa erstreckte.“

Um dem Vorwurf der puren „Verschwörungstheorie“ entgegen zu wirken, möchte ich nachfolgend genaue Recherchen zu diesem wichtigen Sachverhalt wiedergeben.

Eine maurerische serbische Schlüsselfigur ist hierbei Svetomir Nikolajević (1844 – 1922), der nicht nur Bürgermeister von Belgrad, Staatsrat, Minister des Innern, sondern auch serbischer Ministerpräsident war. 1878 wurde er in die Belgrader Loge „Luce die Balkani„ aufgenommen, war Mitglied der Loge „Sloga, Rad i Postojanstvo“, Mitbegründer der Logen „Srpska Zadruga“ und „Pobratim“, von der er auch Meister vom Stuhl und Ehrenmeister war. 1908 erließ er als damaliger serbischer Ministerpräsident und Großmeister der Belgrader Loge an sämtliche europäischen Freimaurer einen Erlass, worin er die Serben aufforderte „in ihrem Kampf gegen Österreich die werktätige Unterstützung aller maurerischen Brüder zuteil werden zu lassen.“ Auch in Ungarn, Italien und Paris versuchte er die leitenden maurerischen Brüder für Serbien zu gewinnen. In unmittelbarer Folge dieses Erlasses wurden verschiedene politische Geheimbünde in Serbien gegründet, die zum Teil sehr enge Beziehungen zur Freimaurerei besaßen. Darunter auch die bereits mehrfach angeführte „Schwarze Hand“, die, wie ich schon erläutert habe, eng mit den Verschwörern und Attentätern von Sarajewo verbunden war. In „Berliner Monatshefte für internationale Aufklärung“ vom April 1928 wird davon gesprochen, dass das österreichische Generalkommando im Herbst 1915 Nachforschungen in Belgrad über das Wesen der „Schwarzen Hand“ anstellen ließ und dabei Schriften entdeckte, aus denen hervorging, „daß die örtlichen Ausschüsse der Schwarzen Hand Geheimabteilungen hatten, von denen mehrere, insbesondere aber deren Abteilungen für Äußeres, mit der Belgrader Freimaurerloge ‚Pobratim’ in enger Führung standen und von dieser sowie ihrem Obmann, dem Minister a.D. und Universitätsprofessor Swetomir Nikolaijewitsch (Nikolajević/d.A.) Aufträge erhielten.“

Ein anderer Geheimbund, der im Zuge des Aufrufs des Freimaurers und Ministerpräsidenten ins Leben gerufen wurde, war der „Narodna Odbrana“ („Nationale Verteidigung“), zu der die Attentäter von Sarajewo ebenfalls enge Verbindungen hatten. Im selben Haus, in dem dieser Geheimbund seinen Sitz hatte, hielt auch die Belgrader Loge ihre maurerischen Arbeiten ab.

Unter dem „Höchsten Rat des Schottischen Ritus“, dem „Suprême Conseil von Serbien“ sollen sich Mitglieder unter der Leitung des serbischen Ministerpräsidenten  Nikolas Pašić und Obertst Dragutin Dimitrijević, Chef des Geheimbundes „Schwarze Hand“ zusammengefunden haben.

Über „gefälschte“ Gerichtsprotokolle und maurerische Gegenexperten

Der Prozeß gegen die Attentäter von Sarajewo hatte eine so immense Bedeutung, wie kein anderes zuvor. Über die einzelnen Urteile habe ich bereits informiert.

1917 wurden die Gerichtsakten dazu von Dr. Josef Kohler veröffentlicht. Ein Jahr später erschienen sie im Buch „Der Prozeß gegen die Attentäter von Sarajewo – Aktenmäßig dargestellt von Prof. Pharos, mit Einleitung von Geh. Justizrat Prof. Dr. Josef Kohler“. Es stammte aus dem amtlichen Stenogramm der Gerichtsverhandlung, mit Abbildungen der Anstifter und Attentäter, dem Attentatsort, einem Plan von Sarajewo und einer Karte von Bosnien.

Der Historiker Wolfgang Eggert meint: „Bezeichnenderweise aber hat man über den Verlauf derselben sowie seine Ergebnisse bis auf den heutigen Tag so gut wie nichts gehört und die Prozessprotokolle sind selbst in historischen Staatsarchiven kaum noch zu finden. Der Grund für dieses ins Auge springende Missverhältnis ist einfach: Hartnäckige Zweifler werden in diesem Zeitdokument die letzte Bestätigung für die Verwicklung des Logentums in die Schüsse von Sarajewo finden.“

Natürlich haben die Freimaurer alles getan, um diese Gerichtsprotokolle beziehungsweise deren Verfasser zu diskreditieren. Wie sollte es auch anders sein, denn dieser „Gerichtsbeweis“ würde alles umwerfen, was die Logenbrüder immer und immer wieder betonen, bis heute, sich weder politisch zu betätigen und gleich gar nicht in das folgenschwere Attentat von Sarajewo verwickelt gewesen zu sein, das den 1. Weltkrieg zur Folge hatte.

Beleuchten wir kurz die beiden Autoren, die die Gerichtsakten in einem Buch herausgaben:

Hinter dem Pseudonym „Pharos“ stand der Jesuit Anton Puntigam, der dem ermordeten Thronfolgerpaar die Letzte Ölung spendete und ihre Leichname einsegnete. Als Beweisstücke wurden im Prozess drei Faustfeuerwaffen der Attentäter zugelassen, die Puntigam später für ein geplantes „Franz-Ferdinand-Museum“ benutzen durfte. Soweit kam es jedoch nicht, weil die Habsburgermonarchie in der Folge zusammenbrach.

Dr. Josef Kohler war Jurist im Goltdammers Archiv für Strafrecht und Strafprozess, Geheimer Justizrat und Universitätsprofessor.

Gegen Kohler war es wohl schwerer vorzugehen als gegen Puntigam als Jesuit, deshalb wurde er zunächst von der Freimaurerei attackiert. Sein Buch würde „jeder tatsächlichen Grundlage entbehrende Behauptung abhandeln, die Freimaurer seien mittelbar oder unmittelbar an dem Attentat in Sarajevo beteiligt gewesen,“ heisst es dazu im „Internationalen Freimaurer Lexikon“ (S. 681). Der französische Historiker Albert Mousset, der die stenografische Niederschrift der Verhandlungen des Strafprozesses gegen die Mörder von Sarajewo aus der serbokroatischen Ursprache ins Französische übersetzte, hätte 1930 den Nachweis erbracht, dass die „aktenmäßige Darstellung“ von Puntigam hauptsächlich da, „wo von der Freimaurerei die Rede ist, wesentliche Textänderungen, Streichungen, Kürzungen, Verstümmelungen, Umfärbungen und willkürliche Einfügungen aufweist, die manche Wendung in ihr Gegenteil verkehren.“ Dies alles will Stephan Kekule von Stradonitz 1931 in seinem Buch „Der Mord von Sarajewo“ auf einen Nenner gebracht haben. „Das gesamte, diese Lügenbildung betreffende Material ist zusammengestellt in einem Verlag des Vereins deutscher Freimaurer, Leipzig 1931 erschienenen Broschüre von Dr.jur.et.phil. Stephan Kekule von Stradonitz…“ heisst es dazu im „Internationalen Freimauer Lexikon“ (S. 740). Zunächst muss jedem aufmerksamen Leser einfach auffallen, dass auf einen Autor verwiesen wird, der im „Verlag deutscher Freimauer“ publiziert hat und sich selbst fragen, wie objektiv dabei das Ganze sein kann und ob es nicht eher wie eine Propaganda-Streitschrift, als eine neutrale historische Untersuchung aussieht. Dazu gleich mehr…

Abgesehen davon, dass Puntigam also wissentlich nicht nur Übersetzungsfehler, sondern eine bewusste Manipulation der mitstenografierten Gerichtsprotokolle unterstellt wird, kann man das Ganze natürlich auch umdrehen: warum „entdeckt“ erst 13 Jahre später ein französischer Historiker diese angeblichen Ungereimtheiten? Kann es nicht sein, dass er Übersetzungsfehler gemacht hat? Warum schreibt ein renommierter Jurist wie Josef Kohler ein Vorwort zu einer Zusammenfassung dieser Protokolle, wenn diese, betreffs Freimaurerei, salopp gesagt, erstunken und erlogen sind? Und vor allen Dingen, warum beziehen sich die Freimaurer bei ihrer Argumentation vor allem auch auf Stradonitz erschienenes Buch?

Eigentlich ist es ganz einfach, denn Stradonitz, der über diese angeblichen Fälschungen berichtet, ist selbst ein Logenbruder, nur wird dies mit keinem Wort und nirgends in der ohnehin dünnen Argumentationskette der Freimaurer erwähnt! Ein Fauxpax erster Güte.

Der Privatgelehrte Dr. jur., Dr. phil. Stephan Kekule von Stradonitz (1863-1933), Rechtsbeistand des Fürsten von Schaumburg-Lippe (zumindest einer dieser Adelsfamilie war Freimaurer, nämlich Albrecht Wolfgang Graf von Schaumburg-Lippe, Mitglied der Londoner Loge „Rummer and Grapes“, eine Loge in Stadthagen trägt sogar seinen Namen) wurde 1904 in die Berliner Loge „Drei Lichter im Felde“ aufgenommen! Genau daraus ergab sich dann auch sein umfangreiches maurerisches Schrifttum. Erwähnt seien an dieser Stelle lediglich die „Bundesblätter“, die von der „Grossen National-Mutterloge ‚Zu den Drei Weltkugeln’ in Berlin“ herausgegeben wurden und für die Stradonitz für einige Ausgaben sogar als „Schriftleiter“ arbeitete und zwar auch nach seinem scheinbaren Enthüllungsbuch, das die Attentäter von Sarajewo von der Freimaurerei frei sprechen sollte! Zu dem verfasste der maurerische „Zeuge“ Bücher wie „200 Jahre freimaurerische Gebrauchsgraphik“ (erschienen 1930).

Interessanterweise erscheint Stradonitz nicht als Freimaurer im „Internationalen Freimaurer Lexikon“, in dem weit unbedeutendere Brüder erwähnt werden. Warum wohl nicht? Um wohl nicht selbst zugeben zu müssen, dass er selbst ein Freimaurer gewesen ist und damit die ganze Argumentationskette zusammenfallen würde!

Also noch einmal: die Freimaurer berufen sich auch auf das Buch eines Logenbruders als Gegenargument dazu, dass der Jurist Kohler und auch Puntigam die Protokolle falsch verfasst, wider- oder herausgegeben haben (zumindest bei Puntigam aber auch Kohler wird diese Fehlerhaftigkeit indirekt unterstellt, weil er ja gerade als juristischer Experte das Vorwort zu der Abschrift geleistet hat). Das ist, gelinde gesagt ein Skandal!

Lassen wir deshalb neben Kohler/Puntigam und Stradonitz einen weiteren Experten zu Wort kommen, den Historiker und Sarajewo-Forscher Friedrich Würthle, dessen Buch „Dokumente zum Sarajevoprozess. Ein Quellbericht“ 1978 vom Österreichischen Staatsarchiv als „Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs, Ergänzungsband 9“ herausgebracht wurde. Darin heisst es: „Was nun jene Dialogstelle betrifft, in denen die Freimaurer genannt werden, so muß man zugeben, daß sie deutlich überbetont, aber nicht gefälscht wurden.“

Halten wir also fest, dass der Historiker Würthle zwar von einer Überbetonung des freimaurerischen Sachverhalts spricht, aber von keiner Fälschung! Angesichts dessen, dass die Freimaurer unter anderem einen eigenen Logenbruder aufgebracht haben, diese Protokolle in dieser Hinsicht zu widerlegen und andere Forscher zum Ergebnis kommen, sowie ein renommierter Rechtsexperte das Vorwort dazu geschrieben hat, dass diese nicht gefälscht sind, müssen wir also von der Echtheit ausgehen. Ein weiterer Aspekt: Auch die Zeitung die „Stimmen aus Bosnien“ hat teilweise darüber berichtet (Juli 1915, S. 11f.).

„Logenbrüder“ vor Gericht

Wenden wir uns nun also den brisanten Aussagen zu, die die Freimaurer so vehement bekämpfen, um jegliche Schuld am Ausbruch des 1. Weltkrieges von sich zu weisen.

Zum einen wird vom Gericht festgehalten, dass „…wir wissen, dass die Hauptvereinigung, in der sich die destruktiven Kräfte sammelten, die ‚Narodna obrana’, nicht nur Freimaurer enthielt, sondern, daß ihre Häupter Freimaurer waren…“

Zum anderen wird einer der Hauptangeklagten, Gavrilo Princip, gefragt, ob der Mitangeklagte Milos Ciganović, Freimaurer wäre, worauf Princip antwortet: „Ja, Ciganović sagte mir, er sei ein Freimaurer. Als ich mich bezüglich der Mittel zur Ausführung des Attentats an ihn wandte, sagte er mir und betonte es, er werde mit einem gewissen ‚Mann’ sprechen. Er werde von diesem Mittel zur Ausführung des Attentats bekommen. Bei einer anderen Gelegenheit erzählte er mir, der österreichische Thronfolger sei in der Loge von den Freimaurern zum Tode verurteilt worden.“ Ferner erklärt Princip, auch Cabrinović habe geplant in die Loge einzutreten. Selbst auf eine Mitgliedschaft angesprochen verweigert er zunächst die Aussagen, um diese dann später zu bestreiten.

Der Mitangeklagte Nejedlo Cabrinović antwortet auf die Frage, ob auch Major Vojin Tankosić, der Mitglied des Zentralkomitees der „Schwarzen Hand“ und Stellvertreter von Oberst Dimitrijević war, ein Freimaurer sei: „Ja und Ciganović ebenso.“

Als er selbst nach einer Logenmitgliedschaft gefragt wird, scheint er verwirrt und schweigt eine zeitlang. Dann schaut er seinen Verteidiger an. „Was fragen Sie mich darum? Ich kann darauf nicht antworten…Bitte mich das nicht zu fragen. Ich werde darauf nicht antworten.“ In Bruder Stradonitz Werk liest sich die Antwort so: „Warum fragen Sie mich dies? Ich kann es Ihnen nicht sagen…Ich bitte, daß man über diese Frage hinweggehe; ich kann darauf nicht antworten.“

Trifko Grabez, der weitere Hauptangeklagte, weist später direkt darauf hin, dass Cabrinović Mitglied der Loge sei. Der Historiker Wolfgang Eggert gibt dafür die Quelle Stradonitz an (S. 17)!

Wäre Nejedlo Cabrinović kein Logenbruder gewesen, dann hätte er dies von Anfang an gesagt. So aber erinnerte er sich wohl aber an den Logenschwur.

Doch Cabrinović ergänzt weiter, dass die Freimaurerei, vertreten durch Tankosić und Ciganović, insofern Beziehung zum Attentat habe, „als sie mich in meiner Absicht (also Franz Ferdinand zu ermorden/d.A.) bestärkten. Im Freimaurertum ist es erlaubt zu töten. Ciganović sagte mir, daß die Freimaurer den Erzherzog Franz Ferdinand schon vor einem Jahr zum Tode verurteilt hätten.“

Bei Bruder Stradonitz liest sich das so: „(Gerichts-)Präsident: ‚Verherrlicht die Freimaurerei das Begehen von Attentaten gegen die Inhaber der Macht? Zum mindesten, wissen Sie etwas über diesen Gegenstand?’ Cabrinović: ‚Sie verherrlicht es. Ciganović hat mir selbst gesagt, dass der verstorbene Ferdinand von den Freimaurern zum Tode verurteilt war…“

Ferner erzählt Cabrinović von Dr. Radoslaw Kazimirović (einer der Führer der „Narodna Odbrana“; der Historiker Eggert benennt ihn als einen Hochgradfreimaurer), der „im gewissen Sinne eines ihrer (der Freimaurer/d.A.) Häupter“ war, wie auch der Attentäter zu erzählen weiss. „Er fuhr sofort danach (nachdem sie sich für das Attentat angeboten hatten) ins Ausland. Er bereiste den ganzen Kontinent. Er war in Budapest, in Russland und in Frankreich. Jedesmal wenn ich Ciganović fragte, wie es mit unserer Angelegenheit (dem Attentat) stehe, antwortete er mit immer: ‚Erst dann, wenn er (Kazimirović) zurückkommt.’ Damals sagte mir auch Ciganović, daß die Freimaurer bereits vor zwei Jahren den Thronfolger zum Tode verurteilt haben, doch hätten sie keine Leute gehabt, die dieses Urteil vollstreckten… (Ciganović) sagte mir, als er mir einen Browning mit Patronen übergab: ‚Der Mann (Kazimirović) ist gestern abend aus Budapest zurückgekehrt.’ Ich wusste, daß er diese Reise im Zusammenhang mit unserer Angelegenheit unternahm und mit bestimmten Kreisen im Ausland Besprechungen hatte.“

Auf die Frage des Gerichtspräsidenten an Cabrinović, ob dies auch keine Märchen seien, die er da erzählte, antwortete der Attentäter: „Das ist die reinste Wahrheit und hundertmal wahrer als Ihre ganzen Dokumente über die Narodna Odbrana.“

Der ehemalige Großmeister der Großloge von Österreich Bernhard Scheichelbauer und der Ex-Großbibliothekar der Loge Gustav Kuéss zitieren den französischen Historiker Albert Mousset, der 1930, ebenfalls den angesprochenen Kazimirović zitiert, der natürlich alles abstreitet und von einer „abgefeimten Lüge“ spricht. Kein Wunder, dass dieser natürlich nicht die Beteiligung an einem Attentat und dann noch dieses Ausmaßes zugibt.

Doch es gibt noch weitere Erkenntnisse zur Verbindung der Freimaurer zu den Sarajewo-Mördern:

Milos Ciganović, der den Attentätern nicht nur Waffen aushändigte, sondern ihnen auch Schießunterricht erteilte, war also nicht nur Mitglied der „Schwarzen Hand“, sondern auch Freimaurer (folgt man den zeithistorischen Quellen, die oben aufgeführt worden sind). Er soll sich wie der „Vollstrecker“ Gavrilo Princip vorher in Paris aufgehalten haben. Spekulationen wurden laut, dass sie dabei ihre Brüder des „Grand Orient de France“ besucht haben sollen. Diesbezüglich schrieb der englische Schriftsteller C.H. Norman in seinem Aufsatz „Grand Orient – Zwischenfälle am Sonntag dem 28. Juni 1914 in London“ und sich dabei auch auf britische Presseberichte bezog: „Es besteht Grund zu der Annahme, daß Princip, der Mann, der nach dem missglückten Bombenangriff die Pistole abfeuerte, sich einige Wochen vor dem Mord in London aufhielt, da er zweifellos in Paris gewesen ist.“ Jüri Lina berichtet in „Under the Sign of the Scorpion. The Rise and Fall of the Soviet Empire“, dass sich der freimaurerische Attentäter Ciganović vor dem Attentat in Paris aufgehalten hätte. Und auch der Historiker Friedrich Würthle meint: „…ebenso war Ciganović, der den Verbrechern Geld, Bomben und Pistolen gab, ein Freimaurer, ebenso einige der jugendlichen Verbrecher selbst, wenn sie auch zunächst ableugneten. Der Großorient wollte hier seinen Hebel ansetzen, um von diesem Punkt aus das katholische Österreich und damit den germanischen Staat zu zertrümmern.“

Und auch der Jurist und Universitätsprofessor Josef Kohler geht davon aus, dass der Beweis dafür erbracht worden war, der „Grande Orient de France“ hätte die Propaganda gegen Österreich-Ungarn gefördert, sowie die „Narodna Odbrana“ wäre von Freimaurern geleitet gewesen und Vojin Tankosić sei in eine französische Loge aufgenommen worden. Auch meint Kohler, dass Milos Ciganović ebenfalls Freimaurer gewesen ist.

Meines Erachtens ist es der Freimaurerei nicht gelungen ihre Beteiligung am Doppelmord in Sarajewo zu beweisen. Im Gegenteil sprechen die zeitgeschichtlichen Quellen eine andere Sprache. Und diese mit nationalsozialistischer Propaganda einfach beiseite zu wischen, wie es ja beliebt ist, fruchtet ebenfalls nicht, denn die historischen Fakten haben bereits bestanden, bevor es den Nationalsozialismus überhaupt in seinen Anfängen gab. So müssen sich die Freimaurer wohl etwas anderes einfallen lassen, um diese zu widerlegen. Aber bitte nicht mit irgendwelchen Gutachten oder Expertisen von Logenbrüdern oder von in Auftrag gegebenen Studien Freimaurernahestehenden Experten. Dies würde zu einer noch größeren Unglaubwürdigkeit ihrer Argumentationen führen.

Quellen

Friedrich Weissensteiner: „Franz Ferdinand – Der verhinderte Herrscher“, Wien 1983, S. 7-9, 10-39, 120, 130-135, 173-176, 179-189, 192, 198, 205-209, 227/Lucian O. Meysels: „Morde machen Geschichte – Politische Gewaltakte im 20. Jahrhundert“, Wien, München 1985, S. 7-35/Gerhard Wisnewski: Jörg Haider – Unfall, Mord oder Attentat?“, Rottenburg 2009, S. 82, 83/John Keegan: „Der Erste Weltkrieg – Eine europäische Tragödie“, Hamburg 2000, S. 79ff./Jim Marrs: „Heimliche Herrscher – Wie verborgene Mächte das Schicksal der Menschheit bestimmen“, Rottenburg 2007, S. 221/Klaus-Rüdiger Mai: „Geheimbünde – Mythos, Macht und Wirklichkeit“, Bergisch Gladbach 2006, S. 314ff./Arthur Ponsonby: „Falsehood In War Time: Containing An Assortment Of Lies Circulated Throughout The Nations During The Great War“, 1928, S. 43-49/Wolfgang Eggert (Historiker): „Im Namen Gottes – Israels Geheimvatikan“, Band 1, München 2001, S. 264-270, 278,  291-328/Wolfgang Eggert (Historiker): „Im Namen Gottes – Israels Geheimvatikan“, Band 2, München 2001, S. 159-161/“Berliner Monatshefte für internationale Aufklärung“, April 1928, zit. nach Eggert Band 1/G.W. Surya: „Das Übersinnliche und der Weltkrieg“, Freiburg 1921, S. 65 zit. nach Eggert Band 1/Friedrich Würthle: „Dokumente zum Sarajewoprozeß“, Wien 1978, S. 112/Dr. M. Boghitschewitsch in: „Le Proces de Salonique Juin 1917“, 1927/C.H. Norman: „Grand Orient – Zwischenfälle am Sonntag dem 28. Juni 1914 in London“, S. 177ff. in: „Berliner Monatshefte für internationale Aufklärung“, Februarheft 1931 zit. nach Eggert Band 1/Eugen Lennhoff/Oskar Posner/Dieter A.Binder: „Internationales Freimaurerlexikon“, München 2006, S. 75, 76, 199, 180, 409, 582, 608, 681, 740, 744, 745, 778, 840, 841, 858-860, 880, 881,897/Peter Diem: „Dr. Karl Renner-Denkmal und Staatsgründungsdenkmal“ in: „Dr. Peter Diem – Homepage“ (http://peter-diem.at/Monumente/Renner.htm)/Zugriff: 21.07.09/“Congrès Maconique internationale 1889“, pag. 149 in: „Congrès maconique internationale du Centenaire“, Paris 1889, zit. nach „Mecklenburgisches Logenblatt“ Nr. 24, 47. Jahrgang, 20. Juli 1919, S. 198, zit. nach Eggert Band 2/“Rivista massonica“, 1889, pag. 82, zit. nach „Mecklenburgisches Logenblatt“, Nr. 24, 47. Jahrgang, 20. Juli 1919, S. 198, zit. nach Eggert Band 2/“Buellitin maconnique de la Grand Loge symbilisque écossaisse » v. 2. September 1889, S. 131ff., zit. nach Eggert Band 2/Franz Graf Conrad von Hötzendorf: „Aus meiner Dienstzeit 1906-1918“, Band 4, Wien/Berlin/Leipzig/München, 1924, S. 15f./Prof. Irina Livezeanu (East European History, University of Pittsburgh): „The Hearing of Gavrilo Princip – 12 October 1914“ (Selection from: „The Sarajevo Trial“ W.A. Dolph Owings, ed. Pages 54-69) (http://www.ucis.pitt.edu/eehistory/H200Readings/Topic6-R3.html/Zugriff: 23.07.09)/Pharos: „Der Prozeß gegen die Attentäter von Sarajewo – Aktenmäßig dargestellt von Prof. Pharos, mit Einleitung von Geh. Justizrat Prof. Dr. Josef Kohler“, Berlin 1918 (Auszüge siehe auch: http://books.google.de/books?id=7OqWZ59Ggo0C&q=pharos&dq=pharos/Zugriff: 21.07.09, sowie zit. nach Eggert Band 1 und auch: http://www.zvab.com/displayBookDetails.do?itemId=62748524&b=1/Zugriff. 10.07.09/Friedrich Würthle: „Dokumente zum Sarajevoprozess. Ein Quellbericht“, Wien 1978 (Auszüge siehe auch: http://books.google.de/books?id=o5oDAAAAMAAJ&q=friedrich+w%C3%BCrthle&dq=friedrich+w%C3%BCrthle/Zugriff: 23.07.09), sowie zit. nach Eggert Band 1/“Kleines ABC zum deutschen Adel: Kekule v. Stradonitz, Stephan“ in: „Institut Deutsche Adelsforschung“ (http://home.foni.net/~adelsforschung/lex67.htm/Zugriff: 23.07.09)/“Publikationen von Stephan Kekule von Stradonitz“ in: „Katalog der Deutschen Nationalbibliothek“ (https://portal.d-nb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=stradonitz/Zugriff: 23.07.09) und im „Antiquariat Wilfried Melchior – Volkskunde – Freimaurer“ (http://www.buchfreund.de/results.php?q=stradonitz/Zugriff: 23.07.09)/“Stimmen aus Bosnien“ v. Juli 1915, S. 11.f (zit. nach Eggert Band 1)/John Daniel: „Two Faces of Freemasonry – A Picture Book Supplement to Volume One – Third Edition of Scarlet and the Beast – A History of the War between English and French Freemasonry“, Day Publishing, Longview TX, 2007, S. 428-430 (http://www.scribd.com/doc/13029897/2-faces-Freemasonry-John-Daniel-Complete/Zugriff: 23.07.09/Theodor v. Sosnosky: „Franz Ferdinand, der Erzherzog-Thronfolger – Ein Lebensbild“, München und Berlin 1929, S. 212/Graf Ottokar Czernin: „Im Weltkriege“, Berlin/Wien 1919, S. 58/ Robert A. Minder: „Freimaurer Politiker Lexikon“, Innsbruck 2004, S. 123, 124/Günter K. Kodek: „Zwischen verboten und erlaubt – Chronik der Freimaurerei in der österreichisch-ungarischen Monarchie 1867-1918 und der I. Republik 1918-1938“, Wien 2009, S. 13, 26, 32-39, 192/Dorthy Gies McGuigan: „Familie Habsburg 1273 – 1918, Glanz und Elend eines Herrscherhauses“, Wien/München 2007, S. 584, 585, 602-609/S.Fischer-Fabian: „Die deutschen Kaiser – Triumph und Tragödie der Herrscher des Mittelalters“, Bergisch Gladbach 2003, S. 61ff./Friedrich Weissensteiner: „Die großen Herrscher des Hauses Habsburg – 700 Jahre europäische Geschichte“, München 2009, S. 371ff., 388ff.

Verschwörung oder Fakt? – „Freimaurer“ (6): DAS SARAJEWO-KOMPLOTT (II)


Das Attentat  auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand 1914 in Sarajewo, das unmittelbar den Ausbruch des 1. Weltkrieges zur Folge hatte, ist unauslöschlich in das Weltengedächtnis eingebrannt. Immer wieder werden „Verschwörungstheorien“ laut, dass die Attentäter Freimaurer waren und Franz Ferdinand einem freimaurerischen Komplott zum Opfer gefallen war.

Nachfolgend möchte ich Licht ins Dunkel dieser „Verschwörungstheorie“ bringen und darauf hinweisen, dass eine solche eine Theorie OHNE Fakten ist. Dennoch sprechen viele Belege, Beweise und Indizien dafür, dass die „Verschwörung“ tatsächlich eine solche war. Vorab möchte ich Kritiker bitten, die nachfolgenden (historischbelegten) Recherchen zu widerlegen, auch wenn sie so nicht in das „Mainstreamweltbild“ passen. Quellen gebe ich am Schluß der Texte an.

Hinter den Kulissen der „offiziellen“ Geschichtsschreibung

Nachfolgend möchte ich auf wichtige Aspekte eingehen, die im Zusammenhang mit dem Attentat auf den österreichischen Thronnachfolger Franz Ferdinand und seiner Frau entweder nur angedeutet, oft in der offiziellen Geschichtsschreibung gar nicht erwähnt oder ganz einfach Verschwörungstheoretikern in die Schuhe geschoben werden. Doch so einfach ist das nicht, denn es gibt zahlreiche seriöse Quelle, Zeitdokumente und Zeitzeugen, die alle widerlegt werden müssten. Und dies ist wohl aufgrund der Fülle und Authentizität der Fakten nicht möglich.

Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen

Das erste was in dieser historischen Betrachtung der tragischen Vorfälle ins Auge sticht, sind die vollkommen unzulänglichen Sicherheitsvorkehrungen des Besuches des Thronfolgeehepaar in Sarajewo. Die manöverierenden Truppen befanden sich außerhalb der Stadt. Nur ein dünnes Polizeiaufgebot von gerade mal 150 Beamten in Uniform und Zivil waren anwesend, das die Fahrbahn freihielt und die mehrere Kilometer lange Fahrtroute sichern sollte. Und diese waren dann auch noch überwiegend serbischer Nationalität. Der Historiker und frühere Mitarbeiter des österreichischen Bundesministeriums für Unterricht und Kunst, Friedrich Weissensteiner, meint dazu: „Bessere Vorbedingungen für die Durchführung ihrer Pläne hätten sich die Attentäter nicht wünschen können.“ Denn als Kaiser Franz Joseph vier Jahre vorher, also 1910, nach Bosnien gereist war, hatte man die ganze Stadt abgesperrt, hunderte von Personen in den Wohnungen zurückgehalten und hinter jedem Baum stand ein Soldat mit dem Rücken zur Straße. Vier Jahre später schien es fast so, als würde hinter jedem Baum ein Mörder mit einer Bombe stehen.

Fast scheint es so, als wären die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen so gewollt gewesen. Denn, dass es auch anders ging, erwies dieser Tag dann doch noch. Wenige Stunden nach dem Attentat durchzogen dynastietreue Kroaten und Moslems die Straßen Sarajewos, drangen in Häuser und Geschäfte der Serben ein und plünderten und zerstörten die Einrichtungen. Nachdem dann das Standrecht ausgerufen worden war, stellte die Armee dann rasch die Ordnung wieder her!

Zufälliger Fahrfehler?

Nach dem ersten Attentatsversuch mit der Handgranate, der misslang, sollte die Wagenkolonne einen anderen Weg nehmen, als der ursprünglich geplante, um weitere Terroristen zu überrumpeln. So hätte es nach logischem Menschenverstand auch sein müssen. Doch nach dem der Autokonvoi zum zweiten mal losgefahren war bogen die ersten beiden Autos in die Straße zum Stadtzentrum ein, die schon ursprünglich vorgesehen war und die hätte vermieden werden sollen! Der Phaeton mit Franz Ferdinand fuhr ihnen nach. Als der bosnische Landeschef den Fahrirrtum bemerkte wies er dem Chauffeur die Route zu, die nach dem Attentat ausgemacht worden war.  Dieser bremste und wollte umdrehen, als Gavrilo Princip die tödlichen Schüsse wie auf eine Zielscheibe ungehindert abgeben konnte und damit die Welt veränderte. „Ein verhängnisvoller Irrtum hat ihm den österreichischen Thronfolger direkt vor die Pistolenmündung gesetzt“, schreibt Friedrich Weissensteiner dazu. Die amerikanische Historikerin Dorothy Gies McGuigan fügt in „Familie Habsburg 1273-1918. Glanz und Elend eines Herrscherhauses“ an: „Es war der vielleicht müheloseste Mord der Geschichte.“

Und für wahr – später wurde viel über diesen verhängnisvollen „Fahrfehler“ spekuliert. War es tatsächlich ein Irrtum? Ein reines Versehen? Oder war gar die neu festgelegte Fahrtroute nicht an die Chauffeure weitergegeben worden? Dies alles halte ich für ziemlich abwegig, nach dem ersten Attentatsversuch, bei dem alle, aber auch wirklich alle Alarmglocken hätten aufleuchten müssen! Meiner Meinung nach war dies kein „Fahrfehler“, der es ermöglicht hatte, dass einer der Attentäter frei und ungehindert den Erzherzog und seine Frau erschießen konnte, sondern pure Absicht!

Wie dem auch sei, die Wahrheit wird zumindest in dieser Hinsicht wohl nicht mehr ans Licht der Öffentlichkeit kommen, denn bis heute ist dieser äußerst wichtige Sachverhalt wohl nicht eindeutig geklärt worden.

Ein Ausspruch Kaiser Franz Josefs, als er von dem Doppelmord unterrichtet worden war, scheint bewiesen: „Entsetzlich! Der Allmächtige lässt sich nicht herausfordern. Eine höhere Gewalt hat wieder jene Ordnung hergestellt, die ich leider nicht zu erhalten vermochte.“ Was immer er auch mit „höherer Gewalt“ und „Ordnung“ gemeint haben mag scheint im Nebel der Geschichte genauso begraben zu liegen wie sein Neffe und dessen Frau.

Unfähige Polizei

Ich habe bereits über die laschen und völlig unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen der Polizei gesprochen. Diese „Unfähigkeit“ zieht sich wie ein roter Faden am 28. Juni 1914 durch Sarajewo und gipfelt, meines Erachtens, in der Tatenlosigkeit bei der Festnahme eines der Attentäter, nämlich Gavrilo Princip.

Lassen wir hierzu am Besten einen Zeitzeugen zu Wort kommen, der das Attentat in Sarajewo hautnahe miterlebt hatte. Die Rede ist von Dr. Andreas Morsey, der einige Jahre im Dienst Franz Ferdinands stand und der die Ereignisse zum Teil in unveröffentlichten Erinnerungen niedergeschrieben hatte. Er schrieb in Bezug auf Gavrilo Princip, der letztlich den Thronfolger und seine Frau erschossen hatte und seiner anschließenden Verhaftung (kursiv von mir eingesetzt): „Grein und ich stürzten uns auf den Mörder und versetzten ihm mehrere Säbelhiebe, die Pistole hielt der Attentäter noch in der Hand…Von allen Seiten regnete es nun Hiebe auf ihn, Dutzende von Händen ergriffen ihn…Hierbei benahm sich die Polizei teils ungeschickt, teils so provokant, daß sie selbst mit uns, die wir an der Verhaftung teilnahmen, in Wortwechsel gerieten und uns von der Verhaftung abhielt…“

Unglaublich also, was Morsey hier erzählt! Aber es geht noch weiter: „Ein Komplize (des Attentäters/d.A.) wollte mir wehren, ich schlug mit dem Säbel nach ihm, aber er entkam ungefährdet, trotzdem ein Polizeibeamter, allerdings mit verschränkten Armen – ich erinnere mich noch heute genau daran – die Szene auf keine 5 Schritte sah und ihn trotz meiner Aufforderung ihn zu verhaften, laufen ließ.“

Aber Andreas Morsey weiß noch mehr zu berichten: „Ein Wachmann kam mit erhobenem Säbel auf mich zu und sagte mir: ‚Schauen Sie, daß Sie weiter kommen, das geht Sie gar nichts an.’“

Diese zeitgeschichtlichen Aussagen belegen also, dass die Polizei erstens unfähig und zweitens wohl kein großes Interesse daran hatte, die Attentäter dingfest zu machen.

Auch das halte ich für keinen Zufall, sonst wäre es wohl wieder einer mehr, sondern für Weisungsbedingt! Irgendjemand hatte gar kein Interesse daran, die Mörder sofort zu verhaften. Denn die Hintermänner wussten, dass sie angehalten worden waren, sofort nach dem Attentat ihre Zyanidkapseln zu schlucken, sich also selbst umzubringen. Tote Täter können nichts mehr aussagen. Deshalb wollte man den Attentätern durch die tatenlose Polizei noch die Gelegenheit geben sich selbst zu richten!

„Freimaurer-Feind“ Franz Ferdinand

Franz Ferdinand hielt an den konservativen Zielen der habsburgerischen Herrschertradition fest. Seine angestrebten Reformen, wie beispielsweise die förderative Umgestaltung des multinationalen Donaustaates, waren einzig auf die Aufrechterhaltung und Festigung der Autorität des Herrschers und damit der monarchistischen Ordnung abgestellt. Am 14. November 1868 wurden Österreich und Ungarn offiziell zwei gleichberechtigte Staatengebilde. Zum einen Cisleithanien, bestehend aus Nieder- und Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Vorarlberg, Steiermark, Kärnten, Krain, Görz, Gradiska, Istrien, Dalmatien, Böhmen, Mähren, Schlesien, Galizien und die Bukowina, zum anderen Transleithanien, bestehend aus Ungarn, Siebenbürgen, Kroatien und Slowenien. Die beiden Staaten waren  die Person des Monarchen, in Österreich als Kaiser, in Ungarn als König (deshalb auch die k. und k.-Monarchie, die kaiserliche und königliche Monarchie genannt), sowie mit dem Militär (Heer), der Außenpolitik und der Finanzen verbunden. Der österreichische Kaiser Franz Joseph I. wurde in Budapest zum König von Ungarn gekrönt.

Die österreichisch-ungarische Doppel-Monarchie war ein Vielvölkerstaat, in dem die deutschsprachige österreichische Bourgeoisie und der magyarische (ungarische) Adel eine bevorzugte Stellung einnahmen. Die Slawen stellten die Bevölkerungsmehrheit, wurden aber von der Gleichberechtigung ausgeschlossen. Auch die anderen Nationalitäten, Tschechen (Böhmen), Slowaken, Kroaten, Serben, Slowenen, Polen, Ruthenen, Rumänen und Italiener waren Staatsangehörige „zweiter Klasse“. Kaiser Franz Joseph war seit 1867 nicht mehr ein absolutistischer, sondern ein konstitutioneller Monarch und war, trotz Reichsrat, so wurde die in zwei Kammern geteilte Volksvertretung genannt, Herr über die Außenpolitik und die Armee. Seine kaiserliche Autorität war nicht wirklich gefährdet, denn selbst wenn der Reichsrat ein Gesetz beschloss, dass er missbilligte, konnte er durch sein Veto die Gesetzeskraft verweigern. So hatte der Kaiser für die Bildung der ersten Regierung die Liberalen – deutsch-orientiert, zentralistisch gesinnt, anti-dogmatisch, antiklerikal, Sozialpolitik war ein Fremdwort für sie – die im Abgeordnetenhaus des Reichsrates eine Mehrheit errungen hatten.

Zunächst wartete Franz Ferdinand auf das Ableben Kaiser Franz Josephs, der zwischenzeitlich in den Achtzigern war und der an der bestehenden politischen Ordnung nichts ändern wollte. Der Thron schien greifbar nahe. Bald konnte er die Herrschaft ergreifen und in seiner Art Politik machen, die er sich als Ziel gesetzt hatte. Vor allen Dingen sollte die Monarchie nicht noch mehr Macht einbüssen, sondern gefestigt werden. Die Vorbereitungen für den Monarchenwechsel waren schon längst angelaufen und die Pläne für den Reichsumbau mit gigantischen Ausmaßen mit realpolitischen Erwägungen, wie die Stärkung der Zentralgewalt der Krone, die Brechung der ethnisch-ungarischen Vorherrschaft und damit größere politische Rechte für die nichtungarischen Nationalitäten (beispielsweise Kroaten, Slowenen und Rumänen), sowie die Schaffung eines slawischen Königreiches (als Gegengewicht zu Ungarn) lagen bereit zur Umsetzung.

Feldmarschall Conrad von Hötzendorf, ehemaliger Chef des Generalstabes der k. und k. österreichisch-ungarischen Armee, schrieb in seinen militärischen Erinnerungen dazu: „Vielleicht hätte unter Franz Ferdinand das alte Reich in einer neuen Form erblühen können. Die Österreich-Ungarn Treugesinnten hofften es; Österreichs Feinde fürchteten es!“

Genauso war es. Denn auch die politischen Bewegungen des Liberalismus und Sozialismus verabscheute Franz Ferdinand geradezu. Dies lief natürlich ebenfalls, wie die Stärkung der Monarchie nach seiner Reichsreform, den freimaurerischen Bestrebungen zu wieder.

Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand war ein regelrechter Feind der Freimaurer und der jüdischen Magyaren, also der ethnischen Ungarn. So sagte er einmal: „Nur die Chauvinisten und Judeomagyaren, die ihren Lebensberuf darin sehen, unaufhörlich gegen die Gemeinsamkeit mit Österreich und gegen die gemeinsame Armee zu hetzen, die bringen mich in Wut.“

Seit der Zeit des ersten Kaisers, des ersten deutschen Caesaren Otto I., waren die Ungarn, die Magyaren, die kriegerischen Reitnomaden, die ursprünglich am Ural beheimatet gewesen waren, gefürchtete Todfeinde des Reiches. Mit ihrer Tugenden von Kampflust, Vitalität und Todesmut waren sie allen anderen kriegerisch überlegen. Die Menschen der damaligen Zeit schlugen das Kreuz, wenn sie nur den Namen hörten und liessen sogar ans Ende des Vaterunsers einen Satz anfügen: „…de sagittis Hungarorum libera nos, domine! – …auch befreie uns von den Pfeilen der Ungarn, o Herr!“ Die Magyaren waren die „Rache des großen Gottes, von ihm über euch zur Geißel erkoren. Und alle, die wir von den eurigen töten, werden uns im Jenseits dienen,“ sagte einmal ein hochrangiger Gefangener. Im Jahr 955 v. Chr. überschritten sie mit einem riesigen Heer von über 100.000 wilden Reitern unter dem gefürchteten Führer Horka Bulcsu, einem Angehörigen einer altungarischen Kriegeraristrokatie, die Grenzen nach Bayern, Schwaben, Franken und Lothringen, raubten, mordeten, verwüsteten und plünderten. Otto I. stellte sich ihnen mit seinem deutschen Heer entgegen, so dass es 955 zur berühmten „Lechfeldschlacht“ kam, bei der die Magyaren, die ein halbes Jahrhundert der Alptraum Europas gewesen waren, so vernichtend geschlagen wurden, dass sie sich nie mehr davon erholten.

Vielleicht rührte auch daher die Antipathie oder vielleicht sogar Furcht des Thronfolgers vor den Magyaren. Denn Ungarn hatte schon längst klar gemacht, dass sie auch in der k. und k.-Monarchie eine größere Eigenständigkeit wollten, damit sogar die gemeinsame Armee in Frage gestellt hatten, so dass selbst Kaiser Franz Joseph ein Machtwort sprechen musste.

Ferdinands Tochter Sophie Nostitz erklärte dazu: „Mein Vater hasste nicht alle Ungarn, er hatte nur etwas gegen die magyarische Führungsschicht, die nur an sich und die Aufrechterhaltung ihrer Privilegien dachte.“ Mit Führungsschicht waren wohl die Führer der Unabhänggigkeitspartei gemeint, deren Ziel es war die vollständige Selbständigkeit von der Donaumonarchie zu erreichen, sowie die ungarische Adelsoligarchie.

Dazu muss man folgendes wissen – und diese Informationen stammen nicht aus „Verschwörerbüchern“, sondern aus dem „Internationen Freimaurer Lexikon“ -, dass die bedeutendsten ungarischen Adelsgeschlechter an den Anfängen der Wiener Freimaurerei beteiligt waren, wie beispielsweise Apponyi, Bánffy, Batthyány, Esterházy, Festecics, Forgách, Gyulay, Pálffy, Szapáry, Teleki. Bis 1900 stieg die Zahl der Bauhütten auf 46 Logen, 1918 waren es bereits 86. Der Einfluss der Logenbrüder wurde also von Jahr zu Jahr größer. Der Publizist Friedrich Weissensteiner meint: „Als Hauptvertreter der von ihm gehassten Adelsclique betrachtete der Thronfolger laut Beck die Grafen Tisza, Andrássy und Apponyi.“

Graf Stephan Tisza, ungarischer Ministerpräsident selbst war wohl kein Freimaurer, aber er nahm mehrmals freimaurerische Dienste zu „patriotischen“ Interventionen, wie es so schön heißt, in Italien und Rumänien in Anspruch.

Graf Julius Andrássy war nicht nur ehemaliger ungarischer Ministerpräsident und österreichisch-ungarischer Außenminister sowie Mitbegründer des Dreierbundes (Österreich, Ungarn, Deutschland), sondern auch Freimaurer, der in Paris in die Loge „Le Mont Sinai“ eingetreten war. Albert von Apponyi gehörte ohnedies einem traditionellen freimaurerischen Adelsgeschlecht an. Ein anderes prominentes ungarisches Freimaurermitglied (einst eingeführt in die Loge „Szt. István“) war Theodor Graf Csáky, Präsident des Bundesrates, der sogar Zugeordneter Großmeister des Großorients von Ungarn war.

Der Thronfolger unterstützte deshalb auch die Idee, die Vormachtsstellung der ungarischen Adelsoligarchie mit Hilfe des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechtes zu brechen! „Das Vorhaben ist bekanntlich am geschlossenen Widerstand der magyarischen Politiker fast aller Parteischattierungen gescheitert. Für eine gewaltsame Einführung des allgemeinen Stimmrechtes, an die Franz Ferdinand dachte, war der Kaiser jedoch unter keinen Umständen zu haben…Als Axiom seiner Reformpläne stand für Franz Ferdinand jedenfalls die Brechung der magyarischen Vorherrschaft im Gesamtgefüge der Monarchie unverrückbar fest.“ (Friedrich Weissensteiner).

Franz Ferdinand wusste wohl aber genau um den bereits 1871 gegründeten freimaurerischen Großorient von Ungarn durch den Großorient von Frankreich und von den angeschlossenen Logen, die keinesfalls wie üblich, sich der deutschen, sondern der ungarischen Sprache bedienten (wie beispielsweise die nach Schottischem Ritual arbeitenden Logen „Hungária“, „Könyves Kálmán“ oder „Összetartás“). Günther K. Kodek schreibt in seinem Buch „Zwischen verboten und erlaubt – Chronik der Freimaurerei in der österreichisch-ungarischen Monarchie 1867-1818 und der I. Republik 1918-1938“ dazu: „In vielen ungarischen Logen sind darüber hinaus starke nationalistische Strömungen zu finden und so mancher ungarischer Bruder meint, die offizielle Zweisprachigkeit der Symbolischen Großloge von Ungarn solle doch endlich beendet werden…“

Diese nationalistischen Tendenzen in den ungarischen Freimaurerlogen, die sich damit gegen die Doppelmonarchie stellten, blieben dem Thronfolger sicher nicht verborgen und ermunterten ihn darin gegen die Magyaren vorzugehen, denn er sah dadurch sicher auch das Reich gefährdet.

Fassen wir an dieser Stelle also noch einmal die äußerst wichtigen und von den meisten historischen Betrachtungen ausgeblendeten diesbezüglichen Sachverhalte noch einmal zusammen: Franz Ferdinands bitterste Gegner in Ungarn waren also allesamt entweder selbst mächtige Freimaurer, oder bedienten sich derer Hilfe. Um ihre Macht zu brechen wollte er sogar gewaltsam das allgemeine Stimmrecht einführen und damit den Freimaurer-Adel bekämpfen.

In den Deutschen und den deutschsprechenden Österreichern und Deutschböhmen, dem zweiten Staatsvolk der österreichisch-ungarischen Monarchie, hingegen sah Franz Ferdinand das bindende Element im habsburgerischen Vielvölkerstaat. „Ich bin ein Deutscher, meine Sympathien sind auf der Seite der Deutschen…Ich spreche deutsch und ich bin deutsch,“ gab er einmal zum Besten. So waren mit einer Ausnahme auch alle Informatoren des Thronfolgers Deutsche. Mit seinem Freund, dem deutschen Kaiser Wilhelm II., plante er früher oder später eine unvermeidliche Abrechnung mit dem russischen Panslavismus.

Ein Freund Englands war der Thronfolger ebenfalls nicht. Er misstraute seiner Politik.

Genau sowenig hatte er für die der Amerikaner übrig. Ihm gefiel die Demokratie nicht.

Auch für Frankreich hatte Franz Ferdinand nicht viel übrig. In ihm sah er die Brutstätte der liberalen, freimaurerischen und sozialistischen Strömungen der Zeit. Damit machter sich bestimmt keine Freunde bei den französischen Maurerbrüdern.

In den Logen sah er monarchiefeindliche Umtriebe (die zum Teil auch berechtigt waren). Er meinte gar, dass die Monarchie „total in den Händen von Juden, Freimaurern, Sozialisten und Ungarn steht und regiert wird…Das ist des Pudels Kern“ (in einem Brief von 1908). Allerdings verschmähte er es auch nicht beim Haus Rothschild Kredite aufzunehmen, wenn er Geld brauchte.

Fakt jedoch ist, dass Franz Ferdinand Freimaurer, Juden und Sozialisten als Staatsfeinde ansah und dies auch klipp und klar sagte.

Zu dem passte das demokratische Männerwahlrecht, das 1907 in der österreichischen Reichshälfte galt, nicht zu seinen Monarchie-Umbau-Plänen. Im Mai 1907 hatte es die erste Reichsratswahl gegeben, bei die Christlichsozialen 96 und die Sozialdemokraten 87 errungen hatten.

Auch noch in anderer Hinsicht hatte der Erzherzog mit Freimaurern zu tun, quasi direkt vor seiner Haustür.

Den Plänen Franz Ferdinands zum Umbau der Monarchie standen die österreichischen Sozialdemokraten im Wege, die bereits beim Brünner Parteitag 1899 ein Reformprogramm verkündet hatten, das die Umwandlung des kaiserlichen Österreichs in einen demokratischen Nationalitäten-Bundesstaat vorsah. Auch der später so populär gewordene Begründer der Ersten und Zweiten österreichischen Republik, Karl Renner wollte die Zerschlagung der Kronländer. Österreich sollte zu einem in sich selbst verwaltende demokratische Kreise aufgeteiltes Reich mit Zentralparlament und Zentralregierung, sowie ein „Bund freier Völker“ werden. Das was sich anhört wie freimaurerische Dialektik scheint auch eine zu sein. Denn auch Karl Renner war ein Logenbruder, wie der renommierte österreichische Publizist Peter Diem, Rechts-, Staats- und Politikwissenschaftler, sowie ehemaliger Bundes-Organisationsreferent der ÖVP, in seinem Buch „Die Symbole Österreichs“ bekennt, nämlich dass Renner ein Logenbruder war. Er vermutet sogar bei der seltsamen Anordnung seines Kopfes am Renner-Denkmal, eine leichte Verschiebung der Kopfplastik in südlicher Richtung, dass „dies ein letzter Gruß der Freimaurer an ihr prominentes Mitglied Dr. Karl Renner war: der Platz der Gesellen in der Loge ist ja im Süden, im ‚Mittag’. Wenn ein ‚vollendeter Bruder’, also ein Verstorbener, symbolisch zum ‚Großen Baumeister aller Welten’ aufblickt, so ist sein Platz in der Ewigkeit ein wenig südlich der Mitte.“

Fassen wir noch einmal zusammen: Erzherzog Franz Ferdinands Monarchie-Reform stand den liberalen und sozialistischen Plänen der Freimaurer im Wege. Nicht nur dass er Freimaurer namentlich verachtete, machte er sich mit seinen Vorstellungen und Aussagen auch unter den Logenbrüdern in England, Frankreich, Russland, Serbien, Ungarn und den Vereinigten Staaten unbeliebt. Wie beispielsweise im Fall der ungarischen freimaurerischen Adelsoligarchie wollte er diese sogar gewaltsam bekämpfen. Er, der 1913 zum „Generalinspekteur der gesamten bewaffneten Macht“ ernannt worden war und damit eine militärische Machtfülle besaß, wie sie vor ihm in der Habsburger Geschichte niemand innegehabt hatte, als legitimer Thronfolger die Donaumonarchie umbauen wollte, wurde zum Freimaurer-Feind Nummer 1 in Europa. Auch wenn diese nicht müde werden zu behaupten, dass ihre Pläne und die des Erzherzogs konform gegangen seien. Trotz dieser erdrückenden Faktenlage meinten 1959 (Nachdruck 1999) der langjährige Großmeister der Großloge von Österreich, Bernhard Scheichelbauer und der Großbibliothekar Gustav Kuéss in ihrem Buch „200 Jahre Freimaurerei in Österreich“ die Umbaupläne der Doppelmonarchie in ein bundesstaatliche Gebilde durch Franz Ferdinand wären doch den „maurerischen Anschauungen von Toleranz gegenüber den Nationen“ entgegengekommen. Dass der Thronfolger kein „Freund der Freimaurer“ war erwähnten sie ebenfalls. Aber die Freimaurerei von einer Schuld am Attentat freizusprechen, weil sie doch scheinbar die gleichen Pläne wie Franz Ferdinand hatten, entbehrt jeglichem Sachverstand und jeglicher Fakten. Im Gegenteil erklärte der vom „Grande Orient de France“ bestellte Logenbruder Francolin auf dem vom 16. bis 17. Juli 1889 in Paris abgehaltenen Hochgrad-Freimaurer-Kongress unter dem stürmischen Beifall der Teilnehmer: „Der Tag wird kommen, an dem bei den Völkern…die Monarchien und die Religionen zusammenstürzen werden. Dieser Tag ist nicht mehr ferne. Das ist der Tag, den wir ersehnen. An diesem Tage werden alle Enterbten befreit, alle Ungerechtigkeiten gesühnt, alle Privillegien beseitigt, alle vergewaltigten Provinzen ihr Selbstbestimmungsrecht erhalten. Dann werden alle Großlogen und Groß-Oriente der ganzen Erde sich in einer Weltverbrüderung zusammenfinden…Das ist das glanzvolle Zukunftsideal, das uns vorschwebt. Unsere Sache ist es, den Anbruch des Tages dieser allgemeinen Verbrüderung zu beschleunigen.“

Dass die Freimaurer diesen Tag herbeigeführt haben zeigt das erfolgreiche Attentat auf Franz Ferdinand. Also von freimaurerischer Seite auch nur anzudeuten der Thronfolger wäre doch ihren Anschauungen entgegengekommen ist völliger Unsinn, denn der wollte einen Umbau der Monarchie, eine Aufrechterhaltung und Verfestigung der monarchistischen Ordnung, die Freimaurer hingegen eine Beseitigung, wie sie bereits 25 Jahre bei dem Hochgrad-Freimaurer-Kongress eindeutig verlauten ließen und sogar noch ergänzten: „Die soziale Revolution ist es, welchen unseren gemeinsamen Feind zu Fall bringen wird, wie sie alle Tyrannen Europas und der ganzen Welt untergräbt…“

In einem Bulletin des französischen Groß-Orients vom 2. September 1889, in Bezug darauf, dass der gerade zum deutschen Monarchen gekrönte Kaiser Wilhelm II. nicht dem Freimaurerbund beitreten will, heisst es unter anderem: „Da der Kaiser nicht Freimaurer werden will, werden die Freimaurer das deutsche Volk einweihen und wenn die kaiserliche Regierung die Freimaurerlogen verfolgt, werden diese in Deutschland die Republik aufrichten.“

Eine eindeutigere Drohung die Monarchie mit Hilfe einer Revolution abzuschaffen, um eine maurerische Republik (ähnlich wie in Frankreich durch die Französische Revolution) zu errichten, gibt es wohl nicht. Auch dies zeigt, dass die Monarchie ein erklärtes Feindbild der Logenbrüder war.

Der Historiker Friedrich Weissensteiner meint dazu: „Er (Franz Ferdinand/d.A.) zog in zahlreichen schriftlichen und mündlichen Äußerungen über Freimaurer, Juden und Sozialisten her, sah in ihnen Staatsfeinde, die er mit allen Mitteln bekämpfte.“ Mehr muss an dieser Stelle nicht hinzugefügt werden.

„Logenurteil“  gegen Franz Ferdinand

Am 28. Mai 1915 zitierte das „Berner Tagblatt“ die „Paris Midi“, dass Erzherzog Franz Ferdinand vom französischen „Groß-Orient“ („Grand Orient de France“) zum Tode verurteilt worden war! Ein maurerisches Feme-Urteil also! Brisant war diese Meldung noch mehr, als dass die „Paris Midi“ bereits am 1. Januar 1914 darüber berichtete, also ein halbes Jahr vor den tödlichen Schüssen in Sarajewo! Das „Bündner Tagblatt“ gab am 25. August 1923 das Jahr 1912 als „Jahr des Orient-Urteils“ an, also sogar zwei Jahre vor dem Attentat!

Ein interessanter Nebenaspekt: Der „Grand Orient“ hatte bereits 1910 in Serbien die Loge „Ujedinjenje“ gegründet, wenige Monate bevor die serbische „Ujedinjenje ili smrt“, die „Schwarze Hand“ ins Leben gerufen wurde!

„’Urteile’ dieser Art sind nicht ohne Beispiel in der Tradition der Freimaurerei und wurden in der Vergangenheit auch tatsächlich vollstreckt,“ meint der Historiker Wolfgang Eggert. „So war auch die Ermordung des spanischen Ministerpräsidenten Canalejas 1912 ein Werk der Loge, wie der deutsche Freimaurer Br. Ernst Freymann in seinem lesenswerten Buch Auf den Pfaden der internationalen Freimaurerei (Ausgabe von Dr. Burman, S. 69) geschrieben hat.“ Und weiter: „Es war klar: Gelang es, dieses Attentat auf dem Pulverfaß des Balkan auszuführen, dann würde sich angesichts der damaligen Bündnislage der lokale Konflikt geradezu zwangsläufig zum Weltbrand ausweiten. Trotzdem plante die Freimaurerei den Mord an dem Prinzregenten. Eine ganze Reihe von Zeitzeugen – Freunde und Gegner der Loge – belegen dies.“

Aufgeführt hierfür wird beispielsweise die französische Zeitung „Revue internationale des Sociétés secrètes, 12./15.September 1912, S. 787f.“, die berichtete, dass im „demselben Monat als die Gemahlin des Thronfolgers, die Herzogin von Hohenberg, gewarnt wurde“, Franz Ferdinand „verurteilt“ sei und auf dem Wege zum Thron sterbe müsse. Doch was noch wichtiger war: der Erzherzog selbst wusste bereits 1912 von dem damaligen freimaurerischen Todesurteil! Das berichtet der Zeitzeuge Graf Ottokar Czernin (der später auch der Präsident des „Bürgervereins 1918“ war, der am 6. März 1919, die antimasonische Veranstaltung „Entente-Freimaurerei und Weltkrieg“ initiierte. Wenig später erschien unter gleichem Titel ein Buch von Karl Heise), einer seiner bedeutendsten Ratgeber, Gesandter in Bukarest und spätere außenpolitischer Ratgeber Kaiser Karls, in seinen Erinnerungen „Im Weltkriege“, die 1919 veröffentlicht wurden: „Eine hübsche Eigenschaft des Erzherzogs war seine Furchtlosigkeit. Er war sich vollständig im Klaren darüber, daß die Gefahr eines Attentats für ihn immer bestehe, und er sprach oft und vollständig ohne Pose über diese Eventualitäten. Von ihm erhielt ich ein Jahr vor Kriegsausbruch die Nachricht, daß die Freimaurer seinen  Tod beschlossen hätten. Er nannte auch die Stadt, wo dieser Beschluss angeblich gefasst worden sei – dies ist mir entfallen – und nannte den Namen verschiedener österreichischer und ungarischer Politiker, welche davon wissen müssten.“

Auch einige der Attentäter gaben später vor Gericht zu, dass man ihnen vom  Todesurteil der Freimaurer gegen den Thronfolger erzählt hätte (siehe Über angeklagte „Logenbrüder“ und scheinbar gefälschte Gerichtsprotokolle).

In der Tat reiste Franz Ferdinand mit dunklen Vorahnungen, das die Erkenntnis seines Todesurteils durch die Freimaurer sicher noch bestärkt hatte, nach Sarajewo. Er sagte zu seiner Gemahlin Herzogin Sophie, nachdem zu beginn ihrer Reise die Achsen ihres Waggons, angekoppelt an den Prager Schnellzug, heißgelaufen waren: „Siehst du, so fängt es an, zuerst heiß gelaufener Waggon, dann ein Attentat in Sarajevo und wenn das alles nicht hilft, eine Explosion auf dem Dampfer…“ Auch im Salonwagen des Ministerpräsidenten Karl Graf Stürgkh versagte nach Weiterfahrt die elektrische Beleuchtungsanlage, so dass Kerzen entzündet wurden. Daraufhin meinte der Erzherzog, dass er sich bereits wie in einer Gruft vorkommen würde. Wie Recht er damit hatte, zeigt der Lauf der Weltgeschichte.

Quellen:

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Jahrhundert“, Wien, München 1985, S. 7-35/Gerhard Wisnewski: Jörg Haider – Unfall, Mord oder Attentat?“, Rottenburg 2009, S. 82, 83/John Keegan: „Der Erste Weltkrieg – Eine europäische Tragödie“, Hamburg 2000, S. 79ff./Jim Marrs: „Heimliche Herrscher – Wie verborgene Mächte das Schicksal der Menschheit bestimmen“, Rottenburg 2007, S. 221/Klaus-Rüdiger Mai: „Geheimbünde – Mythos, Macht und Wirklichkeit“, Bergisch Gladbach 2006, S. 314ff./Arthur Ponsonby: „Falsehood In War Time: Containing An Assortment Of Lies Circulated Throughout The Nations During The Great War“, 1928, S. 43-49/Wolfgang Eggert (Historiker): „Im Namen Gottes – Israels Geheimvatikan“, Band 1, München 2001, S. 264-270, 278,  291-328/Wolfgang Eggert (Historiker): „Im Namen Gottes – Israels Geheimvatikan“, Band 2, München 2001, S. 159-161/“Berliner Monatshefte für internationale Aufklärung“, April 1928, zit. nach Eggert Band 1/G.W. 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Stradonitz, Stephan“ in: „Institut Deutsche Adelsforschung“ (http://home.foni.net/~adelsforschung/lex67.htm/Zugriff: 23.07.09)/“Publikationen von Stephan Kekule von Stradonitz“ in: „Katalog der Deutschen Nationalbibliothek“ (https://portal.d-nb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=stradonitz/Zugriff: 23.07.09) und im „Antiquariat Wilfried Melchior – Volkskunde – Freimaurer“ (http://www.buchfreund.de/results.php?q=stradonitz/Zugriff: 23.07.09)/“Stimmen aus Bosnien“ v. Juli 1915, S. 11.f (zit. nach Eggert Band 1)/John Daniel: „Two Faces of Freemasonry – A Picture Book Supplement to Volume One – Third Edition of Scarlet and the Beast – A History of the War between English and French Freemasonry“, Day Publishing, Longview TX, 2007, S. 428-430 (http://www.scribd.com/doc/13029897/2-faces-Freemasonry-John-Daniel-Complete/Zugriff: 23.07.09/Theodor v. Sosnosky: „Franz Ferdinand, der Erzherzog-Thronfolger – Ein Lebensbild“, München und Berlin 1929, S. 212/Graf Ottokar Czernin: „Im Weltkriege“, Berlin/Wien 1919, S. 58/ Robert A. Minder: „Freimaurer Politiker Lexikon“, Innsbruck 2004, S. 123, 124/Günter K. Kodek: „Zwischen verboten und erlaubt – Chronik der Freimaurerei in der österreichisch-ungarischen Monarchie 1867-1918 und der I. Republik 1918-1938“, Wien 2009, S. 13, 26, 32-39, 192/Dorthy Gies McGuigan: „Familie Habsburg 1273 – 1918, Glanz und Elend eines Herrscherhauses“, Wien/München 2007, S. 584, 585, 602-609/S.Fischer-Fabian: „Die deutschen Kaiser – Triumph und Tragödie der Herrscher des Mittelalters“, Bergisch Gladbach 2003, S. 61ff./Friedrich Weissensteiner: „Die großen Herrscher des Hauses Habsburg – 700 Jahre europäische Geschichte“, München 2009, S. 371ff., 388ff.

Verschwörung oder Fakt? – „Freimauer“ (5): DAS SARAJEWO-KOMPLOTT (I)


Das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand 1914 in Sarajewo, das unmittelbar den Ausbruch des 1. Weltkrieges zur Folge hatte, ist unauslöschlich in das Weltengedächtnis eingebrannt. Immer wieder werden „Verschwörungstheorien“ laut, dass die Attentäter Freimaurer waren und Franz Ferdinand einem freimaurerischen Komplott zum Opfer gefallen war.

Nachfolgend möchte ich Licht ins Dunkel dieser „Verschwörungstheorie“ bringen und darauf hinweisen, dass eine solche eine Theorie OHNE Fakten ist. Dennoch sprechen viele Belege, Beweise und Indizien dafür, dass die „Verschwörung“ tatsächlich eine solche war. Vorab möchte ich Kritiker bitten, die nachfolgenden (historischbelegten) Recherchen zu widerlegen, auch wenn sie so nicht in das „Mainstreamweltbild“ passen. Quellen gebe ich am Schluß der Texte an.

Vorspiel

Sarajewo war bis zu jenem verhängnisvollen 28. Juni 1914 nur eine orientalische Kleinstadt im äußersten Süden der österreichisch-ungarischen Donaumonarchie und gleichzeitig Hauptstadt der jüngsten Provinz des Habsburgerreiches Bosnien, das ehemals von den Türken besetzt gewesen war. Tief auf dem Balkan gelegen, einem Gebiet, das schon seit jeher ein Brennpunkt politischer Gewalt in Europa war und auch noch in Zukunft sein würde und nicht umsonst den unrühmlichen Beinamen das „Pulverfaß Europas“ erhalten hatte.

Sarajewo war bis zum 28. Juni 1914 – weltweit betrachtet – also eine unbedeutende Stadt, von der ab da die ganze Welt sprechen und alle Geschichtsbücher auf dem Erdball füllen würde. Eine unrühmliche Berühmtheit.

Erzherzog Franz Ferdinand d’Este, Neffe Kaiser Franz Josephs und dessen Thronfolger ahnte schon im Vorfeld, dass bei seiner Staatsvisite, die eigentlich eine Inspektionsreise zu den Sommermanövern des XV. und XVI. Armeekorps war, in der neuen unruhigen Provinz etwas geschehen könnte (siehe hierzu Freimaurerisches Todesurteil gegen Franz Ferdinand). Genauer, ein Attentat. Seine Befürchtungen – andere würden nach den tragischen Ereignissen sicher von Vorahnungen reden – waren sicher nicht unbegründet. Zum einen gab es in jeder größeren Stadt der Provinz österreichfeindliche Geheimbünde, so dass Demonstrationen, Sabotage und sogar Attentate auf der Tagesordnung standen. Zum anderen hatte Franz Ferdinand seit einiger Zeit Drohbriefe mit Mordankündigungen erhalten. Auch Zeitungen hetzten gegen ihn, wie ein in Chigaco erscheinendes südslawisches Emigrantenblatt, das am 3. Dezember 1913 sogar offen zum Fürstenmord aufrief. „Der österreichische Thronfolger hat für das Frühjahr seinen Besuch in Sarajewo angekündigt,“ hieß es da. „Serben, ergreift alles, was ihr könnt, Messer, Gewehre, Bomben und Dynamit. Nehmet heilige Rache! Tod der Habsburgerdynastie.“ Auch das Datum seines Sarajewo-Besuches spielte eine große Rolle (siehe nachfolgendes Kapitel).

Die Visite des Thronfolgers Franz Ferdinand in der unsicheren Provinz und der aufgeheizten Stimmung war also mehr als ein Sicherheitsrisiko. Und das war nicht nur nach dem Weltverändernden Attentat bekannt.

Das Attentats-Datum

Der 28. Juni wird von den Serben und ihren Brüdern in Bosnien der sogenannte „Vidovdan“, der Tag des heiligen Veit gefeiert. Der Jahrestag der blutigen Amselfeld-Schlacht, auf dem der türkische Sultan Murad 1389 König Lazar von Serbien vernichtend geschlagen und ein Tag danach der Serbe Milos Obilić den Sultan erdolcht und damit auch den Schmach der Niederlage getilgt hatte. Zumindest teilweise. Eine Tat, die noch Jahrhundertelang von serbischen Dichtern besungen und heroisiert wurde. Doch vor 500 Jahren war dies ein Tag, an dem die Serben ihre nationale Unabhängigkeit verloren und er damit für die serbischen Patrioten zu einem nationalen Trauertag wurde. Die Rolle der fremden Unterdrücker, wie einstmals die osmanischen Türken, nahmen nun die Habsburger ein, wie nationale Serben meinten. Franz Ferdinand wollte zukünftig ein starkes in seinen verschiedenen Nationen geeintes Großösterreich. Das widersprach den Vorstellungen der radikalen großserbischen Bewegung, die ein unabhängiges großserbisches Reich anstrebte. Geschützt wurden diese serbische Großmachtsgelüste vom russischen Zaren, der sich damit der Ausbreitung Österreichs auf dem Balkan entgegenstellen wollte. Als sich 1908 in einem Handstreich die kaiserlich und königliche (k. und k.-)Monarchie dann Bosnien-Herzegowina einverleibte, hätte Russland bestimmt an Serbiens Seite gekämpft, aber das Zarenreich war vom russisch-japanischen Krieg 1904/1905 zu sehr geschwächt.

Zudem war der 28. Juni, das wird in vielen historischen Betrachtungen dieses Attentats entweder gar nicht erwähnt oder als zu unwichtig betrachtet, auch der Tag der Thronverzichtserklärung (Renunziation) Franz Ferdinands. Das heißt: Am 28. Juni 1900, also genau 14 Jahre vor dem Attentat in Sarajewo, erklärten Franz Ferdinand und seine Frau Sophie Chotek, dass etwaigen Kindern aus dieser Ehe und deren Nachkommen „ein Recht auf die Thronfolge in den im Reichsrat vertretenen Königreichen und Ländern und somit auch in den Ländern der ungarischen Krone nicht zusteht und sie damit von der Thronfolge ausgeschlossen sind.“ Drei Tage später heirateten sie. Zu diesem vorangegangen Reznunziationsakt waren Franz Ferdinand und seine Gemahlin geradezu vom Kaiser und der übrigen österreichisch-ungarischen Regierung gedrängt worden, weil Sophie, zwar aus einer alten böhmischen Adelsfamilie stammend, dennoch „nur“ eine Hofdame des erzherzoglichen Haushalts war, jedoch nicht als ebenbürdig erachtet und nach dem habsburgischen Familiengesetz eigentlich für eine Ehe gar nicht in Frage gekommen wäre.

Somit hatte das Datum des 28. Juni eine doppelte Bedeutung.

Am Rande sei noch erwähnt, dass der „Internationale Freimaurer Kongress“ von 1917 ausgerechnet am 28. Juni begann. Und auch am 28. Juni 1919 wurde der unheilvolle Versailler-Vertrag unterschrieben…

Die Hinrichtung Franz Ferdinands

Der 28. Juni 1914 war ein herrlicher Sommertag und der letzte Tag des Aufenthalts des Thronfolgehepaars in Bosnien, bevor es mit dem Zug zurück nach Wien zu ihren Kindern gehen sollte. Nur wenige wussten, dass bereits imaginäre dunkle Wolken am blauen Himmel aufgezogen waren und diesen Tag zu einem der unheilvollsten der Geschichte mit einem der folgenschwersten Morde machen würden. Ein Tag, dessen Auswirkungen kurze Zeit später die ganze Welt in Brand setzen, in einen Krieg verwickeln, der vernichtender und grausamer als alle anderen vorher sein würde: den 1. Weltkrieg.

Nachdem der Erzherzog die Manöver der Armeekorps an den Tagen vorher besucht hatte, und er am Abend zuvor noch im Hotel Bosna in Ilidže zu einem Abschiedsdiner geladen hatte, trafen er und seine Frau kurz nach 10 Uhr in Sarajewo ein. Sie wussten nicht, dass sie bereits erwartet wurden: von einer Gruppe von Verschwörern, auf die ich später noch ausführlich zu sprechen kommen werde.

Der Thronfolger und sein Gefolge besichtigten zuerst eine Kaserne am Westrand von Sarajewo und fuhren dann in einer Autokolonne zum Rathaus. Es waren insgesamt sieben Autos. Im ersten befanden sich Polizisten, im zweiten der Bürgermeister und der Regierungskommissär, im dritten Franz Ferdinand, seine Gemahlin, der bosnische Landeschef, der Besitzer des Wagens und ein Chauffeur. In den drei folgenden Autos war die Suite des Thronfolgers. Der letzte Wagen war als Reserveauto eingeplant.

Zunächst lief die Fahrt glatt. Die wenigsten ahnten, dass Mitglieder der Verschwörergruppe sich in Zweierpaaren in etwa hundert Metern Abstand entlang der Straße postiert hatten, nachdem eine Lokalzeitung das Programm der Visite veröffentlicht hatte. Als erstes fuhren die Wagen an dem einzigen muslimischen Attentäter vorbei, Mehmed Mehmedbasić, dem jedoch die Nerven versagten und dadurch handlungsunfähig war.

Als der Konvoi an der Österreichisch-Ungarischen Bank vorüberfuhr warf ein anderer Attentäter, Nedeljko Căbrinović, eine Handgranate mit Zeitzündung gegen das dritte Auto, in dem Franz Ferdinand saß. Ein Sprengkapselsplitter ritzte den Hals Herzogin Sophies. Mit einer Handbewegung schleuderte der Thronfolger die Handgranate weg, die dann auf die Fahrbahn kollerte und vor dem nächsten Wagen explodierte. Franz Ferdinand ließ den eigenen Wagen anhalten und befahl nachzusehen, ob es Tote oder Verletzte gegeben hatte. Es gab einen Leicht- und einen Schwerletzten. Darunter auch sein Adjudant.

Nedeljko Căbrinović wurde, noch bevor er die Zyanidkapsel zerbeissen konnte, von der Polizei und Passanten festgesetzt.

Der Konvoi fuhr weiter ins Rathaus, um der Rede des Bürgermeisters zu lauschen, der im ersten Auto vorausgefahren war und von dem Attentatsversuch nichts bemerkt hatte. Fakt jedoch war, dass die Sicherheitsorgane erbärmlich versagt hatten. Nun wurde beratschlagt, wie der Thronfolger sicher aus der Stadt gebracht werden konnte. Das Militär, das die Straßen räumen könnte, war jedoch außerhalb der Stadt und es würde Stunden dauern es zurückzubeordern. Franz Ferdinand wollte den Verletzten im Krankenhaus besuchen und dann ins Landesmuseum. Dazu sollte diesesmal die Autokolonne, mit dem Bürgermeister an der Spitze, nicht die geplante Straße nehmen, sondern eine andere. Um den Thronfolger mit seinem Körper zu schützen stellte sich der Besitzer des Autos auf das linke Trittbrett des Phaeton. Dabei blieb die rechte Seite vollkommen ungesichert. Zudem hatte Franz Ferdinand keine Leibwächter bei sich.

Hier stellt sich die Frage, warum der Erzherzog nicht in ein geschlossenes Fahrzeug gesetzt wurde, um zumindest weiteren Attentätern die Arbeit zu erschweren?

Die Autokolonne setzte sich also in gleicher Reihenfolge wie zu sehr in Bewegung. Durch einen „Fahrfehler“ geriet der Wagen mit Franz Ferdinand und seiner Frau direkt vor die Mündung eines weiteren Attentäters, des Bosnier Gavrilo Princip, der zweimal schoss! Es war zehn Minuten vor elf. Aus dem Mund des Erzherzogs spritzte eine dünner Blutstrahl. Eine Kugel hatte ihm die Halsschlagader und die Luftröhre zerfetzt, er verlor das Bewusstsein. Herzogin Sophie war vom Sitz gerutscht. Zunächst wurde vermutet sie wäre ebenfalls besinnungslos. Doch ein Projektil war ihr in den Unterleib gedrungen, so dass sie innerlich verblutete.

Nachdem das Thronfolgeehepaar in den Wohnsitz des Landeschefs gebracht worden war, konnten die Ärzte nur noch den Tod feststellen. Es war 11 Uhr. Die Welt stand damit vor dem größten Krieg der bisherigen Geschichte.

Die Verschwörung

Bereits Anfang Juni 1914 liefen die Vorbereitungen für die Verschwörung auf Hochtouren. Mit dem Tod des Erzherzogs war für die Attentäter nicht nur ein verhasster Despot aus dem Weg geräumt worden, sondern auch die alte Ordnung in Europa!

Der Kopf dieser Verschwörung war der nationalistische Serbe Oberst Dragutin Dimitrijević, der wegen seines Stiernackens wie der ägyptische Stiergott „Apis“ genannt wurde (das soll auch sein Logenname gewesen sein!), Chef der Abwehr im serbischen Geheimdienst. Er war bereits in einen anderen Staatsmord verwickelt gewesen, an dem des serbischen Königs Alexander I. aus dem österreichfreundlichen Haus Obrenović, erschossen mit 30 Kugeln und seiner Gemahlin Draga Mašin, erschossen mit 18 Kugeln. Dimitrijevic hatte die Gruppe der damaligen Verschwörer befehligt. Mit dem Tod des Königs wurde eine neue großserbische Politik begründet. Mit der Ermordung Franz Ferdinands konnte dem verhassten Österreich ein entscheidender Schlag verpasst werden. Später gab er seine Rolle in der Verschwörung zu und rechtfertigte sich damit, daß er dachte, durch das „Verschwinden des österreichischen Thronfolgers Franz die Clique des Militärs, deren Haupt er war, ihre Macht einbüßen und so die Kriegsgefahr aufgehoben oder verschoben werden könnte.“

Doch es gab noch ganz andere Gründe. Franz Ferdinand wollte die dualistische Donaumonarchie (Österreich und Ungarn) in einen trialistischen Staat umwandeln, in dem neben Deutschen und Ungarn die Südslawen zum dritten staatstragenden Volk werden sollten. Hierzu schreibt der Publizist Lucian O. Meysels: „Jedenfalls hätte eine trialistische Monarchie den serbischen Irredentisten viel Wind aus den Segeln genommen. Mehr noch, nach einem Umbau des Habsburgerreiches mochten `unpolitische` Serben an einen Anschluß an die Dreiermonarchie denken, in der es ihren Brüdern zumindest wirtschaftlich viel besser ging als ihnen selbst in ihrer weitgehend rückständigen Heimat. Dieser Gedanke war sicher auch Apis gekommen, und deswegen musste der Thronfolger sterben.“

Doch auch dies war nur ein Aspekt eines größeren Komplotts, wie wir noch sehen werden.

Was aber wusste eigentlich im Vorfeld die serbische Regierung über das geplante Attentat auf den Thronfolger? Später, genauer nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges, gestand Ljuba Jovanovič, Unterrichtsminister unter der Regierung Pašić: „Das Komplott gegen Franz Ferdinand war dem gesamten Kabinett schon geraume Zeit vor dem Mord bekannt. Die Anhaltung der nach Bosnien reisenden Attentäter konnte aber nicht verhindert werden.“

Ein anderer Zeitzeuge, Arthur Ponsonby, ab 1906 Regierungsmitglied in London und von 1930 – 1936 Führer der oppositionellen Labour-Partei im Oberhaus, beschrieb 1928 in seinem Buch „Falsehood in War-Time“, deutsche Übersetzung 1967 „Absichtliche Lügen in Kriegszeiten – Eine Auswahl von Lügen, die während des ersten Weltkrieges in allen Völkern verbreitet wurden“) diesen Sachverhalt noch detailierter: „Die Enthüllungen über die Mitschuld der serbischen Regierung am Verbrechen von Sarajewo erschienen erst im Jahr 1924, als ein Artikel von Ljuba Jowanowitsch, dem Präsidenten des serbischen Parlaments, der 1914 im Kabinett Paschitsch (Pašić/d.A.) Unterrichtsminister gewesen war, unter dem Titel ‚Nach dem Veitstag 1914’ veröffentlicht wurde. In dem Artikel hieß es: Ich erinnere mich nicht mehr, ob es Ende Mai oder Anfang Juni war, als Herr Paschitsch uns eines Tages sagte, daß sich gewisse Personen vorbereiteten, nach Sarajewo zu gehen, um Franz Ferdinand zu töten, der am Veitstage (Sonntag, den 28. Juni) dort erwartet wurde. Soviel sagte er uns, aber nur mit Stojan Protitsch, dem Innenminister, behandelte er die Angelegenheit weiter. Wie sie mir später sagten, wurde diese von einer Geheimgesellschaft und Verbindungen patriotischer Studenten aus Bosnien-Herzegowina in Belgrad vorbereitet. Paschitsch und wir anderen sagten (und Stojan Protitsch stimmte zu), daß Stojan den Behörden an der Drinagrenze den Befehl geben sollte, die jungen Leute, die Belgrad in dieser Absicht verlassen hatten, am Überschreiten der Grenze zu hindern. Aber die Grenzbeamten waren selbst Mitglieder der Organisation. Sie führten Stojans Befehl nicht aus und sagten ihm, wie er uns später mitteilte, daß seine Anweisung erst eingetroffen sei, als die Grenze schon überschritten war. So scheiterte der Versuch der Regierung das Attentat zu verhindern.“

Also mehr als eine halbherzige Aktion der informierten serbischen Regierung die Attentäter zu stoppen. Bekannt ist, dass Ministerpräsident Nikola Pašić den Geheimbund „Schwarze Hand“ durch Agenten infiltrieren ließ. Zumindest ein Regierungsagent hatte den Verschwörern sogar geholfen nach Bosnien zu gelangen und darüber dann auch seine Vorgesetzten in Belgrad informiert! Demnach wusste der Ministerpräsident also genau von dem bevorstehenden Attentat. Doch er ließ nur über seinen Gesandten in Wien, Jovan Jovanović, eine vage Warnung an den österreichischen Finanzminister zugehen, mit der die dortige Regierung nicht viel anfangen konnte. Denn Pašić wollte sich nicht die Todfeindschaft des mächtigen Apis zuziehen, deren Umsturzpläne er fürchtete und drückte deshalb beide Augen zu.

So resümiert Arthur Ponsonby folgerichtig: „Hieraus geht klar hervor, daß das ganze (serbische/d.A.) Kabinett schon einige Zeit vor der Mordtat Kenntnis von der Verschwörung hatte, daß der Premier- und Innenminister wussten, in welchen Vereinigungen sie vorbereitet wurde, daß die Grenzwachen in enger Verbindung mit diesen standen und nach der Anweisung jener handelten, die das Verbrechen ausführten.“ Ferner führt Ponsonby weiter aus, dass der Neffe Pašić’s ebenfalls Mitglied der „Schwarzen Hand“ war.

Über Milos „Cigo“ Ciganović, Mitglied der „Schwarzen Hand“, der die Attentäter ausbildete und der wiederum für Major Vojin Tankosić arbeitete, einem Mitglied des Zentralkomitees der „Schwarzen Hand“ und Stellvertreter von Oberst Dimitrijević, weiß der englische Politiker zu berichten, dass dieser von der Regierung Pašić zur Belohnung für seine Dienste mit einem falschen Pass, ausgestellt auf den Namen Dalinowitsch, nach Amerika geschickt wurde. Nach dem Krieg kehrte dieser wieder zurück und erhielt von der Regierung ein Stück Land in der Nähe von Üsküb geschenkt!

Die Geheimarchive, aus denen eine diesbezügliche Kriegsurheberschaft Belgrads offenbar hervorging, wurden am Tag des Zusammenbruchs der österreichisch-ungarischen Monarchie beschlagnahmt und nach Belgrad gebracht.

Das alles zeigt eindeutig, wie tief die damalige serbische Regierung unter Nikolas Pašić in die Verschwörung verstrickt war und wie sehr Mitgliedern des Geheimbundes „Schwarze Hand“ geholfen wurde!

„Apis“ hatte den Geheimbund „Ujedinjenje ili Smrt“ („Vereinigung oder Tod“) gegründet, im Westen besser bekannt unter der Bezeichnung „Crna ruka“ („Schwarze Hand“). Ein Totenkopf mit gekreuzten Knochen, umgeben von einem Messer, einem Revolver und einem Giftfläschchen war ihr Wappen. Das Ziel der „Schwarzen Hand“ war die Vereinigung aller ethnisch serbischen Gebiete. Der Bund wollte keinen kulturellen, sondern einen revolutionären Kampf dafür führen. Verräter wurden mit dem Tod bedroht, die Mitglieder bekamen Nummern und verloren damit ihre Persönlichkeit, wie es im Artikel 30 der Organisationsstatuten hieß.

Die „Schwarze Hand“ besaß Kontakte in die höchsten Regierungsstellen in Belgrad und in Bosnien, sowie in viele europäische Hauptstädte. Apis strebte zudem den Sturz der serbischen Regierung unter Ministerpräsident Nikola Pašić an.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der, dass sich Dragutin Dimitrijević, bevor er die Attentäter nach Sarajewo schickte, sich in Russland den Rücken decken ließ. Sein Kontakt war dabei der russische Gesandte in Belgrad Nikolaj Hartwig und dessen Verbindungsmann Oberst Wiktor A. Artamanow, der in Serbien den Posten eines Militärattachés inne hatte und die großserbischen Aktionen gelegentlich sogar finanziell unterstützte. Auch die Aktion gegen den Thronfolger. Ob Artamanow darüber jedoch genau Bescheid wusste, wofür dieses Geld benötigt würde, bleibt wohl ein Geheimnis. Zumindest ist es nicht auszuschließen, dass wohl auch die Russen von dem bevorstehenden Attentat wussten und es in bewusst Kauf nahmen, ebenso die Briten!

Der englische Politiker Arthur Ponsonby meint 1928 dazu: „Es scheint kein Zweifel darüber zu bestehen, dass das britische Kriegsministerium vor Ende des Krieges amtlich informiert wurde, dass Dimitrijewitsch (Dimitrijević/d.A.), der Chef der Nachrichtenabteilung im serbischen Generalstab, der Haupturheber des Mordes war…Als es aber um die Abfassung des Friedensvertrages von Versailles ging, deckte eine Verschwörung des Schweigens die ganze Angelegenheit zu. Dieses Abscheu erregende Beispiel von Täuschung und Betrug sollte als serbische Lüge eingestuft werden. Aber so viele hatten sie sich zu eigen gemacht, dass halb Europa an ihr mitschuldig wurde.“

Die Attentäter

Der Chef der serbischen Abwehr suchte nach geeigneten Attentätern, die er für seine Zwecke einspannen konnte. Es durften jedoch keine serbischen Staatsbürger sein, um jeglichen Verdacht vor allem auch auf die „Schwarze Hand“ auszuräumen. Er fand sie in den jungen Bosniern Gavrilo Princip, Gymnasiast, Nejedlo Cabrinović, Klempner und Tischler und Trifko Grabez, Sohn eines orthodoxen Priesters, von der Schule verwiesen, die die schmackvolle Besetzung ihrer Heimat durch die Österreicher rächen wollten. Cabrinović und Grabez waren Mitglieder der „Mlada Bosna“ („Junges Bosnien“), einer nationalistischen Bewegung, die gegen die Donaumonarchie und für die Schaffung eines großserbischen Staates kämpften, seit Österreich 1878 zum Thronjubiläum Kaiser Franz Josephs Bosnien-Herzegowina annektierte, sprich offiziell dem Habsburg-Reich einverleibte. Dabei ist sehr wichtig, dass die „Mlada Bosna“ eigentlich nichts anderes als der verlängerte Arm der „Schwarzen Hand“ war. Der englische Historiker John Keegan schreibt die Terroristen der nationalistischen „Narodna Odbrana“ („Nationale Verteidigung“) zu, die 1908 gegründet und gegen die Eingliederung Bosniens in das Habsburgerreich war. „Tatsächlich war der Geheimbund ‚Vereinigung oder Tod’, gemeinhin als ‚Schwarze Hand’ bekannt, für das Attentat verantwortlich,“ meint Keegan weiter. „Dieser Irrtum fiel kaum ins Gewicht, denn die beiden Organisationen hatten teilweise dieselben Mitglieder, und die ‚Narodna Odbrana’ in Bosnien unterstützte die ‚Schwarze Hand’. Letztere war die gefährlichere Gruppe. Ihr Ziel war die ‚Vereinigung des serbischen Volkes’, und ihre Mitglieder mussten Treue bis in den Tod schwören.“ An dieser Stelle möchte ich festhalten, dass also alle Geheimbundfäden in der „Schwarzen Hand“ zusammenliefen. Darin scheinen sich die Historiker einig.

Waffen sollten sie über Milos „Cigo“ Ciganović, Finanzbeamter und Mitglied der „Schwarzen Hand“ erhalten (der später auch Schießübungen mit ihnen veranstaltete und sie in den Gebrauch von Bomben einwies), der wiederum für Major Vojin Tankosić arbeitete. Und der war nicht nur, ein berüchtigter „Türkenkämpfer“, sondern Mitglied des Zentralkomitees der „Schwarzen Hand“ und Stellvertreter von Oberst Dimitrijević.

Nach dem Attentat sollten die drei jungen Bosnier Zyanidkapseln schlucken. Lebende Mitwisser wurden von niemandem gebraucht. So reisten die drei also los, wurden dabei von Vertrauensmännern der „Schwarzen Hand“ unterstützt. In Sarajewo kam noch Danilo Ilić zum Verschwörerkreis hinzu, sowie Mehmed Mehmedbasić, der schon seit längerem verschiedener Geheimbünde angehörte, Vaso Cubrilović und Cvetko Popović.

Seltsamerweise ließ sich Nejedlo Cabrinović noch kurz vor dem Attentat rasch von einem Schnellfotografen ablichten und bat einen Freund, die Bilder abzuholen und an sechs verschiedene Adressen zu schicken! An wen und warum bleibt wohl für immer im Wust der Geschichte vergraben. Naheliegend ist jedoch, dass er diese Fotos an die Hintermänner versandt hat.

Gavrilo Princip wird später sogar zum Volkshelden, zum Vorläufer der jugoslawischen Volksdemokratie. Und dort, wo er einst den Erzherzog und seine Gattin erschossen hatte, die Stelle am Appel Kai unweit der Lateinerbrücke, markieren Fußabdrücke die Bluttat. Alleine der Umstand, dass ein 19-jähriger bosnischer Schüler (zuerst Handelsschule, dann humanistisches Gymnasium in Sarajewo) schließlich als Volksheld vergöttert wird zeigt eindeutig, dass hinter den Plänen der Verschwörer weitaus mehr stand, als den Mord am Erzherzog und seiner Gattin, nämlich die alte, sprich monarchistische Ordnung in Europa hinwegzufegen. Das wurde von den Attentätern und den Hintermännern auch erreicht. Denn im Zuge des Strudels des feigen Attentats entbrannte der 1. Weltkrieg, der Millionen Tote forderte und die angestrebte neue Ordnung in Europa erst ermöglichte. Der österreichische Außenminister Leopold Graf Berchtold sprach davon, dass die „Sarajevo-Affäre“ ein „wohlorganisiertes Komplott“ gewesen sei, „dessen Fäden nach Belgrad reichen.“ Und genauso war es. Mit dem Attentat war die gestreute Saat aufgegangen. Österreich-Ungarn würde natürlich gegen Serbien vorgehen und damit würde, aufgrund von Vereinbarungen und Beistandsverträgen, ganz Europa mit in den Krieg gerissen werden: das Deutsche Reich musste dem österreichischen Bundesgenossen beistehen, England und Frankreich musste Russland unterstützen, das wiederum auf der Seite der Serben stand (später kamen dann noch die Vereinigten Staaten von Amerika zu, so dass der Krieg erst zum Weltkrieg wurde).

Nicht von ungefähr kommt es, dass einer der größten Hochgradfreimaurer seiner Zeit, der damalige britische Marineminister (und spätere Premierminister) Winston Churchill, der bereits 1901 in die Londoner Loge „United Studholme Lodge No. 1591“ aufgenommen und auch Mitglied der Loge „Rosemary Lodge No. 2851“ wurde, bereits im Februar 1913 verlauten ließ, dass die Stunde der Bewährung herannahe, der Krieg gegen Deutschland sicher sei, spätestens im September 1914 ausbrechen würde! Ein weiterer Zufall: Am 15. März 1914 veröffentlichtete das „Neue politische Volksblatt“ in Budapest ein Telegramm, das am selben Tage aus London zugestellt wurde und berichtete dazu: „…daß der serbische Kronprinz in London…in der Trunkenheit in Gesellschaft anderer Nachtschwärmer sich gerühmt habe, daß er eben mit Sasanow (russischer Außenminister/d.A.) die Ermordung des österreichischen Erzherzogs Franz Ferdinand, wenn dieser seine beabsichtigte Reise nach Bosnien und der Herzegowina mache, arrangiert habe, und daß die beiden überzeugt wären, daß dieser Mord den Krieg zwischen Serbien und Österreich-Ungarn herbeiführen werde. Das Dazwischentreten Russlands würde automatisch erfolgen und die unausbleibliche Folge würde sein, daß Deutschland seinen Verbündeten Österreich unterstützen werde, wie Frankreich seinen Verbündeten Russland.“

Damit scheint klar, daß Österreich-Ungarn tatsächlich in diesen Krieg getrieben werden sollte, durch das Attentat auf den Thronfolger. Dieses Kalkül ging dann auch auf.

Die ersten Toten des 1. Weltkriegs waren Franz Ferdinand und seine Frau Sophie, einem verheerenden Krieg, dessen Auslöser ein Attentat war, „das mit russischem Geld von serbischen Geheimbündlern organisiert und von ideologisch fanatisierten jungen Männern ausgeführt worden war“ (Klaus-Rüdiger Mai). Damit wurden nicht nur Millionen Menschen in den Tod geschickt, sondern auch der Untergang der meisten europäischen Adelshäuser eingeleitet, allen voran das der Habsburger. Dies alles war gewiss ganz im Sinne der Freimaurerei, die eine Beseitigung der Monarchien zugunsten einer „Weltrepublik“ anstrebten und ihre sozialen und liberalen Ideen somit in den „besiegten“ Staaten verankern konnten. Wer dies puren „Verschwörungstheoretikern“ in die Schuhe schieben will ist wieder einmal falsch gewickelt. Im „Internationalen Freimaurer Lexikon“, S. 880, 881 (zwei der drei Autoren waren Hochgradfreimaurer, so dass das Lexikon eine erstklassige, authentische maurerische „Insider-Quelle““ darstellt!) steht hierzu: „Die Idee einer Liga der Nationen, wie sie im Völkerbund ihren Ausdruck gefunden hat, wurde bereits mitten im Ersten Weltkrieg von Freimaurern propagiert….Dieser Plan, dem ein in allen Details ausgearbeiteter Grundriss für einen Völkerbundpakt beigegeben war, wurde vom Kongress (28.-30. Juni 1917 in Paris/d.A.) einstimmig gutgeheißen. Es hieß u.a. darin: ‚Die zivilisierten Völker stehen auf dem Boden der Solidarität, sie nehmen jedes innerhalb seiner Grenzen an dem gemeinsamen Werk der Humanitä teil, das Rechte und Pflichten gleichmäßig umreisst.…Wurden 1789 die Gesetzestafeln der Menschenrechte aufgestellt, so werden vom Völkerbund vor allem die Gesetzestafeln der Völkerrechte zu schaffen sein…’“

Dazu wird kommentiert: „Immerhin bleibt die Tatsache bemerkenswert, daß romanische Freimaurer noch lange vor gefallener Entscheidung nicht nur an den Frieden dachten, sondern ihm auch in Form eines Völkerbundes gesicherte Gestalt geben wollte.“ Um dann wieder schnell zu beteuern: „Mit den später von Wilson, der nicht Freimaurer war, entworfenen Gedanken eines Völkerbundes haben diese freimaurerischen Ideologien nichts zu tun gehabt.“

Fakt ist jedoch, dass die Freimaurer ganz offen, noch während des 1. Weltkrieges einen Völkerbund proklamiert haben. Ob man diesen nun „Weltrepublik“, „One World“ oder wie auch immer nennt, scheint dabei nebensächlich und dient nur der allgemeinen Verwirrung, zur Ablenkung der tatsächlichen Sachverhalte.

Der Prozess

Am 12. Oktober 1914 begann der Prozess gegen die Attentäter, Helfer und Mitwisser. Insgesamt 25 Personen befanden sich auf der Anklagebank.

Am 8. November 1914 wurde das Urteil verkündet. Alle Hauptattentäter, ausser der geflüchtete Mehmed Mehmedbasić, waren zu diesem Zeitpunkt jünger als zwanzig. Damit konnten sie nicht zum Tode verurteilt werden.

Gavrilo Princip, Nejedlo Cabrinović und Trifko Grabez erhielten 20 Jahre Kerker. Sie alle starben nach einigen Jahren an Tuberkolose. Vaso Cubrilović 16 Jahre und Cvetko Popović 13 Jahre. Danilo Ilić und zwei weitere Kameraden wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet. Zwei weitere zum Tode Verurteilten wurden später begnadigt, fünf andere erhielten Gefängnisstrafen und 13 wurden freigesprochen.

Der Kopf der Verschwörer, Oberst Dragutin Dimitrijević gab 28. März 1917 einem serbischen Untersuchungsgericht zu Protokoll: „Die Hauptteilnehmer an dem Attentat waren alle meine Agenten und erhielten kleine Honorare…Einige von ihren Quittungen befinden sich in russischen Händen, da ich das Geld für diese Arbeit im Auslande in erster Zeit vom General Artamanow erhielt.“ Viel mehr packte Apis wohl nicht aus, denn der Gerichtshof appellierte an seine und die seiner Mitangeklagten Vaterliebe, nicht über den Mord von Sarajewo zu berichten. Die Spur zu Artamanow blieb weiterhin nebulös. So wurde Dragutin Dimitrijević 1917 nach einem Prozess in Saloniki hingerichtet. Allerdings nicht wegen des Attentats auf Franz Ferdinand, sondern wegen eines angeblichen Komplotts gegen den serbischen Thronfolger Alexander. Nach dem 2. Weltkrieg ließ Marschall Tito ihn rehabilitieren. Allein diese historischen Sachverhalte sprechen Bände! Eines war jedoch geschafft: Drei Jahre nach dem Mord am Thronfolger war einer der wohl am besten darüber informierte Zeuge beseitigt.

Quellen:

Friedrich Weissensteiner: „Franz Ferdinand – Der verhinderte Herrscher“, Wien 1983, S. 7-9, 10-39, 120, 130-135, 173-176, 179-189, 192, 198, 205-209, 227/Lucian O. Meysels: „Morde machen Geschichte – Politische Gewaltakte im 20. Jahrhundert“, Wien, München 1985, S. 7-35/Gerhard Wisnewski: Jörg Haider – Unfall, Mord oder Attentat?“, Rottenburg 2009, S. 82, 83/John Keegan: „Der Erste Weltkrieg – Eine europäische Tragödie“, Hamburg 2000, S. 79ff./Jim Marrs: „Heimliche Herrscher – Wie verborgene Mächte das Schicksal der Menschheit bestimmen“, Rottenburg 2007, S. 221/Klaus-Rüdiger Mai: „Geheimbünde – Mythos, Macht und Wirklichkeit“, Bergisch Gladbach 2006, S. 314ff./Arthur Ponsonby: „Falsehood In War Time: Containing An Assortment Of Lies Circulated Throughout The Nations During The Great War“, 1928, S. 43-49/Wolfgang Eggert (Historiker): „Im Namen Gottes – Israels Geheimvatikan“, Band 1, München 2001, S. 264-270, 278, 291-328/Wolfgang Eggert (Historiker): „Im Namen Gottes – Israels Geheimvatikan“, Band 2, München 2001, S. 159-161/“Berliner Monatshefte für internationale Aufklärung“, April 1928, zit. nach Eggert Band 1/G.W. Surya: „Das Übersinnliche und der Weltkrieg“, Freiburg 1921, S. 65 zit. nach Eggert Band 1/Friedrich Würthle: „Dokumente zum Sarajewoprozeß“, Wien 1978, S. 112/Dr. M. Boghitschewitsch in: „Le Proces de Salonique Juin 1917“, 1927/C.H. Norman: „Grand Orient – Zwischenfälle am Sonntag dem 28. Juni 1914 in London“, S. 177ff. in: „Berliner Monatshefte für internationale Aufklärung“, Februarheft 1931 zit. nach Eggert Band 1/Eugen Lennhoff/Oskar Posner/Dieter A.Binder: „Internationales Freimaurerlexikon“, München 2006, S. 75, 76, 199, 180, 409, 582, 608, 681, 740, 744, 745, 778, 840, 841, 858-860, 880, 881,897/Peter Diem: „Dr. Karl Renner-Denkmal und Staatsgründungsdenkmal“ in: „Dr. Peter Diem – Homepage“ (http://peter-diem.at/Monumente/Renner.htm)/Zugriff: 21.07.09/“Congrès Maconique internationale 1889“, pag. 149 in: „Congrès maconique internationale du Centenaire“, Paris 1889, zit. nach „Mecklenburgisches Logenblatt“ Nr. 24, 47. Jahrgang, 20. Juli 1919, S. 198, zit. nach Eggert Band 2/“Rivista massonica“, 1889, pag. 82, zit. nach „Mecklenburgisches Logenblatt“, Nr. 24, 47. Jahrgang, 20. Juli 1919, S. 198, zit. nach Eggert Band 2/“Buellitin maconnique de la Grand Loge symbilisque écossaisse » v. 2. September 1889, S. 131ff., zit. nach Eggert Band 2/Franz Graf Conrad von Hötzendorf: „Aus meiner Dienstzeit 1906-1918“, Band 4, Wien/Berlin/Leipzig/München, 1924, S. 15f./Prof. Irina Livezeanu (East European History, University of Pittsburgh): „The Hearing of Gavrilo Princip – 12 October 1914“ (Selection from: „The Sarajevo Trial“ W.A. Dolph Owings, ed. Pages 54-69) (http://www.ucis.pitt.edu/eehistory/H200Readings/Topic6-R3.html/Zugriff: 23.07.09)/Pharos: „Der Prozeß gegen die Attentäter von Sarajewo – Aktenmäßig dargestellt von Prof. Pharos, mit Einleitung von Geh. Justizrat Prof. Dr. Josef Kohler“, Berlin 1918 (Auszüge siehe auch: http://books.google.de/books?id=7OqWZ59Ggo0C&q=pharos&dq=pharos/Zugriff: 21.07.09, sowie zit. nach Eggert Band 1 und auch: http://www.zvab.com/displayBookDetails.do?itemId=62748524&b=1/Zugriff. 10.07.09/Friedrich Würthle: „Dokumente zum Sarajevoprozess. Ein Quellbericht“, Wien 1978 (Auszüge siehe auch: http://books.google.de/books?id=o5oDAAAAMAAJ&q=friedrich+w%C3%BCrthle&dq=friedrich+w%C3%BCrthle/Zugriff: 23.07.09), sowie zit. nach Eggert Band 1/“Kleines ABC zum deutschen Adel: Kekule v. Stradonitz, Stephan“ in: „Institut Deutsche Adelsforschung“ (http://home.foni.net/~adelsforschung/lex67.htm/Zugriff: 23.07.09)/“Publikationen von Stephan Kekule von Stradonitz“ in: „Katalog der Deutschen Nationalbibliothek“ (https://portal.d-nb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=stradonitz/Zugriff: 23.07.09) und im „Antiquariat Wilfried Melchior – Volkskunde – Freimaurer“ (http://www.buchfreund.de/results.php?q=stradonitz/Zugriff: 23.07.09)/“Stimmen aus Bosnien“ v. Juli 1915, S. 11.f (zit. nach Eggert Band 1)/John Daniel: „Two Faces of Freemasonry – A Picture Book Supplement to Volume One – Third Edition of Scarlet and the Beast – A History of the War between English and French Freemasonry“, Day Publishing, Longview TX, 2007, S. 428-430 (http://www.scribd.com/doc/13029897/2-faces-Freemasonry-John-Daniel-Complete/Zugriff: 23.07.09/Theodor v. Sosnosky: „Franz Ferdinand, der Erzherzog-Thronfolger – Ein Lebensbild“, München und Berlin 1929, S. 212/Graf Ottokar Czernin: „Im Weltkriege“, Berlin/Wien 1919, S. 58/ Robert A. Minder: „Freimaurer Politiker Lexikon“, Innsbruck 2004, S. 123, 124/Günter K. Kodek: „Zwischen verboten und erlaubt – Chronik der Freimaurerei in der österreichisch-ungarischen Monarchie 1867-1918 und der I. Republik 1918-1938“, Wien 2009, S. 13, 26, 32-39, 192/Dorthy Gies McGuigan: „Familie Habsburg 1273 – 1918, Glanz und Elend eines Herrscherhauses“, Wien/München 2007, S. 584, 585, 602-609/S.Fischer-Fabian: „Die deutschen Kaiser – Triumph und Tragödie der Herrscher des Mittelalters“, Bergisch Gladbach 2003, S. 61ff./Friedrich Weissensteiner: „Die großen Herrscher des Hauses Habsburg – 700 Jahre europäische Geschichte“, München 2009, S. 371ff., 388ff.

Verschwörung oder Fakt? – „Freimaurer“ (4)


Die gemischte Freimaurerloge für Frauen und Männer “Carpe Diem” (Orient Heidelberg) veröffentlichte eine Liste über bekannte Freimaurer und Freimaurerinnen (siehe „Verschwörung oder Fakt? – Freimaurer (3)“) und auch über jene, die nach ihrer Meinung nach keine Freimaurer waren.

Auch diese Liste möchte nachfolgend wiedergeben:

Bekannte Persönlichkeiten, die definitiv keine Freimaurer sind bzw. waren, obwohl es behauptet wurde:

Apel, Hans Dr.                      (1932), Dt., SPD, Bundesminister für Finanzen 1974-78 und Verteidigung 1978-82, soll Interesse für die FM gezeigt haben, trat aber nie einer Loge bei.

Armstrong, Neil                  (1930), US, Astronaut, der 1. Mensch auf dem Mond wird gerne mit seinem Vater verwechselt, der FM war!

Baker, James A. III              (1930), US, früherer Außenminister unter Präs. G.H.W. Bush, ist Mitglied des „Council on Foreign Relations“

Bastian, Gert                       (1923-1992), Dt., General a.D., Politiker der “Grünen”, Polit. Weg- und Lebensgefährte v. Petra Kelly, war niemals Freimaurer, aber Rotarier. Als G. Bastian Nachrüstungsgegner wurde, nahmen diese Anstoß an seiner Mitgliedschaft. Daraufhin trat G. Bastian bei Rotary aus. Tötete 1992 zuerst P. Kelly und dann sich selbst.

Beethoven, Ludwig van     (1770-1827), Dt., Musiker und Komponist, trotz vieler Hinweise auf die Freimaurerei in seinen Werken ist nicht eindeutig belegt, dass er FM war

Berlusconi, Silvio               (1936), It., Medienmogul, Milliardär, Parteivorsitzender („Forza Italia“) und it. Ministerpräsident 1994 sowie seit 2001. Über S. Berlusconi wird aus verschiedenen Quellen berichtet, dass er unter der Nr. 1816 Mitglied der berüchtigten Vereinigung „Propaganda due“ (P2) gewesen sein soll. Die P2 unter ihrem selbsternannten GM, dem Finanzmagnaten Licio Gelli stellte eine Sammlung von bis zu 2.500 einflußreichen rechtsradikalen Politikern, Militärs, Journalisten, hohen Klerikern, Mafiosi und Wirtschaftsführern dar, die in den siebziger Jahren die Errichtung einer rechtsradikalen Diktatur durch politische Morde und Terrorakte in Italien planten. Licio Gelli wurde 1963 tatsächlich FM, aber bereits sehr früh wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten aus der italienischen FM ausgeschlossen. Seine P2 war somit niemals eine FM-Loge.

Beuys, Joseph                    (1921-1986), Dt., Künstler, war Anthroposoph, war an der Gründung der Partei der „Grünen“ beteiligt

Blake, William                      (1757-1827), Engl., Mystischer Dichter und Maler, nimmt in seinen Werken deutlichen Bezug auf die Lehren v. E. Swedenborg, war aber kein FM

Bonaparte, Napoleon I.      (1769-1821), Frz., Kaiser der Franzosen (1804-1814/15). Keine Zugehörigkeit zur Freimaurerei nachweisbar, obwohl vielfach behauptet.

Brandt, Willy                        (1913-1992), Dt., SPD, eigtl. „Herbert Frahm“, 4. Bundeskanzler d. BR Dtld. 1969-74, SPD-Vorsitzender 1963-87, kein FM

Bush, John Ellis                   (1953), US, „Jeb“, Gouverneur von Florida, Bruder von G.W. Bush und Sohn von G.H.W. Bush, kein Freimaurer

Bush, George H.W.            (1924), US, “Poppy”, 41. Präs. d. USA 1989-1993. Ist kein FM, sondern Mitglied der elitären politischen und wirtschaftlichen Seilschaft „Skull & Bones“. „Skull & Bones„ soll seine Aufnahmezeremonien u.a. mit Nazi-Symbolen schmücken. G.H.W. Bush ist Sohn, Bruder, Neffe, Vater und Cousin von Skull & Bones-Männern. Ebenso Mitglied bei Kiwani und „Council on Foreign Relations“

Bush, George W.                (1946), US, „Dubya“, 43. Präs. d. USA seit 2001, Sohn von G.H.W. Bush, kein FM sondern Mitglied bei „Skulls & Bones.“

Carstens, Karl                     (1914-1992), Dt., CDU, 5. Bundespräsident d. BR Dtld. 1979-84, kein FM

Carter, James Earl jun.       (1924), US, “Jimmy Carter”, 39. Präs. d. USA 1977-81, kein FM, Mitglied d. einflussreichen amerikan. Politikzirkels „Council on Foreign Relations“, Friedens-nobelpreis

Castro Rúz, Fidel A. Dr.    (1926), Kuba, „Fidel Castro“, Regierungschef seit 1959, ist kein FM. Kuba ist das einzige kommunistische Land, das die FM nicht verboten hat, da viele Kampfgenossen des „Maximo Leader“ der FM angehörten.

Chaplin, Charles S.            (1889-1977), Engl.-US, „Charlie Chaplin“, Der Filmkomiker und –regisseur war definitiv niemals FM, obwohl er in jeder Liste berühmter FM auftaucht!

Cheney, Richard B.            (1941), US, „Dick Cheney“, Vizepräs. unter Präs. G.W. Bush, Mitglied des einflussreichen amerikan. politischen Zirkels „Council on Foreign Relations“

Clinton, William J.               (1946), US, “Bill Clinton bzw. William J. Blythe”, 42. Präs. d. USA 1993-2001, war lediglich Mitglied der freimaurerischen Jugendorganisation „De Molay“, ist damit aber kein FM!, Mitglied im „Council on Foreign Relations“

Connery, Thomas               (1930), Schott., „Sean Connery“, Der Schauspieler agierte 1975 in der Verfilmung des Buches „Der Mann, der König sein wollte“, (Autor: R. Kipling) war aber selbst nie FM.

Coppola, Nicolas K.           (1964), US, „Nicolas Cage“, der Schauspieler und Neffe von Francis Ford Coopola agierte zwar in dem Spielfilm „Das Vermächtnis der Tempelritter“, in dem die FM eine gewisse Rolle spielt, ist aber, wie auch der Regisseur Jerry Bruckheimer kein FM!

Disney, Walter E.                (1901-1966), US, „Walt Disney“, Der berühmte Zeichentrickfilmer war nur Mitglied der freim. Jugendorganisation „De Molay“, damit aber kein FM! Er war Mitglied des Rosenkreuzerordens „AMORC“

Dunant, Henri                      (1828-1910), Schweiz., der Gründer des „Internationalen Roten Kreuzes“ und erste Friedensnobelpreisträger wird häufig als Freimaurer bezeichnet. Seine Mitgliedschaft ist jedoch nicht belegt.

Eisenhower, Dwight D.      (1890-1969), US, „Ike Eisenhower“, General, Oberbefehlshaber Europa im 2. WK, 34. Präs. d. USA 1953-61 war kein FM sondern Kiwani Brother

Ende, Michael                      (1929-1995), Dt., Schriftsteller („Unendliche Geschichte“, „Momo“ etc.) war wie sein Vater, der Maler Edgar Ende, Anthroposoph

Engholm, Björn                   (1940), Dt., SPD, Vors. d. SPD 1991-93, Min.präs. v. Schleswig-Holstein 1988-93, Rücktritt aufgrund der so genannten „Barschel-Pfeiffer-Affäre“, ist Kiwani, kein Freimaurer

Franco, Franciso                 (1892-1975), eigtl. „Franco y Bahamonde“, Span., General und faschistischer Diktator 1939-1975, unter seiner Herrschaft wurden Spanier zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt, die im In- oder Ausland Freimaurer wurden. Nach seinem Sieg 1939 im spanischen Bürgerkrieg wurden allein in der Stadt Malaga 80 Freimaurer gehängt. Es wird berichtet, dass sein Bruder Ramon FM gewesen sei und sich gegen die Aufnahme von F. Franco ausgesprochen haben soll.

Gandhi, Mohandas C.        (1869-1948), Ind., „Mahatma Gandhi“, Anwalt und Bürgerrechtler, Führer d. ind. Unabhängigkeitsbewegung, war kein FM, viele seiner engsten Mitarbeiter(innen) waren aber Mitglieder des „Droit Humain“ und/oder der Adyar-TG, initiiert von den Arundales, H. S. Olcott, A. Besant oder C. Jinarajadasa und Absolventen des Hindu College, Benares, gegr. durch die Arundales

Gassion, Edith                     (1915-1963), Frz., „Edith Piaf“, Sängerin, war keine Freimaurerin aber Mitglied des Rosenkreuzerordens “AMORC”

Gaulle, Charles A.J.M. de  (1890-1970), F, der Brigadegeneral, Führer des „Freien Frankreich (1940-44)“, Ministerpräsident der IV. Republik (1944-46 und 1958-59) und 1. Präsident der V. Republik (1959-1969) war kein FM, auch wenn sich in seiner Familie solche finden lassen (z.B. ein Großonkel mütterlicherseits.)

Genscher, Hans-Dietrich   (1927), Dt., FDP, Bundesminister für Inneres 1969-74 und Äußeres 1974-92 sowie Vizekanzler 1974-92, ist Rotarier

Gore, Albert A. Jr.                (1948), US, „Al Gore“, Vizepräsident unter Präs. W.J. Clinton, unterlag G.W. Bush bei der Wahl 2000, kein Freimaurer, obwohl es einige FM in seiner Familie gab.

Grant, Ulysses S.                 (1822-1885), US, General während des amerikan. Bürgerkriegs, 19. Präs. d. USA 1869-77, sein Vater und seine beiden Brüder waren FM. Er selbst stellte 1871 einen Antrag auf Aufnahme, den er aber aufgrund seiner Präsidentschaft zurückzog. Einen erneuten Antrag stellte er erst kurz vor seinem Tod.

Habsburg-Lothringen, Joseph II. v.

(1741-1790), Dt. Kaiser 1780-90, Sohn F. I. v. Habsburg-Lothringen, war nicht Mitglied der Freimaurerei. Er schadete der FM in Österreich unbeabsichtigt, aber nachhaltig durch sein FM-Edikt von 1785

Habsburg-Lothringen, Leopold II. v.

(1747-1792), Dt. Kaiser 1790-92, Bruder J.’s II. von Habsburg-Lothringen, war ebenfalls kein Freimaurer

Habsburg-Lothringen, Johann v.

(1782-1859), Österr., Erzherzog, sprach zwar in schwärmerischem Tonfall von der Freimaurerei, hat wahrscheinlich in England an einer Tafelloge teilgenommen, Aufnahme allerdings nirgendwo nachweisbar

Habsburg-Lothringen, Maximilian v.

(1832-1867), Österr., Erzherzog, Kaiser von Mexiko 1864-67, 1867 auf Befehl B. Juarez hingerichtet, konnte sich bei Prüfung nicht als Freimaurer zu erkennen geben

Habsburg-Lothringen-Este, Franz Ferdinand v.

(1883-1914), Österr., Erzherzog. Der in Sarajewo ermordete Thronfolger war ein entschiedener Gegner der Freimaurerei!

Haley, Alex                           (1921-1992), US, schwarzer Schriftsteller (u.a. „Roots“) wird gerne als „Prince-Hall-Freimaurer“ bezeichnet, war aber keiner

Hesse, Herrmann                (1877-1962), Dt.-Schweiz., Schriftsteller, Nobelpreis für Literatur, greift in seinen Werken „Glasperlenspiel“ und „Morgenlandfahrt“ sehr umfangreich freimaurerisches Gedankengut auf, stand seinen eigenen Angaben nach auch den Ideen der Freimaurerei nahe, war aber nach eigenen Angaben niemals selbst Mitglied einer Loge.

Heuss, Theodor                   (1884-1963), Dt., FDP, 1. Bundespräs. d. BR Dtld. 1949-59, war kein Freimaurer sondern Mitglied bei Lions

Hohenzollern, Friedrich Wilhelm v.

Preuß. König „Friedrich Wilhelm III“, 1797-1840, Sohn v. F.W. II. v. Hohenzollern, war kein FM, erklärte aber öffentlich, dass er die FM in Preußen schätze und diese vor Angriffen schützen würde

Hohenzollern, Louis Ferdinand v.

(1907-1994), Dt., Der Enkel des letzten Deutschen Kaisers Wilhelm II. galt für einige Verschwörer des 20. Juli 1944 als zukünftiges Staatsoberhaupt nach dem Sturz Hitlers und einer Restaurierung der Hohenzollern-Monarchie.

Er war kein FM, wenngleich er nach 1945 Einladungen zu den Weihnachtsfeiern der „altpreußischen“ Großlogen zeitweilig erwiderte. Seine Beziehung zur FM soll eher von freundlicher Distanz als von Interesse gekennzeichnet gewesen sein.

An der von Louis Ferdinand v. Hohenzollern 1991 veranlassten Überführung des Sarges des königlichen Freimaurers Friedrich „des Großen“ von Hechingen nach Potsdam nahmen Abgesandte der „altpreußischen“ Großlogen teil.

Hohenzollern, Friedrich Wilhelm Viktor Albert v.

(1859-1941), Dt. Kaiser u. Preuß. König „Wilhelm II“ 1888-1918, war wahrscheinlich aus Opposition und Hass gegenüber seinem Vater F. III. v. Hohenzollern und seinem Onkel A.E. VII. v. Sachsen-Coburg-Gotha (beide waren Logenmitglieder) nicht Freimaurer

Hope, Leslie Townes          (1903-2003), US; „Bob Hope“, Der Komiker und Schauspieler taucht immer wieder in Listen von berühmten FM auf. Eine Mitgliedschaft lässt sich aber nicht beweisen

Houphouët-Boigny, Felix

(1905-1993), Arzt, Minister der frz. IV Republik 1956-57, zuerst Premierminister 1959, dann Präsident der Elfenbeinküste 1960-93. Er war niemals Freimaurer, sondern verfolgte diese in seinem Land. Bekannte Freimaurer des Landes wie die späteren Minister Jean-Baptiste Mockey, Jean Konan Banny, Amadou Thiam and Ernest Boka wurden verfolgt, verhaftet und gefoltert. Das gleiche Verhalten gilt für die früheren marxistischen Weggefährten von Houphouët-Boigny wie Sékou Touré (Guinea), Modibo Keita (Mali) und Mathieu Kérékou (Benin). Auch diese Präsidenten verboten die Freimaurerei in ihren Ländern, verfolgten und folterten ihre Mitglieder. Fily Dabo Cissoko und Hammadoun Dicko (Mali) sowie Barry Diawandou und Barry III (Guinea), waren Freimaurer, die in aktiver Opposition zu den marxistischen Regimen standen. Sie starben in Haft.

Hugo, Victor M.                   (1802-1885), F, der Schriftsteller wird gerne als FM bezeichnet, dabei aber mit seinem Vater, dem General und FM Leopold Hugo verwechselt. V. Hugo begegnete der FM in der Tat mit Sympathie, ohne jemals selbst eingeweiht worden zu sein. In seinem Buch „Les Misérables“ bilden die Studenten, die auf den Barrikaden kämpfen, eine philanthropische Vereinigung, deren Brüderschafts-gedanke der FM entlehnt ist. Die vietnamesische Sekte der Cao Dai hat V. Hugo aufgrund seines philanthropischen Schriftums und Engagements zusammen mit Konfuzius, Buddha, Mohammed und Jesus in ihr Götterpantheon aufgenommen!

Jefferson, Thomas             (1743-1826), US, Das Universalgenie (Musiker, Künstler, Architekt, Mathematiker, Astronom, Jurist, Philosoph, Schriftsteller, Diplomat, Gärtner) war der 3. Präs. d. USA 1801-09, aber nie FM.

Joyce, James                      (1882-1941), Ir., Schriftsteller (u.a. „Ulysses“), war kein FM, obwohl er die Legende des freimaurerischen Meistergrades in seinem Werk „Finnegan’s Wake“ eigenwillig abgewandelt darstellt

Kennedy, John F.               (1917-1963), US, „JFK“, 35. Präs. d. USA 1961-63, 1963 ermordet, war kein FM sondern katholischer Columbus-Ritter. Sein Bruder, Justizminister Robert Kennedy (ermordet 1968) war auch kein FM!

King, Dr. Martin Luther jr.    (1929-1968), US; Schwarzer Pfarrer und Bürgerrechtler, 1968 ermordet; 1992 wurde Dr. M.L. King jr. durch die Prince-Hall-GL von Georgia zum FM ehrenhalber („at Sight“) ernannt. Damit ist er allerdings kein FM geworden.

Kissinger, Henry A.            (1923), US, Innenminister unter Präs. G. Ford, Nationaler Sicherheitsberater unter Präs. R. Nixon, Mitglied des politisch einflußreichen „Council on Foreign Relations“ und der „Trilateralen Komission“

Kleist, Heinrich v.                 (1777-1811), Dt., Schriftsteller, in seinem Werk “Magister Dunkelhaar” findet man Freimaurerisches, aber seine Mitgliedschaft ist unbewiesen

Lambsdorf, Otto Graf v.     (1926), Dt., FDP, Bundesmin. f. Wirtschaft 1977-84, Ehrenvors. d. FDP, „Flick-Affäre“, kein FM, aber Rotarier

Lincoln, Abraham               (1809-1865), US, „Old Abe“, 16. Präs. d. USA 1861-65, Sieger im Amerikanischen Bürgerkrieg, ermordet 1865, stellte 1860 einen Aufnahmeantrag, zog ihn aber nach seiner Nominierung als Präsidentschaftskandidat wieder zurück

Mandela, Nelson                 (1918), Südafr., gemeinsam mit seinem Vorgänger, Präsident F. de Klerk Friedensnobelpreis 1993, Präsident von Südafrika (1994-99), wurde von der Prince-Hall- Großloge von North Carolina zum „Freimaurer ehrenhalber“ ernannt, aber eben als solcher nicht eingeweiht. Gleiches gilt für seine Ehefrau Winnie Mandela.

Mann, Luiz Heinrich             (1871-1950), Dt., 1931-33 Präsident der Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste, 1949 Präsident der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin. Schriftsteller mit Sympathie für die Freimaurerei. In „Der Untertan“ stellt H. Mann die Freimaurerloge als letzten Hort der liberalen Gesinnung der preußisch-militaristischen Obrigkeit gegenüber. Deshalb tritt „Der Untertan“ der Loge auch nicht bei sondern dem preußischen Kriegerverein!

Mann, Thomas                     (1875-1955), Dt., Bruder von H. Mann, Schriftsteller und Nobelpreisträger, in seinem Werk „Der Zauberberg“ stellt T. Mann im Gegensatz zu seinem Bruder die Freimaurerei sehr ausführlich als reaktionäre und spießbürgerliche Einrichtung dar. T. Mann war daher kein FM, sondern Rotarier. Er wurde jedoch nach der Machtübernahme durch die NSDAP 1933 sehr rasch aus den Mitgliederlisten von Rotary gestrichen.

Mitterand, Francois            (1916-1996), Frz., Funktionär der nazi-freundlichen Regierung von „Vichy“, später Sozialist, mehrfach Minister der IV Republik, Präsident der V. Republik 1981-95, war kein Freimaurer, sondern wahrscheinlich Rosenkreuzer. Er wird häufig mit dem frz. Staatspräsidenten und Freimaurer Millerand verwechselt.

Mussolini, Benito                (1883-1945), Ital., „Il Duce“, der faschistische Diktator bekämpfte die Freimaurerei

Nehru, Jawaharlal               (1889-1964), Ind., Premierminister Indiens 1947-64. Er war kein Freimaurer und wird oft mit seinem Vater Pandit Motilal Nehru verwechselt, der dem Bund angehörte. Im Gegensatz zu J. Nehru waren die indischen Präsidenten Dr. Rajendra Prasad (L 1884-1963, R 1950-62), Dr. S. Radhakrishnan (L 1888-1975, R 1962-67) und Fakhruddin Ali Ahmed (L 1905-77, R 1974-77) Freimaurer.

Nixon, Richard M.               (1913-1994), US, „Dirty Dick“, Vizepräs. unter D.D. Eisenhower, 37. Präs. d. USA 1969-74, „Watergate-Skandal“, kam einer Amtsenthebung durch Rücktritt zuvor, war niemals Freimaurer, sondern Kiwani

Pinochet, Augusto J.R.      (1915), Chil., eigtl. „Pinochet Ugarte“, General, Oberkommandierender der chilenischen Streitkräfte und Diktator 1973-1990, stürzte 1973 durch Militärputsch den demokratisch gewählten Präs. Dr. S. Allende. Rücktritt 1990 nach einem verlorenen Plebiszit und aufgrund internationalen Drucks. Von Pinochet wird gelegentlich behauptet, dass er in den ersten Grad der FM eingeweiht worden sei. Dies lässt sich nicht eindeutig belegen, ebenso wenig wie eine Mitgliedschaft oder weiterführende Einweihungen.

Reagan, Ronald                  (1911), US, „Ron“, Schauspieler, 40. Präs. d. USA 1981-89, wurde zwar zum Ehrenmitglied der „Shriner„ und des „Schottischen Ritus“ ernannt, ist damit aber kein Freimaurer

Richter, Jean Paul F.          (1763-1825), Dt., Schriftsteller, war wohl kein FM gleichwohl sich in seinen Werken viele Bezüge zur Fm finden lassen

Robespierre, Maximilian   (1758-1794), Frz., Führer der radikalen Jakobiner während der frz. Revolution, wird gerne als Freimaurer bezeichnet, was er definitiv nicht war. Sein Großvater war wahrscheinlich Rosenkreuzer.

Rockefeller, Nelson A.       (1908-1979), US, Vizepräsident unter G. Ford, Gouverneur des Staates New York, Mitglied des einflussreichen  amerikan. Zirkels „Council on Foreign Relations“, kein FM. Kein einziges Mitglied der Familie Rockefeller war jemals Mitglied in Freimaurerlogen

Scheel, Walter                     (1919), Dt., FDP, 4. Bundespräsident d. BR Dtld. 1974-79, Ehrenvors. d. FDP, ist kein FM

Schiller, Friedrich v.            (1759-1805), Dt., Schriftsteller, trotz seiner engen Freundschaft mit J.W. v. Goethe war Schiller kein FM

Schily, Otto                          (1932), Dt., SPD, Bundesinnenminister, vormals Mitglied der „Grünen“ und Rechtsanwalt (Verteidiger von RAF-Terroristen), ist Anthroposoph

Schmidt, Helmut                  (1918), Dt., SPD, Stellvertr. SPD-Vorsitzender, 5. Bundeskanzler d. BR Dtld. 1974-82, kein FM aber Rotarier

Schuhmacher, Kurt            (1895-1952), Dt., SPD, Vors. d. SPD 1945-52, war Mitglied bei Lions, starb 1952 an den Folgen der KZ-Haft

Siemens, Peter von            (1911-1986), Dt., Vorstand und Aufsichtsrat namhafter deutscher Industrieunternehmen, u.a. 1971-81 Vorstand der Siemens AG, unter seinem Vorsitz wuchs die Siemens AG zum füntgrößten Elektrokonzern der Welt, war Anthroposoph

Sitting Bull                           (1837-1890), US, Häuptling der Sioux-Indianer, besiegte 1876 US-Gen. Custer i. d. Schlacht am „Little Big Horn“ wird gerne als Freimaurer bezeichnet. Eine Mitgliedschaft konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.

Späth, Lothar                       (1937), Dt., CDU, Min. präs. v. Baden-Württemberg 1978-91, Vorstand der Jenoptik AG, Jena, Mitglied bei Lions, kein FM, hielt aber Vorträge in FM-Logen

Strauß, Franz Josef            (1915-1988), Dt., eigtl. „Franz Strauß“, CSU, u.a. Bundesminister für Verteidigung 1956-62, bayerischer Ministerpräsident 1978-88, u.a. „Spiegel-Affäre“, Mitglied bei Lions und bei den „Rittern vom Heiligen Grab“, kein FM

Swedenborg, Emanuel      (1688-1772), Schwed., Naturwissenschaftler und protestant. Mystiker, war kein FM, einige seiner Schüler gründeten aber FM-Logen nach dem Swedenborg-Ritus und beeinflussten damit stark die skand. FM

Tschiang Kai-schek          (1887-1975), Chin., Diktator und Generalissimus der Kuomintang, wurde 1949 von Mao Tse-Tung besiegt, ab 1950 erster Präsident von Taiwan, war nie Freimaurer!

Tolstoi, Leo                          (1828-1910), Russ., Schriftsteller, hegte Sympathien für die FM, ohne jedoch selbst einer zu sein. In seinem Werk „Krieg und Frieden“ schildert er ausführlich Rituale der russ. FM im frühen 19. Jhrdt.

Wagner, Richard                 (1813-1883), Dt., Komponist, Wagner war daran interessiert, in einer Freimaurerloge aufgenommen zu werden. Dazu kam es aber nie. Durch seine Kontakte zu Freimaurern blieben ihm die freimaurerischen Ideen und Rituale nicht unbekannt. In seinen Opern „Lohengrin“ und im „Parzival“ sind freimaurerische Einflüsse nachzuvollziehen. In beiden Opern ist von einem  geheimnisvollen Tempel die Rede. „Parzifal“ hat Anklänge zu Mozarts Freimaurer-Oper „Die Zauberflöte“. Parsifal muss wie Tamino initiatorische Reisen unternehmen und wird in einen Tempel eingeführt. Parzifals Führer Gurnemanz ist eine Steigerung des Sarastro. Die zwei großen Tempelfeierlichkeiten, das Liebesmahl im ersten Akt und die Trauerfeier im dritten Akt, korrespondieren mit zeitgenössischen Tafel- und Trauerlogen-Ritualen. Wesentliche Ereignisse in den Opern beginnen am Mittag bzw. wenn die Sonne hoch steht oder mit anderen Worten um „Hoch Mittag“. So wie die Arbeitstafel in der Tempelarbeit aufgedeckt wird, wird im Tempel des „Parsifal“ der heilige Gral enthüllt.

Wallmann, Walter               (1932), Dt., CDU, Hess. Min.präs. 1987-91, ist kein FM sondern Rotarier und Mitglied bei Lions

Wehner, Herbert                  (1906-1990), Dt., SPD-Politiker, Mitglied bei Lions

Weizsäcker, Richard v.      (1920), Dt., CDU, 6. Bundespräsident d. BR Dt. 1984-94, ist kein Freimaurer, Mitglied bei Rotary

Auch die Regierungschefs der deutschen Kriegsgegner im ersten Weltkrieg (Woodrow Wilson (USA), Georges Clémenceau (F), David Lloyd George (GB)) waren keine Freimaurer, ebenso wenig wie hochrangige Politiker der „Weimarer Republik“, die von rechtsradikalen Parteien als Vaterlandsverräter verunglimpft wurden:

Walter Rathenau (ermordet), Matthias Erzberger (ermordet), Karl Liebknecht (ermordet), Philipp Scheidemann.

Auch die Mörder von Erzherzog Franz-Ferdinand von Habsburg-Lothringen, Thronfolgers von Österreich-Ungarn (1914), Princip und Gabrinowitsch waren niemals Freimaurer.

(HIERZU WERDE ICH AN DIESER STELLE NOCHMALS GENAUER EINGEHEN/Guido Grandt)

Das gleiche gilt für sämtliche kommunistischen Philosophen, Führer und Volkskommissare: Karl Marx, Friedrich Engels, Wladimir I. Uljanow (Lenin), Michael Bakunin, Leo Trotzki, Joseph Dschugaschwili (Stalin) etc. waren niemals Freimaurer, sondern bekämpften die Freimaurerei aufs Heftigste.

Legende:

Adyat-TG       Theosophische Gesellschaft „Adyar“

AASR             Alter und Angenommener Schottischer Ritus

FM                  Freimaurer/in

GBdW                        Großer Baumeister des Weltalls

GL                   Großloge (= Zusammenschluß mehrerer Einzellogen

GM                  Großmeister/in, gewähltes Oberhaupt einer GL

GOdF             Grand Orient de France

L                     Lebenszeit

LKK                Liberal-Katholische Kirche

MdB               Mitglied des Deutschen Bundestags

MdEP             Mitglied des Europaparlaments

MdL                Mitglied des Landtags

MdR               Mitglied des Reichtstags

Min.                Minister

NZ                   Neuseeland

PC                  Personalcomputer

PGM               Past Grand Master

Präs.              Präsident

R                     Regierungszeit

Rae                Rechtsanwälte

SRIA               Societas Rosicruciana in Anglia

TG                   Theosophische Gesellschaft

UGLoE           United Grand Lodge of England, engl. Männergroßloge

UN                  United Nations (Vereinte Nationen)

WK                 Weltkrieg

Ursprüngliche Quelle: http://www.loge-carpediem.de/carpediem/texte/freimaurerei/Bekannte_%20Freimaurer.htm

Verschwörung oder Fakt? – „Freimaurer“ (3)


Die gemischte Freimaurerloge für Frauen und Männer „Carpe Diem“ (Orient Heidelberg) veröffentlichte eine Liste über bekannte Freimaurer und Freimaurerinnen mit den Worten:

„Die Liste ist bislang einzigartig auf der Welt – sie vereinigt Stand 31.12.2005 – zum ersten Mal auf einem Dokument über Freimaurerei (Website, Buch, Artikel etc.) bekannte Männer UND Frauen UND Schwarze in der Freimaurerei.“

Ich möchte Ihnen diese Liste nicht vorenthalten und gebe diese deshalb nachfolgend wieder:

 

Abd El Kader                      (1807-1883), Arab., muslimischer Kabylenfürst in Algerien, militärischer Gegner Frankreichs in den Kolonialkriegen, rettete 1860 in Damaskus Tausende Christen vor der Ermordung durch muslimische Fanatiker

Alcayaga, Lucila G. y          (1889-1957), Chil., „Gabriela Mistral“, Konsul, Lehrerin, Dichterin, Nobelpreis für Literatur 1945, sie hatte großen Einfluss auf das Erziehungswesen in Chile und Mexiko

Aldrin, Edwin                       (1930), US, “Buzz”, der 2. Mensch auf dem Mond war FM, ebenso wie seine Astronautenkollegen-Kollegen Leroy Gordon Cooper, Donn F. Esele, Virgil I. Grissom, Edgar D. Mitchell und Walter M. Schirra Jr.

Aldworth, Elisabeth            (1693-1775), Engl., geb. St. Leger, Adlige, wurde nachweislich in einer irischen Männerloge eingeweiht, ihre Nachfahrin Alice St. Leger Aldworth wurde im 20. Jhrdt. in die Großloge für Männer und Frauen „Le Droit Humain“ aufgenommen

Alembert, Jean L. d’           (1717-1789), Frz., Enzyklopädist und Mathematiker

Allende, Salvador Dr.         (1908-1973), Chil., Sozialist, Präsident 1970-73, während eines v. General A. Pinochet angeführten Militärputsches ermordet

Alt, Otmar                              (1940)            , Dt., Maler und Bildhauer

Ambelain, Robert                Frz., Buchautor und Esoteriker, GM des gemischten Memphis-Misraim-Ritus, Großkommandeur des „Ordre Martiniste des Elus Coens“

Amundsen, Roald              (1872-1928), Norweg., Polarforscher, Entdecker d. Südpols 1911, 1928 bei Rettungsaktion für eine italien. Expedition am Nordpol verschollen

Anderson, James Dr.         (1680-1739), Engl., Verfasser der sog. „Alten Pflichten“ der FM, begründete den Mythos der englischen Männer-Freimaurerei

Andrássy, Julius Graf         (1823-1890), Ungar., Revolutionär und Ministerpräsident, Architekt des Österreichisch-Ungarischen „Ausgleiches“ von 1867, fast sein gesamtes Kabinett bestand aus Freimaurern

Aquinaldo, Emilio               (1869-1964), Philip., Freiheitskämpfer gg. Spanien und USA

Armistead, Louis A.            (1817-1863), US, Generalmajor der Konförderierten Staaten von Amerika, wurde am 3.7.1863 in der Schlacht von Gettysburg tödlich verwundet, als er mit seiner Einheit gegen das Zentrum der Unionsarmee vorrückte. Dort, auf der direkten Gegenseite kommandierte sein Freund, ehemaliger Regimentskamerad und Freimaurerbruder General Winfield S. Hancock (1824-1886). Nach seiner Gefangennahme soll General Armistead das maurerische Notzeichen gegeben haben, das von dem Unionsoffizier und späteren Kongreßabgeordneten Henry H. Bingham erkannt worden sein soll. In der Schlacht von Gettysburg fielen mehr als 56.000 Soldaten beider Seiten, darunter – so wird erzählt – mehr als 1.500 Freimaurer.

Armstrong, Louis                (1900-1971), „Satchmo“, US, schwarzer Jazzmusiker, Prince-Hall-Freimaurer

Arouet, Francois Marie      (1694-1778), Frz., Philosoph und Schriftsteller „Voltaire“

Arundale, Francesca          (1847-1924), Engl., Schwester v. M. G. Martin, verbreitete gemeinsam mit A. Besant die gemischte FM im gesamten „British Empire“, Mitgl. im Obersten Rat von „Le Droit Humain“ und der Adyar-TG

Arundale, George S. Dr.    (1878-1945), Neffe von Francesa A., Ehemann von R.D. Arundale, Präsident der Adyar-TG (1934-45), beeinflußte zus. m. s. Frau u. C. Jinarajadassa durch die Gründung des Hindu College in Benares die Ausbildung und das Selbstwertgefühl d. engsten Mitarbeiter(innen) v. M. Gandhi

Arundale, Rukmini Devi     (1904-1986), Ind., Tänzerin, Mitglied des indischen Parlaments, Präsidentin des Tierschutzbundes, Mitglied der indischen Regierung, Ehefrau von G.S.Arundale, beeinflusste als Lehrerin für indischen Tempeltanz die Entwicklung der Eurhythmie

Astor, John Jacob               (1763-1848), Dt.-US, Pelzhändler, seinerzeit der reichste Mann der Welt

Atatürk, Mustafa K.P.         (1881-1938), Türk., General und Vater der modernen Türkei

Baigent, Michael                 (1948), NZ, Herausgeber des Magazins „Freemasonry Today), Buchautor: „Verschlußsache Jesus“, u.a. zu freimaurerischen Themen: „The Temple and the Lodge“

Baker, F. J. Josephine        (1906-1975), US, schwarze Sängerin und Tänzerin, Mitglied der frz. Frauengroßloge GLFF

Barton, Clara                       (1821-1912), US, gründete 1877 das Komitee, aus dem sich später durch ihre aktive Unterstützung das Amerikanische Rote Kreuz entwickelte, Mitglied d. „Order of the Eastern Star“

Basie, William                      (1904-1984), US, „Count Basie“, schwarzer Jazzmusiker, Prince-Hall-Freimaurer

Bauer Paiz, Alfonso            (1918), Guatemala, Sozialist, Gewerkschafter, Rechtsanwalt, Hochschullehrer, bis 1954 Arbeits- uns Wirtschaftsminister, kämpfte gegen soziale Ungerechtigkeit und gegen den politischen Einfluss US-amerikanischer Großkonzerne wie United Fruit etc.. Mehrfach bei Attentaten schwer verletzt. Danach langjähriges Exil in Chile (unter S. Allende), Cuba und Nicaragua. Seit 1999 wieder Parlamentsabgeordneter in Guatemala. 2003 wurde der Dokumentarfilm „Testamento“ über sein Leben gedreht. Seine politischen Weggefährten Marco Antonio Villamar Contreras (Präsidentenberater über die Agrarreform) und Oscar Barrios Castillo (ehem. Wohnungs- und Verkehrsminister bzw. Oberster Richter) waren bzw. sind auch Freimaurer

Beard, Daniel Carter           (1850-1941), US, gründete die „Boy Scouts“

Beauharnais, Alexandre    (1760-1794), Frz., General der Frz. Revolutionsarmee, verh. m. J. Tascher de la Pagerie, Vater v. E. de Beauharnais, 1794 hingerichtet

Beauharnais, Eugène de  (1781-1824), Frz., Stiefsohn Kaiser Napoleon I., Vizekönig von Italien, GM des Großorients von Italien

Bechstein, Ludwig              (1801-1860), Dt., Märchendichter

Benesch, Eduard Dr.         (1884-1948), Tsch., Begründer der Tschechoslowakei, vertrieb die Deutschen. n. d. 2.WK („Benesch-Dekrete“)

Béquet-Devienne, Marie  (1854-1913), Frz., eine der Gründerinnen des „Droit Humain“, sehr starkes Engagement im sozial-karitativen Bereich

Berlin, Irving                         (1888-1989), US, Musical-Komponist

Besant, Annie                      (1847-1923), engl. Frauenrechtlerin und Freidenkerin, Sozialistin, Präs. d. indischen Nationalkongresses, bedeutende Vorkämpferin für ein unabhängiges Indien, später Präs. der Adyar-TG, verbreitete gemeinsam mit F. Arundale die gem. FM im ges. „British Empire“. Ihre Tochter Sarah Besant-Scott war auch Freimaurerin.

Bin Mohammed, Hassan II.

(1929-1999), Marokk., König (1961-99), sein Vater, König Mohammed V soll auch Freimaurer gewesen sein, er war durch die Abstammung vom Prophetenenkel Hassan sowie der Alauis und Scherifen von Marokko ein direkter Nachkomme des islamischen Propheten Mohammed

Bin Talal, Hussein II.           (1935-1999), Jordan., König (1948-99), Alt-GM der Großloge v. Jordanien, arbeitete mit Y. Rabin an einem Friedensplan für Nahost, er war durch die Abstammung vom Prophetenenkel Hassan sowie der Scherifen von Mekka ein direkter Nachkomme des islamischen Propheten Mohammed

Blücher, Gebhard L.v.W.   (1742-1819), Preuß., Generalfeldmarschall, 1815 Sieger d. Schlacht v. Waterloo zus. m. Wellington über Napoleon

Blum, Robert                        (1807-1848), Dt., demokratischer Politiker, Abgeordneter der Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt/Main. 1848, nach Teilnahme an den Barrikadenkämpfen in Wien hingerichtet

Bluntschli, J. Kaspar         (1808-1881), Schweiz-Dt., Rechtsgelehrter in Heidelberg, GM der Großloge „Zur Sonne“

Böhm, Karl-Heinz                (1926), Dt., Schauspieler, Begr. d. Stiftung „Menschen für Menschen“

Bolivar, Simon de               (1783-1830), führender südamerikanischer Freiheits-kämpfer gg. Spanien

Bonaparte, Caroline           (1782-1839), Frz., Königin von Neapel-Sizilien, GM und Förderin der Adoptionsmaurerei im Königreich Neapel, Schwester v. Kaiser Napoleon I. , ihr Mann Joachim Murat und ihr Sohn Prinz Lucien Murat waren ebenfalls Freimaurer

Bonaparte, Joseph             (1769-1844), Frz., König von Spanien 1808-15, wurde ohne Einweihung GM des Grand Orient de France, Bruder v. Kaiser Napoleon I.

Bonaparte, Josephine       (1763-1814), Frz., geb. Tascher de la Pagerie, als Kaiserin GM der frz. Adoptionslogen, verh. (1) m. A. de Beauharnais, (2) m. Kaiser Napoleon, Mutter v. E. de Beauharnais.

Bonaparte, Lucien              (1775-1840), Frz., Bruder v. Kaiser Napoleon I.

Bonaparte, Louis                (1778-1846), Frz., König von Holland 1806-11, Bruder v. Kaiser Napoleon I.

Bonaparte, Jérome            (1784-1860), Frz., König von Westfalen 1806-14, Bruder v. Kaiser Napoleon I., sein gleichnamiger Sohn war ebenfalls Freimaurer

Bongo, El H. Omar             (1935), Gabun, Präsident von Gabun seit 1967. GM der Großloge von Gabun 1983. Auch seine Präsidentenkollegen Idriss Deby (Tschad), Mamadou Tandja (Niger), Gnassingbé Eyadéma (Togo), Paul Biya (Kamerun) und Blaise Compaoré (Burkina Faso) sollen Freimaurer sein.

Bonnevial, Marianne          (1841-1918), Frz., Sozialistin, Lehrerin, 3. GM der GL für Männer und Frauen „Le Droit Humain“ 1914-18, leitete eine Feldambulanz während des Dt.-frz. Krieges 1870/71, Vizepräsidentin des Nationalrates der franz. Frauen, eng  befreundet m. Victor Hugo und dem Sozialistenführer Jean Jaurès (ermordet 1914);

Borgnine, Ernest                (1917), US, Filmschauspieler

Börne, Ludwig                     (1786-1837), Dt., Schriftsteller

Börner, Holger                     (1931), Dt., SPD, Hess. Ministerpräs. 1976-87

Bourbon, Marie L. de         (1750-1822), Frz., geb. d’Orleans, GM der freimaurerischen Adoptionslogen in F, Schwester von L.J. P. d’Orléans

Bourbon, Karl X de            (1757-1836), Frz., König 1824-30, Bruder von Ludwig XIV, 1830 durch Revolution gestürzt, sein Sohn Ferdinand Charles war ebenfalls Freimaurer

Bourbon, Ludwig XIV de   (1754-1793), Frz., König 1775-1791, guillotiniert 1793, er soll zusammen mit seinen beiden Brüdern eingeweiht worden sein. Dass seine Frau Marie Antoinette an Tempelarbeiten der frz. Adoptionslogen teilnahm, ist aufgrund des GM-Amts ihrer intimsten Vertrauten, der Prinzessin Lamballe, anzunehmen, aber nicht nachweisbar.

Bourbon, Ludwig VIII de    (1754-1824), Frz., König 1815-24, Bruder von Ludwig XIV

Bourgeois, Leon V. A.       (1851-1925), Frz., Ministerpräsident, Minister, 1. Präsident d. Völkerbunds, Friedensnobelpreis

Bradley, Thomas                 (1917-1998), US, „Tom Bradley“, Schwarzer Bürgermeister von Los Angeles, Prince-Hall-Freimaurer

Brault, Eliane                       Frz., Staatssekretärin in der Regierung Charles de Gaulle, Mitbegründerin der „Grande Loge Mixte Universelle“

Brehm, Alfred                      (1829-1884), Dt., Zoologe, schrieb u.a. „Brehms Tierleben“, befreundet m. R. von Habsburg-Lothringen

Brockhaus, Friedrich A.    (1772-1823), Dt., Verleger, „Konversationslexikon“

Buchanan, James              (1791-1868), US, 15. Präs. d. USA 1857-61

Büchner, Georg                  (1813-1847), Dt., Dramatiker „Woyzek“

Bulwer-Lytton, Edward     (1803-1873), Engl., Lord, Schriftsteller, Abgeordneter des engl. Unterhauses, Rosenkreuzer (GM des SRIA, der nur Freimaurer aufnahm), mit A.L. Constant befreundet; sein Sohn, Vizekönig von Indien, war ebenfalls FM

Burton, Sir Richard F.        (1821-1890), Engl., Offizier, Entdecker und Gelehrter, verbrachte lange Jahre in Indien, im Vorderen Orient und Afrika, entdeckte zusammen mit J.H. Speke den Victoria-See, war als erster Christ unerkannt in der für Nichtmoslems verbotenen heiligen Stadt Mekka, Übersetzer arabischer Märchen und Geschichten und des „Kamasutra“; seiner Meinung nach ist „Sufi-ismus der östliche Teil der Freimaurerei“

Byrd, Robert C.                   (1917), US, bekannter Senator (Demokrat)

Cardell-Oliver, Florence    (1876-1965), Aus., geb. Wilson, Frauenrechtlerin, wurde 1936 n. E. Cowan als 2. Frau ins australische Bundesparlament gewählt, 1949 erste Ministerin in Australien (f. Gesundheit, Nachschub und Schifffahrt), Mitglied der GL für Männer und Frauen „Le Droit Humain“

Carus, Julius Victor             (1823-1903), Dt., Zoologe, u.a. Mitglied der gemischten Loge „Davidsbund“ in Dresden

Casanova, Giaccomo        (1725-1798), Ital., Schriftsteller, Diplomat und Lebenskünstler

Caspari, Otto                       (1841-1916), Dt., Professor d. Philosophie in Heidelberg

Chagall, Marc                      (1887-1985), Russ.-frz., Maler

Chamisso, Adalbert           (1781-1838), Dt., Dichter, Romantiker

Chrysler, Walter P.             (1875-1940), US, Automobilindustrieller

Churchill, Winston Sir        (1874-1964), Brit., Premierminister 1940-45/1951-55 Nobelpreis für Literatur

Churton, Tobias                  (1960), Engl., Filmemacher, Gründungsherausgeber der Zeitschrift: „Freemasonry Today“ und Schriftsteller „The Gnostics“, „The Golden Builders: Alchemists, Rosicrucians, First Freemasons“

Citroen, André                     (1878-1935), Frz., Automobilindustrieller

Clark, Roy L.                        (1933), US, Country-/Westernsänger/-star

Clark-Boitteux, Edith         (1905-1937), Engl., Pilotin, Fallschirmerprobung für die frz. Luftwaffe, Frauenrechtlerin. Befreundet mit A. d. Saint-Exupéry, starb bei einem Fallschirmtest. Mitglied d. frz. Frauengroßloge GLFF

Claudius, Matthias              (1740-1815), Dt., Dichter, “Der Mond ist aufgegangen”

Clemens, Samuel L.           (1835-1910), US, „Mark Twain“, Schriftsteller

Cody, William F.                  (1846-1917), US, „Buffalo Bill“, Cowboy und Entertainer

Cole, Nathaniel Adams       (1919-1965), US, “Nat King Cole”, schwarzer Sänger und Pianist, Prince-Hall-Freimaurer

Constant, Alphonse L.       (1810-1875), Frz., Okkultist, Theosoph, „Eliphas Lévi“, beeinflusste mit seinen Werken die Begründerin der Theosophie, Helena Blawatskaja und den Reformer des “Alten und Angenommenen Schottischen Ritus” A. Pike

Coudenhove-Calergi, Richard

(1894-1972), Österr., Schriftsteller und Politiker, Vorkämpfer für ein geeintes Europa

Corinth, Lovis                      (1858-1915), Dt., Maler, „Freimaurerische Zeremonien“, „Logenbrüder“

Coster, Charles de              (1827-1879) Belg.-fläm., Dichter, « Tyl Ulenspiegel »

Cowan, Edith                       (1866-1932), Aus., wurde als erste Frau in das australische Bundesparlament in Canberra gewählt. Mitglied der Großloge für Männer und Frauen „Le Droit Humain“

Craene, Ernest de               (1882-1957), Belg., Neuropsychiater, Professor für Kriminalistik, Gründungsmitglied d. belg. Liga f. mentale Gesundheit, Mitglied der GL für Männer und Frauen „Le Droit Humain“

Crowley, Edward A.           (1875-1947) Engl., Mystiker, „Aleister Crowley“, Oberhaupt des O.T.O. nach T. Reuss, Mitglied des „Hermetic Order of the Golden Dawn“, 1904 zum FM eingeweiht, befördert und zum Meister erhoben in der Anglo-Saxon Lodge No. 343, Paris, damals Grande Loge de France, heute Grande Loge Nationale de France

Danton, Georges J.            (1759-1794), Frz., Revolutionär, 1794 guillotiniert,

Von 578 Abgeordneten des 3. Standes, die sich im Juli 1789 zur frz. Nationalversammlung erklärten, waren 477 Freimaurer!

David-Néel, Alexandrine    (1868-1969), Belg., Anarchistin, Feministin, Theosophin, Sängerin, Schriftstellerin, Journalistin, Forscherin (Tibet, Indochina), war Mitglied der Großloge für Männer und Frauen, „Le Droit Humain“

Dawes, Charles Gates       (1865-1951), US, Wirtschaftswiss., General, Vizepräs. d. USA, Friedensnobelpreis

Dehler, Thomas Dr.             (1897-1967), Dt., FDP, Bundesmin. f. Justiz, Vizepräs. d. dt. Bundestags

Deraismes, Marie A.          (1828-1894), frz. Frauenrechtlerin und Freidenkerin, gründete mit G. Martin und 16 anderen am 04.12.1893 die FM-Großloge für Männer und Frauen „Le Droit Humain“ und wurde zum 1. GM gewählt

Desmons, Frédéric            (1832-1900), Frz., prot. Pastor, Politiker, GM des GOdF. Als Mitglied des Ordensrates des GOdF veranlaßte er 1877, dass der Art. 1 der Konstitution, der den Glauben an die Existenz Gottes und die Unsterblichkeit der Seele fordert, gestrichen wurde. Zudem wurde die Verpflichtung zur Anrufung des GBdW bei den Arbeiten der Logen abgeschafft. Damit war keine Hinwendung zum Atheismus beabsichtigt, sondern es sollte mit Rücksicht auf die größtmögliche Toleranz jede dogmatische Festlegung vermieden werden. Im Gegensatz dazu forderte die UGLoE in ihren „Basic Principles“ unbedingt den Glauben an ein Höheres Wesen und unterhält daher bis heute keine offiziellen Beziehungen zum GOdF.

Desmoulins, Camille         (1760-1794), Frz., Revolutionär, 1794 guillotiniert

Devalet, Germaine              (1895-1945), Belg., Feministin, Mitgl. d. belg. Widerstands im 2. WK; gestorben im KZ Ravensbrück, Mitglied der GL für Männer und Frauen „Le Droit Humain“

Diagne, Blaise                     (1872-1934), Frz., Delegierter Senegals im frz. Parlament, 1931 Unterstaatssekretär, der erste Schwarzafrikaner, der Mitglied eines europäischen Ministerkabinetts wurde;

Di Bernardo, Giuliano        (1939), It., Professor für Wissenschaftsphilosophie Universität Trient, Buchautor u.a. zu freimaurerischen Themen: „Die neue Utopie der Freimaurerei“, „Die Freimaurer und ihr Menschenbild“

Dornès, Yvonne                   (1910-1994), Frz., Nichte des frz. FM und Politikers Jules Ferry, politisch aktiv während der frz. „Volksfront“, zuständig insb. für Familienplanung und Verteidigung der Grundrechte des Menschen, Mitglied der frz. Frauengroßloge GLFF

Douglas, Dr. Alfred             Dt., Apotheker, entwickelte die gleichnamige Damen-Kosmetik („Douglas Parfümerie“), Mitglied des Hamburger O.T.O. (unter A. Reuss) und des Memphis-Misraim-Ritus

Doyle, Sir Arthur Conan      (1859-1930), Engl., Schriftsteller, auch Mitglied der TG

DuBois, William E.B.          (1868-1963), US, „W.E.B. DuBois“, Schwarzer Nationalist und Pan-Afrikanist, Lehrer, Schriftsteller und Historiker, Prince-Hall-Freimaurer

Ducumun, Elie                    (1833-1906), Schweiz., GM der Großloge „Alpina“, Unternehmer, Politiker und Friedensaktivist, Friedensnobelpreis

Eboué, A. S. Felix               (1884-1944), Frz., der Enkel eines Sklaven wurde 1938 erster schwarzer Gouverneur der frz. Kolonie Tschad, verteidigte die frz. Kolonien Tschad, Kamerun, Kongo etc. für die „Freien Franzosen“ unter General de Gaulle gegen die pro-nazistische frz. Republik von „Vichy“. Seine Tochter Ginette Eboué-Fontaine (1923-1992) wurde auch Freimaurerin.

Eichelbaum, John L.          (1892-1978), US, „Jack Leonhard Warner“, Filmmoghul, Mitbegründer der Filmfabrik „Warner Brothers“

Eliás, Alois                           (1890-1942), Tsch., General, Min.-präs. des „Reichsprotektorats Böhmen-Mähren“ 1939-41, wegen Auflehnung gegen judenfeindliche Verordungen, Schutzmaßnahmen für Freimaurer und Kontakte zum Widerstand zusammen mit Landwirtschaftsminister Br. Feierabend hingerichtet. Die Nazis verhafteten und deportierten viele tschechische Freimaurer.

Ellington, Edward K.          (1899-1974), US, “Duke Ellington”, schwarzer Jazzmusiker, Prince-Hall-Freimaurer

Encaussé, Gèrard A.V.      (1865-1916), frz., „Papus“, Arzt, Esoteriker, Mit- und Wiederbegründer des Martinistenordens, der TG in Frankreich, von T. Reuß zum GM des freimaur. Memphis-Misraim-Ritus ernannt

Endres, Franz Carl              (1878-1954), Dt., General, Stabschef einer türk. Armee im 1. WK, nach dem 1. WK Journalist und Schriftsteller

Fall, Leo                                (1873-1925), Österr., Komponist

Felixmüller, Conrad            (1897-1977) Dt., expr. Maler

Fermi, Enrico                       (1901-1954), It., Physiker, Nobelpreisträger 1938

Fichte, Johann Gottlieb       (1762-1814), Dt., Philosoph

Fleming, Sir Alexander       (1881-1955), Engl., Entdecker des Penicilin

Ford, Gerald R.                    (1913), US, 38. Präs. d. USA 1974-77

Ford, Henry                          (1863-1947), US, Erfinder und Automobilindustrieller, sozial engagiert, allerdings mit antisemitischen Ansichten, Bewunderer Hitlers.

Forrest, Nathan B.               (1821-1877), US, Generalleutnant der könförderierten Kavallerie während des US-Bürgerkriegs, Forrest hat entgegen aller Gerüchte den Ku-Klux-Klan (KKK) nicht selbst gegründet, sondern wurde ad hoc auf dem KKK-Bundeskongreß 1867 in Nashville als „Großer Hexenmeister“ installiert, um die mordenden Klangruppen wieder auf den Boden des Gesetzes zurückzuführen. Da die Lynchmorde jedoch nicht aufhörten, löste Forrest den Klan 1871 auf. Seine Macht als „Oberster Befehlshaber“ des KKK war jedoch nur symbolisch, denn die ca. 500.000 Clansmen steigerten noch ihren Mordrausch und ignorierten (bis auf Arkansas alle) den Auflösungsbefehl. Forrest trat nach 1871 rasch aus dem KKK aus. Er wurde nur in den 1. Grad der FM (GL von Tennesse) aufgenommen.

Franklin, Benjamin              (1706-1790), US, Außenminister und Botschafter, Erfinder des Blitzableiters

Fried, Alfred Hermann         (1864-1921), Österr., Schriftsteller und Friedensaktivist, Friedensnobelpreis

Friederich, Caspar David  (1774-1840), Dt., Maler

Fröbel, Friedrich                  (1782-1852), Dt., Pädagoge

Gable, Clark                         (1901-1960), US, Filmschauspieler, „Vom Winde verweht“

Gambetta, Leon                  (1838-1882), Frz., Republikaner, Min.präs. 1881

Gardner, Gerald B.             (1884-1964), Engl., esoterischer Schriftsteller, Begründer des modernen Wicca-Kults

Garfield, James Abram      (1831-1881), US, 20. Präs. d. USA 1881

Garibaldi, Guiseppe           (1807-1882), Ital., Anführer des ital. Freiheits- und Einigkeitskampfes

Gidé, André                          (1869-1951), Frz., Schriftsteller, Kommunist, Nobelpreis für Literatur

Gillette, King Camp             (1855-1932), US, Handlungsriesender und Unternehmer, Erfinder der Rasur- Sicherheitsklingen, Schriftsteller, seine Bücher „The Human Drift“, „World Corporation“ und „The People’s Corporation“ (Co-Autor: Upton Sinclair) sind herausragende Beispiele des utopischen Sozialismus

Glahn, A. Frank                   (1895-1941), Dt., eigtl Friedrich Heinrich August Glahn, Schriftsteller, trat vor dem FM-Verbot in D 1935 öffentlich für die Einweihung von Frauen in den Männerlogen ein

Glenn, John Herschel          (1921), US, Astronaut, umkreiste als erster Mensch dreimal die Erde

Gneisenau, August N. v.    (1760-1831), Preuß., Generalfeldmarschall

Goaziou, Louis                    (1864-1937), US-Frz., Sozialist, Gewerkschaftsführer der amerikan. Bergleute, innerhalb von 13 Jahren baute er zus. m. A. Muzzarelli die amerikan. Jurisdiktion der GL für Männer und Frauen „Le Droit Humain“ auf. Mehr als 7.000 seiner frz.- und ital.-stämmigen Gewerkschafter traten dem „Droit Humain“ bei. Seine Frau war auch FM

Goethe, Johann W. v.          (1749-1832), Dt., Dichterfürst und Universalgelehrter

Greene, Albert                     (1946), US, „Al Green“, Schwarzer Soul-Sänger, Prince-Hall-Freimaurer

Habicht, Karl Dr.                 (1868-1937). Dt., Pfarrer, GM der Männergroßloge „Zu den drei Weltkugeln“, Anführer d. lib. Minderheit in dieser GL gg. d. überwiegend nationalistische Mehrheit, enger Freund u. Vertrauter v. G. Stresemann

Habsburg-Lothringen, Franz I. Stephan v.

(1708-1765), Dt. Kaiser 1745-65

Habsburg-Lothringen, Rudolf v.

(1858-1888), Österr.-Ungar. Kronprinz, General und Journalist, war freundschaftlich eng verbunden mit A. Brehm. Die Mitgliedschaft Rudolfs ist nicht eindeutig erwiesen, kann aber durch Indizien belegt werden

Hahnemann, Christian F. S. Dr.

(1755-1843), Dt., Arzt, Wiederentdecker und geistiger Vater der homöopathischen Prinzipien in der modernen Heilkunde, sein geistiges Erbe wurde u.a. von seiner 2. Frau Melanie weitergeführt und -entwickelt

Hall, Prince                           (17??-1807), US, Prince Hall ist der erste Schwarze, der in dem Gebiet der späteren USA FM wurde. Prince Hall wurde 1775 von einer britischen Militärloge zusammen mit 14 weiteren Schwarzen eingeweiht. Sein exakter Geburtstag und –ort konnte bis heute nicht eindeutig festgestellt werden. Er gilt als Vater der so genannten Prince-Hall-Logen, in denen i.d.R. nur Schwarze aufgenommen werden können. Diese Abschottung gilt allgemein als Antwort auf die Nichtakzeptanz schwarzer FM in der Mehrzahl der weißen (Männer)-Großlogen in den USA, die auch heute noch andauert, u.a. weil P. Hall in der engl. Armee gegen die amerikan. Unabhängigkeit gekämpft haben soll. Ferner wird noch heute in den USA argumentiert, dass ein Freimaurer ein „freier Mann“ sein müsse und Schwarze doch Nachkommen von Sklaven seien und daher keine Freimaurer sein könnten!

Hampâté Bâ, Amadou       (1901-1991), Mali, muslimischer Schriftsteller und Maler

Hampton, Lionel                 (1908-2002), US, Schwarzer Jazz-Musiker und Bandleader, spielte u.v.a. mit Benny Goodmann und Charlie Parker, Prince-Hall-Freimaurer

Hannover, Augustus Frederick Georg v.,

(1762-1830), Engl., König, „George IV“, Bruder v. William IV, vier weitere Brüder waren ebenfalls FM, u.a. der Vater von Queen Victoria

Hannover, Frederick Louis

(1707-1751), Engl., Prince of Wales, war der erste legitime königliche Sprößling, der in England FM wurde, nach ihm wurden auch drei seiner Brüder aufgenommen.

Hannover, Georg v.            (1819-1870), Engl., Prinz, erster und letzter König von Hannover, „Georg V“

Hannover, Henry William v.

(1765-1837), Engl., König, „William IV“, Bruder v. George IV

Hardenberg, Karl A. v.       (1750-1822), Preuß., Staatsmann und Reformer

Harding, Warren G.            (1865-1923), US, 29. Präs. d. USA 1921-23

Hardy, Oliver                        (1892-1957), US, Filmkomiker, Partner v. Stan Laurel, “Dick und Doof”

Hartmann, Franz Dr.           (1838-1912), Dt., Arzt, Apotheker, Theosoph, Schriftsteller, zus. m. Dr. C. Kellner  und Dr. A. Reuß Gründer und abwechselnd Großmeister des O.T.O. und des Memphis-Misraim-Ritus in Deutschland

Hausmann, Manfred Dr.    (1898-1986), Dt., Schriftsteller („Abel mit der Mundharmonika“), Dichter, Journalist und Übersetzer fernöstlicher Lyrik, Mitglied der SPD, sowie der FM-Großloge für Männer und Frauen „Le Droit Humain“

Haydn, Josef                       (1732-1809), Österr., Komponist, Freund von W.A. Mozart; die von ihm komponierte Kaiserhymne ist die Melodie des „Deutschlandliedes“

Heine, Heinrich                    (1797-1856), Dt., Dichter

Helms, Jesse A.                  (1921), US, bekannter Senator (Republikaner)

Helvetius, Claude Adrien   (1715-1771), Frz., Philosoph, geistiger Vater der freim. Philosophenloge „Neuf soeurs“

Helvetius, Anne C.              (1720-1800), Frz., geb. de Ligneville, „Minette“, Ehefrau und eifrigste Unterstützerin von C.A. Helvetius, sie leitete die Adoptionsloge (gemischte FM-Loge) der „Neuf soeurs“ und versammelte die geistige Elite der „Neuf soeurs“ nach dem Tode ihres Mannes um sich

Herder, Johann Gottfried    (1744-1803), Dt., Pfarrer und Philosoph

Hernu, Charles                    (1923), Frz., Radikalsozialist, Gewerkschafter, Minister unter Präs. F. Mitterand

Herz, Henriette                   (1764-1847), Preuß., eine berühmte „femme des lettres“, bekannt für ihren Berliner Salon und die von ihr gegründete Loge für Männer und Frauen „Tugendbund“

Hilton, Charles C.                US, Hotelier

Hoffmann, Heinrich            (1809-1894), Dt., Mediziner, Humanist, Schriftsteller

Hogarth, William                 (1697-1764), Engl., gesellschaftskritischer Kupferstecher

Hohenzollern, Friedrich II. v., gen. „Friedrich der Große“

(1712-1786), Preuß. Kg. 1740-86, nahm auch seine Brüder und seinen Schwager als Freimaurer auf, erster Protektor der preußischen Freimaurergroßlogen

Hohenzollern, Friedrich Wilhelm Nikolaus Karl v.,

(1831-1888), Dt. Kaiser „Friederich III“, 1888, Preuß. Kg. 1888, Sohn von Wilhelm I., Protektor der drei „altpreußischen Großlogen“

Hohenzollern, Friedrich Wilhelm II. v.

(1744-1797), Preuß. Kg. 1786-97, Neffe F. d. Großen wurde als Prinz FM, geriet aber später unter den Einfluß der anti-freimaurerischen Gold- und Rosenkreuzer

Hohenzollern, Leopold v.  (1863-1931), Dt., Prinz von Preußen, letzter Protektor der drei „altpreußischen Großlogen“ (bis 1918) aus dem Hause Hohenzollern, hisste während der deutschen Revolution von 1918/19 über seinem Palais die rote Fahne, bekannte sich als einziges Mitglied der Hohenzollern während der Weimarer Republik zu Demokratie und zu liberaler Politik (Mitglied der linksliberalen „Deutschen Demokratischen Partei“ (DDP))

Hohenzollern, Louis Ferdinand v.

(1772-1806), Preuß., Prinz von Preußen, Oberst, fiel in der Schlacht v. Saalfeld, war Mitglied der v. H. Herz gegr. gemischten Loge „Tugendbund“

Hohenzollern, Wilhelm Friederich Ludwig v.

(1797-1888). Dt. Kaiser „Wilhelm I.“ 1871-88, Preuß. Kg. 1861-88, Vater v. Friedrich III., Protektor der drei „altpreußischen Großlogen“

Hohenzollern, Wilhelmine v.

(1709-1758), Prinzessin von Preußen, Markgräfin von Bayreuth, Schwester und sowohl engste politische als auch intime Vertraute Friedrichs des Großen, der über ihren frühen Tod sehr erschüttert war. Ihr Mann war ebenfalls Freimaurer, sie war Großmeisterin des gemischten Bayreuther „Eremitenordens“ und eifrige Förderin der Mopslogen

Horneffer, August Dr.         (1875-1955), Dt., Philosoph und freim. Schriftsteller

Hoover, J. Edgar                 (1895-1971), US, Direktor des FBI

Houdini, Harry                     (1874-1926), US, Magier und Zauberkünstler

Howeida, Abbas                 (1919-1979), Iran, Ministerpräsident 1965-78, 1979 hingerichtet, min. 10 seiner 13 Kabinettskollegen waren auch FM, seit der islamischen Revolution im Iran werden Freimaurer mit dem Tode bestraft!

Hufeland, Christoph W.      (1762-1836), Dt., Arzt und Forscher

Hugo, Victor                         (1802-1885), Frz., Dichter, „Die Elenden“

Humboldt, Alexander v.     (1769-1859), Preuß., Forschungsreisender, Mitglied der von H. Herz gegr. gemischten Loge „Tugendbund“

Humboldt, F. Wilhelm v.     (1767-1835), Preuß., Politiker, Schulreformer, Sprachforscher und Philosoph, wurde wie seine Frau Caroline (v. Dacheröden) Mitglied der von H. Herz gegr. gemischten Loge „Tugendbund“, Bruder v. A. v. Humboldt

Hund, Karl Gotthelf v.          (1722-1776), Dt., Begr. d. FM-Großloge „Strikte Observanz“, wollte den untergegangenen Orden der Tempelritter in der Freimaurerei wiederbegründen, da er die Freimaurer als legitime Erben der Templer ansah.

Hutton, Timothy                   (1960), US, Schauspieler und Regisseur

Jackson, Andrew                (1767-1845), US, 7. Präs. d. USA 1829-37

Jackson, Jesse L.              (1941), US, Schwarzer Pfarrer, Präsidentschaftskandidat und Bürgerrechtler, Prince-Hall-Freimaurer

James, Daniel C.                 (1920-1978), US, “The Black Eagle”, 1. schwarzer Viersterne-General der US Air Force, mehrfach wg. Tapferkeit ausgezeichnet, Prince-Hall-Freimaurer

Jacq, Christian                     (1947), Frz., Professor der Ägyptologie (Sorbonne) und Buchautor (u.a. „Ramses“, „Der Mönch und der Meiste“), auch zu freimaurerischen Themen, seine Mitgliedschaft in der FM ist noch nicht eindeutig, aber durch Indizien belegt

Jinarajadassa, Curuppumulaggé,

(1875-1953), Cey., Präs. d. Adyar-TG (1945-53), setzte sich stark für die Verbreitung der gemischten FM auf der ganzen Welt ein. Mitglied der GL für Männer und Frauen „Le Droit Humain“

Joachim, Peter M.              (1923-2004), Dt., Prof. Dr., “Billy Mo – The Rhythm King”, schwarzer deutscher Musiker (Swing, Hitparade), Bekanntester Song: “Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut”

Johnson, Andrew               (1808-1875), US, 17. Präs. d. USA 1865-69

Johnson, Lyndon B.           (1908-1973), US, 36. Präs. d. USA 1963-69

Johnson, Tor                       (19xx-1971), Schwed., Wrestler und Hollywood-schauspieler, spielte v.a. Monsterfiguren

Jones, Melville                     (1879-1961), US, Begr. d. “Lions Club International”

Juarez, Carlo Benito           (1806-1872), Mexikan., Präsident Mexikos und Anführer des mex. Freiheitskampfes gg. Kaiser Maximilian v. Habsburg und die frz. Besatzungsstreitmacht.

Jung, Elisabeth Dr.             (1921-2002), Dt., Patentanwältin, Mitbegründerin des gemischten „Universellen Freimaurerordens Humanitas Deutschland“ und der Universellen Freimaurerunion „Catena“, GM von „Humanitas Deutschland“ 1967-74 und 1983-91 sowie langjähriges Kuratoriumsmitglied und Präsidentin von „Catena“

Karaszeviez-Tokarzewski, Michael T.

(1896-1964), Poln., „Tarwid“, „Stolarski“ (Pseudonyme), Generalleutnant, Divisions- und Korpskommandant während der 1. poln. Republik (1919-39) und Generalinspekteur in der Volksrepublik Polen, Mitglied der Freimaurergroßloge für Männer und Frauen „Le Droit Humain“, trat nach dem Verbot der FM in Polen 1938 aus,

Kellner, Carl Dr.                  (1850-1905), Österr. Fabrikant, zus. m. Dr. F. Hartmann und Dr. A. Reuß Gründer und abwechselnd GM des O.T.O. und des Memphis-Misraim-Ritus in Deutschland, Auch seine Frau Marie-Antoinette Delorme war Freimaurerin.

Kellogg, Franc Billings       (1856-1937), US, Außenminister, Staatssekretär, „Kellogg-Pakt“, Friedensnobelpreis

King, Florence                     (1870-1924), US, eigentl. „Florence Embrey“ die erste Rechtsanwältin, die vor dem Obersten Gerichtshof der USA einen Fall gewann, als Präsidentin der „Organization of Business and Professional Women“, „Womens Association of Commerce“ etc. öffnete sie weltweit die offiziellen Handelskammern für die Mitgliedschaften von Unternehmerinnen, sie war ferner maßgeblich an der Versorgung der Überlebenden des Massenmordes an den Armeniern 1915 beteiligt, sie war Mitglied der FM-Großloge für Männer und Frauen „Le Droit Humain“

Kipling, J. Rudyard             (1865-1936), Engl., Schriftsteller, Seine Werke sind von freim. Symbolik durchzogen: „Der Mann, der König sein wollte,“ „Mutterloge“, „Dschungelbuch“, Nobelpreis für Literatur, er war auch Mitglied der TG

Knigge, Adolph v.                (1752-1796), Dt., Reisender, Schriftsteller

Knight, Christopher            (1950), Engl., Graphikdesigner, Unternehmer, zusammen mit R. Lomas freimaurerischer Buchautor

Kolbe, Fritz                           (1900-1971), Dt., untergeordneter Staatsbeamter im Auswärtigen Amt, im Widerstand gegen Hitler, Kommunistengegner, lt. dem ehem. CIA-Direktor Richard Helms „der wichtigste Spion der westlichen Alliierten im 2. WK“, berichtete u.a. über die so genannte „Endlösung“

Kosciuszko, Thaddäus     (1746-1817), Poln., General, Führer der poln. Volkserhebung 1792 und 1794 gg. d. russ. Besatzung, zuvor Offizier unter G. Washington im amerikan. Unabhängigkeitskrieg

Kossuth, Lajos v.                (1802-1894), Ungar., Politiker und Freiheitskämpfer

Krause, Karl C.F. Dr.          (1781-1832), Dt., Philosoph, der geistige Urvater der „europäischen Union (EU) und der Vereinten Nationen (UNO bzw. Völkerbund). Schrieb im Auftrag der Männer-Großloge „Zu den drei Weltkugeln“ über die Quellen und Zuflüsse der Freimaurerei. Folgerte daraus und forderte, dass Frauen und soziale Schwächere in bisher reine Männerlogen zugelassen werden müssen. Daraufhin wurde er aus der „regulären“ (Männer-)FM ausgeschlossen. Seine sozialkritische Philosophie ist heute unter dem Namen „Krausismo“ die Grundlage des demokratischen Südamerika. In der hispanischen Welt sowie in England und Frankreich gilt Krause als der „größte deutsche Freimaurer aller Zeiten“.

Kresge, Sebastian S.         (1867-1966), US, Kaufhaus-Millionär (K-Mart)

Kressmann, Willy               (1901-1986), Dt., SPD, Bgm. von Berlin-Kreuzberg

Laclos, Choderlos de         (1741-1803), Frz., Schriftsteller („Gefährliche Lieb-schaften“)

Lafayette, M. Josef de        (1757-1834), Frz., US-General im Unabhängigkeitskrieg

Lamballe, Marie L. T. de    (1749-1792) Frz., Prinzessin, geb. de Savoie-Carignan, GM der freim. Adoptionslogen in Frank., enge Vertraute der frz. Königin Marie Antoinette, während der frz. Rev. 1792 ermordet

Lafontaine, Henri                (1854-1943), Belg., Rechtsgelehrter, Pazifist, Vizepräs. d. belg. Senats, Vors. d. Internat. Friedensbüro, Friedensnobelpreis 1913, Mitglied der GL für Männer und Frauen „Le Droit Humain“

Lantoine, Albert                  (1869-1949), frz. Schriftsteller („Hiram couronné d’epines“), Historiker und Esoteriker, Schüler und geistiger Erbe von O. Wirth, Ehemann von B. Lantoine

Lantoine, Blanche               Frz., Mitglied des Obersten Rats der GL für Männer und Frauen „Le Droit Humain“

Leadbeater, Charles W.     (1847-1934), Engl., Adyar-Theosoph und Initiator der „Liberal-Katholischen Kirche“, Mitglied der GL für Männer und Frauen „Le Droit Humain“

Lempereur, Rachel             (1896-1980), Frz., geb. Nuez, Sozialistin, Mitglied d. Résistance im 2. WK, Abgeordnete der Nationalversammlung, Mitglied der GL für Männer und Frauen „Le Droit Humain“

Lessing, Gotthold E.           (1729-1781), Dt., Dichter, „Nathan der Weise“, Mitglied einer nicht anerkannten Loge, die Juden aufnahm, eng befreundet mit Moses Mendellsohn, dessen Tochter Mitglied der gemischten Berliner Loge „Tugendbund“ war.

Leuschner, Wilhelm           (1890-1944), Dt., SPD, Gewerkschafter, Reichstags-abgeordneter und Hess. Innenmin., aktiv im Widerstand gg. d. NS-Diktatur, wurde 1944 als Mitverschwörer des „20. Juli“ verurteilt u. hingerichtet.

Levi, Lucien                          (1882-1935), Frz., Chemiker, wiss. Schriftsteller, 5. GM der GL für Männer und Frauen „Le Droit Humain“ 1929-34

Lindbergh, Charles            (1902-1974), US, Flugpionier (1. Atlantik-Alleinüber-querung)

Lissouba, Pascal                (1931), Kongo, Professor, Landwirtschaftsminister und Premierminister 1963-66, Präsident der Republik Kongo (Brazzaville) 1992-97

Liszt, Franz                          (1811-1886), Ungar., Komponist, u.a. Mitglied in der gemischten Dresdner Loge „Davidsbund“

Lloyd, Harold                       (1894-1971), US, Filmschauspieler, „Moderne Zeiten“

Lomas, Robert Dr.              (1947), Engl., Elektroingenieur, baute Steuersysteme für Cruise Missiles, arbeitete an der Entwicklung der ersten PC mit, freimaurerischer Buchautor, zusammen mit Christopher Knight schrieb er die Bücher „The Hiram Key“, „The Second Messiah“, „Uriels Machine“ und „The Book of Hiram“. Alle Werke erregten großes Aufsehen und lösten weltweit kontroverse Diskussionen über die Ursprünge der Freimaurerei aus.

Lortzing, Albert                   (1810-1851), Dt., Komponist

Luckner, Felix Graf v.         (1881-1966), Dt., bekannter Seeoffizier im 1. WK, Schriftsteller

Marshall, George C.           (1880-1959), US, General, Friedensnobelpreisträger, Namensgeber für den « Marshall-Plan »

Marshall, Thurgood             (1908-1991), US, Schwarzer Bürgerrechtler und Jurist, wurde 1967 der erste schwarzer Richter am Obersten Gerichtshof d. USA, Prince-Hall-Freimaurer

Martin, Georges Dr.            (1844-1916), Frz., Senator, gründete am 04.12.1893 mit M. Deraismes und 16 anderen die „Grande Loge Symbolique Ecossiase de France“ unter dem Namen „Le Droit Humain“

Martin, James G.                 (1935), US, Republikanischer Abgeordneter des US-Repräsentantenhauses 1973-85, Gouverneur von North Carolina (N.C.) 1985-93, kämpfte zusammen mit seinem Freimaurerbruder Jim Exum, Richter des Obersten Gerichtshofs von N.C., vergeblich für die Anerkennung der schwarzen Prince-Hall-GL von N.C. durch die weiße Männergroßloge von N.C.

Martin, Marguerite               (1877-1956), Frz., geb. Marquet, Lehrerin, engagierte Sozialistin, Feministin und Pazifistin, ihr Vater, ihr Ehemann und ihre Tochter waren ebenfalls FM, 7. GM der GL für Männer und Frauen „Le Droit Humain“ 1947-54, sie ist nicht mit dem Ehepaar G. u. M. Martin verwandt.

Martin, Marie G.                   (1848-1914), Frz., 2. GM der GL für Männer und Frauen „Le Droit Humain“ 1894-1914, Ehefrau von G. Martin

Masaryk, Jan G.                  (1886-1948), Tschech., Politiker

Mayo, Charles Horace        (1865-1939), US, Chirurg, Begr. der Mayo-Kliniken, auch sein Vater, sein Sohn und sein Enkel waren Freimaurer!

McKinley, William               (1843-1901), US, 25. Präs. d. USA 1897-1901

Mendes-France, Pierre     (1907-1982), Frz., Sozialist, Premierminister d. IV. Rep.

Michel, Louise                     (1830-1905), Frz., Anarchistin, Mitglied der Pariser Kommune 1870/71, Präsidentin des Revolutionsclubs, Vorkämpferin für die Emanzipation der Frauen und der Armen, Mitglied der „Grande Loge Symbolique Ecossaise (Mixte)“. Zu Ihrer Beerdigung sollen mehr als 100.000 Menschen gekommen sein. Ihre anarchistischen Mitstreiter Elisée Reclus (1830-1905), Jules Valles (1832-1885), Franciso Ferrer y Guardia (1859-1909), Madeleine Pelletier, Charlotte Vauvelle, Isabelle Gatti de Gamon, Paul-Maurice Legraind und Charles Malato de Cornet (1857-1938) waren ebenfalls Freimaurer.

Monroe, James                   (1758-1831), US, 5. Präs. d. USA 1817-25

Montesquieu, Charles de Secondat, Baron de la Brède et de M.

(1689-1755), Frz., Bedeutender Staatstheoretiker u. Schriftsteller i. d. Zeit d. „Aufklärung“

Montgolfiere, Joseph         (1740-1810), Frz., entw. m. s. Br. Etienne M. d. 1. Heißluftballon

Montgolfiere, Etienne        (1745-1799), Frz., siehe Joseph M.

Morrison, Marion                (1907-1979), US, „John Wayne“, Filmschauspieler

Mountbatten, Philipp v.      (1921), Engl., Herzog v. Edinburgh, eigentl. „v. Battenberg“, Prinz v. Dänemark und Griechenland, Prinz-Gemahl von Königin Elisabeth II.

Mozart, Leopold                  (1719-1787), Dt.-Österr., Komponist, Vater v. W. A. Mozart

Mozart, Wolfgang A.           (1756-1791), Dt.-Österr., Komponist, seine Oper „Zauberflöte“ (basierend auf dem Libretto seines FM-Bruders Emanuel Schikaneder) kann mit Recht als das freimaurerische Musikstück schlechthin bezeichnet werden, in der die Ideen und Ideale der FM öffentlich werbend dargestellt werden aber auch Kritik an den bestehenden Verhältnissen geübt wird („Ein Weib, das Nacht und Tod nicht scheut, ist würdig und wird eingeweiht!“), Sohn v. L. Mozart., Freund v. J. Haydn

Müffelmann, Leo Dr.          (1881-1934), Dt., SPD, Hpt.-Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Angestellten (Vela), Gründer der nicht anerkannten „Symbolischen Großloge von Deutschland“, Nazi-Gegner, starb 1934 an den Folgen seiner KZ-Haft

Muliar, Fritz                          (1919), Dt., Schwäbisch-jüd. Schauspieler und Satiriker

Murphy, Audy                      (1924-1971), US, Schauspieler

Muzzarelli, Antoine J.C.     (1847-1909), Frz., Sozialist, Professor f. franz. Sprache, zus. m. L. Goaziou Gründer d. amerikan. Sektion d. GL für Männer und Frauen „Le Droit Humain“

Nariahna, Juddhu                (1895-1986), Ind., „Jiddu Krishnamurti“, Adoptivsohn von A. Besant; von ihr und C.W. Leadbeater in Europa und Amerika zunächst als Reinkarnation von Jesus Christus und im Fernen Osten als Lord Mätreya oder Boddhisattva propagiert; Krishnamurti distanzierte sich davon bereits 1928, unternahm jedoch eigene Vortragsreisen und verkündete eigene Weisheitslehren; wie sein Bruder Mitglied der Großloge für Männer und Frauen „Le Droit Humain“ und der Adyar-TG

Nath Datta, Narenda          (1862-1902), Ind., „Swami Vivekananda“, Gründer verschiedener Hindu-Religionsgemeinschaften und -organisationen, wie Ramakrishna-Mission, aufgenommen 1884 in der britischen Männerloge „Anchor and Hope Nr. 1“ (Kalkutta), mögliche Mitgliedschaft in der Adyar-TG und in der GL für Männer und Frauen „Le Droit Humain“

Nebenius, Karl F.                (1784-1857), Dt., Großherzgl. badischer Innenminister, Vater der liberalen Verfassung von 1818, befreundet und familiär verbunden m. C.D.H. Rau

Nelson, Horatio Admiral     (1758-1805), Engl., Admiral, getötet in der Seeschlacht von Trafalgar

Nicolai, Friedrich                 (1733-1811), Dt., Schriftsteller u. Verleger

Olcott, Henry Steele            (1832-1907), US, Oberst, Journalist, okkulter Schriftsteller, Mitglied der TG

Olds, Ransom Eli                 (1864-1950), US, Automobilindustrieller

Orléans, L. J. Philippe d’    (1747-1793), Frz., Herzog v. Chartres, frz. GM, bezeichnete sich während der frz. Rev. als „Philippe Egalité“, stimmte 1791 für die Hinrichtung seines Vetters König L. XVI. v. Bourbon, wurde 1793 dann ebenfalls guillotiniert

Ossietzky, Carl v.                (1889-1938), Dt., Sozialist, Herausgeber der „Weltbühne“, Friedensnobelpreisträger, sehr bekannter Nazi-Gegner, 1938 an den Folgen der KZ-Haft gestorben, eng befreundet m. K. Tucholsky, Mitglied der „irregulären“ Großloge FzaS, zwei seiner Nürnberger Mitbrüder, die RAe Dr. Schloss und Dr. Wertheimer kommen im KZ um, ein weiterer Br., der ehem. Staatssekretär Pitroff bleibt im KZ inhaftiert.

Ostwald, Wilhelm                (1853-1932), Dt., Chemiker, Professor, Nobelpreis für Chemie, Deputierter GM der „irregulären“ Großloge „Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne“ (FzaS), Führer der von Ernst Haeckel gegründeten moninistischen Freidenkerbewegung, Eifriger Unterstützer und Mitarbeiter der Weltfriedensbewegung unter Bertha von Suttner

Paine, Thomas                     (1737-1809), US, Politiker und Schriftsteller, Werk: „The Rights of Men“

Palmer, Arnold                     (1929), US, Golf-Profi, er ist der erste Golfer, der viermal hintereinander die „Masters Championship“ gewann

Peary, Robert E.                  (1856-1920), US, Entdecker des Nordpols 1909

Pelletier, Madeleine            (1874-1939), Frz., Frauenrechtlerin, Anarchistin, Mitglied der GL für Männer und Frauen “Le Droit Humain”

Petersen, Oscar                  (1925), Kanada, Jazz-Musiker, Quelle: Canadian Who’s Who, Band 18. University of Toronto Press, 1983. S. 897. Wird dort ohne weitere Angaben als „Freimaurer” geführt.

Pippen, Scottie                    (1965), US, Basketball-Star der „Chicago Bulls“, Prince-Hall-Freimaurer

Pike, Albert                           (1809-1891), US, General und Esoteriker, Schöpfer der heutigen Rituale des „Alten und Angenommenen Schottischen Ritus“, beeinflusst v.a. durch A.L. Constant

Piron, Eugène                      (1863-1928), Frz., Chemiker, Sozialist, 4. GM der GL für Männer und Frauen „Le Droit Humain 1919-1928

Polk, James Knox               (1795-1849), US, 11. Präs. d. USA 1845-49

Pratt, Ugo Eugenio              (1927-1995), It., „Hugo Pratt“, Comic-Zeichner („Corto Maltese”)

Proudhon, Pierre J.           (1809-1865), Frz., sozialistischer Schriftsteller, These: „Eigentum ist Diebstahl!“

Puschkin, Alexander          (1799-1837), Russ., Dichter

Puttkamer, Christa A.M.v.  (1903-1995), Dt., geb. v. Flemming, Gutsfrau, Galeristin, 1949 Mitbegr. des Freimaurerinnenzirkels „Zur Humanität“ (spätere Mutterloge der Frauengroßloge von Deutschland (FGLvD)), 1954-84 Schriftleiterin und bedeutende Autorin des freim. Mitteilungsblattes „Der Zirkel“

Rabin, Yitzhak                      (1922-1995), Israel., Min. präs. u. General, arbeitete mit König H. II. Bin Talal an einem Friedensplan für Nahost, 1995 von einem jüd. Fanatiker ermordet

Ram, Nilakanta Sri              (1889-1973), Ind., 1953 Präs. der Adyar-TG, Souverän. Großkomm. der ind. Förderation d. GL für Männer und Frauen „Le Droit Humain“, Bruder v. R.D. Arundale

Ramsey, Michael A. de      (1686-1743), Schott., Schriftsteller und Erzieher, entwarf 1737 in seinem “Discours préliminaire“ einen Mythos über die Herkunft der freim. Hochgrade und der Männer-Freimaurerei

Raspail, Simone                  (1908-1991), Frz., Pharmazeutin, rief bedeutende soziale Hilfsorganisationen ins Leben, Mitglied der frz. Frauengroßloge GLFF

Rau, Carl Daniel H.             (1792-1870), Dt., der Begründer der Nationalökonomie, befreundet und familiär verbunden m. K.F. Nebenius

Reclam, Anton Philipp        (1807-1896), Dt., Verlagsbuchhändler, „Reclam-Hefte“

Reinhold, Carl L.                 (1757-1823), Dt., Philosoph, Schwiegersohn v. C.M. Wieland, Werk: „Die Hebräischen Mysterien oder die älteste religiöse Freymaurerey“

Reuß, Albert Karl T.             (1855-1923), dt. Opernsänger, Journalist und Drogist, gründete zahlreiche Orden und Geheimgesellschaften, Zus. m. Dr. C. Kellner und Dr. F. Hartmann Gründer und abwechselnd GM des „Ordo templis orientis“ (O.T.O.) bzw. des Memphis-Misraim-Ritus

Richards, Michael               (1949), US, Schauspieler, Produzent, Showmaster („Michael-Richards-Show“) und Komiker

Rizal, José Dr.                     (1869-1896), Philip., eigentl.: José Protacio Mercado y Alonso Realonda, Arzt, Freiheitskämpfer und Schriftsteller („Noli me tangere“), v. d. Spaniern hingerichtet, zuvor lebte er einige Jahre im deutschen Exil in Wilhelmsfeld bei Heidelberg

Romanov, Nikolaus II. A.    (1868-1918), Russ., Zar (1894-1918), zusammen mit seiner Familie von den Bolschewisten ermordet, durch G.A.V. Encausée in den Martinistenorden aufgenommen. Die Zaren Paul I. Petrowitsch ( L 1754-1801 [ermordet], R 1796-1801) und Peter III. ( L 1728-62 [ermordet], R 1761-62) waren ebenfalls Freimaurer.

Roosevelt, Franklin D.       (1882-1945), US, 32. Präs. d. USA 1933-45

Roosevelt, Theodore         (1858-1819), US, 26. Präs. d. USA 1901-09

Rothschild, Nathan M.       (1777-1836), Bankier

Rothschild, James             (1792-1863), Bankier

Rothschild, Anselm            (1803-1874), Bankier

Rothschild, Ferdinand       (1839-1899), Bankier

Rucart, Marc                        Frz., Radikalsozialist, Minister f. Justiz 1936-37, Minister f. Gesundheit 1937-38, führendes Mitglied der frz. „Résistance“ im 2.WK. Mitglied der GL für Männer und Frauen „Le Droit Humain“

Rückert, Friedrich               (1788.1861), Dt., Dichter

Sachsen-Coburg-Gotha, Albert Edward v.

(1841-1910), Engl., König, „Edward VII“, GM d. UGLoE, Sohn v. Queen Victoria, sein Bruder, der Herzog von Connaught ließ als GM der UGLoE1929 schriftlich als „Basic Principles“ der Anerkennung u.a. festlegen, dass eine so genannte „reguläre“ Loge keine Frauen aufnehmen dürfe.

Sachsen-Coburg-Gotha, Edward Albert. v.

(1894-1972), Engl., „Edward VIII“, trat 1938 als König zurück, GM d. UGLoE

Sachsen-Coburg-Gotha, Albert Friedrich Arthur George. v.

(1895-1952), Engl., König, „George V“, PGM d. UGLoE, Vater v. Königin Elisabeth II., Bruder von Edward VIII., ein weiterer Bruder war ebenfalls FM

Saint-Exupéry, Antoine     (1900-1944), Frz., Pilot, Schriftsteller, u.a. « Der kleine Prinz », im 2. Weltkrieg umgekommen, Mitglied des GOdF

Sanders, Harland                (1890-1980), US, gründete „Kentucky Fried Chicken“ (KFC)

San Martin, José de           (1778-1850), Argent., General im südamerikan. Befreiungskampf

Savalas, Aristotle                (1924-1994), US, „Telly Savalas“, Schauspieler

Schadow, J. Gottfried        (1764-1850), Dt., Bildhauer (u.a. Quadriga d. Brandenburger Tores), u.a. Mitglied der v. H. Herz gegr. Loge für Männer und Frauen „Tugendbund“

Scharnhorst, G. David v.   (1755-1813), preuß. Generalstabschef

Sassou-Nguesso, Denis  (1943), Kongo, Verteidigungsminister 1977-79, Präsident der Republik Kongo (-Brazzaville) 1979-92 und seit 1997. Er stürzte seinen Vorgänger P. Lissouba durch Militärputsch

Schacht, Hjalmar H.G.        (1877-1970), Dt., Bankier, Reichsbankpräsident, schuf die finanziellen Grundlagen für Hitlers Aufrüstungspolitik

Schlegel, A. Wilhelm          (1767-1845), Preuß., Schriftsteller und Philosoph, war Mitglied der v. H. Herz gegründeten Loge für Männer und Frauen „Tugendbund“

Schliemann, Heinrich         (1822-1890), Dt., Kaufmann und Archäologe, Entdecker und Ausgräber von „Troja“

Schmoke, Kurt                    (1949), US, Schwarzer Staatsanwalt, Bürgermeister der Stadt Baltimore, Prince-Hall-Freimaurer

Schulze-Delitsch, Hermann

(1808-1883), Dt., MdL, MdR, Genossenschaftswesen

Schumann, Clara               (1819-1896), Dt., Pianistin, Tochter von F. Wieck und Ehefrau von R. Schumann, Mitglied der gemischten Loge „Davidsbund“ in Dresden

Schumann, Robert             (1810-1856), Dt., Komponist, Ehemann von C. Schumann und Schwiegersohn von Wieck, Mitglied der gemischten Loge „Davidsbund“ in Dresden

Schurz, Carl                        (1829-1906), dt.-US, dt Revolutionär 1848/49, Präsident der Deutsch-Amerikanischen Gemeinschaft, US-General in amerikanischen Bürgerkrieg, Botschafter in Spanien, US-Innenminister

Scott, Robert F.                   (1868-1912), Engl., Offizier und Entdecker, unterlag 1911 R. Amundsen bei der Entdeckung des Südpols, starb mit 4 weiteren Expeditionsteilnehmern auf dem Rückmarsch

Scott, Walter Sir                  (1771-1832), Schott., Dichter

Seber, Max Dr.                     Dt., Sozialist, Pazifist, letzter GM des „irregulären“ „Freimaurerbunds zur aufgehenden Sonne“ (FzaS), rief 1932 zum geistigen Widerstand gegen die Nazis auf

Sellers, Richard Henry        (1925-1980), Engl., „Peter Sellers“, Schauspieler

Semper, Gottfried                (1803-1879), Dt., Erbauer d. Dresdner Semper-Oper, dt. Revolutionär 1848/49, u.a. Mitglied in der gemischten Dresdner Freimaurerloge „Davidsbund“

Sibelius, Jan                        (1865-1957), Finn., Komponist, Mitglied der finnischen Männergroßloge, besuchte aber auch die Logen der Freimaurergroßloge für Männer und Frauen „Le Droit Humain“.

Sievers, Marie von              (1867-1948), Österr.-Ung., Ehefrau und engste Mitarbeiterin R. Steiners, Gründerin der Rudolf-Steiner-Nachlaßverwaltung

Sinowatz, Fred                   (1929), Österr., SPÖ, Bundeskanzler 1983-86, Vizekanzler und Min., Vors. d. SPÖ

Smith, Walker jr.                  (1921-1989), US, „Sugar Ray Robinson“, Schwarzer Mittelgewichtsboxer, mehrfach Weltmeister, Prince-Hall-Freimaurer

Springer, Axel Cäsar         (1912-1985), Dt., Verleger

Stael, Germaine de             (1766-1817) Frz., geb. Necker, Schriftstellerin, Geliebte des C.M. Talleyrand, zeitweilig Mitglied der von H. Herz gegründeten gemischten Loge „Tugendbund“in Berlin

Stein, Heinrich F.K. v.         (1757-1831), Preuß. Staatsmann und Reformer

Steinbeck, John E.             (1902-1968), US, Schriftsteller, Literaturnobelpreis 1962

Steinberger, Franz K. Dr.  (1892-1970), Dt., Chemiker, Mitglied der Adyar-TG, Mitbegründer der deutschen Jurisdiktion „Le Droit Humain“, Gründer der Großloge für Männer und Frauen „Universeller Freimaurerorden Humanitas“, Initiator der Universellen Freimaurerunion „Catena“, Mitglied der Forschungsloge „Quatuor Coronati“ sowie der 3WK, Bayreuth und Mitarb. der freim. Zeitschrift „Bundesblatt“ (Maskuline GL „Zu den drei Weltkugeln – 3WK“)

Steiner, Rudolf Dr.               (1861-1925), Österr.-Ung., Generalsekr. der deutschen Adyar-TG (1902-13), von A. Besant in der Freimaurer-GL für Männer und Frauen „Le Droit Humain“ aufgenommen, Begründer der Anthroposophie und der Anthroposophischen Ges., v. Dr. A Reuß (1906-14) zum General-GM des freimaurerischen Memphis-Misraim-Ordens für das Deutsche Reich ernannt, Ehemann von M. v. Sievers

Stephan, Heinrich v.           (1831-1897), Dt., Schöpfer der Reichspost

Steuben, Friedrich W. v.    (1730-1794), Preuß. Offizier und US-General im Unabhängigkeitskrieg 1776-83

Stresemann, Gustav          (1878-1929) Dt., DVP (Liberale), Reichskanzler und Außenminister, mit K. Habicht eng befreundet, zusammen mit dem frz. Freimaurer und Staatsmann Aristide Briand erhielt G. Stresemann 1926 den Friedensnobelpreis

Swift, Jonathan                    (1667-1745), Ir., Schriftsteller, „Gullivers Reisen“

Tagore, Rabindranath         (1861-1941), Ind., Dichter und Philosoph, entwickelte die bengalische Literatursprache, beeinflusste sehr stark die indische Musik. Literaturnobelpreis 1913, Mitglied der Adyar-TG, Dekan der von A. Besant in Madras gegründeten Universität, wahrscheinlich auch Mitglied der Großloge für Männer und Frauen „Le Droit Humain“

Taft, William H.                     (1857-1930), US, 27. Präs. d. USA 1909-13

Talleyrand-Périgord, Charles Maurice de

(1754-1838), Frz., Bischof, dann Präs. der frz. Nat.vers,

Außenminister, Geliebter der G. de Stael

Tau, Max                               (1897-1976), Dt., Schriftsteller

Thomas, David                    (1932-2002), US, „Dave Thomas“, Gründer der Fastfoodkette “Wendy’s”

Thomas, Franklin L.            (1940-2005), US, „Richard Pryor“, schwarzer Komiker, „Richard-Pryor-Show“

Tobler, Theodor                   Schweiz., Schokoladenfabrikant, „Toblerone“

Tolbert, William                   (1913-1980), Lib., Präsident von Liberia 1971-80, Nachfolger von W. Tubman, bei Militärputsch ermordet

Tristan, Flora                       (1803-1844). Frz.-Peruan., sozialkritische Schriftstellerin

Tubman, William V.S.        (1895-1971), Lib., Anwalt, Präsident von Liberia 1944-71. Im Jahr 1822 wurden freigelassene Schwarze (i.d.R. hellhäutige Mulatten) nach Afrika zurückgeschickt, da man in ihnen eine mögliche Quelle von Unruhen in den amerikanischen Südstaaten sah. Die insg. 125 repatriierten Familien, die ursprünglich aus dem Gebiet des Kongo-Flusses stammten, gründeten 1847 die Republik Liberia und verwandelten diese in ein exaktes Abbild der amerikanischen Südstaaten. Die Herrschaft und der Zusammenhalt dieser Familien wurde durch die Methodistische Kirche, die „True Whig“- Einheitspartei und durch die Zugehörigkeit zur Freimaurerei gewährleistet. Erstaunlich ist, dass die weißen amerikanischen Großlogen die schwarze GL von Liberia anerkannten, obwohl sie die Prince-Hall-Freimaurerei in ihrem eigenen Land nicht anerkannten! Bis zum Militärputsch von 1980 herrschten die 1% „American-Liberians“ über 99% der restlichen Schwarzen Liberias. Liberia galt bis weit in das 20. Jahrhundert als aktiver Förderer des Sklavenhandels und als Operationsgebiet der amerikanischen Mafia. Tubman selbst wurde vorgeworfen, beides aktiv zu begünstigen.

Truman, Harry                     (1884-1972), US, 33. Präs. d. USA 1945-53

Tucholsky, Kurt                  (1890-1935), Dt., Schriftsteller, eng befreundet mit C. v. Ossietzky, bekannter Nazi-Gegner, Selbstmord im schwed. Exil, Mitglied der „irregulären“ Freimaurergroßloge FzaS

Verweyen, Johannes M.    (1883-1945), Dt., Professor, Philosoph und Komponist, ab 1928 Generalsekretär der deutschen Adyar-TG, Mitglied der FM-Großloge für Männer und Frauen „Le Droit Humain“ sowie der „Großen Loge von Hamburg“ (nur Männer), zeitweilig Priester der LKK, öffentliches Auftreten gegen Nationalsozialismus und Antisemitismus, 1941 verhaftet, 1945 im KZ Bergen-Belsen umgekommen.

Vogel, Theodor                    (1901-1977), Dt., 1949 Begründer der „Vereinigten Großlogen von Deutschland“ (VGL)

Waite, Arthur Edward          (1857-1942), Engl., freim. und okkult. Schriftsteller, Mitglied der UGLoE, Mitbegründer des „Hermetic Order of the Golden Dawn“, würdigte die gemeinsame Arbeit von Freimaurern und Freimaurerinnen in gemischten Freimaurerlogen, war dort wohl auch des Öfteren zu Besuch

Wallace, George C.            (1919-1998), US, der mehrfach wiedergewählte Gouverneur von Alabama war vor dem Attentat ein entschiedener Befürworter der Rassentrennung. Bei einem Attentat 1972 schwer und nachhaltig verwundet, litt er Zeit seines Lebens an den Folgen. Er entschuldigte sich nach 1970 öffentlich für seine Politik der Rassentrennung und engagierte sich für die Versöhnung zwischen den Rassen.

Washington, George         (1732-1799), US, 1. Präs. d. USA 1789-1797

Washington, Booker T.     (1856-1915), US, Universalgelehrter (Lehrer, Dichter, Bildungspolitiker, Bürgerrechtler, Professor, Erfinder), gründete das Tuskegee Institute als höhere Bildungsanstalt für Schwarze, Prince-Hall-Freimaurer

Wettach, Adrian                  (1880-1959), Schweiz., „Grock“, Musikclown

Wieck, Friedrich                  (1785-1873), Dt. Komponist und Musiklehrer, Vater von C. Schumann und Schwiegervater von R. Schumann, Mitglied in der gemischten FM-Loge „Davidsbund“ in Dresden

Wieland, Christoph M.        (1733-1813), Dt., Dichter, Schwiegervater v. C. L. Reinhold

Wilde, Oscar                        (1854-1900), Engl., Schriftsteller

Wirth, Oswald                      (1860-1943), Frz., freim.-okkult. Schriftsteller, beeinflußte das Werk A. Lantoine’s

Young, Andrew J.                (1932), US, Schwarzer Bürgerrechtler, Mitarbeiter v. Dr. M. L. King jr., Mitgl. d. Kongresses, UN-Botschafter, Bürgermeister der Stadt Altlanta (Georgia), Prince-Hall-Freimaurer

Young, Bingham                 (1805-1877), US, Oberhaupt der Mormonen, Nachfolger des Gründers Joseph Smith, der ebenfalls Freimaurer war. Die Rituale der Mormonen haben freimaurerische Bezüge.

Zilk, Helmut                           (1927), Österr., Lehrer, Journalist, SPÖ, Bildungsminster 1983-84, Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien 1984-94, 1993 bei einem Briefbombenattentat an der Hand schwer verletzt

 

Ursprüngliche Quelle: http://www.loge-carpediem.de/carpediem/texte/freimaurerei/Bekannte_%20Freimaurer.htm

 

 

Schicksal: „Meine Kinder leben noch!“


Am 23. März 2012 erschien in der „Bild der Frau“ (Nr. 13) eine Schicksalsgeschichte, an der ein ehemaliger Kriminalhauptkommissar und ich seit Monaten recherchierten und ich aufgezeichnet habe:

Tödlicher Unfall oder eine Verschwörung? Conny (52) ist sicher: MEINE KINDER LEBEN NOCH – EINE MUTTER SPÜRT DAS!

Es gibt viele, die Conny M. (52) für verrückt halten. Aber: es gibt auch Indizien, die dafür sprechen, dass die Düsseldorferin recht hat – und ihre Töchter nicht bei einem Unfall gestorben sind. Eine unglaubliche Geschichte.

Der   schlimmste Albtraum  meines Lebens hat vor über neun Jahren begonnen. Am 12.   September 2003. Ich war mit  meinen vier Töchtern Rosa Luisa (12), Chanelle Mari (10), Sama-
hra Franzi (7) und Allessia Saverina (3) auf der Autobahn Richtung La Spezia unterwegs. Das ist
in Norditalien. Wir wollten zu meiner italienischen Schwiegermutter. Die Mädchen freuten sich auf die Ferien,  mir war eher mulmig. Meine Ehe mit Alfredo (54),   dem Vater der Mädchen, war in der Krise. Im Urlaub wollte ich mir Gedanken machen, wie’s weitergeht. Ich war schon lange nicht mehr glücklich.Und dann das Drama. Irgendwie schaffte es meine Kleinste, sich während der Fahrt aus dem   Sicherheitsgurt zu befreien. Ich stoppte in einer Nothaltebucht, um Allessia wieder anzuschnallen. Plötzlich   gab es einen gigantischen Knall. Danach weiß ich ichts mehr. Später habe ich erfahren, dass ein Sportwagen in meinen Wagen gekracht war. Rosa, Allessia und ich wurden verletzt. Für Chanelle und Samahra kam angeblich jede Hilfe zu  spät. Ich habe sie nach dem Unfall nur noch einmal kurz gesehen – aber die Familie mei Mannes ließ mich nicht nah an sie rankommen. Dann wurden meine beiden Mädchen in Zinksärge gelegt, nach Deutschland überführt und in Düsseldorf
beerdigt. Alles ging so schnell! Und ich war natürlich total unter Schock.

„Es gibt Hinweise, dass de
Autounfall ins
zeniert wurde“ Inzwischen bin ich mir sicher: In den Särgen lagen nicht meine Töchter! Sie haben den Unfall überlebt. Ich weiß, wie absurd das klingt. Bestimmt denken Sie, ich bin eine Mutter, die nicht wahrhaben will, dass ihre Kinder für immer weg sind. Aber es gibt so viele Hinweise darauf, dass der Unfall inszeniert war. Vor meiner Abfahrt hatte Alfredo mir
sogar gedroht, mir könnte etwas Schlimmes zustoßen.

Fast zwei Jahre nach dem Unfall, im Juni 2005, hat ein italienisches Gericht mich wegen fahrlässiger Tötung zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Aber mein italienischer Anwalt hat mir nicht mal von der Verhandlung erzählt, sodass ich gar nicht vor Gericht erscheinen konnte. Heute weiß ich, dass er ein Freund meines Schwagers Carmelo ist, der natürlich auf der Seite meines Ex-Mannes steht. Bis heute gibt der Anwalt weder Prozessakten noch die medizinischen Befunde meiner angeblich toten
Kinder heraus.

Was ich vermute? Dass unsere Insassenunfall- und Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung eine größere Summe an meinen Ex-Mann gezahlt hat. Und dass es bei der ganzen Sache nur um Geld ging.

Ja, das klingt nach einer Verschwörungsstory aus dem Kino. Aber es gibt noch mehr Merkwürdigkeiten. Von 2003 bis 2010 zum Beispiel hat eine Frau immer kurz vor Chanelles und Samahras Geburtstag anonym angerufen und behauptet, meine Töchter würden noch leben – in Italien. Die Anruferin könnte meine Schwägerin gewesen sein, zu der ich immer ein gutes Verhältnis hatte.

Ein Arzt glaubt, er habe
meine Töchter gesehen“

Und dann diese Sache bei einem Arzt hier in Düsseldorf: Im Juni 2008 war ein Mann in Begleitung von zwei Mädchen in seiner Praxis. Anhand von Fotos hat der Arzt eine große Ähnlichkeit zu meinen verstorbenen Töchtern festgestellt. Das hat er sogar an Eides statt versichert.

Ich bin mir sicher: Der Mann, der meine Mädchen zu dem Arzt begleitet hat, war mein Ex-Schwager. Ich hab rausgefunden. dass er bei einer Krankenkasse mehrere Kinder versichert haben soll. Selbst hat er nur eine Tochter!

Mein Anwalt will jetzt, dass die italienische Polizei ermittelt. Als Erstes hat er deshalb Mitte
Dezember 2011 bei der Staatsanwaltschaft einen Antrag auf Exhumierung der beiden Leichname gestellt. Sie sollen identifiziert und die genaue Todesursache soll festgestellt werden.
Um das durchführen zu können, ist ein gerichtlicher Beschluss notwendig. Deshalb hat die
Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen.

Ich fühle einfach, dass Chanelle und Samahra noch leben. Mütter spüren so etwas! Und
ich werde keine Ruhe geben, bis ich meine angeblich toten Töchter wieder in die Arme
schließen kann.

Aufgezeichnet von GUIDO GRANDT

Warum ermittelt die Staatsanwaltschaft?
Staatsanwalt Ralf Herrenbrück: „Die
Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt
unter dem Aktenzeichen 40 Js 270/12
wegen des Verdachts der Entziehung
Minderjähriger zum Nachteil der Kindes-
mutter Cornelia M. aus Düsseldorf. Diese
behauptet in einer erstatteten Strafan-
zeige, die angeblich 2003 bei einem Verkehrsunfall in Italien tödlich verun-
glückten und in Deutschland beerdigten
Töchter wären am Leben und würden
ihr vom Vater vorenthalten. Die Anzeige
enthielt zureichende Anhaltspunkte für
eine Aufnahme von Ermittlungen.“

 

 

 

Bezness Ägypten: „To fish women“ (4)


Nachfolgend Teil 4 der Schriftliche Arbeit zur Erlangung des Diploms der Schweizerischen Tourismusfachschule STF, Plaine Bellevue, Postfach 80, 3960 Siders Bezness in Hurghada

Autorin Referent

Tschanz Kassem Franziska Anthamatten Hermann

Eingereicht am 15. Juni 2007

Schweizerische Tourismusfachschule Siders (VS)

Tschanz Kassem Franziska Bezness in Hurghada

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6. Motive der Frauen

Motive der Frauen

Wie bereits im vorangehenden Kapitel die Motive der Männer diskutiert wurden,

werden in diesem Kapitel die Ergebnisse der Umfragen zu den Motiven der

Frauen präsentiert.

6.1. Langeweile

Die Frauen schätzen mehrheitlich Langeweile als weniger bis gar nicht wichtiges

Motiv der Frauen ein. Interessanterweise beurteilen die befragten Männer das

Motiv Langeweile als sehr bis ziemlich wichtig. Dies könnte darauf hindeuten,

dass Männer das Verhalten der Frauen als weiteres Urlaubsbedürfnis, da sie

nichts anderes zu tun haben, einschätzen.

6.2. Annerkennung

Annerkennung wird von der Mehrheit der befragten Frauen als sehr bis ziemlich

wichtiges Motiv der Frauen eingestuft. Die Männer beurteilen Anerkennung als

etwas weniger wichtig.

Dieser Unterschied ist wohl damit zu erklären, dass „Annerkennung für eine

Frau“ für einen ägyptischen Beznesser keinen hohen Stellenwert haben kann, da

er dies, bedingt durch seinen kulturellen Hintergrund, kaum kennt.

Meist wird er nicht die Möglichkeit haben, abzuschätzen, was sie in ihrem

gewohnten Umfeld macht und deshalb wird es ihm auch schwer fallen, ihre echte

und ernst gemeinte Anerkennung entgegenzubringen.

Die Frau interpretiert das vermeintliche Interesse und die Aufmerksamkeit als

Annerkennung, welche sie beispielsweise im bisherigen Alltagsstress vom

Partner vermisst hat.

6.3. Exotischer Partner und Männerbild

Von den Frauen wurde die Suche nach einem exotischen Partner als eher

weniger oder gar nicht wichtiges Motiv der Frauen eingestuft. Die Männer stufen

dieses Motiv auch eher als unwichtig ein, allerdings weniger klar. Dies kann

daher rühren, dass die Männer gerne mit ihrem Aussehen kokettieren.

An dieser Stelle wäre es interessant zu sehen, durch welche Faktoren dieses

exotischen Männerbild geprägt wird. Leider konnten dazu im Zusammenhang mit

Ägypten keine wissenschaftlichen Untersuchungen gefunden werden. Es wird

angenommen, dass dieses exotische Männerbild auf Vorstellungen aus den

Geschichten von „Tausend und einer Nacht“ basiert. Allerdings entspricht dieses

Männerbild oft nur der Fantasie und Wunschvorstellung der Frauen, der Realität

aber nicht.

Weiter müsste untersucht werden, inwiefern der von OMONDI erwähnte „power

of advertising“ hier vom Reiseland Ägypten genutzt wird und ob die den

Fantasien der Frauen entsprechenden Männerbilder explizit in die Werbung

integriert werden, um die Touristinnen anzusprechen.

Im der aktuellen Imagekampagne wird praktisch vollständig auf Darstellungen

von Menschen verzichtet. Einzig im Imagefilm wird kurz ein junger Mann

gezeigt, der dem exotischen Männerbild vielleicht gerecht werden könnte. Da es

den Rahmen der Arbeit aber sprengen würde und wissenschaftliche

Untersuchungen fehlen, muss hier auf eine weiterführende Untersuchung

verzichtet werden.

Insbesondere bei den gemachten Untersuchungen in der Karibik wurde das

Männerbild des hypersexuellen karibischen Rastafari immer wieder erwähnt und

die Tatsache unterstrichen, dass sehr viele Frauen Fantasien im Zusammenhang

mit exotischen Männern hätten. Diese Exotik wird aber auch hier nicht weiter

definiert.

Laut BELLIVEAU führt auch der Umstand, dass viele Frauen bei westlichen

Männern eine gewisse Männlichkeit vermissen würden, dazu, dass sich Frauen

von einem in ihrer Fantasie entstandenen Männerbild beeinflussen lassen und

eine Dominanz der Beznesser akzeptieren, die sie bei einem westlichen Mann

nie zulassen würden.

6.4. Bestätigung der Weiblichkeit

Laut der Umfrage stimmt eine sehr grosse Mehrheit der Frauen dafür, dass die

Bestätigung der Weiblichkeit ein sehr bis ziemlich wichtiges Motiv der Frauen ist,

sich auf eine Verbindung mit einem Beznesser einzulassen.

Die Männer stufen dieses Motiv als für die Frauen weniger wichtig ein, allerdings

stellt sich auch hier die Frage, inwiefern dies für die Männer mir ihrem

Hintergrund überhaupt eine Bedeutung haben kann.

Insbesondere für Frauen, die nicht (mehr) dem Schönheitsideal (der westlichen

Welt) entsprechen, kann die Bestätigung durch eine solche Verbindung sehr

wichtig sein. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn sie schon älter ist und das

Gefühl hat, dass sich niemand mehr für sie interessiert oder sie beispielsweise

etwas molliger ist.

SANCHEZ TAYLOR geht davon aus, das eine solche Verbindung den Frauen

auch dazu dienen kann, ihre Weiblichkeit wiederherzustellen. „…most Western

women still wish to be seen as ‘feminine’ and would find it insulting to be

described as ‘masculine’.”

Laut SANCHEZ TAYLOR ist ein Teil der Identität der

Frauen stark an die Sexualität gebunden, denn nur durch diese kann sie ihre

Weiblichkeit bestätigen. “Unless a woman is publicly known to be being ‘sexed’

by a man or men, there is a question mark over her ‘femininity’.

Ist sie sexuell unattraktiv oder ohne Partner, kann dies zu einem Identitätsverlust führen.

6.5. Frustration durch gescheiterte Beziehungen

Laut PRUITT und LAFONT verspüren viele Frauen, die sich auf solche

Verbindungen einlassen, eine Frustration von Männern aus ihrem eigenen

Kulturkreis und bezeichnen sie als unaufmerksam, nur mit der Karriere

beschäftigt und emotionslos.

Auch BELLIVEAU sieht in der Frustration ein Motiv der Frauen zu reisen und sich

während dem Urlaub auf eine Verbindung einzulassen:

Many people travel to heal a broken heart. They want to find proof that

others don’t view their faults quite so seriously as do ex-loved ones.

Perhaps they wish to reaffirm their sexiness through blind encounters, to

heal themselves, to forget. Some of them even fall in love and return with

acceptable partners.

6.6. Anonymität

Insbesondere die Männer beurteilen Anonymität als wichtiges Motiv der Frauen.

Dies spricht wieder dafür, dass Männer eher davon ausgehen, dass die

Touristinnen mit einer bestimmten Absicht nach Hurghada reisen.

Die Frauen beurteilen die Anonymität als weniger wichtig. Dies könnte daher

rühren, dass sie von einer Verbindung nach ihren Vorstellungen ausgehen und

somit auch nichts zu verstecken haben. Allerdings kann, wenn ein grosser

Altersunterschied zwischen den Partnern besteht (die Frau älter ist) oder die

Frau in ihrem Heimatland verheiratet ist, Anonymität ein wichtiger Punkt sein.

BELLIVEAU zitiert dabei die Aussage einer Frau: „I’m in a holiday mood far away

from the social control of my everyday life and in this situation, I can do what I

want.”

Sobald eine Diskrepanz zwischen moralisch oder sozialen Vorstellungen des

Heimatlandes und dem Handeln der Frau besteht, ist Anonymität für die Frauen

sicherlich ein wichtiges Motiv.

6.7. Sexualität

Auch in Hurghada gibt es Frauen, die ausschliesslich aus sexuellen Motiven

reisen… Da die getroffene

Definition von Bezness (Vergleich Kapitel 1.1.2) aus der Sicht der Touristin eine

Beziehung voraussetzt, handelt es sich hier nicht um eine klassische

„Sextouristin“.

Die Aussage von HEROLD, „…women preferred a romantic relationship which

may include sex, with only a minority indicating that sex was their main objective

in establishing a relation.” interpretiert die Ergebnisse der eigenen Umfrage

zutreffender.

Die Männer hingegen stufen dieses Motiv der Frauen als viel wichtiger ein.

Gründe dafür könnten das ungewöhnliche Verhalten der Touristinnen sein,

welches mit dem anderen kulturellen Hintergrund der Männer und Verständnis

des Frauenbilds interpretiert wird. Davon Ausgehend wird das Verhalten der

Frauen so interpretiert, dass sie auf der Suche nach einem sexuellen Abenteuer

sind.

Auch die Befragungen von SANCHEZ TAYLOR in der Karibik, die bekannt ist als

Destination für Sextouristinnen, kamen zum Ergebnis, dass nur 3% der befragten

Frauen, die mit einem einheimischen Mann sexuellen Kontakt hatten, ihre

Begegnung als rein körperlich beschrieben.

LEVY und BELLIVEAU schätzen den Anteil der Touristinnen, die sexuelle

Erfahrungen machen, weltweit auf 10%. OMONDI beziffert die Zahl der

europäischen Touristinnen (mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil von

Deutschen und Schweizerinnen), die ausschliesslich nach Kenia reisen, um Sex

zu haben, mit 5%.

DE ALBUQUERQUE teilt die Touristinnen in der Karibik in vier Gruppen ein

und schliesst dadurch auf ihr sexuelles Verhalten:

I. „first timers“ oder „neophytes“: Die Touristin lernt eher zufällig einen Mann

kennen, mit dem sie (oft im Rahmen einer Beziehung) auch Sex hat.

II. „situational sex tourist“: Die Intention, bezahlten Sex während dem Urlaub

zu haben besteht nicht vor der Reise, die Möglichkeit wird aber ergriffen,

wenn sie da ist.

III. „veterans“: Die Reise wird mit der expliziten Absicht angetreten,

unkomplizierten Sex zu haben, auch mit verschiedenen Partnern (also

nicht im Rahmen einer Beziehung).

IV. „returnee“: Die Touristin kommt zurück, um die Verbindung mit dem zuvor

getroffenen Mann weiterzuführen. Die Touristin hat ihrer Definition nach

Sex in einer bestehenden Beziehung.

Die getroffene Definition schliesst somit in Bezug auf Bezness nur Gruppe I und

IV ein.

Dabei ist Gruppe I jene, die schon während dem ersten Urlaub, in dem sie den

Mann kennen lernt, Sex mit ihm hat. Oft kann es sich dabei aus ihrer Sicht noch

um einen unverbindlichen Urlaubsflirt handeln, weil zu diesem Zeitpunkt eine

Zukunft der Beziehung noch unrealistisch scheint. Meist beinhaltet diese aber

schon die von HEROLD angeführte romantische Komponente

und es besteht der Wunsch oder die Annahme, dass die Verbindung etwas Besonderes ist und

über den Zeitrahmen des Urlaubs hinausgehen wird.

Gruppe IV beinhaltet jene Frauen, die zurück reisen, um die Verbindung mir dem

zuvor kennen gelernten Mann weiterzuführen.

Noch widersprechen sich die wissenschaftlichen Ergebnisse, ob in diesen Fällen

die Sexualität nur zur Befriedigung der Männer dient oder ob auch die Frauen

davon profitieren. JEFFREYS und SANCHEZ TAYLOR argumentieren dabei

In this case, the ‚[female] tourist’ is servicing the local man rather that the

other way round. (…) This sexual practice is not one meant for women’s

sexual satisfaction but for that of men.

The local man is assumed to be necessarily getting some benefit beyond

the economic simply because he is a man getting to have sex with a

woman. Likewise, it is assumed that the female tourist must be exploited

in some way, simply because she is a woman giving a man sexual access

to her body.

BELLIVEAU hingegen schätzt die Situation anders ein:

For a tourist woman and a foreign man find themselves in bed together to

meet many needs that are reciprocal and mutually beneficial.

6.8. Kontrolle

Befrage Frauen und Männer haben das Motiv Kontrolle beide als grundsätzlich

wenig bis gar nicht wichtig beurteilt. Dennoch soll hier kurz darauf eingegangen

werden, da die Fachliteratur diesen Aspekt als wichtig einschätzt.

Die wirtschaftlichen Privilegien der Frauen, die ihr eine gewisse Kontrolle

innerhalb der Beziehung ermöglichen, die sie sonst in ihrem Heimatland nicht

hätten, bergen ein hohes Konfliktpotential innerhalb der Verbindung.

Je nach Ausgangslage kann sie diese Kontrolle nutzen oder sie kann ihr zum

Verhängnis werden, gleichzeitig ist aber eine auf Kontrolle und Manipulation

aufgebaute Verbindung meist nicht sehr gesund für beide Seiten.

Zu Beginn verfügt die Frau über die ökonomische Macht und die Kontrolle liegt in

ihren Händen. Sie bestimmt, wann sie kommt und wann sie geht. Sie hat ihre

eigene Unterkunft, wo sie sich auch zurückziehen kann.

Meist ändert sich aber das Machtverhältnis, wenn sie zurückkehrt und mit ihrem

Partner wohnt: Sie spricht weder die Sprache noch ist sie gesellschaftlich oder

kulturell integriert. Er ist ihr einziger Zugang. Nach Möglichkeit wird er diese

Kontrolle auch beibehalten wollen, indem er sein Netzwerk benutzt und somit

jederzeit weiss, wo sie sich aufhält und mit wem sie ihre Zeit verbringt.

Wieder eine andere Situation besteht, wenn der Ägypter in das Heimatland der

Frau reist. Hier ist er vorerst wirtschaftlich von der Frau abhängig, spricht die

Sprache nicht, ist ausserhalb seines gewohnten Umfeldes und hat sehr oft

Schwierigkeiten, eine Arbeit zu finden. Oftmals entstehen aus diesen Situationen

schwerwiegende Konflikte, da seine gewohnten, identitätsstiftenden Funktionen

keine Bedeutung haben.

Insgesamt beurteilt die Fachliteratur, hier SANCHEZ TAYLOR und KEMPADOO,

das Motiv der Kontrolle und Macht als wichtig:

…they could command the sexual attentions of black men, white men no

longer had the power to control or reject them sexually.

Among woman tourists, an experimentation with being able to control

men, while retaining a sexualized femininity, appears to have taken

place.

Wahrscheinlich wurde das Motiv Kontrolle von den befragten Frauen als nicht

wichtig eingestuft, weil Kontrolle nicht Bestandteil ihrer Wertvorstellung innerhalb

der Beziehung ist, von der sie bei Bezness ausgehen.

Auch den Wertvorstellungen der Männer liegt Kontrolle durch eine Frau fern, dies

könnte eine mögliche Erklärung sein, wieso die Mehrheit dieses Motiv als gar

nicht wichtig eingestuft hat.

6.9. Funktion des „cultural broker“

DAHLES definiert „cultural broker“ als

Somebody who will provide (…) access to the local culture.

Auf die Frage, ob ein Motiv für das Verhalten der Frau sein kann, dass der

ägyptische Mann ihr einen Einblick in seine Kultur verschaffen kann, haben fast

50% der befragten Frauen geantwortet, dass es ein ziemlich bis sehr wichtiges

Motiv der Frauen sei. Die Männer beurteilen das Motiv insgesamt als etwas

weniger wichtig.

GOETHE beschreibt diese Funktion der Männer wie folgt:

Sie [die Frauen] versprechen sich von dem intensiven Kontakt eine Art

bereichernde Reiseerfahrung. Dabei ist der einheimische Mann (…) die

persönliche Verbindung zur anderen Kultur. Als Türöffner und

Kulturvermittler erleichtert er der Frau Erfahrungen innerhalb der anderen

Gesellschaft. Das fremde Land und der fremde Mann bieten die

Möglichkeit, sich selber neu und anders zu erleben.

Durch diese Funktion werden der Frau nicht nur Erlebnisse und Einblicke

ermöglicht, die sie sonst nicht hätte, sondern dienen der Frau auch als eine

Möglichkeit, sich selber neu zu definieren. In Anlehnung an das Vier-Kulturen-

Schema von THIEM bleibt die Frage allerdings offen, ob sie sich dabei nicht

nur im Bereich der Dienstleistungskultur bewegt und ihr die Einsicht in die Kultur

der Bereisten verwehrt bleibt.

Die Tatsache, dass sie sich in Hurghada selber in einer künstlich erschaffenen

Welt befindet, fernab der ägyptischen Kultur, spricht eher dafür, dass sie kaum

die Möglichkeit haben wird, die ursprüngliche Kultur wirklich kennen zu lernen.

Insbesondere könnte dies für den Beznesser ja bedeuten, dass ihre Illusionen

zerstört werden. Auch die Familie wird in dieser Hinsicht gerne integriert, da der

Besuch und die vermeintliche Akzeptanz der Familie die Frau oft im Glauben

bestärken, dass sie etwas ganz besonderes ist.

Kennt man die Vorstellung einer Beziehung, der Bedeutung der Familie und der

Religion, wird aber klar, dass eine Touristin sicherlich nicht den

Wunschvorstellungen einer Schwiegertochter entspricht.

6.10. Liebe

Liebe ist für die grosse Mehrheit der Frauen ein sehr bis ziemlich wichtiges Motiv

für ihr Verhalten. Dagegen beurteilen Männer Liebe als ein weniger bis gar nicht

wichtiges Motiv der Frauen. Dies kann einerseits dadurch erklärt werden, dass

Männer gar keinen Zugang zum Konzept Liebe haben.

Andererseits gehen die Männer aber offenbar davon aus, dass die Frauen diese

Verbindungen nicht aus emotionellen, sondern sexuellen Gründen eingehen.

Diese Erkenntnisse werden gestützt von der Tatsache, dass die Befragten die

beiden Fragen zur Sexualität und Liebe mit praktisch umgekehrten Vorzeichen

beantwortet haben (Vergleich dazu Abb. 3 und Abb. 4).

Den Frauen liegt somit eine ganz andere Wertvorstellung zugrunde. Meyers

Lexikon definiert Liebe folgendermassen:

Liebe, die mit der menschlichen Existenz gegebene Fähigkeit, eine

intensive gefühlsmäßige, zumindest der Vorstellung nach auf Vertrauen

und Dauer angelegte und entsprechend positiv erlebte Beziehung zu

einem anderen Menschen zu entwickeln.

Liebe ist in der Wertvorstellung der Frau entscheidend, um eine Beziehung

einzugehen, dem Ägypter ist dieses Konzept aber fremd.

Insgesamt können die Motive der Frauen so zusammengefasst werden, dass sie

dem „normalen“ Verhalten innerhalb einer Beziehung nach „westlichen“

Vorstellungen entsprechen.

7. Konflikte

Wie während der Arbeit nun schon verschiedene Male erwähnt, führen das

unterschiedliche Verständnis von Beziehung, aber auch die unterschiedlichen

sozialen, gesellschaftlichen, religiösen und persönlichen Hintergründe und

Motive zu Konflikten. Dazu kommen die grossen kulturellen Unterschiede, die

den Lebensweisen der Beteiligten zugrunde liegen.

Auch im Interview mit dem Imam der Moschee in Bern, der binationale Paare im

Falle von Konflikten berät, wurde klar, dass Konflikte vor allem dann entstehen,

wenn grundlegend unterschiedliche Ansichten in oben genannten Bereichen

herrschen. Kommunikation kann diese grundlegenden Unterschiede meist nur

bedingt überbrücken.

In welchen Bereichen dieses Konfliktpotential liegt, soll im diesem Kapitel noch

genauer dargelegt werden. Zu beachten ist, dass hier stereotype Ansätze auf

beiden Seiten gewählt werden mussten, um das Konfliktpotential zu erfassen.

7.1. Kommunikation

Sehr oft entstehen Konflikte schon nur, weil die Basis einer gemeinsamen

Sprache fehlt. Zwar sind die meisten Beznesser äusserst sprachgewandt,

dennoch sprechen beispielsweise sehr wenige Frauen arabisch. Meist reichen

die Sprachkenntnisse bei tief greifenden Differenzen auch nicht aus, um

sprachlich genügend Kommunizieren zu können. Weiter kann Kommunikation

auch nur dann eine Lösung oder Kompromiss ermöglichen, wenn man von einer

gewissen Vorstellung von Gleichberechtigung innerhalb einer Beziehung ausgeht

und Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten besteht.

Sprachliche Missverständnisse oder im eigenen Sprachgebrauch anders

interpretierbare Aussagen machen aber eine überdurchschnittliche Kommunikation

oft unverzichtbar. Fehlt diese, sind Konflikte oft unausweichlich.

7.2. Anderes Verständnis von Beziehung

Grundsätzlich beurteilen BELLIVEAU oder auch DE ALBUQUERQUE

eine Verbindung von Touristin und Bereistem als nutzbringend für beide Seiten:

For a tourist woman and a foreign man find themselves in bed together to

meet many needs that are reciprocal and mutually beneficial. (…) They

exchange what they have for what they lack: her material wealth and

sexual availability for his good looks, fine body, attention and of course

affection (real or feigned).

Dies kann aber nur der Fall sein, wenn sich beide Seiten über Motive und Ziele

einig sind. Wie schon aus der getroffenen Definition in Kapitel 1.1.2 ersichtlich

wird, ist dies bei Bezness nicht der Fall. Das in Kapitel 4.2.1 beschriebene

Verständnis für Beziehung der Männer unterscheidet sich sehr von Verständnis

einer Beziehung der Touristin.

Wichtige Bestandteile des Konzepts „Beziehung“ sind für die Frauen nebst der

emotionellen Beteiligung („Liebe“ ist ein wichtiger Bestandteil des europäischen

Sozialnetzes) auch die Vorstellung einer grundsätzlichen Gleichwertigkeit und

Gleichberechtigung der Partner.

Meyers Lexikon definiert den Begriff Partnerschaft nach hiesigem Verständnis

wie folgt:

Partnerschaft, Soziologie: Prinzip des vertrauensvollen Zusammenwirkens

zwischen Personen (…), die ihre Ziele nur gemeinsam unter gegenseitiger

Kompromissbereitschaft, auch unter Einsatz entsprechender (…) Konflikt-

und Kompromissregelung erreichen können.

In der arabischen, patriarchalisch aufgebauten Gesellschaft ist aber

Partnerschaft und Gleichberechtigung zwischen Partnern oder auch Liebe ein

unbekanntes Konzept.

Die Ehe im Islam und somit im arabischen Raum dient laut AKASHE-BÖHME zur

„Ordnung der geschlechtlichen Existenz. Sie ist die Trennlinie von erlaubter und

nicht erlaubter Sexualität.“

Diese Sexualität dient in erster Linie dazu, den

Fortbestand der Familie zu garantieren und männliche Stammhalter zu

generieren. Die Verantwortungsbereiche der Partner sind dabei klar festgelegt

und es herrscht Arbeitsteilung.

Nicht selten dienen Ehen auch zur Festigung

der Beziehungen zwischen zwei Familien. Somit sind Ehen eher als

wirtschaftlich/ strategische Partnerschaften konzipiert.

Durch ein grundsätzlich anderes Verständnis von Partnerschaft werden aber

auch andere Ziele verfolgt und Konflikte, hier vor allem bedingt durch kulturelle

Unterschiede, sind meist schwer zu vermeiden. Fehlt dann weiter die

Kompromissbereitschaft, was bei Bezness sehr oft der Fall ist, weil schon

grundsätzlich unterschiedliche Absichten verfolgt werden, werden diese noch

verstärkt.

Eine anonyme Autorin beschreibt es folgendermassen:

Werte bei vielen Touristinnen sind Gleichberechtigung, eine Beziehung,

die aus Nehmen UND Geben besteht, Verständnis, Füreinander da sein,

Zusammen durch Dick und Dünn gehen, manchmal auch beschützt

werden. (…) Er lernt, was er sagen sollte, um ihre Liebe zu erhalten; was

er heucheln solle, um ihre völlige Hingabe zu erreichen. Um sie zu

Kontrollieren. Die meisten Frauen verbinden tiefe Gespräche mit

Geborgenheit.

Indem der Beznesser vorgibt, diese Werte zu teilen, hat er eine Basis für ein

Handeln. Früher oder später wird er aber seine eigentliche Einstellung innerhalb

der Verbindung nicht mehr unterdrücken können und es kommt zu Konflikten.

7.3. Kulturelle Unterschiede

Auch das andere Selbstverständnis des Mannes, nämlich als der bestimmende

Part innerhalb einer Partnerschaft, führt zu Konflikten. Während sich die Frau als

gleichberechtigter Partner innerhalb der Beziehung sieht, ist es für den Mann ein

Teil seiner Identität, als Oberhaupt gesehen zu werden.

Gleichzeitig bedeutet dies im weitern Sinne für die Frau auch Konflikte im

Bereich Kleidung, Treffen mit (männlichen) Freunden, trinken von Alkohol, alleine

ausgehen usw. Immer wieder berichteten die Frauen in den Foren über

Unstimmigkeiten in diesen Bereichen. Dabei sind diese Handlungen für sie

normal, für den Mann allerdings tangieren sie den Ehrbegriff. Alleine im Café

sitzen, sich mit anderen Männern unterhalten und „freizügige“ Kleidung wird

somit für ihn zum Problem, während es für sie eine ganz normale Freiheit ist.

Auch religiöse Fragen haben grundsätzlich ein grosses Konfliktpotential. Eine

Christin, die einen Moslem heiratet, muss nicht zwingend zum Islam

konvertieren. Viele Männer wünschen sich das aber offenbar. Es bleibt aber

fragwürdig, ob die Konversion Sinn macht, wenn man aus Liebe zum Partner die

Religion ändert. Auch stellt sich die Frage, inwiefern jemand, der sehr säkular

erzogen wurde, sich plötzlich mit relativ strengen, religiösen Vorschriften

identifizieren kann.

Oftmals sehr schwerwiegend werden die Konflikte im Falle von Kindern und

Unstimmigkeiten bei Erziehungsfragen.

Meist sind sich die Frauen auch nicht bewusst, dass sie in Ägypten nicht nur

einen Partner heiraten, sondern auch deren Familie. Diese Familie stellt sehr oft

auch „Forderungen“ und hat Wünsche, die erfüllt werden sollten.

Gleichzeitig trägt jeder Sohn eine wichtige Verantwortung, die ihn auch,

zumindest moralisch, verpflichtet, seine Familie zu unterstützten, wenn Bedarf

besteht, nicht zuletzt auch deshalb, weil er im Rahmen des Ehrbegriffes handeln

muss.

7.4. Ungewohntes Machtverhältnis

Wie schon in Kapitel 6.8 angeführt, besteht je nach Situation ein ungewöhnliches

Machtverhältnis innerhalb der Beziehung.

[Tourist woman are] having economic power over local men. But his

economic power does seam to be the only power they have and may not

necessarily trump the power that beach boys have over them as a result of

their superior position in their gender hierarchy.

Wie AKASHE-BÖHME beschreibt, wird das Rollenverhalten der Männer schon

sehr früh in ihrer Kindheit geprägt:

Entscheidend ist aber, dass der Mann in der Familie die letzten

Entscheidungen trifft und auch eine richterliche und exekutive Gewalt

ausübt, kurz, er herrscht über die Frauen, die Kinder und die jüngeren

Männer. In dieser Ordnung ist die Frau zum Gehorsam verpflichten und

hat eine dienende Rolle einzunehmen. (…) es diene die Schwester dem

Bruder. (…) die Unterordnung der Frau [kann] ihr selbst eine gewisse

Herrschaft verheiss[en], allerdings nur für den Bereich der häuslichen

Angelegenheiten, den Teil der Tätigkeiten, die ihr durch die

geschlechterspezifische Arbeitsteilung zufällt.

Während die ägyptische Frau auch in diesem System aufgewachsen ist, wird es

für eine westlich erzogene Frau schwierig bis unmöglich, sich mit einer solchen

Situation abzufinden.

Da gerade die finanzielle Unterstützung oft von ihrer Seite kommt, erwartet sie

ein Mitspracherecht und fordert gemeinsame Entscheidungen.

Er wiederum wird sich dadurch in seiner Freiheit eingeengt fühlen und nicht

nachvollziehen können, wieso er seine Entscheidungen plötzlich mit einer Frau

besprechen sollte.

7.5. Umgang mit Geld

Sehr oft führt auch das Thema Geld zu grossen Konflikten. In Vergleich verdient

eine Frau hier ein Vielfaches eines ägyptischen Mannes. Allerdings sind die

Lebenshaltungskosten hier auch viel höher und finanziellen Verpflichtungen nicht

nachzukommen, kann relativ schnell grosse Probleme mit sich bringen. Dass

Geld auch hier nicht endlos ist, ist für viele Beznesser nicht verständlich. Wer

Geld hat, unterstützt auch andere, insbesondere die Familie, und kann sich dafür

meist darauf verlassen, dass er in Notsituationen auch unterstützt wird. Schulden

werden meist im informellen Bereich und in kleineren Summen gemacht.

Betreibungen und Pfändungen gibt es in Ägypten kaum oder nur bei sehr hohen

Summen. Viele Frauen, die von Bezness betroffen sind, machen Schulden,

nehmen Kredite auf oder investieren all ihre Ersparnisse, um den Lebenswandel

der Beznesser zu finanzieren.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die unterschiedlichen kulturellen,

sozialen, gesellschaftlichen und religiösen Hintergründe der beiden Partner das

Konfliktpotential innerhalb der Verbindung intensivieren.

Abschliessend werden im letzten Kapitel einige Aspekte der Auswirkungen von

Bezness beleuchtet.

8. Auswirkungen

Insgesamt gibt es wahrscheinlich sehr viele direkte und indirekte Auswirkungen

von Bezness. Da aber keine wissenschaftlichen Untersuchungen bestehen, die

diese belegen, können hier nur Annahmen getroffen werden. In der Folge sollen

deshalb nur einige Punkte angesprochen werden.

8.1. Änderung der Gesellschaftsstruktur

Wie eine Studie von VIELHABER aus dem Jahre 1979 veranschaulicht, war es

damals praktisch unvorstellbar für traditionell lebende ägyptische Männer, eine

europäische Frau zu heiraten geschweige denn mit ihre in „wilder“ Ehe

zusammenzuleben.

In Hurghada trifft man heute auf sehr viele gemischte

Paare. Meist besteht ein grosser Altersunterschied. In Ägypten ist es sonst sehr

unüblich, dass eine ältere Frau einen jungen Mann heiratet, da Ziel der

Verbindung Kinder sind. Gleichzeitig leben diese Paare meist auf eine ganz

andere Weise zusammen, als es ein traditionell ägyptisches Paar tut.

Sicherlich ist Bezness nicht die einzige Ursache für die veränderte

Gesellschaftsstruktur in Hurghada. Vielmehr ist es die Tatsache, dass Männer

ihre Familie verlassen um in den massentouristischen Zentren ihr Glück zu

versuchen. Bezness ist dabei für die Männer eine Möglichkeit, ihren

Lebensunterhalt und der der Familie zu bestreiten.

Interessant wäre in dieser Hinsicht die Frage, inwiefern Bezness Auswirkungen

auf die ägyptischen Frauen hat. Die Frage stellt sich deshalb, weil ältere

Beznesser oft schon mit einer ägyptischen Frau verheiratet sind. Insgesamt

schon in einer untergeordneten Position, kann sie gegen eine finanzstarke

Nebenbuhlerin, die ihrem Mann mehr bieten kann, wenig ausrichten. Bei einer

von ihr angestrebten Scheidung riskiert sie, ihre Kinder zu verlieren. Inwiefern die

Position von ägyptische Frauen durch Bezness noch zusätzlich geschwächt wird

und ob sie darunter leiden, müsste aber noch detailliert abgeklärt werden.

8.2. Fundamentalismus

BELLIVEAU zitiert in ihrem Buch den Führer einer radikal islamischen

Gruppierung, der Anschläge gegen Touristen mit den negativen Auswirkungen

des Tourismus rechtfertigt.

„Tourism in its present form is an abomination“, claimed the leader of an

Egyptian Islamic group, justifying attacks against foreign visitors. “It is a

means by which prostitution and AIDS are spread by Jewish woman

tourists, and it is a source of all manner of depravities.”

Bezness wäre damit ein Grund für Fundamentalisten, auch Hurghada als Ziel

von Anschlägen zu wählen.

Beim Anschlag von 1997 in Luxor und den letzten Anschlagsserien im Sinai

haben aber sehr wahrscheinlich politische Motive zu den Anschlägen geführt.

Insbesondere die letzten Anschläge auf dem Sinai waren gegen Destinationen

und Hotels gerichtet, die von Israelis frequentiert wurden.

Viele Israelis machen auch heute noch in „ihrem“ Sinai Urlaub. Israel ist immer noch Feindbild,

deshalb auch die Erwähnung der jüdischen Touristin.

Nach Einschätzung von Experten galten die Anschläge in Ägypten nicht

europäischen Besuchern.

Trotz enormer Verstärkungen der Sicherheitsmassnahmen darf man leider auch in Hurghada

nicht davon ausgehen, dass ein Anschlag unmöglich ist.

8.3. Image von Hurghada

Bei der gemachten Umfrage wurde auch die Frage gestellt, inwiefern sich das

Image von Hurghada durch Bezness verändern würde.

Veränderung des Images

Die befragten Frauen beurteilten dabei den Schaden durch Bezness viel höher

ein als die befragten Männer. Bezness wird in den deutschen Medien in letzter

Zeit vermehrt thematisiert. Inzwischen ist Bezness gerade für alleinreisende

Frauen, die nicht belästigt werden wollen, ein Grund, bekannte Bezness-

Destinationen in Tunesien, Marokko, Ägypten oder der Türkei zu meiden.

Längerfristig könnte dies deshalb für die Destination Hurghada zu einem

ernsthaften Problem werden.

8.4. HIV

SANCHEZ TAYLOR weist in ihrem Artikel auf die Zunahme von HIV im

Zusammenhang mit der zunehmenden Mobilität und Reisetätigkeit hin.

Laut offiziellen Angaben beträgt die Verbreitung von Aids in Ägypten weniger als

0,1 % (2001).

Laut einem Artikel der Neuen Zürcher Zeitung von Januar

2005 wird offiziell von einer Zahl von nur 1500 infizierten Personen gesprochen,

andere Schätzungen sprechen allerdings von 12’000.

Insgesamt hat aber die Zahl der Neuinfektionen zwischen 2003 und 2005 um 28% zugenommen.

Laut Experten besteht das Problem darin, das Risikofaktoren wie ausser- oder

vorehelicher Sex, Drogenkonsum oder Homosexualität in Ägypten weitgehend

Tabuthemen sind. Kampagnen zu lancieren und zu informieren ist deshalb

schwierig.

Da sich gerade auch die junge Bevölkerung nicht im Klaren über die

Ansteckungsgefahr ist, werden Kondome immer noch zu wenig verwendet. Viele

gehen davon aus, dass der Islam und die Moral sie von der Krankheit schützen

würde.

Durch ungeschützten Verkehr mit wechselnden Partnerinnen kann demzufolge

auch HIV in Hurghada zu einem nicht zu unterschätzenden Problem werden.

8.5. Betroffene Frauen

Laut BELLIVEAU ist die Scheidungsrate bei binationalen Paaren in Deutschland

mehr als dreimal so hoch wie bei zwei deutschen Partnern.

Dies ist ein Indiz dafür, dass auch Verbindungen in Zusammenhang mit Bezness sehr oft

zerbrechen.

Sehr viele Frauen, die von Bezness betroffen sind, leiden oft lange unter den

Auswirkungen, insbesondere psychisch. Gewalt, Schulden und Unverständnis

des Umfelds verstärken die psychischen Probleme zusätzlich.

Laut SANCHEZ TAYLOR berichteten in ihren Befragungen einige Frauen über

körperliche Gewalt:

We interviewed a number of North American and European woman who

had migrated in order to marry or live with the local boyfriend they had

made on holiday and were now in extremely abusive relationships. They

state that when they have reported being raped, beaten or robbed by

boyfriends or husbands to the police, no action is taken to protect them.

Auch PRUITT und LAFONT erwähnen im Zusammenhang mit der Karibik

folgendes:

…his desire to be dominant in gender relations is intense. To maintain his

reputation and avoid the appearance that the woman controls him, the

Jamaican man without economic means continually seeks new ways to

exhibit his dominion over women.

BOWMAN führt dazu an, dass nicht nur Kränkungen, sondern auch (körperliche)

Gewalt in diesen Verbindungen Ausdruck des Gefühls des Mannes, unterlegen

zu sein, ist.

Nebst körperlicher Gewalt ist auch eine hohe Verschuldung ein viel genanntes

Problem der Frauen in den Foren.

In Anlehnung an die Berichte in den Foren wird vermutet, dass viele Frauen noch

jahrelang psychisch unter den Auswirkungen von Bezness leiden. Offenbar ist es

schwieriger, die mutwillige Manipulation zu verarbeiten als der Bruch einer

„normalen“ Beziehung. Leider gibt es aber dazu noch keine umfassenden

Forschungserkenntnisse und es können somit nur Vermutungen angestellt

werden.

8.6. Image der Touristinnen

Insgesamt leidet natürlich auch das Image der westlichen Touristinnen. Den

Frauen soll hier kein Vorwurf gemacht werden, da sie ja im Sinne von der

Definition von Bezness von einer Beziehung ausgehen. Dennoch schliessen die

Beznesser natürlich vom Verhalten der Frauen, die sie für ihre Zwecke gewinnen

konnten, auch auf das Verhalten von anderen Touristinnen.

Zusammenfassen kann gesagt werden, dass die Auswirkungen von Bezness

sowohl die Bereisten und deren Umfeld wie auch die Touristinnen selber

tangieren. Um im Falle von Hurghada noch genauere Aussagen zu machen,

fehlen aber im Moment wissenschaftliche Untersuchungen.

9. Fazit

Bezness wird es in Hurghada weiterhin geben.

Für die Beznesser sind dabei die ökonomischen Aussichten zu verlockend, um

darauf zu verzichten. Ohne Aussichten auf eine beruflich oder privat erfolgreiche

Zukunft, weit weg von seiner Familie und permanent den Wohlstand der

Touristen vor Augen, scheint es ihm nicht falsch, an diesem teilhaben zu wollen.

Zumal er durch sein anderes Verständnis für Beziehung davon ausgeht, der Frau

zu geben, was sie sucht und für sich zu nehmen, was er braucht.

Frauen wiederum erliegen durch ihre Urlaubsstimmung, dem Bedürfnis nach

Anerkennung und Geborgenheit immer wieder dem Charme der Beznesser.

Durch ihre anders geprägten Wertvorstellungen interpretiert sie die Verbindung

als Beziehung und unterstützt in diesem Sinne ihren Partner und dessen Familie

auch finanziell.

Die genauen Motive beider Seiten können dabei vielfältig sein. Grundsätzlich

unterscheiden sie sich aber dadurch, dass der Beznesser eine Verbesserung

seiner Lebenssituation anstrebt während die Touristin im Rahmen einer

Beziehung Liebe und Geborgenheit sucht. Dieser Unterschied und die Tatsache,

dass beide Partner von unterschiedlichen Kulturen geprägt sind, führen im

Folgenden zu Konflikten.

Mit der vorliegenden Arbeit konnten leider nur erste Erkenntnisse eingebracht

werden. Noch fehlen umfassendere wissenschaftliche Untersuchungen, um

genaue Aussagen über das Ausmass und Auswirkungen von Bezness in

Hurghada und anderen Destinationen zu machen.

Auch wenn Bezness in Hurghada in Zukunft weiterhin existieren wird, besteht die

Hoffnung, dass vermehrte Aufklärung über die unterschiedlichen Wertvorstellungen

dazu führt, dass Touristinnen Bezness-Verbindungen realistischer beurteilen

und sich der Problematik bewusst werden.

Bezness Ägypten: „To fish women“ (3)


Nachfolgend Teil 3 der Schriftliche Arbeit zur Erlangung des Diploms der Schweizerischen Tourismusfachschule STF, Plaine Bellevue, Postfach 80, 3960 Siders Bezness in Hurghada

Autorin Referent

Tschanz Kassem Franziska Anthamatten Hermann

Eingereicht am 15. Juni 2007

Schweizerische Tourismusfachschule Siders (VS)

Tschanz Kassem Franziska Bezness in Hurghada

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4. Bezness in Hurghada

4.1. Verlauf

Die Bezness-Geschichten in Hurghada laufen meist nach einem ähnlichen

Schema ab.

Die Frau fliegt nach Hurghada in den Urlaub, nicht selten zur Erholung nach einer

einschneidenden/ stressigen Situation (beispielsweise Arbeit, Trennung oder

Verlust). Manche Frauen machen aber auch Urlaub mit ihren Kindern und dem

Ehemann. In den meisten Fällen besteht absolut nicht die Absicht, sich sexuell

oder irgendwie anders mit einem einheimischen Mann einzulassen.

In Hurghada angekommen, lernt die Touristin einen Beznesser im Hotel, auf der

Strasse oder im Café kennen. Anders als die ägyptische Frau beantwortet die

Touristin eine Frage (z.B. „Your first time in Hurghada?“) aus reiner Höflichkeit

und gibt dem Beznesser damit die Chance, ein Gespräch zu beginnen. Zudem

wünscht sich die Touristin, mehr über das Land, in welchem sie Urlaub macht, zu

erfahren. Meist folgt auf ein oder mehrere belanglose Gespräche eine

schüchterne Einladung. Die Touristin ist fasziniert von seiner Art, sie als etwas

Besonderes zu sehen und ihr seine ganze Aufmerksamkeit zu schenken, und sagt

zu. RIGO führt an, dass diese Idealisierung der Frau bei vielen Touristinnen,

ihrem westlichen und romantischen Liebesbegriff entsprechend, falsche Illusionen

hervorruft.

Manche Touristinnen gehen mit ihrer Urlaubsbekanntschaft bis zum Äussersten,

bei anderen passiert vorerst gar nichts. Entscheidend ist aber, dass die

Verbindung nach dem Ende des Urlaubs nicht abbricht und sich der Kontakt

intensiviert. Unzählige Telefonate folgen und Stunden werden im Internetchat

verbracht, um sich besser kennen zu lernen.

Die seelische Verfassung, das Aussehen und Alter der Frau spielen dabei oft eine

entscheidende Rolle. Verzweiflung, (Existenz)Angst, Naivität, Trauer,

Zurückweisung anderer Männer und Minderwertigkeitskomplexe erleichtert ihm

das Bekunden von Werten wie Schutz, Bestätigung und Anerkennung, die für ihn

selber keine Bedeutung haben. Ihr aber vermitteln diese das Gefühl von

Selbstvertrauen, Geborgenheit und Liebe.

Oft ist der Altersunterschied relativ gross, er beispielsweise 19, sie über 60 Jahre

alt.

Dabei wird abgewogen, ob es besser ist, sich mit einer älteren Frau

einzulassen, weil diese finanziell meist besser gestellt und unabhängiger ist. Wie

man in Hurghada so schön sagt: „No money – no honey“. Jüngere Frauen sind

beliebt, wenn es um Sex geht und weil man sich mit ihnen lieber in der

Öffentlichkeit zeigt.

Die Touristin kehrt nach einiger Zeit wieder nach Hurghada zurück oder er reist in

das Heimatland der Frau. Die Touristin geht dabei davon aus, dass man sich

gemeinsame eine Zukunft aufbauen will.

Viele Frauen reisen dabei mehrere Male nach Hurghada, ohne zu wissen, dass

sie nicht die Einzigen sind. Wenn verschiedene Frauen gleichzeitig in Hurghada

sind, versteht es der Beznesser meist geschickt, sie voneinander zu verstecken.

Das ganze Umfeld weiss dabei meist Bescheid, sagt aber nichts. Viele Frauen

schlagen Warnungen auch in den Wind und leiden unter dem so genannten

„AMIGA-Syndrom“.

Die Frauen finanzieren oft den gesamten Aufenthalt,

inklusive Ausgaben für Anreise, Miete, Essen und Geschenke. Viele Frauen

schicken auch während ihrer Abwesenheit Geld, um der kranken Mutter eine

Operation zu ermöglichen, weil sie sonst stirbt oder um Schulden zu begleichen,

weil der Beznesser sonst angeblich ins Gefängnis wandern würde.

Oder sie kauft ein Haus, ein Auto oder finanziert sein eigenes Geschäft. Einige

Frauen geben die Existenz in ihrem Heimatland auf, um nach Hurghada

umzusiedeln, andere heiraten, um den Mann in ihr Heimatland nachkommen zu

lassen.

Tempo, Intensität und Ausmass unterscheiden sich dabei von Fall zu Fall.

Gemeinsam bleibt aber all diesen Geschichten, dass die Ziele und Absichten der

Touristin eine Beziehung nach ihren Vorstellungen ist, der Mann aber vor allem

seine Existenz sichern möchte.

Leider sind keine offiziellen Zahlen über Bezness in Hurghada verfügbar,

geschweige denn über andere nordafrikanische Destinationen.

Evelyne Kern schätzt die Lage in Tunesien folgendermassen ein:

„Allein aus Deutschland werden der Deutschen Botschaft in Tunis jährlich

etwa 1700 schwere Betrugsfälle [von Frauen] gemeldet. Die Dunkelziffer

liegt jedoch wesentlich höher, weil nicht jede Frau Anzeige erstattet.“

Es wurde versucht zu eruieren, ob die Besucherzahlen von weiblichen Gästen

über jenen von anderen Destinationen liegen, allerdings gibt es dazu leider keine

Zahlen (in bestehenden Erhebungen wird nicht nach Geschlecht unterschieden).

Weiter erschwert wurde die Recherche, da viele Frauen privat logieren –

insgesamt ist es nicht möglich, hier eine verlässliche Aussage über das Ausmass

von Bezness in Hurghada zu machen.

4.2. Die ägyptischen Beznesser

Der ägyptische Beznesser kann kaum charakterisiert werden. Es kann der

Besitzer eines grossen Reisebüros sein, der Sex will, es kann aber auch der

Angestellte eines Souvenirshops sein, der gerne einen eigenen Shop eröffnen

möchte oder der Kellner in einem Hotel, der davon träumt, in Europa zu arbeiten.

Motive, Ziele und Vorgehen hängen sehr stark davon ab, welches die persönliche

Situation des Mannes ist und was er in seiner Zukunft erreichen möchte. Mehr zu

den Motiven der Männer findet sich in Kapitel 5.

In Hurghada gibt es eine Art inoffizielle Gesellschaftshierarchie.

Zuoberst steht,

wer ein eigenes Geschäft oder Unternehmen hat. An zweiter Stelle stehen die

Angestellten des formellen Sektors, beispielsweise in einem Hotel. An dritter und

letzter Stelle stehen die Angestellten der Bazare (mit oft informellen

Anstellungsverhältnis). Kharti’s werden diese genannt und müssen die Touristen

von der Strasse fischen. Wer erfolgreich verkauft, hat Anspruch auf eine

Kommission.

Je tiefer also jemand in dieser Hierarchie steht, umso interessanter und wichtiger

ist für ihn auch der ökonomische Aspekt von Bezness.

4.2.1. Die Vorstellung einer Beziehung

In der Vorstellung der Ägypter gilt die Ehe als einzig rechtlich legale und

gesellschaftlich akzeptierte Verbindung zwischen Mann und Frau. Aussereheliche

Verbindungen gibt es zwar, sie entsprechen aber in keiner Weise geordneten

Verhältnissen.

POLLOK beschreibt die Vorstellung der Ehe folgendermassen:

Nach islamischem Recht stellt die Ehe einen zivilrechtlichen und von

ökonomischen Interessen ausgehenden Vertrag dar. Umarmungen, Küsse

und selbst das Händchenhalten fallenmit dem, was wir von erster

Verliebtheit an miteinander erleben, in der arabischen Gesellschaft aus

dem Rahmen des Normensystems. Darüber hinaus besteht überhaupt kein

Anspruch, Verliebte miteinander zu verehelichen, da sich die Gefühle

wirtschaftlichen Vorteilen unterordnen müssen. Liebe zwischen Eheleuten

drückt sich dementsprechend in Geschenken und nicht durch Zärtlichkeit

aus, da das Zusammenleben nicht auf gefühlvoller Zuwendung basiert und

anders als bei uns verstanden wird.

Freundschaft zwischen Mann und Frau gibt es nicht, wie SOOKHDEO anführt:

[Das Problem] ist, dass diese Art der geschlechterübergreifenden

Freundschaft in seiner Kultur überhaupt nicht existiert. Durch diesen

freundschaftlichen Umgang aber gibt sie ihm für ihn unmissverständliche

Signale, da er denken muss, sie wolle eine physische Beziehung und

ermutige ihn dazu.

Durch diese Ausführungen wird nun klar, inwiefern das Verständnis eines

ägyptischen Mannes für eine Beziehung sich total vom Verständnis einer

westlichen Frau unterscheidet. Auch wird klar, dass er wegen seines anderen

Verständnisses kaum Reue oder Gewissensbisse aufbringen wird, Bezness zu

betreiben. Auf die daraus entstehenden Konflikte wird nochmals näher in Kapitel

7.2 eingegangen.

Da es in Hurghada theoretisch illegal ist, unverheiratet zusammenzuleben, haben

sich die Orfi-Ehen etabliert. Dies ist ein Beispiel, inwiefern Bezness in Hurghada

zu einer Institutionalisierung geführt hat. Ägyptern ist es in Hurghada verboten,

sich auf der Strasse mit Touristinnen zu bewegen, als Konsequenz kann man

verhaftet werden. Durch diese halblegalen, bei einem Anwalt im Beisein von zwei

Zeugen angefertigten Orfi-Dokumente kann man sich auf der Strasse ungefährdet

bewegen und zusammen eine Wohnung mieten.

Dabei werden die Personalien beider Partner aufgenommen und der Vertrag wird

im Beisein der beiden Zeugen unterschrieben. Eine Kopie verbleibt dabei

normalerweise beim Anwalt, eine zweite verbleibt beim Paar. Anschliessend kann

der Vertrag im Familiengericht bei Bedarf beglaubigt werden und als Grundlage

für eine „echte“, aber nur in Ägypten anerkannte Heirat, dienen.

Allerdings können aufgrund eines Orfi-Dokuments seitens der Frau keinerlei

Forderung gestellt werden und Frauen wägen sich durch die „Heirat“ in falscher

Sicherheit. Der Mann kann ihr theoretisch die Ausreise aus dem Land verbieten.

Weiter kann Frau in ernsthafte Schwierigkeiten geraten, wenn sie mehrer solcher

Verträge unterschreibt (die Frau darf, im Gegensatz zum Mann, nur einmal

heiraten).

Viele Männer schliessen Orfi-Verträge mit mehreren Frauen oder benutzen immer

den gleichen Vertrag, auch wenn sie mit einer anderen Frau unterwegs sind.

Inzwischen kann man einen solchen Vertrag sogar schon in der Diskothek

anfertigen lassen, um jemanden, den man erst gerade kennen gelernt hat, mit

nach Hause zu nehmen.

Insgesamt sind diese Verträge sehr umstritten und

werden als Beweismittel im Falle eines Betruges nicht anerkannt.

Auch sind sie wie schon erwähnt nur halblegal, wenn man beispielsweise

zusammen ein Hotelzimmer buchen möchte oder aus Hurghada mit privatem Auto

„ausreisen“ will, ist der vom Gericht ausgestellte Ehevertrag nötig.

Nach offiziellen Angaben wird die Zahl dieser Orfi-Ehen in ganz Ägypten auf

700’000 geschätzt. Auch Orfi-Ehen zwischen Ägyptern und Ägypterinnen sind

keine Seltenheit mehr, meist weil man sich eine Heirat nicht leisten kann oder eine

zweite Ehefrau geheim halten will.

Sehr oft sind gerade ältere Beznesser schon mit einer ägyptischen Frau, mit der

er auch Kinder hat, verheiratet. Viele ägyptische Frauen tolerieren die

Verbindungen, meist haben sie auch gar keine andere Wahl. Eine Quelle

bezeichnet sogar die ägyptischen Ehefrauen als mögliche treibende Kraft für

Bezness, weil sie sich dadurch eine Verbesserung ihrer Lebensumstände

erhofft.

4.2.2. Ehrbegriff und Status

Wie schon erwähnt befinden sich die Männer in Hurghada meist ausserhalb ihres

gewohnten Umfeldes, da ihre Familien aus Oberägypten oder Kairo stammen.

Somit geniessen die Männer eine gewisse Anonymität und entfliehen der

Kontrolle der Familie. Gleichzeitig verlieren sie damit aber auch ein wichtiges

Merkmal ihrer Identität. In ihrem Dorf oder Viertel kennt jeder seine Familie und

alle wissen, welche gesellschaftliche Stellung diese einnimmt – die Rollen sind

fest verteilt. Familie und Ehre erfüllen somit eine identitätsstiftende Funktion.

Ehre ist eine spezifische Vorstellung, durch die gesellschaftliche

Verhältnisse geregelt werden. Es geht um den Rang und das

gesellschaftliche Ansehen einer Person, aber nicht der isolierten

Einzelperson, sondern der Person als Mitglied oder Repräsentant einer

Familie. (…) in traditionalen [arabischen] Gesellschaften ist die Stellung

des Einzelnen in der Gesellschaft durch seine Zugehörigkeit zu einer

bestimmen Familie gegeben. (…) Die Ehre ist deshalb ein Besitz, der stets

gefährdet ist. Die Familienmitglieder werden streng darüber wachen, dass

der Einzelne durch sein Auftreten in der Öffentlichkeit diesem kollektiven

Gut kein Schaden zufügt.

Da in Hurghada die meisten Männer aber ohne ihre Familie sind und ihnen somit

eine wichtige, auf tribalem Verständnis aufgebaute Identifikation fehlt, nimmt ein

anderes Attribut plötzliche eine wichtige Stellung ein: Status.

In (modernen) Gesellschaften, die durch innere Dynamik, also

Durchlässigkeit oder Umwälzung oder Abschaffung der Klassen- oder

Standesschranken definiert sind, ist die Stellung des Einzelnen eher etwas,

das er (durch Leistung) erwirbt, also ein Status.

Dies erklärt, wieso die Beznesser unbedingt zu Reichtum und Besitz kommen

wollen. Sie haben ihren Familienverbund verlassen und müssen sich nun

weitgehend anders identifizieren, auch um erfolgreich wieder zurückzukehren. Die

in Kapitel 3.4 beschriebene Netzwerkfunktion kann die Familie dabei nicht

vollständig ersetzen. Nur indem die oftmals jungen Männer einen gewissen Status

innerhalb eines anders strukturierten Gesellschaftssystems erwerben, können sie

auch nachhaltig zu ihrer Identität und zur Ehre der Familie beitragen.

Der Ehrbegriff nimmt aber weiterhin eine wichtige Rolle ein. Da Touristinnen dem

Ehrbegriff mit ihrem Verhalten und der Kleidung nicht gerecht werden, ist für die

Beznesser ihr Handeln gerechtfertigt.

4.3. Die europäischen Touristinnen

Ähnlich wie bei den ägyptischen Männern ist es kaum möglich, die Gruppe der

betroffenen Touristinnen zu beschreiben, da diese nicht homogen ist. Deshalb

können weder im Bezug auf Alter, Ausbildung noch Einkommen eine genaue

Aussage gemacht werden. Diese Erkenntnis wird auch von der gemachten

Umfrage gestützt.

Bei der Frage nach den Urlaubsbedürfnissen der Frauen ergab sich das folgende

Bild…

Für die befragten Frauen steht im Urlaub insbesondere das Bedürfnis nach

Erholung im Vordergrund. Dagegen steht aber Sex oder die

Suche nach einem Partner im Hintergrund. Wie HEROLD

feststellt, fährt die grosse Mehrheit der Frauen nicht mit der Absicht in den Urlaub, sich dort mit

einem einheimischen Mann einzulassen. Wenn dies dennoch geschieht, sehen

die Meisten diese Verbindung aber als romantisch und nicht sexuell.

Auch JEFFREYS führt dazu an:

“The woman tourists (…) do not recognize that the men are interested in

monetary reward and consider that they are being genuinely wooed for a

short-term romance or something more serious.”

Diese schon erwähnte Diskrepanz im Verständnis für die Verbindung führt zu

Konflikten. Insbesondere Frauen, die zum ersten Mal nach Hurghada reisen und

wenig über die Hintergründe wissen, beurteilen die Situation oft mit dem

Hintergrund ihrer eigenen Herkunft.

Offen und freundlich sein, besonders in Urlaub, ist selbstverständlich, wie auch

alleine in den Urlaub zu fahren. Ägyptische Männer beurteilen dieses Verhalten

aber mit ihren eigenen Werten und haben deshalb ein ganz anderes Bild der

Touristin.

Viele Frauen machen zudem die Erfahrung, dass sie sich nicht erklären können,

welches genau die Gründe für ihr Verhalten sind:

…, my behavior deviated so sharply from that at home that I shocked

myself. A completely new woman whom I’d never met (…), with no selfawareness

as to why. (…) So we know that a woman will behave differently

away from home, but we still wonder exactly why.

In den beiden folgenden Kapiteln werden nun die möglichen Motive der

Beznesser und Touristinnen diskutiert.

5. Motive der Männer

In diesem Kapitel werden die Resultate der Umfrage zu den Motiven der Männer

präsentiert. Zuerst wird jeweils die Beurteilung der befragten Frauen bzw.

Männer aufgezeigt, anschliessend werden diese mit Hilfe von bestehenden

Quellen interpretiert.

5.1. Langeweile

Frauen und Männer schätzen Langeweile nicht unbedingt als wichtiges Motiv von

Männern für Bezness ein. Somit ist Bezness weder ein Hobby noch ein

Zeitvertrieb, sondern hat andere Motive und Hintergründe.

5.2. Finanzielle Motive

Die Umfragen haben ergeben, dass 97% der Frauen glauben, dass finanzielle

Absichten ein sehr bis ziemlich wichtiges Motiv der Männer darstellen. Bei den

ägyptischen Männern sind es 89%, welche die finanziellen Motive als sehr bis

ziemlich wichtig einschätzen.

Wie schon erwähnt, ist das Einkommen vieler Ägypter sehr tief. Allerdings muss

man hier auch nach Erwerbstätigkeit unterscheiden.

Ein Angestellter in einem Bazar arbeitet normalerweise auf Kommissionsbasis,

diese beträgt zwischen 20 und 25% des Gewinnes. Einen durchschnittlichen

Verdienst anzugeben ist sehr schwierig, da dieser stark vom verkauften Gut, dem

erzielten Preis, den Käufern und der Saisonalität abhängt.

Ein einfacher Angestellter in einem Hotel in Hurghada verdient zwischen 30 und

100 EUR pro Monat, dazu kommen noch Einnahmen aus Trinkgeldern. Oft

werden diesen Angestellten Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung gestellt.

Da es sehr schwierig ist, von solch tiefen Gehältern zu leben, die Familie zu

unterstützen oder sich eine eigene Zukunft aufzubauen, suchen sich viele

Männer andere Einnahmequellen. DE ALBUQUERQUE führt dazu an:

For them this is simply another subsistence/survival strategy in a region

with perennially high rates of unemployment and underemployment.

Die direkte Frage nach Geld wird aber selten gestellt, da inzwischen viele Frauen

misstrauisch sind. Viel öfters wird ein Vorwand erfunden, wieso man dringend

Geld benötigt, meist unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, beispielsweise

dass ein Familienmitglied dringend operiert werden muss oder die Schwester

heiraten will. Aus Mitgefühl oder Mitleid unterstützen viele Frauen die

Beznesser. Oft bezahlt die Frau auch für Unterkunft und Essen sowie Eintritte oder Ausflüge,

alles Dinge, die er sich sonst kaum leisten könnte. SANCHEZ TAYLOR

beobachtete weiter das Folgende:

…, tourist women do not always realize how their local partners extract a

financial benefit from them. Beach boys [d.h.Beznesser] explained that the

trick is to take the woman to bars, shops and restaurants where friends

work, ensure that they are over-charged for goods, and then split the

reward with the friend.

In Hurghada beträgt der Anteil für den Beznesser nach einem erfolgreichen

Verkauf bis zu 50% Kommission. Wie schon in Kapitel 3.4 beschrieben ist dies

ein Grund, dass der Netzwerkfunktion eine wichtige Bedeutung zukommt. Da die

wenigsten Frauen Arabisch sprechen, kann auch ohne Probleme in ihrer

Anwesenheit verhandelt werden. Der Beznesser lässt die Frau gerne einen zu

hohen Preis bezahlen, weil sein Anteil sich dadurch vergrössert, lässt sie aber im

Glauben, dass er für sie einen sehr guten Preis ausgehandelt hat.

5.3. Besseres Leben

Frauen und Männer schätzen beide die Aussicht auf ein besseres Leben mit um

die 80% als sehr wichtiges Motiv für die Männer ein. Eine anonyme Autorin

schätzt das Verhalten der Männer folgendermassen ein:

Es geht ums Überleben, um den Traum ein gehobenes und sorgenfreies,

BESSERES Leben führen zu können, wie es alle Touristen bereits tun –

die Frauen selbst haben den Betrug in vielen Fällen sogar verdient – sei

es auf Grund ihrer Überheblichkeit, ihres Prahlens, dem Verlust jeglicher

Ehre… und ansonsten ist es egal – manchmal müssen Opfer gebracht

werden.

5.4. Sexualität

Die befragten Frauen und Männer stufen Sex je mit um die 70% als sehr

wichtiges Motiv für die Männer im Zusammenhang mit Bezness ein. Somit

stehen neben den ökonomischen Motiven auch sexuelle Motive sehr weit oben

auf der Rangliste.

Wie schon im Kapitel 4.2.1 beschrieben, ist es für einen Ägypter schwierig bis

unmöglich, sexuelle Erfahrungen mit Ägypterinnen ausserhalb einer Ehe zu

haben. Insbesondere jüngere Männer können aber eine Ägypterin erst heiraten,

wenn sie die dazu nötigen ökonomischen Voraussetzungen haben. Dabei muss

der Mann in Ägypten die Wohnung und das Gold für die Frau in die Ehe

einbringen und fähig sein, eine Familie zu ernähren.

Weiter fallen relativ hohe Kosten für das Hochzeitsfest selber an.

BOWMAN beschreibt in seinem Artikel die Situation von jungen Arabern in Israel

wie folgt:

Die Mädchen bringen die gesamte Ausstattung für den Haushalt mit. Diese Auslagen werden

von den Familien getragen, oft unterstützten deshalb die Brüder ihre Schwestern, damit sie

heiraten können.

…their sexual frustration [can be seen] as a result of traditions which

permit marriage only when a certain- advanced- age is reached and a

certain- seemingly inaccessible- prosperity is achieved.

BELLIVEAU argumentiert folgendermassen:

Islam’s strong proscriptions against extramarital sex and its required

chaperonage of unattached females give special incentive to single young

men (…) to seek out foreign tourists for sex.

Die Männer gehen dabei sehr oft davon aus, dass die Frauen auch wegen Sex

nach Hurghada reisen und sie ein Bedürfnis der Touristinnen befriedigen.

5.5. Interesse

Über 50% der Männer geben Interesse für die Touristinnen als Motiv an. Unklar

bleibt aber, inwiefern sie sich für die Touristin interessieren und ob es um die

Touristin als Persönlichkeit geht. Denkbar wäre auch, dass Interesse an ihrer

Kultur und Sprache besteht, um die für Bezness nötigen Kenntnisse zu

verfeinern oder Interesse wiederum nur an ihrer wirtschaftlichen Situation

herrscht.

Die befragten Frauen schätzen das Interesse des Beznessers an der Touristin

als viel weniger wichtiges Motiv ein. Die Wahrscheinlichkeit ist aber gross, dass

dieses Resultat auf die Erfahrungen der befragten Frauen zurückzuführen ist. Bei

Bezness interessieren sich die Männer ja nicht vordergründig für die

Persönlichkeit der Frau, sondern für ihren ökonomischen Hintergrund oder

Körper.

5.6. Bequemlichkeit

Auch dieses Motiv der Männer schätzen die befragten Frauen und Männer

wieder unterschiedlich ein. Vor allem die Männer schätzen Bequemlichkeit der

Beznesser als sehr bis ziemlich wichtiges Motiv ein. Die Frauen wiederum geben

mehrheitlich an, dass Bequemlichkeit ein weniger bis gar nicht wichtiges Motiv

ist. Insbesondere die Resultate der Frauen erstaunen hier, da angenommen wurde,

dass die Frauen das Motive Bequemlichkeit als wichtiger einstufen würden und

der Meinung wären, dass Männer Bezness betreiben, da sie zu bequem für

reguläre Arbeit wären.

5.7. Statusgewinn

Wie in Kapitel 4.2.2 schon angeführt, spielt Status in Hurghada eine wichtige,

identitätsstiftende Rolle. Deshalb erstaunt es wenig, dass Frauen und Männer

den Statusgewinn als sehr bis ziemlich wichtiges Motiv für Bezness beurteilen.

PRUITT und LAFONT bezeichnen es als „pressure to establish one’s maleness

through abilities to disperse cash“.

Anderen zeigen zu können, dass man Geld, ein Auto oder ein Haus hat und auch verschiedene Frauen haben kann, spielt eine wichtige Rolle.

Hinsichtlich der sexuellen Eroberungen (hier in Bezug auf die Karibik) führt

JEFFREYS die folgende Erkenntnis an:

Indeed researchers agree that because men gain superior masculine

status in Caribbean societies among their peers according to the number

of their sexual conquests, and white woman count for more points, beach

boys gain socially from sexual engagement with woman tourists.

Mehrere Frauen bedeuten mehr finanzielle Vorteile und somit einen besseren

Status.

5.8. Leichte Beute

Die grosse Mehrheit der befragten Frauen und Männer stufen das Motiv der

Beznesser, dass Touristinnen leicht zu erobern sind, mit sehr bis ziemlich wichtig

ein.

Wie bereits angesprochen, signalisieren die Touristinnen dem Beznesser auf

Grund seines Verständnisses und seiner Beurteilungsgrundlagen, dass sie bereit

für ein Abenteuer sind. Die leichte, knappe Bekleidung, für die Frauen im Urlaub

und der Sonne angebracht, hat für die Männer eine ganz andere Bedeutung.

Auch der Blick in die Augen bei einer Unterhaltung, die Bereitschaft, auf eine

Unterhaltung einzugehen, auf der Strasse stehen zu bleiben oder eine Einladung

anzunehmen, interpretiert der Beznesser als (sexuelle) Bereitschaft.

Eine Verabredung mit einer traditionellen Ägypterin in einem Cafe vor der Heirat

ist schwer vorstellbar. Schon alleine die Tatsache, dass Frauen alleine in den

Urlaub fahren, erweckt bei Ägyptern den Eindruck, dass sie nur gekommen sind,

um (sexuell) erobert zu werden.

„Auf Grund ihrer offensichtlichen Wertlosigkeit [die sie mit ihrem Verhalten

signalisieren] ist es kein Verbrechen, sie zu benutzen“, rechtfertigen Beznesser

ihr Verhalten.

5.9. Zukunftsperspektive

Das Motiv, dass der Mann so handelt, weil er keine Zukunftsperspektive hat,

wurde von der Mehrheit der befragten Frauen und Männer mit sehr bis ziemlich

wichtig beurteilt.

Auch wer sich eine sehr gute Ausbildung leisten kann, hat meist keine Aussicht

auf eine Arbeit mit einem regelmässigen Einkommen. Die Arbeitslosenquote in

Ägypten wird offiziell mit 10.3% (2006) angegeben. Viele Angestellte (gerade

im Staatsdienst) leben von einem Lohn, mit welchem sie Frau und Kinder nicht

ernähren können. Mit Arbeiten im informellen Sektor wird oft versucht, weitere

Einnahmen zu generieren. Eine soziale Absicherung vom Staat gibt es nicht,

meist unterstützt man sich innerhalb der Familie. So erstaunt es wenig, dass

20% der ägyptischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben.

5.10. Heirat

Wie schon in Kapitel 5.4 beschrieben, fallen für einen ägyptischen Mann im Falle

einer Heirat mit einer Ägypterin erhebliche Kosten an.

Schon bei der Definition von Bezness durch die befragten Frauen ist aus Abb. 1

ersichtlich, dass Heirat als wichtiges Kriterium für Bezness bezeichnet wird.

Insgesamt kann der Beznesser dadurch verschiedene andere Ziele erreichen.

Mit der Orfi-Heirat kann er mit der Touristin zusammen sein und ihr das Gefühl

von Sicherheit vermitteln. Dadurch wird sie umso mehr bereit sein, in die

gemeinsame Zukunft zu investieren.

Gleichzeitig muss man sich bewusst sein, dass trotz der Kosten längerfristig für

viele Beznesser und insbesondere deren Familie, nur eine Ägypterin als Frau

und Mutter in Frage kommt. Viele, insbesondere ältere Beznesser sind zudem,

ohne dass es die europäischen Frauen wissen, sowieso schon verheiratet und

geben die Ehefrau gar als Cousine oder Schwester aus.

Mit einer Ehe auf der Botschaft und der anschliessenden Ausstellung der

Aufenthaltsbewilligung kann er in das Heimatland der Frau reisen, welches

Reichtum und Erfolg verspricht.

Meist stellt sich das Leben dort allerdings in der Realität als nicht so

verheissungsvoll dar wie es erwartet wurde. Sprach- und

Integrationsschwierigkeiten und die Schwierigkeit, eine passende Arbeit zu

finden, belasten viele Ehen auf Dauer sehr stark, zumal die Frauen in ihrem

eigenen Heimatland den finanziellen Forderungen bald nicht mehr gewachsen

sind.

Zwar würden viele Beznesser in Hurghada Europa gerne besuchen, aber gerade

ältere Männer, die auch Verpflichtungen gegenüber der ägyptischen Familie

(Kinder, Frau oder Eltern) haben, wollen gar nicht unbedingt für eine längere

Zeitdauer in Europa bleiben. Für diese bleibt vor allem die Existenzsicherung in

Ägypten selber ein wichtiges Ziel.

Insgesamt können die Motive der männlichen Beznesser so zusammengefasst

werden, dass sie die Reaktion auf sexuelle Unterdrückung, Existenzängste und

aussichtslose Zukunftsperspektive sind.

Bezness Ägypten: „To fish women“ (2)


Nachfolgend Teil 2 der

Schriftliche Arbeit zur Erlangung des Diploms der Schweizerischen Tourismusfachschule STF, Plaine Bellevue, Postfach 80, 3960 Siders Bezness in Hurghada

Autorin Referent

Tschanz Kassem Franziska Anthamatten Hermann

Eingereicht am 15. Juni 2007

Schweizerische Tourismusfachschule Siders (VS)

Tschanz Kassem Franziska Bezness in Hurghada

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1. Einleitung

1.1. Das Phänomen Bezness

1.1.1. Definition nach Wikipedia

Bezness wird bei Wikipedia im Bezug auf Nordafrika wie folgt definiert:

Der Begriff Bezness ist nicht wörtlich übersetzbar, leitet sich jedoch von

dem englischen Wort Business (dt. „Geschäft“) [und dem deutschen Wort

Beziehung] ab und bezeichnet im weitesten Sinne „das Geschäft mit

(europäischen) Frauen“. (…)

Die primären Ziele von Bezness [für die Männer] sind eine sexuelle

Beziehung zu den Touristinnen, Geld, sowie eine mögliche

Aufenthaltsberechtigung im Heimatland der Frau durch eine eventuelle

Ehe.

1.1.2. Definition für die Arbeit

Der Begriff Bezness stammt aus Nordafrika (ursprünglich aus Tunesien), wird

aber durch die Berichterstattung in deutschen Medien auch hier immer mehr ein

Begriff. Das Phänomen Bezness kann man nicht nur in Nordafrika beobachten,

sondern in vielen touristischen Destinationen in der ganzen Welt.

Wissenschaftliche Untersuchungen dieses Phänomens gibt es vor allem für die

Karibik. In der wissenschaftlichen Fachliteratur wird dabei meist der Begriff

Romanzen- oder Sextourismus verwendet.

In Ägypten wird der Begriff „Bezness“ nicht verwendet und auch nicht

verstanden, meist wird die Tätigkeit mit „to fish women“ umschrieben.

Im Folgenden wird im Rahmen dieser Arbeit trotzdem nur der Begriff „Bezness“

verwendet, da dieser Begriff angebrachter als Romanzen- oder Sextourismus

erscheint, um das Phänomen in Hurghada zu beschreiben.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bezness (22. Mai 2007). Über die Neutralität des Beitrages wird

noch diskutiert, allerdings weniger im Bezug auf die Definition.

Siehe auch Kapitel 1.3

Quelle: eigene Beobachtung. Dies erklärt im Übrigen auch die Abbildung auf dem Deckblatt.

Tschanz Kassem Franziska Bezness in Hurghada

In der Definition von Wikipedia fehlen allerdings Absichten, Ziele und Motive der

Frauen gänzlich. Um diesen Aspekt zu ergänzen, wird im Folgenden „Bezness“

für diese Arbeit definiert als Phänomen, bei dem die Touristinnen von einer Beziehung/ Partnerschaft

nach westlichem Verständnis ausgehen, während den Männern die

Verbindung als Lebensunterhalt oder zum Vergnügen dient.

Binationale Beziehungen, die den oben genannten Kriterien nicht entsprechen,

werden also in dieser Arbeit NICHT angesprochen. Auch reiner Sextourismus

oder Urlaubsflirts von Touristinnen werden NICHT untersucht, da diese nicht

Bezness entsprechen (Aspekt der Beziehung fehlt).

Durch die Definition wird auch klar, welches das grundsätzliche Problem von

Bezness ist – nämlich dass beide Partner nicht die gleichen Vorstellungen,

Motive und Ziele innerhalb der Verbindung haben.

Wird im Folgenden von „Frau“ oder „sie“ in diesem Sinne gesprochen, wird damit

die europäische Touristin gemeint. Wird dagegen vom „Mann“ oder „ihm“

gesprochen, ist darunter der ägyptische Beznesser zu verstehen.

Beweggründe und Motive sind immer auch abhängig von sehr vielen Faktoren.

Verallgemeinerungen konnten nicht verhindert werden, da der Rahmen der

Arbeit sonst gesprengt worden wäre, zumal keine wissenschaftliche Erkenntnisse

zu der Situation in Hurghada vorliegen.

1.1.3. Kriterien zur Definition anhand der Umfrage

In den Umfragen wurde den teilnehmenden Frauen auch die Frage gestellt,

anhand welcher Kriterien sie Bezness definieren würden. Alle abgefragten

Kriterien sind möglicher Bestandteil von Bezness und es sollte geprüft werden,

inwiefern die Gewichtung dieser Kriterien variiert.

Siehe vorangehendes Kapitel

Siehe Kapitel 1.2.2

Kriterien zur Definition von Bezness

Geldforderungen Andere

Beziehungen

Unehrlichkeit Vorteil durch

Heirat

Forderung von

Geschenken

Altersunterschied

Vor allem die Kriterien, ob Geldforderungen gestellt werden, ob der Beznesser

gleichzeitig noch Beziehungen mit anderen Frauen hat und dass er eine

europäische Frau nur zu seinem Vorteil heiraten will, wurde von einem grossen

Teil der Frauen als zutreffendes Kriterium für Bezness erachtet.

Hinsichtlich der Höhe der Beträge bei Geldforderungen wurden verschiedene

Angaben gemach, meist wurde das Kriterium als erfüllt erachtet, wenn der Betrag

100 EUR überstieg.

Bei der Frage nach anderen Beziehungen wurde angeführt, dass dieses Kriterium

alleine nicht ausreiche, um Bezness zu definieren. Wenn der Mann aber mehrere

Beziehungen gleichzeitig unterhält um seinen Gewinn zu maximieren, ist dies oft

ein wichtiger Bestandteil von Bezness.

Besonders die Absicht auf Heirat, um damit eine Aufenthaltsmöglichkeit im

Heimatland der Frau zu erhalten, definieren 94% der Frauen als Kriterium für

Bezness.

Da direkte Geldforderungen gerne vermieden werden um das Misstrauen der Frau

nicht zu wecken, wird oft nach (teuren) Geschenken, wie beispielsweise Handys,

Kleider, Parfums oder Autos gefragt.

Beim Altersunterschied wurde immer wieder die Überlegung angeführt, dass ein

arabischer Mann normalerweise nie eine ältere Frau heiraten würde. Meist wurde

ein Altersunterschied von zehn Jahren angegeben, wobei die Frau älter ist als der

Mann, damit das Kriterium erfüllt ist.

Bei weiteren Kriterien wurde mehrmals angegeben, dass Gefühle vom Beznesser

nur vorgetäuscht werden, um sein Ziel zu erreichen, sowie gezielte Manipulation

der Frau.

Zum Vergleich: Ein einfacher Hotelangestellter verdient in Hurghada ohne Trinkgelder im Monat

zwischen 30 und 100 EUR.

1.2. Methodik

1.2.1. Auswertung der Fachliteratur

Leider gibt es keine Untersuchungen oder Literatur zu Bezness in Hurhgada. Wie

schon erwähnt, kann das Phänomen aber in vielen touristischen Destinationen

beobachtet werden.

Die verfügbare Literatur setzt sich vor allem mit Sex- oder Romanzentourismus in

der Karibik auseinander. Einzelne Artikel befassen sich mit Tunesien, Ecuador,

Gambia und Indonesien. Diese liefern erste Erkenntnisse über das Vorgehen,

Motive und Hintergründe der Männer und Frauen.

Anhand dieser Informationen und Kriterien aus der Fachliteratur wurde die

Situation in Hurghada ausgewertet. Die Erkenntnisse aus bestehenden Studien

wurden, wo angebracht, mit den eigenen Beobachtungen und Erfahrungen

anderer in Hurghada verglichen und zur Untermauerung der Erkenntnisse aus den

Umfragen und Foren beigezogen.

1.2.2. Umfragen und Auswertung der Foren

Wie schon erwähnt wurden bisher im Zusammenhang mit Bezness und Hurghada

keine Untersuchungen durchgeführt. Um dennoch erste Anhaltspunkte zu haben,

wurden verschiedene Online-Umfragen gemacht. Dazu wurde ein Link zum

Fragebogen in verschieden Foren eingestellt:

I. Forum: http://www.1001geschichte.de

ist die Website der deutschen Autorin Evelyne Kern, die durch eine

Beziehung mit einem Tunesier selber Erfahrung mit Bezness machte. Sie

hat ihre Erfahrungen im Buch „Sand in der Seele“ verarbeitet und

daraufhin das Forum für betroffene Frauen eingerichtet.

Siehe Kapitel 1.3

Kern Evelyne, Sand in der Seele, Verlag Kern, 2007, 360 Seiten

Insgesamt haben an der Umfrage 88 Frauen teilgenommen, die in

Hurghada waren. Sie wurden unter Anderem zu möglichen Motiven von

Frauen und Männern und zur Definition von Kriterien von Bezness befragt.

Die Mehrheit der Frauen, die an der Umfrage teilgenommen haben, stammt

aus Deutschland (78%), je 7% stammen aus Österreich und der Schweiz.

Die Altersspanne umfasst 17-63 Jahre.

Nicht alle diese Frauen sind oder waren von Bezness betroffen, viele

Leserinnen der Website sind allerdings in irgendeiner Form involviert.

Die Betreiber des Forums akzeptieren keine Beiträge über funktionierende

binationale Beziehungen – insofern muss man sich bewusst sein, dass

sich das Forum AUSSCHLIESSLICH „dem Kampf gegen Bezness“ widmet.

Mögliche Erklärungen zum Verhalten der Männer werden nicht berücksichtigt.

Somit kann die Umfrage nicht als allgemein repräsentativ bezeichnet

werden, nur in Bezug auf das Forum.

II. Forum: http://www.dezy-house.ru

Der Fragebogen wurde weiter in das russische Forum „Dezy House“

eingestellt, welches Beschreibungen und Fotos von „Tätern“ veröffentlicht.

Durch diese weitere Umfrage sollte eruiert werden, ob es eine

unterschiedliche Haltung der deutschsprachigen/ westeuropäischen und

russischen/ osteuropäischen Frauen im Bezug auf Bezness gibt bzw ob

diese Frauen Bezness anders definieren.

Der Link zum englischsprachigen Fragebogen wurde aber nach kurzer Zeit

gelöscht und er konnte nur von drei Teilnehmerinnen ausgefüllt werden.

Somit ist es unmöglich, einen aussagekräftigen Vergleich zu machen. Im

Folgenden wurden diese drei Antworten deshalb vernachlässigt.

III. Forum: http://www.egyptsearch.com

Das Forum wird von Ägyptern und Ägypten-Fans genutzt. An der

englischsprachigen Umfrage haben neun ägyptische Männer

teilgenommen. Mit Ausnahme von einer Person stammen alle befragten

Männer aus Kairo. Der Ausbildungsgrad reicht von keiner abgeschlossenen

Ausbildung bis zum Master. Durch die tiefe Anzahl von Antworten kann

auch diese Umfrage als nicht repräsentativ bezeichnet werden.

Eine persönliche Befragung der Beznesser hat bewusst nicht

stattgefunden. Durch das Forum, die Literatur und persönliche Erfahrungen

kann aber doch ein breiter Überblick über mögliche Motive gegeben

werden. Insgesamt decken sich diese mit den Antworten aus der Umfrage.

Die Ergebnisse der Umfragen werden im Folgenden in die Arbeit einfliessen.

Auch die Diskussionen und Geschichten auf den Foren wurden verwendet, um die

Erkenntnisse auszuwerten und zu stützen.

Zeitraum der Befragung: 17. April 2007 – 18. Mai 2007

http://www.egyptsearch.com/forums/ultimatebb.cgi?ubb=get_topic;f=3;t=003053 (19. Mai 2007)

Die Rohdaten der Umfragen sind der Arbeit in Form einer CD beigelegt.

1.2.3. Interviews

Eine Interviewanfrage vom 12. April 2007 beim ägyptischen Fremdenverkehrsamt

in Bern wurde mit der Begründung abgelehnt, dass dies ein zu persönliches

Thema sei, um sich offiziell zu äussern.

Die ägyptische Botschaft in der Schweiz wie auch in Deutschland haben

Interviewanfragen per Mail nicht beantwortet.

Am 21. Mai 2007 wurde ein Interview mit dem Imam der Moschee Bern, Ahmed

Omar, durchgeführt.

Der Imam berät muslimische und binationale Paare im Falle

von Konflikten. Die Erkenntnisse aus dem Interview sind vor allem in das Kapitel 7

(Konflikte) eingeflossen.

1.2.4. Eigene Erfahrungen

Schliesslich sind auch eigene Beobachtungen und Erkenntnisse, gesammelt

während einem einjährigen Aufenthalt der Autorin in Ägypten, mit in die Arbeit

eingeflossen.

Der Fragekatalog befindet sich im Anhang IV. Dieser diente dabei nur als Stützte und die Fragen

wurden nicht chronologisch beantwortet. Deshalb wurde auf das Anfügen der gemachten Notizen

verzichtet.

1.3. Stand der Fachliteratur

Wie schon erwähnt, gibt es bisher erste wissenschaftliche Erkenntnisse zur

Situation in der Karibik. Insbesondere in Jamaika und der Dominikanischen

Republik wurden schon Studien und Befragungen mit Betroffenen durchgeführt.

Im Moment findet im wissenschaftlichen Diskurs eine Kontroverse statt.

Diese dreht sich um die Frage, ob im Hinblick auf die Karibik die Bezeichnung

„Romanzentourismus“ oder „Sextourismus“ angebrachter für das Verhalten der

Touristinnen ist.

Es würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, weiter auf diese Kontroverse

einzugehen, grundsätzlich geht es aber um die Diskussion, welche Motive die

Frauen haben (romantische Beziehung oder Sex) und die Frage, ob sich ihre

Motive von jenen der männlichen Sextouristen unterscheiden.

Auch die Frage, ob es sich bei diesem Phänomen um Prostitution handelt, soll

hier, anders als in der Fachliteratur, nicht weiter diskutiert werden.

Sicherlich spielen ökonomische Überlegungen der Männer eine wichtige Rolle, aus seiner

Sicht würde sich aber kein Beznesser als Prostituierter bezeichnen.

DAHLES

und BRAS argumentieren in ihrem Artikel, dass man solche Verbindungen weder

mit dem Konzept „Prostitution“ noch dem Konzept „Liebe“ treffend

charakterisieren kann.

Stand Februar 2007. Inzwischen sind die Resultate einer weiteren Studie zu Dahab (Ägypten)

erschienen. Leider konnten diese aber für die Arbeit nicht mehr berücksichtigt werden. Der

Vollständigkeit halber soll diese aber hier dennoch erwähnt werden. Abdalla, Mustafa – Beach

Politics: Gender and Sexuality in Dahab, The American University in Cairo Press (30. April 2007)

In dieser Arbeit wird grundsätzlich auf die Begriffe Romanzen- oder Sextourismus

verzichtet, da es um Bezness, mit der in Kapitel 1.1.2 getroffenen Definition, geht.

Dabei spielt der grundsätzliche Unterschied im Verständnis der Verbindung eine

so grosse Rolle, dass weder der Begriff „Liebesbeziehung“ noch „Prostitution“

(sexuelle Leistung gegen Bezahlung) das Phänomen als Ganzes erfassen

können.

Obwohl die bestehende Literatur diesen Aspekt oft ausser Acht lässt und sich nur

mit Sex- oder Romanzentourismus befasst, sind die bestehenden Erkenntnisse,

wo angebracht, in diese Arbeit eingeflossen. Sexualität oder finanzielle Interessen

sind wichtige Aspekte von Bezness, aber eben nicht die Einzigen.

Nebst der Literatur über die Karibik gibt es einzelne Artikel zu Gambia,

Indonesien, Ekuador, Israelund Tunesien, sowie ein Buch über

weiblichen Sextourismus, welches erst kürzlich erschienen ist.

Eine Übersicht der verwendeten Literatur befindet sich in der Bibliographie.

2. Zielsetzung

Vordringlichstes Ziel der Arbeit ist es, über das Phänomen Bezness in Hurghada

zu informieren. Dabei sollen Motive BEIDER Seiten näher beleuchtet werden, auf

das Konfliktpotential einer solchen Verbindung eingegangen und mögliche

Auswirkungen auf das Umfeld aufgezeigt werden.

Ziel der Kapitel 3 und 4 ist es darzustellen, inwiefern sich die Destination

Hurghada auf das Phänomen Bezness eingestellt hat und Infrastrukturen und

institutionelle Einrichtungen darauf abgestimmt wurden. Auch mögliche

Voraussetzungen, die Bezness in Hurghada begünstigen, sollen nicht ausser Acht

gelassen werden.

Dadurch, dass beiden Partnern ein ganz anderes Verständnis von Beziehung

zugrunde liegt, gibt es auch unterschiedliche Motive, Bedürfnisse und Ziele. Diese

sollen in den Kapiteln 5 und 6 näher beleuchtet werden. Das Handeln beider

Parteien soll in keiner Weise entschuldigt oder verurteilt werden, sondern es wird

auf die unterschiedliche Beurteilung durch andere kulturelle, gesellschaftliche und

persönliche Hintergründe eingegangen.

Durch diese unterschiedlichen Hintergründe entsteht ein grosses Konfliktpotential.

Ziel des Kapitels 7 ist es, auf dieses hinzuweisen. Kein Ziel der Arbeit ist, eine

Lösung für diese Konflikte zu finden. Kultur und Gesellschaft prägen Personen so

stark, dass es schwierig sein dürfte, Konflikte, die einer Bezness-Verbindung

zugrunde liegen für beide Seiten befriedigend zu lösen, zumal die Bereitschaft zur

Konfliktlösung wohl kaum vorhanden ist.

Abschliessendes Ziel des Kapitels 8 ist es, einige Aspekte der Auswirkungen von

Bezness auf die Bereisten, deren Umfeld, sowie auf die Touristinnen aufzuzeigen.

Grundsätzlich befasst sich die Arbeit nicht mit Touristinnen, die ausschliesslich

aus sexuellen Motiven reisen und auch nicht mit „normalen“ binationalen

Beziehungen.

3. Die Destination Hurghada

3.1. Die Rolle des Tourismus

Bis in die achtziger Jahre war Hurghada ein kleines Fischerdorf. Nach dem Bau

von einzelnen Hotelanlagen entwickelte sich der Ort während den neunziger

Jahren immer mehr zur massentouristischen Destination. Im Jahr 2004 wurden

über eine Million Touristenankünfte registriert, alleine in den ersten vier Monaten

des Jahres 2005 waren es schon über 700’000 Ankünfte.

Hurghada ist eine der beliebtesten Tauch- und Badeferiendestinationen Ägyptens.

Einheimische Kultur hat die Stadt (ausser einer Moschee) keine zu bieten. Dafür

werden den Touristen Ausflüge nach Kairo oder Luxor angeboten.

Der Tourismus nimmt in der ägyptischen Volkswirtschaft einen wichtigen

Stellenwert ein, nach Schätzungen produziert er über 20% des ägyptischen BIP.

Somit wird durch den Tourismus eine Vielzahl von Arbeitsplätzen geschaffen.

Alleine in den 136 momentan bestehenden Hotels in Hurghada mit einer

Bettenkapazität von 57’000 Betten arbeiten fast 30’000 Personen. An weiteren 33

Hotels wird im Moment noch gebaut.

Wegen seiner positiven wirtschaftlichen Effekte trägt der Tourismus auch zur Stabilisierung des politischen Systems bei.

Nach den Anschlägen in Luxor im September 1997 und dem dadurch

begründeten Ausbleiben von westeuropäischen Touristen wurde die Destination

verstärkt vom russischen und osteuropäischen Markt entdeckt…

Auch verschob sich durch den Anschlag das Gewicht vom Kulturtourismus in

Kairo und Oberägypten vermehrt in Richtung Bade- und Strandtourismus (vor

allem Rotes Meer/ Hurghada und Sinaihalbinsel/ Sharm el-Sheik).

Ein grosser Teil der touristischen Wertschöpfung verbleibt nunmehr in den

Händen der ausländischen Grosskonzerne, die in firmenintegrierte Ressorts an

den Küsten investierten. Durch diese Konzentration der Marktmacht verlieren die

einheimischen Leistungsträger immer mehr an Einfluss.

3.2. Entwicklung

Mit der Zunahme des Badetourismus wuchs die Bevölkerung Hurghadas

innerhalb von kürzester Zeit auf bis über 87’000 Einwohner.

Hinzu kommen etwa 140’000 Pendler, die unregelmässig in Hurghada direkt oder indirekt vom

Tourismus leben.

Die fast ausschliesslich männlichen Bewohner verlassen ihre

Familien, meist aus Kairo und Oberägypten, um in den Badedestinationen Arbeit

und Verdienst zu finden.

Schon in der Infrastruktur Hurghadas ist zu erkennen, dass die Stadt

explosionsartig wuchs und nicht die normalen ägyptischen

Gesellschaftsstrukturen aufweist. Wasser, welches aber nicht trinkbar ist, muss

grösstenteils mit Tanklastwagen aus dem 230 km entfernten Qena

herbeitransportiert werden. Zum Trinken und Kochen müssen abgefüllte

Wasserflaschen gekauft werden. Die Stadt ist in zwei Sphären geteilt – der

Bereich der Touristen ist relativ sauber, die Hotelanlagen modern, die

Zugangsstrassen betoniert. Der Bereich der Bevölkerung verfügt über keinerlei

Abwassersystem, die Abwassergruben der Häuser werden regelmässig

ausgepumpt. Eine Abfallentsorgung gibt es nicht, der Kehricht stapelt sich in den

ungeteerten Strassen.

Hurghada verfügt praktisch nur über möblierte Wohnungen oder Studios, die

meist von mehreren Männern geteilt werden. Geschäftszweige wie Wäschereien

und kleine Imbisse florieren, da keine Familien mit Frauen vorhanden sind, welche

sonst die Aufgaben innerhalb des Haushaltes übernehmen.

Weiter entstand eine Vielzahl von Internetkaffees, durch welche die

Kommunikation nach aussen sichergestellt werden kann. Oft kann man

Beznesser dort beobachten, wie sie mit verschiedenen Frauen gleichzeitig

chatten.

Obwohl die Lebensunterhaltskosten in Ägypten tiefer sind als in der Schweiz, sind

die Ausgaben für Miete, Lebensmittel und Kleider in Hurghada durch den

Tourismus enorm gestiegen. Allein die Miete für eine möblierte

Dreizimmerwohnung liegt im Moment bei etwa 1500 LE (ca. 320 CHF).

Bei einem durchschnittlichen Verdienst eines Hotelangestellten von 150 CHF pro

Monat müssen die Wohnungen meist von mehreren Männern geteilt werden.

Durch die Öffnung des russischen Marktes kam es zu einem signifikanten

Preiszerfall. Ein vier Sterne Haus in Hurghada verkauft ein Zimmer all-inclusive

heute für neun US-Dollar pro Tag und Person an die ägyptischen

Reiseveranstalter. Um im hart umkämpften, osteuropäischen Markt bestehen zu

können, werden die Zimmer zum gleichen Preis an die russischen

Reiseveranstalter weiterverkauft. Somit leben die ägyptischen Reiseveranstalter

meist vom direkten Verkauf von Ausflügen an Touristen, sowie den Einnahmen

aus Kommissionen von Verkäufen während diesen Ausflügen.

3.3. Angebotsstruktur

Die Destination ist ganz auf die Bedürfnisse der Touristen ausgerichtet, in der

Hauptverbindungsstrasse (Sheraton Road) reiht sich Souvenirshop an

Souvenirshop. Die weitere touristische Infrastruktur von Hurghada umfasst vor

allem Hotels, Restaurants und Einrichtungen weiterer touristischer

Leistungsträger.

Ägyptern ist der Zugang zu Hotels und deren Stränden

untersagt, in Discotheken wird ihnen meist nur mit weiblicher Begleitung Eintritt

gewährt.

Da der Markt für Souvenirs (nebst der Arbeit in einem Hotel oder als Reiseführer

ein wichtiger Erwerbszweig) einerseits total überschwemmt ist und andererseits

die finanzstarke Klientel fehlt (Abnahme der westeuropäischen Gäste), führte der

Konkurrenzkampf auch hier zu einem Zusammenbruch der Preise. BOWMAN

beschreibt in seinem Artikel die Situation in Jerusalem, die aber genauso auf die

Lage in Hurghada zutrifft:

The merchants of the tourist market, (…), strove to sell nearly identical

items – mementoes with little if any use value – o a transient population

which was only vaguely desirous of souvenirs. They neither sold the sorts

of good which ensured demand, provided the sort of specialization which

made one shop different from the next, nor could depend on a flow of

established customers (…). In consequence, the tourist suq [market] (…)

was, to a rather brutal degree, a buyer’s market.

3.4. Informeller Sektor

Durch die schwierige Ertragslage nimmt der informelle Sektor in Hurghada eine

wichtige Rolle ein.

Als informeller Sektor wird landläufig der Teil einer Volkswirtschaft

bezeichnet, der im Gegensatz zum formellen Sektor nicht durch

formalisierte Beschäftigungsverhältnisse geprägt ist und sich dadurch der

staatlichen Kontrolle oft entzieht.

Die Tätigkeit im informellen Sektor ermöglicht je nach Erfolg eine Neben- oder

Haupteinnahmequelle, da die Beschäftigung im formellen Sektor ein zu kleines

Einkommen generiert um den gewünschten Lebensstandard zu finanzieren.

Im informellen Bereich wird vor allem durch Vermittlungstätigkeiten versucht, eine

Kommission zu erwirtschaften, beispielsweise bei der Vermittlung einer Wohnung,

eines Ausfluges, eines Autokaufs oder bei Einkäufen. Da die Vermittlungstätigkeit

einen finanzstarken Investor voraussetzt, sind Touristinnen gerne gesehene

„Partner“.

Der informelle Sektor ist auch deshalb so wichtig, weil viele Männer gar nicht eine

ausreichende Bildung haben, um eine Arbeit im formellen Sektor zu finden.

PRUITT und LAFONT erwähnen (in Zusammenhang mit Jamaika) folgendes:

Yet, uneducated and unskilled young men living near the resort areas are

effectively cut off from formal jobs in the tourism industry. The prevalence

of romance tourism [d.h. Bezness] has meant that increasing numbers of

young men routinely view a relationship with a foreign woman as a

meaningful opportunity for them to capture (the love and) money they

desire.

In Hinblick auf Bezness kommt dem informellen Sektor eine besondere

Bedeutung zu, da die Reisen und Aufenthalte der Frauen oft privat organisiert

sind. Weiter besteht innerhalb des informellen Sektors eine Art Netzwerkfunktion,

indem man beispielsweise im Souvenirshop, in welchem der Cousin oder jemand

aus dem gleichen Dorf arbeitet, mit der Frau einkauft. Ressourcen verbleiben

innerhalb des Netzwerkes und man kann darauf zählen, dass sich der Cousin

oder Freund bei der nächsten Gelegenheit revanchiert. Somit wird auch der

maximale Nutzen des Multiplikatoreffekts sichergestellt. Dies ist auch eine

Erklärung dafür, dass kein Interesse an moralischen Überlegungen besteht,

immerhin profitiert auch das Netzwerk.

Eine Institutionalisierung dieser Strukturen wird weitgehend ausgeschlossen, auch

wenn es (bedingt verlässliche) Quellen gibt, die behaupten, dass in Hurghada

junge Männer von Mitarbeitern der Reiseveranstalter mittels Katalogen an

(russische) Frauen angeboten werden.

Um den informellen Sektor einzudämmen, durch welchen der Staat Geld verliert

und welcher den Aufenthalt von unerwünschten, informellen Arbeitern in

Hurghada ermöglichte, wurden im Herbst 2006 alle Ausflugsbüros ohne staatliche

Lizenz geschlossen. Diese verkauften den Touristen auf der Strasse Ausflüge, die

weit unter den offiziellen Preisen der Hotels und Touroperatoren lagen. Meist

wurden die Ausflüge von denselben Leistungsträgern durchgeführt, die

Touroperatoren verkaufen diese aber mit einer sehr hohen Gewinnspanne, da sie

eine wichtige Einnahmequelle darstellen.

Der über den informellen Sektor verkaufte Ausflug aber musste neben den anfallenden Kosten nur die

Kommission/ Gewinn des Vermittlers und Anbieters decken und war somit

günstiger. Mit der Schliessung dieser Ausflugsbüros verloren viele einen für sie

wichtigen Nebenverdienst.

Bezness Ägypten: „To fish women“ (1)


Aufgrund der großen Resonanz der Bezness-Artikel auf diesem Blog möchte ich in den nächsten Tagen in Auszügen eine Schweizer „Bezness-Studie“ veröffentlichen, eigentliche eine schriftliche Arbeit zur Erlangung des Diploms der Schweizerischen Tourismusfachschule STF, die bereits 2007 von der Autorin eingereicht worden ist.

Angesichts dessen, dass in Ägypten, wie auch in Tunesien, nach den Revolutionen die Wirtschaft am Boden liegt, genauso wie der Tourismus und dadurch die Einnahmequellen der Einheimischen (Männer) sehr beschränkt ist, die im Tourismusgewerbe arbeiten, hat diese „Studie“ nichts von ihrer Brisanz und Aktualität verloren.

Gerne können mir Ägypten- und Tunesien-Urlauberinnen ihre diesbezüglichen Erfahrungen mitteilen.

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Schriftliche Arbeit zur Erlangung des Diploms der Schweizerischen Tourismusfachschule STF, Plaine Bellevue, Postfach 80, 3960 Siders Bezness in Hurghada

Autorin Referent

Tschanz Kassem Franziska Anthamatten Hermann

Eingereicht am 15. Juni 2007

Schweizerische Tourismusfachschule Siders (VS)

Tschanz Kassem Franziska Bezness in Hurghada

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Zusammenfassung

Bezness, eine Mischung aus dem deutschen Wort „Beziehung“ und dem

englischen Begriff „business“, ist ein Phänomen, dem man nicht nur in Hurghada

begegnet, sondern in vielen touristischen Destinationen auf der ganzen Welt.

Touristinnen fahren in den Urlaub und verlieben sich in Kellner, Animateure, den

Reiseleiter oder Strassenhändler.

Während die Frauen von einer Beziehung nach ihren Vorstellungen ausgehen,

dient den Männern die Verbindung, oft mit mehreren Frauen gleichzeitig, als

Lebensunterhalt und Vergnügen.

Der Verdienst in der Touristendestination Hurghada ist im Vergleich zu den

Ausgaben der Touristen verschwindend klein, heiraten können Ägypter erst

dann, wenn sie einen gewissen Lebensstandart erreicht haben. Vorehelicher Sex

mit ägyptischen Frauen ist ein Tabu. Eine Arbeitsstelle, die Aussicht auf eine

Verbesserung der Situation verspricht, ist trotz guter Ausbildung schwierig zu

finden, um ein eigenes Business aufzubauen, fehlen die finanziellen Mittel.

Eine Touristin aber kann dies alles bieten: Sexualität ist für sie Teil einer

Beziehung, sie hat Geld, denn sie kann sich einen teuren Urlaub leisten und zu

verlockend ist die Aussicht auf eine Heirat, die den Aufenthalt in ihrem

Heimatland verspricht.

Frauen schätzen dabei, zumindest anfänglich, die ungeteilte Aufmerksamkeit und

Komplimente der Beznesser, die ihnen das Gefühl geben, etwas Besonderes zu

sein. Sie gehen davon aus, eine Partnerschaft nach ihren Wertvorstellungen

einzugehen und unterstützen ihren „Habibi“ deshalb auch gerne.

Die vorliegende Arbeit beleuchtet im Folgenden Beznesser und Touristin in

Hurghada näher und setzt sich mit ihren Motiven und Wertvorstellung

auseinander. Auch das Konfliktpotential einer solchen Verbindung, begründet

durch die unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründe, wird

thematisiert. Abschliessend werden einige Aspekte der Auswirkungen von

Bezness diskutiert.

Vorwort

Bezness

Nachdem ich selber längere Zeit in Hurghada gewohnt habe, stellte ich fest, dass

es immer wieder Touristinnen gibt, die sich während des Urlaubs in Hurghada in

Beznesser verlieben. Meist beginnt es mit einem harmlosen Gespräch – und

endet damit, dass der Beznesser nach kurzer Zeit von Liebe, Heirat und einer

gemeinsamen Zukunft spricht. Nachdem die Touristin wieder heimgereist ist,

bleiben sie in Kontakt – er verbringt seine Zeit aber während sie weg ist bereits

mit anderen Frauen. Kurze Zeit später reist die Touristin wieder nach Hurghada,

um ihren „Habibi“ zu besuchen. Oder sie entschliesst sich, ihn zu heiraten, damit

er mit ihr in ihrem Heimatland leben kann.

Einige Ägypter betreiben dieses „business“ professionell, manipulieren, spielen

Gefühle vor und bandeln mit mehreren Frauen gleichzeitig an, um mit Sex, Geld

und wenn möglich durch eine Heirat ihre Lebensumstände zu verbessern.

Die Frauen aber gehen von der grossen Liebe aus, geben ihre Existenz im

Heimatland auf, um nach Hurghada zu gehen oder unterstützen ihre „Habibis“

beim Aufbau einer vermeintlich gemeinsamen Zukunft in ihrem Heimatland.

Definition

Nicht jede Beziehung zwischen einem Ägypter und einer Europäerin ist Bezness.

Ich definiere „Bezness“ im Folgenden für meine Arbeit als Verbindung, bei der

die Touristin von einer Beziehung nach „westlichen“ Vorstellungen ausgeht,

während dem Ägypter die Verbindung als Lebensunterhalt und zum Vergnügen

dient. Eine Verbindung im Sinne von Bezness und eine binationale Beziehung

dürfen im Folgenden NICHT gleichgestellt werden.

Beweggrund und Motivation

Wenn es um das Thema Bezness geht, tauchen immer die gleichen

Bemerkungen auf: „die Touristinnen sind selber Schuld, wie kann man nur so

blöd sein“ und „Ägypter in Hurghada wollen sowieso nur Sex, Geld oder die

Möglichkeit, nach Europa zu reisen“. Mit meiner Arbeit will ich im Folgenden

aufzeigen, dass Motive und Ziele beider Seiten sehr vielschichtig sind.

Die Gründe der Frauen, sich auf eine solche Verbindung einzulassen, sind oft

vielseitig, Dummheit kann aber meiner Meinung nach nicht dazu gezählt werden.

Höchstens Unwissen über die andere Kultur und das Problem, dass sie das

Verhalten der Beznesser mit ihren eigenen Werten und Hintergründen

einschätzen, seinen Worten glauben schenken und ihn deshalb ausgehend von

der Überzeugung an eine gemeinsame Zukunft finanziell unterstützen.

Gleichzeitig soll auch die Situation der Männer näher beleuchtet werden. Nach

unseren moralischen Wertvorstellungen ist es verwerflich, was Beznesser

machen. Kennt man aber die ägyptischen Vorstellungen einer Beziehung und die

wirtschaftliche Lage, fällt die Beurteilung vielleicht etwas differenzierter aus.

Wichtig ist mir hier nochmals zu erwähnen, dass es nicht darum geht, die eine

oder andere Seite zu verurteilen, sondern nur darum, Hintergründe aufzuzeigen.

Weiter geht es in meiner Arbeit weder um binationale Paare noch um weiblichen

Sextourismus, sondern um Bezness. Ägypter allgemein werden nicht

angesprochen, sondern nur ägyptische Beznesser.

Insgesamt war der Hauptbeweggrund für die Wahl des Themas aber, über

Bezness zu informieren. Immer noch wissen wenige Leute, was Bezness

überhaupt ist. Bezness wird sich dabei in Zukunft auch durch diese Arbeit nicht

vermeiden lassen. Ziel ist es aber, Bewusstsein für die gewaltigen Unterschiede

in kultureller, wirtschaftlicher, religiöser und sozialer Hinsicht, das

Konfliktpotential und die Auswirkungen einer solchen Verbindung zu schaffen.